Orbán: Die Türkei schützt das innere Europa

Viktor Orbán mit dem türkischen Ministerpräsident (Foto: MTI)

„Ungarn hält zu sei­nen Freunden und steht der Türkei zur Seite“,  sagte Viktor Orbán bei der Eröffnungsfeier des tür­kisch-unga­ri­schen Wirtschaftsforums in Ankara.

Während sei­ner Rede betonte der unga­ri­sche Ministerpräsident: Das Einstehen Ungarns für die Türkei ist kein ein­ma­li­ger Akt, son­dern es ist die Konsequenz der Strategie, dass für ein kon­ser­va­ti­ves Land wie Ungarn huma­ni­täre Werte wesent­lich sind. Geld und Geschäfte sind wich­tig, aber das Allerwichtigste sind Freunde“. Orbán ergänzte: „Eine Freundschaft for­dert auch manch­mal Verpflichtungen und Ungarn steht für seine Freunde ein, auch wenn es dann und wann „unbe­quem” wird.“

Er stellte klar: Türkenfeindliche Meldungen mögen von wich­ti­gen EU-Ländern gedul­det wer­den, aber Ungarn wird hier sicher­lich nicht still­schwei­gend zustim­men, son­dern steht Seite an Seite neben der Türkei. Die Türkei liegt am Rande Europas und schützt die inne­ren Gebiete des Kontinents. Würden die Türken ihrer Pflicht nicht nach­kom­men, so hät­ten bereits Millionen Migranten Europa über­flu­tet, eine Masse an Flüchtlingen, mit denen wir über­haupt nicht fer­tig gewor­den wären“, ver­si­cherte Orbán. Er ist der Meinung, dass der Türkei hier­für Respekt gezollt wer­den muss und Ungarn hat dies immer getan. 

Viktor Orbán ver­riet „Wenn ich ein Türke wäre, würde ich auf den ers­ten Blick der unga­ri­schen Wirtschaft keine gro­ßen Aufmerksamkeit schen­ken. Die Türkei wird bald das größte Land der Europäischen Union sein, ein Vielfaches grö­ßer als Ungarn. Und es liegt geo­gra­phisch sehr gut, denn  trotz der Kriege in den Nachbarländern, befin­det sich die Türkei stra­te­gisch gese­hen in einem wich­ti­gen Gebiet. Ungarn aber kann als ein Land mit 10 Millionen Einwohner immer­hin einen Export in der Höhe von 110 Milliarden Dollar vor­wei­sen, wäh­rend die Türkei mit 80 Millionen Menschen  145 Milliarden Dollar ver­zeich­nen kann“, ruft er in Erinnerung und fügt hinzu:“ Die Export-Leistung Ungarns beweist, dass es hier doch noch etwas gibt, das die Türkei von uns ler­nen kann!“ 

Orbán: Es lohnt sich, auf Ungarn ein Auge zu wer­fen

Er meint, dass es sich für einen tür­ki­schen Geschäftsmann lohnt, Ungarn als Geschäftsfeld in Erwägung zu zie­hen. Immerhin ist es das sicherste Land Europas. Während sich die Sicherheitsstandards in den ande­ren euro­päi­schen Ländern ste­tig ver­schlech­tern, herrscht in Ungarn Sicherheit, Ordnung und Verlässlichkeit in allen Aspekten. Abgesehen davon sind auch die Steuern nied­rig, denn ein Unternehmen bezahlt in Ungarn gerade ein­mal 9% Steuern auf den jähr­li­chen Gewinn und wenn es inves­tiert, so gibt es zusätz­li­che Steuererleichterungen als Unterstützung. Somit hat Ungarn die geringste Einkommensteuer und es gibt auch keine Erbschaftssteuer.

Der unga­ri­sche Ministerpräsident betonte auch, dass sein Land als Mitglied der EU Zugang zu einem Markt mit rund 500 Millionen Menschen hat. 

Weiters ver­fügt Ungarn über ein spe­zi­el­les Alliiertensystem, näm­lich als Mitglied der Visegráder Länder: Der Hauptteil des euro­päi­schen Wirtschaftswachstums erfolgt in die­sen V4-Staaten, denn in der EU wan­dert der Schwerpunkt der wirt­schaft­li­chen Leistung von Westen Richtung Mitteleuropa, „und die Zukunft fin­det hier statt”.

Orbán erklärte wei­ter: „Recep Tayyip Erdogan ver­half mit sei­nem Staatsbesuch in Budapest 2013, der Zusammenarbeit und den wirt­schaft­li­chen Beziehungen zu einem enor­men Aufschwung. Damalige Zielsetzung war es, dass Volumen der wirt­schaft­li­chen Beziehungen bei­der Länder auf 5 Milliarden Dollar zu erhö­hen. Dies wurde aber aus meh­re­ren Gründen nie rea­li­siert. Es gibt zwar gute Entwicklungen, aber bis­her gelang noch kein Durchbruch bei den wirt­schaft­li­chen Beziehungen. Daher wer­den nun auch poli­ti­sche Wege, Flaggenschiffe gesucht, mit deren Hilfe das Ziel erreicht wer­den kann“, erklärte er.

Orbán erwähnte auch, dass der Ungar eine „sen­si­ble Seele” hat. Darum emp­fiehlt er den tür­ki­schen Geschäftsmännern „die Ungarn weder zu pro­vo­zie­ren noch zu beleh­ren”, wenn sie mit ihnen Geschäfte machen wol­len. Ungarn ist zwar ein Land mit nur 10 Millionen Menschen, aber es hat auch eine 1000-jäh­rige Geschichte und die ist auch zu respek­tie­ren.

Yildrim: Ungarn stand für uns ein

Der tür­ki­sche Ministerpräsident Binali Yildrim meinte: „Letzten Sommer geschah ein ehr­lo­ser Putschversuch in der Türkei, des­sen Ziel es war, die tür­ki­sche Demokratie auf­zu­lö­sen und ihre Zukunft zu ver­nich­ten. Aber der Mut der Nation und die Entschlossenheit der Regierung hal­fen, den Putschversuch zu been­den. Hier wurde auch klar, wer echte Freunde sind. Einer die­ser ech­ten Freunde ist Ungarn, das für die tür­ki­sche Nation ein­stand und den Putschversuch ver­ur­teilte, und dies wird die Türkei nie ver­ges­sen.“

Der tür­ki­sche Regierungschef sprach auch davon, dass durch den Staatsbesuch Erdogans 2013 in Budapest die bila­te­ra­len Beziehungen einen enor­men Aufschwung erfuh­ren, jedoch wurde das Ziel von 5 Milliarden Dollar noch nicht erreicht. Daran muss man noch arbei­ten, aber die Bedingungen für einen Erfolg sind in bei­den Ländern gege­ben.

Wachsender Handel

Laut dem unga­ri­schen Außenminister Péter Szijjártó ist es klar, dass nie­mand von Ungarn die Lösung der gro­ßen welt­po­li­ti­schen Krisen erwar­tet. Daher liegt sein außen­po­li­ti­scher Fokus auf der Wirtschaft und er meint, die wich­tigste Aufgabe der Außenpolitik ist es, die unga­ri­schen wirt­schaft­li­chen Interessen zu ken­nen und Entscheidungen zu tref­fen, die die­sen Interessen dien­lich sind. Anders kann man in Anbetracht der offe­nen Wirtschaft nicht han­deln.

Der Minister erklärte wei­ter: „Aus die­sem Grund bestimmt die Kooperation mit den wich­tigs­ten Wirtschafts- und Handelspartnern die Leistung einer Volkswirtschaft. Und auch die Türkei hat, als ein wich­ti­ger Wirtschaftspartner Ungarns, eine grund­le­gende Rolle im Prozess der unga­ri­schen Wirtschaft. Letztes Jahr betrug der bila­te­rale Handelsverkehr 2,8 Milliarden Dollar, heuer wird er wahr­schein­lich 3 Milliarden Dollar errei­chen.“

Gemeinsame Kabinettsitzung

Szijjártó erläuterte:“94 Geschäftsmänner aus 72 unga­ri­schen Unternehmen tra­fen in Ankara ein. Sie ver­tre­ten vor allem die Geschäftsbereiche, in denen die Ungarn zu den Besten zäh­len, wie Aquapark, Agrarindustrie und Informatik.“ Péter Szijjártó ver­riet, dass es die Aufgabe der unga­ri­schen Regierung ist, Möglichkeiten für den Ausbau wirt­schaft­li­cher Beziehungen zu schaf­fen. Hierfür wurde ein Kreditrahmen in der Höhe von 255 Millionen Euro bei der Eximbank aus­ver­han­delt, um diese Zusammenarbeit zu for­cie­ren.

Während sei­nes Besuches in Ankara nahm Viktor Orbán gemein­sam mit meh­re­ren sei­ner Minister an der Sitzung des stra­te­gi­schen Rates teil. Dies kann man als tür­kisch-unga­ri­sche Kabinettssitzung bezeich­nen und hat damit die Bedeutung eines Spitzentreffens der Regierungen.

Quelle: www​.origo​.hu/​i​t​t​h​o​n​/​2​0​1​7​0​6​3​0​-​o​r​b​a​n​-​v​i​k​t​o​r​-​t​o​r​o​k​o​r​s​z​a​g​i​-​l​a​t​o​g​a​t​a​s​a​.html

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