Jede Woche stirbt ein ungarischer Arbeiter an Überlastung

Ungarn kämpft hart mit Arbeitskräftemangel, der fast jeden Sektor der Wirtschaft bet­rifft. In der Tat sind die prob­lema­tis­chsten Sektoren der öffentliche Verkehr und Service, Tourismus und IT. Aber auch in Ungarn besteht eine große Nachfrage nach qual­i­fizierten Handwerkern und Mechanikern.

Der Grund ist ein­fach: Immer mehr arbeiten im Ausland für bessere Löhne. Aufgrund der fehlen­den Arbeitskräfte müssen die Mitarbeiter mehr arbeiten. Laut nepszava.hu gibt es also viel mehr Arbeitsunfälle als die offizielle Statistik zeigt. Die Zahl der Arbeitsunfälle steigt ras­ant an. Die wichtig­sten Gründe sind Überstunden, hohe Fluktuation und wenig Zeit für das Training. Der Hauptgrund ist jedoch immer Arbeitskräftemangel.

Das Ergebnis ist die erhöhte Anzahl von Arbeitsunfällen. Unternehmen melden jedoch nicht alle. So zeigen Statistiken nicht die reale Situation. Laut einem Bericht der Abteilung für Arbeitsinspektion des Ministeriums für nationale Wirtschaft waren 16 172 Arbeitsunfälle bis November 2017 zu verze­ich­nen. Im Jahr 2013 betrug diese Zahl jedoch nur 11 567, während sie 2015 auf 14 247 anstieg. Offensichtlich besteht die Tendenz, dass die Anzahl solcher Unfälle steigt Unfälle wach­sen.

Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle nimmt jedoch noch weiter zu, wahrschein­lich weil die Arbeitgeber sie nicht ver­ber­gen kön­nen. Dem Bericht zufolge haben im Jahr 2014 50, im Jahr 2016 60 und in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 bere­its 62 Menschen bei der Arbeit ihr Leben ver­loren. Die meis­ten Unfälle ereignen sich im Maschinenbau, in der Transport-, Lager- und Verarbeitungsindustrie. Die meis­ten Todesopfer ereignen sich jedoch im Baugewerbe. Der Widerspruch lässt sich leicht dadurch erk­lären, dass 40% der Beschäftigten in der Bauindustrie ille­gal beschäftigt sind. So wer­den Unfälle nicht nur gemeldet, wenn ihr Ausgang der Tod ist.

Nach Angaben des Ungarischen Metallgewerkschaftsbundes (VASAS) ist die tat­säch­liche Zahl der Arbeitsunfälle min­destens dop­pelt so hoch wie die gemeldete Zahl. Außerdem steigt diese Zahl – sagt Zoltán László, stel­lvertre­tender Vorsitzender des Verbandes. Laut ihm ist der Hauptgrund für das Wachstum der Arbeitskräftemangel. Dies liegt daran, dass es mehr Überstunden als jemals zuvor gibt. Er hat hinzuge­fügt, dass er von Arbeitern weiß, die 35 Schichten in nur 31 Tagen getan haben. Infolgedessen ver­ringert sich sogar die Konzentration der erfahre­nen Arbeiter.

Außerdem haben Anfänger zu wenig Zeit, um zu ler­nen und zu trainieren. Zum Beispiel hat­ten zuvor angel­ernte Arbeiter, die die Metallbearbeitung machten, 3–4 Wochen Zeit, um den Prozess zu ler­nen. Momentan haben sie nur einen Tag und dann müssen sie alleine arbeiten. Außerdem müssen Mitarbeiter oft mit defek­ten Maschinen arbeiten. So kennt Zoltán László Unternehmen, bei denen die Anzahl der Unfälle um 20% gestiegen ist.

Arbeitnehmer riskieren jedoch nicht ihre Arbeit, obwohl sie unter solchen Umständen die Arbeit ver­weigern soll­ten. Die Situation ist para­dox, denn Arbeitgeber dro­hen den Beschäftigten, sie zu ent­lassen, trotz des ständig wach­senden Arbeitskräftemangels im ganzen Land. Der Entscheidungsprozess der Gerichte ist jedoch bei Arbeitsunfällen sehr langsam.

Zum Beispiel erhielt ein Arbeiter 35 Millionen Forint (112.000 EUR) wegen eines Unfalls anstelle von 500.000 (1.600 EUR), die zuvor von seinem Arbeitgeber ange­boten wur­den. Trotzdem musste er 8 Jahre auf die Entscheidung warten. Aus diesem Grund akzep­tieren die meis­ten Arbeitnehmer das schnelle und sofor­tige Angebot ihres Arbeitgebers. Gábor Ikanov, ein auf solche Fälle spezial­isierter Anwalt, sagt, dass Arbeitgeber deshalb ein Drittel der Arbeitsunfälle ver­ber­gen kön­nen.

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