Viktor Orbán auf Besuch in der Wojwodina: „Kollektivschuld“ kein Thema?

Aleksandar Vučić und Viktor orbán (Fotoquelle: inserbia.info)

Nach der vor kur­zem erfolg­ten Visite des unga­ri­schen Außenministers Péter Szijjártó stat­tete nun­mehr auch der unga­ri­schen Ministerpräsident Viktor Orbán der Wojwodina einen Besuch ab, also jener auto­no­men Provinz in der Republik Serbien, in der neben ande­ren aner­kann­ten auto­chtho­nen Minderheiten auch eine starke unga­ri­sche Volksgruppe lebt.

Der unga­ri­sche Ministerpräsident wollte sich in Anbetracht der nahen­den ser­bi­schen Wahlen neben der loka­len Ungarischen Partei, dem Ungarischen Verein in der Wojwodina und … neben der Serbischen Progressiven Partei posi­tio­nie­ren. Der Chef der Progressiven Serben ist nie­mand gerin­ge­rer als der gegen­wär­tige ser­bi­sche Ministerpräsident Aleksandar Vučić. Diese Partei ist aus der Serbischen Radikalen Partei her­vor­ge­gan­gen, wel­che durch ihre öffent­lich vor­ge­tra­gene chau­vi­nis­ti­sche, frem­den­feind­li­che und gegen die auto­chtho­nen Minderheiten gerich­tete Politik auf­fiel.

Hinter der nun­mehr gezeig­ten Verbrüderung zwi­schen Orbán und Vučić steht natür­lich der Wunsch, dass der unga­ri­sche Ministerpräsident in Mitteleuropa wei­tere Verbündete gegen die Brüsseler Migrantenpolitik, nota bene gegen die EU-Quoten, sam­meln möchte. Der Zusammenschluss der mit­tel­eu­ro­päi­schen Völker scheint auf ers­ten Blick ein sehr gutes poli­ti­sches Ziel zu sein, doch Orbán opfert wegen die­ses Zieles lei­der auch die Interessen der loka­len unga­ri­schen Minderheit.

Es gibt daher in Ungarn auch viele kri­ti­sche Stimmen. So äußerte sich der Jobbik-Abgeordnete István Szávay wie folgt: Die Jobbik fin­det es unver­tret­bar, dass die unga­ri­sche Regierung sich nun­mehr bereits auf höchs­ter Ebene öffent­lich in die ser­bi­sche Innenpolitik ein­mischt. Noch dazu, wenn die unga­ri­sche Regierung dabei eine ungarn­feind­li­che, ser­bisch-natio­na­lis­ti­sche Partei unter­stützt. Während des Treffens der bei­den Ministerpräsidenten sei erneut über zahl­rei­che Probleme der unga­ri­schen Minderheit nicht gespro­chen wor­den, obwohl diese Fragen sowohl für die Minderheit wie auch für die unga­ri­sche Nation als Gesamtes wich­tig seien. Den Presseberichten zufolge seien zwi­schen Orbán und Vučić weder die Frage des Zustandebringens der unga­ri­schen Autonomie noch jene der Erweiterung des Wirkungskreises des Ungarischen Nationalrates bespro­chen wor­den; auch die totale Aufhebung der „Kollektivschuld“ der unga­ri­schen Minderheit sei kein Thema gewe­sen.

Die Jobbik betont seit lan­gem, dass Ungarn nur dann die euroat­lan­ti­sche Integration von Serbien voll unter­stüt­zen könne, wenn die ser­bi­sche Regierung für das dort leben­dige Ungarntum den brei­test­mög­li­chen Umfang an Minderheitenrechten garan­tiert.

Quelle: www.delhir.info/delvidek/magyarsag-koezelet/53412–2016-04–13-19–06-20

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