Verrat von Rumänien – Vor 100 Jahren begann der Angriff

Bild: alfahir.hu

Feldmarschall Paul von Hindenburg brachte es auf den Punkt: „Das Verhängnis brach über Rumänien her­ein, weil seine Armee nicht zügig mar­schierte, weil seine Führung nichts ver­stand. Tollkühn wird man uns viel­leicht ein­mal nen­nen, wenn man die Stärkeverhältnisse ver­glei­chen wird, unter denen wir gegen das rumä­ni­sche Heer zum Angriff schrit­ten.“

Rumänien hatte nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst eine neu­trale Position bezo­gen. Doch nach dem Tod des deutsch­stäm­mi­gen Königs Karl I. im Oktober 1914 nahm die Regierung, häu­fig bezahlt von rus­si­schen Agenten, eine immer feind­se­li­gere Haltung gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn an.

Siebenbürgen als Belohnung in Aussicht gestellt

Die Entente-Mächte stell­ten dafür eine Angliederung des unga­ri­schen Siebenbürgen als Belohnung in Aussicht. „Die meis­ten Zeitungen waren fest in rus­si­schen Händen, zahl­rei­che im poli­ti­schen Leben maß­ge­bende Persönlichkeiten waren durch rus­si­sche Interessen gebun­den“, resü­mierte der öster­rei­chi­sche Botschafter Graf Ottokar von Czernin.

Man war­tete in Bukarest nur noch auf die pas­sende Gelegenheit. Die ergab sich im Spätsommer 1916, als der deut­sche Angriff bei Verdun zu ver­blu­ten drohte und Österreich durch die rus­si­sche Brussilow-Offensive erheb­lich geschwächt wurde.

„100.000 Rumänen gegen null Deutsche“

Die Kriegserklärung erfolgte am 27. August 1916. Rumäniens Ministerpräsident Ion Bratianu ver­kün­dete prah­le­risch, es stün­den „100.000 Rumänen gegen null Deutsche“. Der Kampf könne nur sieg­reich enden. Tatsächlich besetz­ten rumä­ni­sche Truppen mit ihrer Kriegsstärke von 564.000 Mann und 1.300 (aller­dings meist ver­al­te­ten) Geschützen schnell die kaum ver­tei­digte Siebenbürger Metropole Kronstadt (Braşov).

Doch schon eine Woche spä­ter kam es zum Umschwung. Eine deutsch-öster­rei­chi­sche Armee unter Führung des Generals Erich von Falkenhayn griff bei Hermannstadt (Sibiu) im Norden an. Am süd­li­chen Flügel befeh­ligte Feldmarschall August von Mackensen eine deutsch-bul­ga­ri­sche Armee – Bulgarien war seit Oktober 1915 Verbündeter der Mittelmächte.

Schnell geriet Rumäniens Armee in die Defensive

Der alte Husar Mackensen hatte sich schon mehr­fach an der Ostfront aus­ge­zeich­net, so wäh­rend der legen­dä­ren Schlacht bei Tannenberg im August 1914. Jetzt bewies er wie­der sei­nen Offensivgeist und nahm bereits am 6. September die mäch­tige Festung Tutrakan am Donau-Ufer ein; 21.000 Rumänen gin­gen hier in die Gefangenschaft.

„Während die Rumänen in Ungarn ein­dran­gen, ergriff Mackensen schnell und über­ra­schend die Initiative zwi­schen Donau und Schwarzem Meer, in der Dobrudscha. Er trieb die zögern­den bul­ga­ri­schen Kommandeure ener­gisch zum Angriff an“, schreibt Theo Schwarzmüller in sei­ner Mackensen-Biographie. Der General über­nahm danach den Gesamtbefehl an der Rumänienfront.

Horrende Verluste durch baye­ri­sche Gebirgstruppen

Mit zunächst 70.000 Mann schlu­gen die Deutschen den Gegner (142.000 Rumänen und 40.000 Russen) in der Schlacht von Kronstadt am 7./8. Oktober. Beim Rückzug über die ver­schnei­ten Berge der Karpaten erlit­ten die Rumänen hor­rende Verluste, weil ihnen baye­ri­sche Gebirgstruppen dicht auf den Fersen folg­ten.

Am 23. November setzte dann Mackensen vom bul­ga­ri­schen Donau-Ufer bei Svishtov über den Fluß. Die Rumänen zogen sich danach über den 24 Kilometer lan­gen Szurduk-Paß zurück und wur­den bei Târgu Jiu schwer geschla­gen.

Schlacht um die Hauptstadt Bukarest

Ende November grup­pierte der Oberkommandierende General Alexandru Averescu seine Streitmacht nahe der Hauptstadt Bukarest, um hier auf der inne­ren Linie eine Entscheidungsschlacht zu schla­gen. In die­sen Tagen griff zum ers­ten Mal auf dem Balkan auch ein deut­sches Luftschiff (Z 181) in den Kampf ein und bom­bar­dierte die Außenforts von Bukarest. Durch meh­rere geschickte Manöver pack­ten Mackensens Truppen den Feind in Flanke und Rücken, wor­auf die Rumänen sich flucht­ar­tig aus der Stadt zurück­zo­gen, um nicht ein­ge­kes­selt zu wer­den.

Am 6. Dezember 1916, sei­nem 67. Geburtstag, mar­schierte Mackensen an der Spitze sei­ner Armee in die Hauptstadt Bukarest ein. Laut sei­ner Schilderung: „Nur von drei Offizieren beglei­tet, mei­nen Truppen zehn Kilometer vor­aus, als Erster in dem vom Feinde kaum geräum­ten Mittelpunkt des Landes!“

Das Unheil bricht über die Rumänen her­ein

In der Schlacht am Argeş, einem lin­ken Nebenfluß der Donau, brach dann Anfang Dezember 1916 das Unheil über die Rumänen her­ein. „Fahrzeuge und Geschütze galop­pie­ren, die Infanterie eilt in wil­dem Lauf“, erin­nerte sich ein deut­scher Mitkämpfer, Hauptmann Walter Vogel.

„In wüs­tem Wirrwarr pres­sen sich in den Dorfgassen zer­schos­sene Fahrzeuge, Geschütze und tote Pferde über gefal­le­nen Rumänen zusam­men. Unterdessen häm­mert die baye­ri­sche Artillerie in die zurück­flu­ten­den Massen. (…) Schaurig sieht das Schlachtfeld aus.“ Schließlich kapi­tu­lier­ten mehr als 60.000 rumä­ni­sche Soldaten.

Mackensens Feldzug endete nach vier Monaten sieg­reich

Jetzt lag die gesamte Walachei nahezu unver­tei­digt vor den Soldaten der Mittelmächte, die auch die stra­te­gisch wich­tige Stadt Braila mit ihrem Getreidehafen am Donaudelta erober­ten. König und Regierung Rumäniens flo­hen nach Jassy an der Moldau, dem kläg­li­chen Rest ihres Territoriums im Nordosten. Von ihren 24 Divisionen waren noch ganze sechs übrig­ge­blie­ben, und das Land schied de facto aus dem Krieg aus.

Weiterlesen: https://​jun​ge​frei​heit​.de/​w​i​s​s​e​n​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​/​2​0​1​6​/​e​i​n​-​r​a​s​c​h​e​r​-​s​i​e​g​-​m​i​t​-​n​u​l​l​-​s​o​l​d​aten/

Print Friendly

Für unse­ren täg­li­chen Info-Brief kön­nen Sie sich hier anmel­den.

Wenn Sie unsere Mission mit einer Spende unter­stüt­zen wol­len, kön­nen Sie dies gerne per PayPal oder auch in kon­ven­tio­nel­ler Form, per Bankzahlschein machen. 


IBAN: HU48135555551355201000014057, BIC: KODBHUHB, „Unser Mitteleuropa“ 

Wir sind für jeg­li­che Hilfe sehr dank­bar!