Gauck: AfD hat Recht behalten

Bild: Sebastian Hillig via Wikimedia Commons [CC BY 2.0]

Für Verwunderung sorgt derzeit die späte Feststellung des ehe­ma­li­gen deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck, dass Multikulti „erschreck­endes“ her­vorge­bracht habe. In Amtswürden hatte dieser die Alternative für Deutschland (AfD) wegen deren ein­wan­derungskri­tis­chen Standpunkts noch scharf ange­grif­fen. Auf Facebook nahm nun AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen zu dieser Kehrtwende Stellung.

Bereits im Anriss erin­nert der Europa-Parlamentarier der AfD an die Äußerung des Altpräsidenten, dass derzeit nicht die Eliten, son­dern die Bevölkerungen das Problem seien. Er habe das höchst Amt im Staate damit zu einer Spaltung im Volke beige­tra­gen, anstatt zu vere­inen. Besonders stören die dama­li­gen Entgleisungen Gaucks zu seiner Partei:

War diese hochmütige, abschätzige und in der Sache natür­lich vol­lkom­men falsche Äußerung noch all­ge­mein gehal­ten, beg­nügte sich dieser Spalter schon bald nicht mehr mit der­lei ungerichteten Injurien. Auf dem Katholikentag 2016 drehte er dann näm­lich richtig auf und beze­ich­nete Mitglieder unserer Bürgerpartei als, so wörtlich, „Dödel“.

Dies sei im Zusammenhang mit der ihm gestell­ten Frage gewe­sen, was er vom Standpunkt der AfD in der Flüchtlingspolitik halte. Vielmehr habe aber die Zeit gezeigt, dass dieser gar nicht so unvernün­ftig gewe­sen sei.

Die ver­meintlichen „Dödel“ haben mit all ihren ver­nun­ft­basierten Warnungen Recht behal­ten, während die hochmüti­gen Gutmenschen vom Schlage eines Herrn Gauck eine intellek­tuelle Bruchlandung son­der­gle­ichen erlebten.

Man würde weit­er­hin auf eine Entschuldigung Gaucks bei den Mitgliedern der Partei warten. Dies gelte ins­beson­dere im Licht der jüng­sten Rede Gaucks zum Thema „Heimat und das Fremde“ im Rahmen einer Gastprofessur an der Universität Düsseldorf.

Zur Untermauerung seiner Feststellung zitiert Meuthen deshalb auch aus dem Redemanuskript. Dort spricht Gauck unter anderem davon, dass sich ein Nationalstaat nicht über­fordern dürfe. Wer als „imag­inierter Vertreter eines Weltbürgertums alle Grenzen des Nationalstaates“ hin­weg­nähme, würde damit nicht nur die materiellen, ter­ri­to­ri­alen und sozialen Möglichkeiten eines jeden Staates über­fordern, son­dern auch die psy­chis­chen Möglichkeiten seiner Bürger. Er räumte selbst einen Trugschluss der Integrationspolitik ein:

Einen großen Einfluss in der Integrationspolitik hat lange Zeit die Konzeption des Multikulturalismus gehabt: Was sich auch immer hin­ter den einzel­nen Kulturen ver­bor­gen hat – Vielfalt galt als Wert an sich. Die Kulturen der Verschiedenen soll­ten gle­ich­berechtigt nebeneinan­der existieren, für alle verbindliche west­lich-lib­erale Wertvorstellungen wur­den abgelehnt.

Er deutete außer­dem an, dass er diese Feststellung selbst erst sehr spät getrof­fen habe:

Sogar der weltof­fene Mensch gerät an seine Grenzen, wenn sich Entwicklungen vor allem kul­tureller Art zu schnell und zu umfassend vol­lziehen. […] Ich ver­stehe, dass es auf den ersten Blick tol­er­ant und weltof­fen anmuten mag, wenn Vielfalt der­art akzep­tiert und hon­ori­ert wird. Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tat­säch­lich geführt hat, das hat mich doch erschreckt.

Weiter, so Gauck, fände er es beschä­mend, dass einige Menschen vor der Unterdrückung von Frauen und vor anti­semi­tis­chen Tendenzen unter Muslimen die Augen ver­schließen wür­den:

Vor Zwangsheiraten, Frühheiraten, vor Schwimmverboten für Mädchen in den Schulen. Wenn Antisemitismus unter Menschen aus ara­bis­chen Staaten ignori­ert oder mit Verweis auf israelis­che Politik für ver­ständlich erk­lärt wird.

Außerdem prangerte er an, dass man in der öffentlichen Diskussion allzu schnell mit der Rassismus-Keule agieren wollte:

Oder wenn Kritik am Islam sofort unter den Verdacht gerät, aus Rassismus und einem Hass auf Muslime zu erwach­sen. Sehe ich es richtig, dass in diesen und anderen Fällen die Rücksichtnahme auf die andere Kultur als wichtiger erachtet wird als die Wahrung von Grund- und Menschenrechten?

In seinem Kommentar bekräftigt Meuthen, dass die AfD dies bere­its seit Jahren ständig anpran­gere. Man warne täglich vor den Folgen von Multikulti. Ständig betone man die Verbindlichkeit der frei­heitlich-demokratis­chen Grundordnung. Es gäbe in Deutschland mit­tler­weile zahlre­iche Muslime, welche von der west­lichen Freiheitlichkeit nichts wis­sen woll­ten. Diese wür­den in der Folge Parallelgesellschaften errichten, welche gegen diese Grundordnung agierten. Auch darauf habe man stets hingewiesen.

Weiterlesen: info-direkt.eu/2018/02/02/multikulti-gaucks-verblueffende-kehrtwende/

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