Die "Balkan-Route" ist dicht – oder doch nicht?

Ungebetene Gäste in Ásotthalom (Bildquelle: facebook.com/custodela)

Aus dem Tagebuch von László Toroczkai, dem Bürgermeister der Gemeinde Ásotthalom an der ungarisch-serbischen Grenze:

2016.04.24
Die Zahl der illegalen Migranten an unserer Grenze wächst von Tag zu Tag. Denn entgegen aller medialen Berichterstattung ist die Balkan-Route noch immer offen. Die hier gezeigten Fotos wurden erst vor kurzem aufgenommen. Von unseren „Feldwachen“ (ung. Mezőőr, d.h. lokale private Bürgerwehr) hören wir immer häufiger, dass sie von Migranten auf der anderen Seite des Grenzzauns mit Messern bedroht werden und ihnen gesagt wird, man würde ihnen den Kopf abschneiden, wenn man sie „herüben“ erwischt. Wenn aber keine Wache am Grenzzaun zugegen ist, schneiden sie sich sofort ihren Weg durch den Zaun, um nach Ungarn einzudringen. Zum Glück gibt es genügend Leute bei uns für den Grenzschutz, so dass wir die illegalen Eindringlige meist schon nach wenigen Metern gefangennehmen und fesseln können. Das Problem besteht jedoch darin, dass sie zwar mit Hilfe des Grenzzauns nicht unentdeckt nach Ungarn hereinkommen können, dass aber unsere aberwitzingen Gesetze es diesen Leuten ermöglichen, sich nach kurzer Zeit – nach Abnahme ihrer Fingerabdrücke und nach Aussprache eines Aufenthaltsverbots – wieder völlig frei zu bewegen. Die Verantwortung für diesen Irrsinn liegt eindeutig beim Gesetzgeber. Dieses künstlich geschaffene Problem stellt eine echte Gefährdung für die hier lebenden Menschen und für ganz Europa dar und bedürfte dringend einer Abhilfe.

2016.05.10
Viele unserer Leser fragen, wie es derzeit in Ungarn aussieht, ob weiterhin Migranten ins Land kämen und ob diese in Ungarn blieben oder nicht. Es wird auch gefragt, ob die ungarische Regierung ihrer selbsterklärten Aufgabe, das Land zu schützen, gerecht wird oder nicht. Hier unser objektiver Bericht über die aktuelle Lage in Ungarn:

Entlang der ungarisch-serbischen Grenze wird eben durchgehend ein Grenzzaun errichtet, der auch jene Bereiche abdecken soll, wo bisher nur Stacheldrahtverhau verwendet wurde. Dies gilt für fast die Hälfte des 20 km langen Grenzverlaufs zwischen Ungarn und Serbien, der auf die Gemeinde Ásotthalom entfällt. Der Grenzzaun funktioniert an sich sehr gut. Natürlich wäre ein doppelter, noch stärkerer Grenzzaun noch besser, aber auch der jetzt vorhandene Zaun erfüllt seinen zweck, nämlich die Verhinderung eines raschen problemlosen Überschreitens der Grenze wie in der Vergangenheit.

Die Schlepper führen jetzt die Migranten auf der serbischen Seite bis zum Grenzzaun und schneiden für ein Entgelt von 300 Euro ein Loch in den Zaun, vermeiden es aber, gemeinsam mit den Migranten das Staatsgebiet Ungarns zu betreten, da es jetzt viel wahrscheinlicher geworden ist, dass sie auf der ungarischen Seite gefangen genommen werden. Zudem sind die Strafen für Schlepperei (Menschenhandel) heute viel strenger als früher.

Hunderte von Polizisten und Soldaten sind ständig an der Grenze im Einsatz. Es ist erfreulich, dass sie hier sind, denn dadurch ist jetzt alles besser unter Kontrolle als früher, als die Migranten völlig ungehindert über die Grenze marschieren konnten. Doch es gibt immer noch Probleme. Wir würden einen professionellen Grenzschutz benötigen, dessen Angehörige nahe der Grenze wohnen. Die derzeit an der Grenze tätigen Polizeieinheiten sind leider nicht genügend motiviert und würden am liebsten wieder nach Hause gehen (wo sie übrigens genauso dringend benötigt würden); einige dieser Polizisten scheinen im übrigen nichts Besseres zu tun zu haben als die Identität unserer lokalen Bauern zu überprüfen und einige legen sich sogar mit unseren lokalen Feldwachen an. Dennoch sind wir natürlich froh über die Anwesenheit der Polizeieinheiten.

Es gibt hier an der Grenze auch Hundezwinger für die Polizeihunde, die ebenfalls ständig im Einsatz sind. Diese Hunde sind besonders nützlich. Die meisten Polizisten und Soldaten arbeiten gut mit unseren lokalen Feldwachen zusammen und jagen mit ihnen gemeinsam die illegalen Eindringlinge. Dank dieser Bemühungen sind kriminelle Schlepperbanden mittlerweile fast vollständig aus unserer Gegend verschwunden. Im vergangenen Jahr hatten sich regelmäßig Hunderte dieser Gangster an den Tankstellen von Ásotthalom und Röszke versammelt und konnten dort de facto tun, was sie wollten, da keine Polizei anwesend war.

Inzwischen haben wir es geschafft, die Ordnung wieder herzustellen. Das gesamte Gebiet entlang der grünen Grenze steht heute unter besserer Kontrolle, was dem ungarischen Steuerzahler allerdings jede Menge Geld kostet. Es wäre billiger und effektiver, die Grenze mit technischen Hilfsmitteln des 21. Jahrhunderts schützen und illegale Grenzüberschreitungen mit Hilfe von schnell mobilisierbaren Grenzschutzeinheiten zu verhindern.

Natürlich wird Polizeipräsenz hier auch in Zukunft noch benötigt, da Kriminelle aus allen Teilen Ungarns, ja aus allen Teilen der Welt hierherkommen: Die Schlepperei ist nämlich mittlerweile zu einem bedeutenden kriminellen Geschäft geworden.

Hier auf der ungarischen Seite der Grenze ist vorerst Endstation (Bildquelle: facebook.com/custodela)
Hier auf der ungarischen Seite der Grenze ist vorerst Endstation (Bildquelle: facebook.com/custodela)

Die meisten illegalen Migranten werden in Ungarn vor Gericht gestellt. Wenn Migranten legal über eine der zu diesem Zweck vorgesehenen Transitzone nach Ungarn kommen, wird ebenfalls von einem Gericht entscheiden, ob sie in Ungarn aslyberechtigt sind oder nicht. In den meisten Fällen entscheidet das Gericht, dass sie aus Ungarn deportiert, also abgeschoben werden sollen.

Hier beginnt allerdings das eigentliche Problem: Serbien nimmt abzuschiebende Migranten nicht mehr zurück und wir müssen diese Leute daher in andere „offene“ Lager verlegen, wie etwa in das Asyllager von Körmend in der Nähe der ungarisch-österreichischen Grenze. Natürlich ist jedem klar, dass diese Leute früher oder später das „offene“ Lager verlassen und in Richtung Westen, also nach Österreich, abhauen. Ihr Aufenthaltsverbot für Ungarn gilt in der Regel nur für 2-3 Jahre, was bedeutet, dass sie nach einiger Zeit des Aufenthalts im Westen, wenn sie dort irgenwelche Papiere erlangen können, nach Ungarn zurückkehren bzw. rückgeschoben werden können. Das Problem ist also noch lange nicht gelöst.

Es ist im übrigen eine Lüge, wenn behauptet wird, dass die Migranten größtenteils Syrer seien, die sich auf der Flucht vor dem Krieg befinden. Wie man auf den Fotos sehen kann, handelt es sich bei den in Ásotthalom in den letzten paar Tagen aufgegriffenen illegalen Migranten um Staatsangehörige von Pakistan, Sri Lanka, Marokko und Bangladesch. Syrer sind hingegen in der Minderheit. Dasselbe gilt für Frauen und Kinder, denen wir hier kaum je begegnen.

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Quelle: https://www.facebook.com/custodela/posts/540789666108656

 

 

 

 

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24.04.2016
The number of the illegal migrants at the border is growing day by day. Despite of what we hear in the news, the Balkan-route is still not closed. The pictures below were all taken this week. Our field guards more and more often tell us that the migrants – on the other side of fence – are threatening them with knives, telling them that they will cut the guards‘ head off. If there is no guard at the fence, they immediately cut their way through the fence and run inside our country. Now, fortunately, there are plenty of us protecting the border, so after a few metres they are caught and tied up. The problem is that even though with the help of the fence they cannot get into the country unchecked, but because of the insane laws – after their fingerprints being taken and after being banned from our country – they all are free to leave. This is all the responsibility of the law-makers. This problem that threatens our world is still far from being solved.

10.05.2016
Many of you are asking us questions about the migrants, you want to see what the situation is right now in Hungary, you want to know if the migrants are still coming and if the migrants are staying in Hungary or not. Is the Hungarian government really doing a good job or not? So, here comes our objective report on the situation in Hungary:

On the Hungarian-Serbian border the fence is now being built, covering those areas where we used to have the barbwires only. This area means almost half of the 20 km long borderline Ásotthalom has with Serbia. The fence is functioning. Of course, a double, stronger fence would be better, but at least this is making the process of getting through the border slower.

The smugglers now guide the migrants on the Serbian side up to the fence, for 300 euros they cut the fence open for them, but they do not enter the territory of Hungary with the migrants, because now it is much more likely that they will end up being caught on the Hungarian side and the punishment for human trafficking is a lot more serious than it used to be.

Hundreds of policemen and soldiers are continuously present at the borderline. It is really good that they are here, the whole situation is more controlled now, the migrants cannot wander around the area freely, but there still are problems. We would need professional border-guards who are living close to the border. The riot policemen are not motivated enough, they can hardly wait to go back home (and the job they do is needed where they live, too), and some of them cannot find anything better to do than to check the identity of our local farmers, and some are even harassing our local field guards. Of course, we are happy to have them.

They even made dog kennels here on the border for the police dogs that are also continuously present here and the dogs are specially useful. Lot of policemen and soldiers are cooperating well with our local field guards, they are chasing the intruders together. Thanks to their efforts the criminal gangs have – almost completely – vanished from our area (last year on the petrol stations of Ásotthalom and Röszke hundreds of gangsters were gathering and they could do whatever they wanted to, there were no police present, it was like being in a Mad Max movie).

By now we have managed to re-establish order, the whole territory of the green border has become more controlled, but it costs a lot of money of the Hungarian tax-payers. It would be cheaper and more effective to protect the border with the technological devices of the XXI. century and to capture the migrants with the help of fast responding, easily mobilized border-guard units.

Of course, we will need the presence of the police for a long time because of the criminals who are arriving here from all parts of Hungary and from all parts of the world (human trafficking has become the biggest criminal business).

Most of the migrants are brought to a trial at the court, or if they arrive legally, through a tranzit-zone, then the court will decide if they are entitled to aslyum or not. Most of them are being expelled from Hungary.

But here is where the real problem starts: Serbia does not allow them back to Serbian territory, so they will be transported to open camps (like the one in Körmend), and sooner or later they leave the camp and continue their journey to Western-Europe. But their expulsion from Hungary is usually valid for 2-3 years only, and if in the meantime in the western countries they manage to get some papers, they can come back here from the West too. So the problem is still far from being solved and it is also a lie that the migrants are Syrians, running away from the war.

As you can see on the photos below, these migrants who have been caught in Ásotthalom in the past couple of days are from Pakistan, Sri Lanka, Morocco, Bangladesh.

Syrians are in the minority, just like women and children whom we barely ever meet.
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