Vor 75 Jahren kehrte die Wojwodina zu Ungarn zurück

Ungarn in den Grenzen von 1941; unten (grau) die Wojwodina (Bildquelle: crowland.uw.hu)

Nach dem für die öster­rei­chisch-unga­ri­sche Monarchie ver­lo­re­nen Ersten Weltkrieg wurde Ungarn durch den am 4. Juni 1920 unter­zeich­nen­den Vertrag von Trianon gezwun­gen, den Verlust von zwei Dritteln des Territoriums des his­to­ri­schen Königreichs Ungarns und von einem Drittel der unga­ri­schen Gesamtbevölkerung an die Nachbar- und Nachfolgestaaten völ­ker­recht­lich anzu­er­ken­nen. Dazu gehör­ten die Südgebiete Ungarns (ung. Délvidék) und hier vor allem die Wojwodina (ung. Vajdaság), der Landesteil nörd­lich der Savemündung in die Donau.

Die Revision des Vertrags von Trianon und die Rückgewinnung der ver­lo­re­nen Gebiete waren in der Folge das Hauptziel der unga­ri­schen Außenpolitik der Zwischenkriegszeit. Die unga­ri­sche Regierung suchte zu die­sem Zweck die Unterstützung des faschis­ti­schen Italiens und des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutschlands.

Am 2. November 1938 wurde durch den sog. Ersten Wiener Schiedsspruch der süd­li­chen Teil der Slowakei mit sei­ner mehr­heit­lich unga­ri­schen Bevölkerung an Ungarn zurück­ge­ge­ben. Nach der Auflösung des tsche­cho­slo­wa­ki­schen Staates annek­tierte die unga­ri­sche Armee im März 1939 das Karpatenvorland. Und durch den sog. Zweiten Wiener Schiedsspruch erhielt Ungarn Nordsiebenbürgen von Rumänien zurück.

Diese diplo­ma­ti­schen Erfolge hat­ten indes einen gro­ßen Preis: die Regierung Pál Teleki ver­suchte nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ver­ge­bens, eine neu­trale Politik zu füh­ren; statt­des­sen wurde die Beziehung zum Dritten Reich immer enger, des­sen anti-jüdi­schen Rassegesetze wur­den über­nom­men und Ungarn schloss sich den Achsenmächten an.

Teleki ver­suchte noch einen Balanceakt in der Außenpolitik, indem er die unga­ri­schen Beziehungen zu Jugoslawien zu ver­bes­sern trach­tete. Es ist inter­es­sant, dass Hitler diese Initiative schwei­gend dul­dete, wohl aus der Annahme her­aus, dass auf diese Weise die Stabilität des Balkans erhal­ten blei­ben würde.

Am 12. Dezember 1940 wurde der „Vertrag der ewi­gen Freundschaft“ zwi­schen Ungarn und Jugoslawien unter­schrie­ben und am 24. März 1941 erklärte der Balkanstaat sei­nen Beitritt zu den Achsenmächten. Doch bereits drei Tage spä­ter fand ein Putsch gegen die deutsch­freund­li­che Regierung in Belgrad statt. Da Hitler seine Pläne dadurch gefähr­det sah, ent­schloss er sich zu einem Angriff gegen Jugoslawien, der sog. „Balkanfeldzug“. Der Führer ver­langte von Ungarn nicht nur das Recht, dass die deut­sche Wehrmacht durch Ungarn durch­mar­schie­ren dürfe, son­dern auch die aktive Unterstützung durch die unga­ri­sche Armee. Im Gegenzug für diese Konzessionen erhielt Ungarn die Wojwodina von Serbien zurück.

Teleki war gegen den Angriff auf Jugoslawien, da die­ser Krieg mit Großbritannien bedeu­tete. Am 28. März 1941 ent­schie­den Horthy, Teleki und das unga­ri­sche Oberkommando des Heeres den­noch, dass sie Hitler unter­stüt­zen wür­den, da der jugo­sla­wi­sche Staat sich im Zustand der Auflösung befand und die Lage der Ungarn in der Wojwodina dadurch gefähr­det wurde. Die Verantwortung für die­sen Schritt las­tete schwer auf Telekis Schultern: er beging Selbstmord. Doch die dritte unga­ri­sche könig­li­che Armee mar­schierte am 11. April über die Trianon-Grenze in die Wojwodina. Es dau­erte nur vier Tage, bis die Soldaten die Donaulinie erreich­ten; ihre Verluste betru­gen 467 Mann.

Auf diese Weise waren alle Revisionsziele Ungarns erreicht, 11.417 m² mit einer Bevölkerung von 1,025.508 Menschen (davon 36,6 % Ungarn) kamen zu Ungarn zurück. Ungarn war somit wie­der zwei­mal grö­ßer als in den Grenzen von Trianon, die Bevölkerung um 4 Millionen grö­ßer als zuvor. Es leb­ten wie­der so gut wie alle Ungarn im Pannonischen Becken wie­der inner­halb der Grenzen des unga­ri­schen Staates.

Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg stellte der Pariser Vertrag vom 10. Februar 1947 die unga­ri­schen Grenzen vor 1938 wie­der her und hob die bei­den Wiener Schiedssprüche auf; die Tschechoslowakei erhielt zudem drei unga­ri­sche* Dörfer am rech­ten Donauufer süd­lich von Pressburg.

Quelle: alfa​hir​.hu/​7​5​_​e​v​e​_​c​s​a​t​o​l​t​a​k​_​v​i​s​s​z​a​_​d​e​l​v​i​deket

*) Ein aus Deutsch-Westungarn stam­men­der Leser wies uns dar­auf hin, dass es sich – nicht eta­tis­tisch, son­dern eth­nisch gese­hen – um drei nicht­mad­ja­ri­sche Dörfer han­delt, näm­lich Karlburg (deutsch) [ung. Oroszvár, slo­wak. Rusovce, kroat. Rosvar], Sarndorf (kroa­tisch) [kroat. Čunovo, ung. (Duna-)Csún, slo­wak. Čunovo] sowie Kroatisch-Jahrndorf (eben­falls kroa­tisch) [kroat. Hrvatski Jandrof, ung. Horvátjárfalu, slo­wak. Jarovce]. Wir dan­ken für den Hinweis!

Print Friendly

Für unse­ren täg­li­chen Info-Brief kön­nen Sie sich hier anmel­den.

Wenn Sie unsere Mission mit einer Spende unter­stüt­zen wol­len, kön­nen Sie dies gerne per PayPal oder auch in kon­ven­tio­nel­ler Form, per Bankzahlschein machen. 


IBAN: HU48135555551355201000014057, BIC: KODBHUHB, „Unser Mitteleuropa“ 

Wir sind für jeg­li­che Hilfe sehr dank­bar!