Stirbt die Wojwodina aus?

Von János Fehér (Serbian Media Watch)

Nach Angaben des Arbeitsamtes in Neusatz (ung. Újvidék, serb. Novi Sad) besteht in der Wojwodina im Vergleich zu ganz Serbien der größte Mangel an Gynäkologen, Strahlentherapiespezialisten, Ophthalmologen, Neurologen und Anästhesisten, weil die dor­ti­gen Fachärzte en masse ins Ausland abwan­dern.

In den Krankenhäusern arbei­t­ende junge Ärzte hinge­gen kön­nen nicht für eine Spezialisierung zuge­lassen wer­den, da dies nach dem Gesetz nur möglich ist, wenn sie zwei Jahre lang in einer bes­timmten medi­zinis­chen Einrichtung gear­beitet haben. Im Gegensatz zum restlichen Serbien, wo auf 100 000 Einwohner 289 Ärzte kom­men, ver­fügt die Wojwodina nur über 57 Ärzte pro 100 000 Einwohner. Dies bedeutet, dass ein Arzt im Durchschnitt 1750 Patienten zu betreuen hat, sodass eine wirk­same Behandlung unter diesen Bedingungen kaum denkbar ist.

Ein prak­tis­cher Arzt ver­di­ent in Serbien etwa 50 000 Dinar (ca. 400 Euro) im Monat, was ver­glichen mit den Löhnen in bes­timmten anderen Berufen lächer­lich ger­ing ist, ganz zu schweigen von den Löhnen im öffentlichen Sektor oder von Gehältern, wie sie im Ausland gezahlt wer­den. „Das beliebteste Ziel für junge Ärzte ist Deutschland, wo es im Gesundheitswesen rund 120 000 Stellenangebote gibt“, erk­lärt Dr. Dunja Civrić, der Vorsitzende der Gewerkschaft für Beschäftigte der Gesundheits- und Sozialdienste in der Wojwodina. Die in Deutschland üblichen Gehälter in Höhe von Tausenden Euros für fach­lich qual­i­fizierte Ärzte üben ver­ständlicher­weise auf junge Fachkräfte aus der Wojwodina, die sich eine Karrierechance in Deutschland erhof­fen, eine magis­che Anziehungskraft an.

Der dadurch verur­sachte Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen daheim hat einen Anstieg der Sterblichkeitsrate zur Folge und kann in let­zter Konsequenz (zusam­men mit der hohen Auswanderungsrate) zum Aussterben der ganzen Region führen. Mag man das nun als pes­simistisch oder ein­fach nur als real­is­tisch beze­ich­nen…

Quelle: delhir.info/delvidek/helyben-rolunk/52808–2016-03–28-12–58-43

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