Karpatenvorland: ukrainische Rechtsextreme bedrohen die ungarische Minderheit

Bildquelle: Facebook

Am Sonntag, dem 13. März 2016 fand ein Aufmarsch von ukrai­ni­schen Rechtsextremen in den Straßen von Ungvár (ukr. Uschgorod/​Ужгород) statt. Ungvár ist die Hauptstadt der Region Transkarpatien im Westen der Ukraine. Die Demonstranten rie­fen dabei anti-unga­ri­schen Parolen, was zu schar­fen Reaktionen von Seiten unga­ri­scher Politiker führte.

Anlass der Demonstration, an der rund 300 Menschen teil­nah­men, war das Gedenken an den unab­hän­gi­gen Staat Karpato-Ukraine, der von Awgustyn Woloschyn am 14. März 1939 aus­ge­ru­fen wor­den war, jedoch schon kurz dar­auf, in der Nacht vom 15. auf den 16. März, infolge des Einmarsches unga­ri­scher Truppen wie­der auf­ge­löst wurde.

Zu den Demonstranten zähl­ten vor allem Angehörige der Gruppe „Karpaten-Sitsch“ (siehe Beitragsbild), des „Rechten Sektors“ sowie der para­mi­li­tä­risch orga­ni­sier­ten Regimenter „Asow“ und „Aidar“, die vom Oligarchen Igor Kolomoiski finan­ziert wer­den und im Donbass gegen die rus­si­schen Separatisten kämp­fen. Sie rie­fen Parolen wie „Die Ungarn ans Messer!“ – gemeint damit war jene Minderheit von 7% Ungarn, die heute noch in Ungvár lebt bzw. die ca. 150.000 Ungarn (12,1% der Gesamtbevölkerung) in der Region Transkarpatien bzw., nach unga­ri­scher Diktion, im Karpatenvorland (ung. Kárpátalja).

Die Europarlamentarierin Andrea Bocskor von der unga­ri­schen Regierungskoalition Fidesz-KDNP reagierte auf die­sen pro­vo­kan­ten Aufmarsch mit einer an die ukrai­ni­schen Behörden gerich­te­ten Aufforderung, gegen die Akteure wegen Verhetzung und Aufruf zum Mord scharf durch­zu­grei­fen. Sie fügte hinzu, dass der­ar­tige extre­mis­ti­sche Vorfälle das Urteil der Europäischen Union über die Ukraine nega­tiv beein­flus­sen und den Prozess der Demokratisierung des Landes behin­dern wür­den.

Der unga­ri­sche Parlamentarier und stell­ver­tre­tende Vorsitzende der Jobbik István Szávay erklärte, dass es beschä­mend sei, wenn die Ukraine, die sich der Europäischen Union anschlie­ßen möchte, der­ar­tige Vorfälle zulässt, ohne dass es für die Akteure, wel­che die loka­len Minderheiten bedro­hen, Konsequenzen gibt. Er und die Jobbik erwar­ten sich von der unga­ri­schen Diplomatie nach­drück­li­chere Demarchen gegen­über der ukrai­ni­schen Regierung, um die unga­ri­sche Minderheit in der Ukraine zu unter­stüt­zen und zu schüt­zen.

Transkarpatien bzw. das Karpatenvorland war von 895‑1920 ein Teil des unga­ri­schen Königreichs, bis der Vertrag von Trianon die Region an die neu­ge­grün­dete Tschechoslowakei abtrat. Die Region hatte damals eine stark hete­ro­gene Bevölkerung von 56% Ruthenen (Russinen/​Русины), 30% Ungarn und 10% Deutschen. Im Jahr 1939 wurde die Region von Ungarn besetzt und annek­tiert. Im Jahr 1945 wurde sie ein Teil der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die ihrer­seits ein Teil der UdSSR war. Nach dem Fall des kom­mu­nis­ti­schen Regimes stimmte die Region im Jahr 1991 für die Autonomie, wel­che aber von den ukrai­ni­schen Behörden bis dato nicht gewährt wurde.

Quelle: visegrad​post​.com/​e​n​/​2​0​1​6​/​0​3​/​1​8​/​u​k​r​a​i​n​i​a​n​-​n​a​t​i​o​n​a​l​i​s​t​s​-​t​h​r​e​a​t​e​n​e​d​-​t​h​e​-​h​u​n​g​a​r​i​a​n​-​m​i​n​o​rity/

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