Polen: Verbot von topographischen Bezeichnungen mit kommunistischem Bezug

Straßenschild: "Straße der Volksarmee" (Fotoquelle: visegradpost.com)

Von Ferenc Almassy

Ein Gesetz, das Anfang April einstimmig im polnischen Sejm (Parlament) beschlossen wurde, schreibt vor, dass sämtliche topographischen Bezeichnungen, speziell Orts- und Straßennamen, die mit der kommunistischen Ära in Verbindung stehen oder an sie erinnern, innerhalb eines Jahres geändert werden müssen.

Ferner ist es in Hinkunft nicht mehr zulässig, dass neu gebaute Straßen, Brücken oder Plätze nach Personen, Organisationen oder Ereignissen benannt werden, die sich auf das totalitäre Regime der kommunistischen Ära beziehen. Denkmäler und Gedenktafeln sind hingegen von dieser gesetzlichen Regelung ausgenommen.

Die lokalen Behörden müssen in Frage kommende topographischen Bezeichnungen dem polnischen Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) zur Prüfung vorlegen und diese gegebenfalls innerhalb von zwölf Monaten nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes ändern.

Ausweisdokumente, in denen die alten Orts- und Straßennamen verwendet werden, müssen hingegen nicht geändert werden.

Das Gesetz muss noch vom polnischen Senat (Oberhaus) und vom polnischen Staatpräsidenten genehmigt werden. Da der Gesetzesentwurf vom Oberhaus selber ausgearbeitet wurde, ist die Annahme dort gesichert. Das Gesetz wird drei Monate nach Durchlaufen der vorgesehenen Gesetzgebungsinstanzen in Kraft treten.

Dem Bericht zum Gesetzesentwurf spricht von etwa 1200-1400 topographischen Bezeichnungen in Polen, die von der gesetzlichen Neuregelung betroffen wären. Diese Schätzung beruht auf einer Erhebung bei den lokalen Behörden. Die Zahl könnte sich jedoch noch erhöhen, da nicht alle Gemeinden erschöpfende Antwort auf die Umfrage erteilt haben.

Quelle: http://visegradpost.com/en/2016/04/13/a-step-forward-in-the-de-communisation-process/

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A step forward in the de-communisation process
by Ferenc Almassy

Poland, Warsaw – Poland must change the names of the public spaces within a year, which bind to, or are related to the communist era – the bill has been voted on Friday, April 1, and unanimously adopted by the Polish parliament’s lower house.

The legislation the mayors will not be able to name the newly constructed streets, bridges and squares after persons, organizations, events, names or dates referring the communist era’s totalitarian regime. Although, the law does not apply for monuments and plaques.

Regarding the existing public places, the authorities will have to submitted them to the Polish Institute of National Remembrance (IPN), and adjust them within twelve months after the coming into force of the new regulation.

Due to the changed names of streets and squares, however, identification documents will need not be replaced, according to the law.

The law is still waiting to be approved by the Senate and the Polish head of state. The upper house vote is not an expected obstacle, as the bill had been worked out there. It enters into force three months after the approval of the legislation.

According to the rapporteurs of the law, about 1.200-1.400 places in Poland are concerned. This estimation is based on a survey of local governments. But this number might be doubled, as not all municipalities have given an exhaustive answer to the survey.
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