333ster Jahrestag der Schlacht von Wien: Die Türkenkriege aus ungarischer Sicht

Die zweite Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1683. Ausschnitt. Zeitgenössisches Gemälde des südniederländischen Hofmalers Frans Geffels (fl. 1635–1671) - Fotoquelle: Wikimedia, gemeinfrei/public domain

Auf einer vom geis­teswis­senschaftlichen Forschungszentrum der ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Pécs (Fünfkirchen) organ­isierten Tagung wid­me­ten sich die Historiker auch den his­torischen Bezügen zur aktuellen poli­tis­chen Lage.

Professor Pál Fodor (Foto: Thomas Soki / MTI)
Professor Pál Fodor (Foto: Thomas Soki / MTI)

„Es ist in gewisser Weise wie im 16. Jahrhundert“, sagt der Osmanologe Pál Fodor. „Wie damals drän­gen die Muslime nach Europa, woll­ten damals und wollen heute mehr Macht und Einfluss – und die Europäer sind heute, wie damals, in ihrer Reaktion darauf zer­strit­ten und rat­los.“

Speziell in Ungarn rufe die Flüchtlingskrise die kollek­tive Erinnerung an die Türkenkriege ins Bewusstsein, sagt Fodor, als Leiter des Akademie-Instituts einer der Gastgeber. „Die ungarische Identität stützt sich unter anderem auf die Überzeugung, dass wir in jener Zeit die Verteidiger Europas waren und dass Europa uns in dieser Lage immer im Stich gelassen hat. Das ist eine Art ver­let­ztes, belei­digtes Erinnern. Und in der heuti­gen Flüchtlingskrise sehen die Ungarn etwas ganz Ähnliches. Dass sie erneut Europa gegen eine Invasion aus der Richtung der Türkei vertei­di­gen und dass ein undankbares Europa ihnen erneut den Rücken zukehrt.“

Die Verbindungen zur Gegenwart liegen für Fodor auf der Hand: „Ohne die Osmanen kein Habsburgerreich, zumin­d­est nicht in der Gestalt, die es wegen der Türkenkriege annahm. Und ohne die Flüchtlingskrise gäbe es wohl nicht das heute sehr aus­geprägte Bündnis der Visegrád-Staaten Ungarn, Polen, Slowakei und Tschechien.“

Quelle: www.kormany.hu/hu/emberi-eroforrasok-miniszteriuma/parlamenti-allamtitkarsag/hirek/negynapos-nemzetkozi-tortenesz-konferencia-kezdodott-pecsett, Übersetzung: http://www.welt.de/geschichte/article158028248/Wie-damals-draengen-die-Muslime-nach-Europa.html

Literatur: Géza Dávid & Pál Fodor (Hrsg.): Hungarian-Ottoman Military and Diplomatic Relations in the Age of Süleyman the Magnificent. Budapest, 1994. – Dies. (Hrsg.): Ottomans, Hungarians, and Habsburgs in Central Europe: The Military Confines in the Era of Ottoman Conquest. Leiden, 2000.

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