Die Präsenz von Jobbik in der deutschsprachigen Presse tut Orbán sehr weh

Orbán im ungarischen Parlament (Foto:alfahir.hu)

Es traf die Fidesz-Partei uner­war­tet, dass ein ganz­sei­ti­ges Interview mit dem Vorsitzenden und dem Kandidaten für den Posten des unga­ri­schen Ministerpräsidenten von Jobbik Gábor Vona in der „Presse” ver­öf­fent­licht wurde. Obzwar die Partei nicht zum ers­ten Mal in der öster­rei­chi­schen Tageszeitung in den vori­gen Wochen betont erscheint. Nach den öster­rei­chi­schen Quellen des Webportals Alfahír gibt es erbit­terte Versuche sei­tens der unga­ri­schen Regierung, auch die Sprachrohre von Fidesz in der öster­rei­chi­schen Presse zu Wort kom­men zu las­sen, aber der Soros-Mantra ist für sie weni­ger attrak­tiv. Trotz des­sen, dass der Orbán-Kreis große Hoffnungen an eine gute Beziehung mit der neuen Kurz-Strache-Koalitionsregierung hegt.

Aber das Propagandawerk der unga­ri­schen Regierung greifte das von „Die Presse” geführte Vona-Interview sofort an. In den Berichten und Kommentaren der Organe des Propagandawerks mel­de­ten sich die Bausteine der wohl­be­kann­ten regie­rungs­par­tei­li­chen Verschwörungstheorien: die links­li­be­rale Seite hätte Vona der deutsch­spra­chi­gen Presse anemp­foh­len, der Medienmogul-Milliardär Lajos Simicska würde einen PR-Artikel für Vona gekauft haben, im Hintergrund stünde natür­lich George Soros, bzw. die Zeitung selbst, die Presse und der das Interview ver­fas­sende Journalist, Christian Ultsch seien Liberale mit Orbán-Phobie. Daneben ver­such­ten sie die Aussagen Vonas zu zer­le­gen, zu miss­deu­ten, und das ganze Interview als unwe­sent­lich ein­zu­stel­len.

Das Webportal Alfahír wurde hin­ge­gen von meh­re­ren, Fidesz-nahen Quellen fol­gen­der­ma­ßen infor­miert: im Kreis Orbáns schüt­tel­ten dies­be­züg­lich meh­rere auf­ge­bracht den Kopf, dass wäh­rend die Beurteilung von Fidesz in der deutsch­spra­chi­gen Presse einen Tiefpunkt erreicht habe, Jobbik immer mehr Raum bei ihnen bekomme.

Auch in der unga­ri­schen Presse wird reflek­tiert, dass die Resonanz von Jobbik in der deut­schen und öster­rei­chi­schen Presse regel­mä­ßig wurde. Mehrere Zeitungen und Nachrichtenagenturen berich­te­ten über die gegen das Manöver des unga­ri­schen Staatlichen Rechnungshofes orga­ni­sierte Jobbik-Demonstration, bzw. wurde auch der volks­par­tei­li­che Wandel von Jobbik ins Fokus gestellt.

Alfahír weiß es so, dass die Artikel und das aktu­elle Interview in „Die Presse” der Fidesz-Partei zutiefst ver­let­zen. Denn trotz des durch die Propagandisten der Regierung ver­brei­te­ten Gerüchts der „libe­ra­len Verschwörung” zählt die Tageszeitung zu den kon­ser­va­ti­ven Organen in Österreich, noch­dazu ist sie mit der vom Bundeskanzler Sebastian Kurz geführ­ten  ÖVP eng ver­bun­den, und Orbán möchte aber mit der neuen, in der Migrantenfrage an sie näher ste­hen­den, öster­rei­chi­schen Regierung befreun­det sein.

Der mit Gábor Vona Interview geführte Journalist Christian Ultsch ist auch kein Anfänger. Ultsch wurde in Österreich mehr­mals zum Journalist des Jahres gewählt, er ist der außen­po­li­ti­sche Rubrikleiter von „die Presse”, und redi­giert die „Presse am Sonntag”. Er pflegt eine gute Beziehung zu Sebastian Kurz, der dem Journalisten mehr­fach Interviews gab. Die erste offi­zi­elle Reise des neuen öster­rei­chi­schen Bundeskanzlers führte nach Brüssel, wohin Ultsch ihn beglei­tete. Seine fach­li­che Kompetenz unter­streicht auch, dass der die Journalisten streng selek­tie­rende unga­ri­sche Premier Viktor Orbán 2012 aus­schließ­lich ihm ein Interview gab. Aber Ultsch führte Interviews auch mit Gordon Bajnai (im Jahre 2013), oder auch mit Péter Szijjártó (2014).

Fakt ist aber, dass Ultsch über Orbán und seine Regierung im Allgemeinen kri­tisch for­mu­lierte Artikel ver­fasste. Vor ein paar Monaten wurde sein Buch „Flucht” ver­öf­fent­licht, worin er über die Flüchtlingspolitik Orbáns nicht so gut­mü­tig spricht: „Orbán spielte seine klei­nen Spiele”. Abgesehen davon, laut den Fidesz-nahen Quellen, sei Fidesz daran inter­es­siert, die eigene Narrative in den deutsch­spra­chi­gen Zeitungen erschei­nen zu las­sen: der Raumgewinn von Jobbik und der Ausbruch aus der bis­he­ri­gen Quarantäne sei für die regie­rungs­par­tei­li­chen poli­ti­schen Ingenieure äußerst irri­tie­rend.

Quelle:  alfa​hir​.hu/​2​0​1​7​/​1​2​/​2​8​/​v​o​n​a​_​g​a​b​o​r​_​j​o​b​b​i​k​_​d​i​e​_​p​r​e​s​s​e​_​i​n​t​e​r​j​u​_​c​h​r​i​s​t​i​a​n​_​u​l​t​s​c​h​_​f​i​d​e​s​z​_​o​r​b​a​n​_​v​iktor

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