Gábor Vona: Ich betrachte die Siebenbürger Ungarn nicht als Wähler, sondern als meine Brüder

Gábor Vona bei einer Wahlkampfveranstaltung

Der Ministerpräsident-Kandidat von Jobbik, Gábor Vona gab das Wahlprogramm sei­ner Partei bekannt, des­sen Teil die Verwirklichung der Autonomie des Szeklerlandes bil­det, und auch, dass die unga­ri­schen Organisationen in Siebenbürgen ihre Abhängigkeit von der unga­ri­schen Regierung los­wer­den, damit sie in Zukunft Partner in der Realisierung der natio­nal­po­li­ti­schen Zielsetzungen sein kön­nen.

Zum Bersten voll war der Konzertsaal des Kulturhauses in Székelyudvarhely beim Bürgerforum Gábor Vonas, wo der Udvarhelyszéker Organisator von Jobbik, Csaba Zoltán Nemes die Anwesenden begrüßte. – berich­tete das Webportal itthon​.ma

Der Vizevorsitzende des Nationalpolitischen Kabinetts der Jobbik, János Bencsik sprach bei sei­ner Einführung dar­über, dass zwar ihr Programm über die Auslandsungarn für alle online erreich­bar sei, nichts könne die per­sön­li­chen Begegnungen erset­zen.

Er gab die Ergebnisse bekannt, die die unga­ri­sche Regierung in den letz­ten acht Jahren auf die Initiative und mit der Unterstützung von Jobbik ver­wirk­lichte: neben dem mit der dop­pel­ten Staatsbürgerschaft ver­bun­de­nen Wahlrecht war ein sol­ches auch der Trianon-Gedenktag, der wirt­schaft­li­che Entwicklungsplan des Karpatenbeckens und die Schulklassenausflüge jen­seits der Grenzen.

Es ist bekannt, dass Jobbik Ende Januar eine Tonaufnahme ver­öf­fent­lichte, in der Staatssekretär András Tállai, Parlamentsabgeordneter der Regierungspartei, dar­über sprach, dass Fidesz auf die Vorschläge von Jobbik zuschnappe und diese als ihre eigene rea­li­siere. Er for­mu­lierte wie folgt: „Bekennen wir mal ehr­lich, dass wir dar­auf auf­pas­sen, was Jobbik sagt, und ver­su­chen das im Parlament zu ver­wirk­li­chen.”

János Bencsik erwähnte auch, dass Gábor Vona ganz oft Siebenbürger besucht, meis­tens ohne Journalisten, ohne Kameras, als Privatperson. Auch die Csíksomlyóer Prozession besu­che er nicht um zu posie­ren, wie viele andere Politiker, son­dern stünde zusam­men mit sei­nen unga­risch-sze­k­le­ri­schen Brüdern im Sattel.

Vona: schauen wir ein­an­der in die Augen und tau­schen wir uns aus!

„Ich weiß, viele sind mit gemisch­ten Gefühlen gekom­men, es gibt einige, die Zweifel, oder ein schlech­tes Gefühl haben. Ich bin gekom­men, um ein gutes Gespräch zu haben, damit der Ungar einem ande­ren Ungarn in die Augen sieht und seine Gedanken aus­spricht.” – zitierte das sie­ben­bür­gi­sche Portal die ein­füh­ren­den Gedanken Gábor Vonas.

Zur Chronik des Tages gehört auch, dass sich in Marosvásárhely eine heiße Debatte ent­wi­ckelte, als Fidesz-Sympathisanten den Vorsitzenden von Jobbik mit Unwahrheiten hef­tig kri­ti­sier­ten. Mit den vor­lau­ten Tonangebern begann Gábor Vona einen Dialog zu füh­ren, und erklärte ihnen, dass er den Grenzzaun nicht abrei­ßen wolle, son­dern vor­habe mit einer Grenzwache die­sen zu schüt­zen. Er würde keine Migranten in das Land las­sen – er würde sogar über­prü­fen, wie 20.000 rei­che Migranten durch die Einwanderungsanleihen es nach Ungarn geschafft hät­ten.

Jobbik fühlt sich für das Schicksal der Auslandsungarn ver­ant­wort­lich

Beim Forum in Székelyudvarhely bat Gábor Vona die Menschen an den unga­ri­schen Parlamentswahlen teil­zu­neh­men. Er ver­riet, dass Jobbik bereits 2004 um das Wahlrecht der Auslandsungarn kämpfte. Er ver­riet auch, dass seine Partei laut den Erhebungen an den kom­men­den Wahlen der Regierungspartei ordent­lich ein­hei­zen könnte.

Der Vorsitzende von Jobbik stellte fest, dass sie als natio­nale Partei sich für das Schicksal der Auslandsungarn ver­ant­wort­lich fühle, auch im Falle ihres Regierungsantritts treffe dies zu.

Ferner sagte der Ministerpräsident-Kandidat von Jobbik:

„Nicht Jobbik erhält die Mehrheit der Stimmen der Siebenbürger Ungarn, darin bin ich mir sicher, aber es ist meine Pflicht hier zu sein, es ist meine Pflicht, als Kandidat einer natio­na­len Partei mein Programm bekannt­zu­ge­ben. Ich betrachte die Siebenbürger Ungarn nicht als Wähler, son­dern als meine Brüder.”

Er fügte noch hinzu: sie beab­sich­tig­ten nichts an der aktu­el­len Nationalpolitik der Regierung zu ändern, auch wei­ter­hin set­zen sie sich für die Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht der Auslandsungarn ein. Bezüglich Letzteres drückte er sein Mitleid aus, dass in Ungarn diese Frage erneut an der Tagesordnung sei.

Nicht Budapest soll bestim­men, was die Siebenbürger wol­len!

Im Weiteren sprach der MP-Kandidat von Jobbik dar­über, was er an den unga­risch-aus­landsun­ga­ri­schen Beziehungen ver­än­dern würde: die Parteien der Siebenbürger Ungarn soll­ten kei­nes­falls in einem abhän­gi­gen Verhältnis zu der unga­ri­schen Regierung ste­hen!

Vona stellte fest, dass er eine Partnerschaft und keine Abhängigkeit anbiete, bzw. würde er die Beziehung zwi­schen Budapest und der hie­si­gen Menschen auf neue Fundamente legen. Es wäre wich­tig, laut Gábor Vona, dass man nicht aus der unga­ri­schen Hauptstadt den Siebenbürger Ungarn vor­gibt, was sie zu tun hät­ten, son­dern Letztere soll­ten bestim­men, was sie machen möch­ten!

Bessere Transparenz auch im System der für das Auslandsungartum geleis­te­ten Förderungen for­dert der MP-Kandidat der Jobbik. Vona redete ent­täuscht dar­über, dass es kei­nen wesent­li­chen Fortschritt in der Sache der Autonomie gab, in Ungarn dis­ku­tiert man über die Selbstbestimmung des Szeklerlandes nur auf geschlos­se­nen Sitzungen, so wüsste die Welt davon gar nichts, und bei den unga­risch-rumä­ni­schen bila­te­ra­len Verhandlungen würde diese Frage immer „ver­ges­sen”.

Gábor Vona ergänzte:

„Es wäre wich­tig, die Angelegenheit der Autonomie öffent­lich zu ver­tre­ten, hierzu müss­ten jedoch Verbündete gefun­den wer­den, da die Autonomie für die Szekler, abge­se­hen von einer Demonstration in Istanbul, wo tür­ki­sche Studenten nach mei­nem Vortrag mit Szekler-Fahnen vor die rumä­ni­sche Botschaft zogen, bis­lang nir­gendwo gefor­dert wurde.”

Der Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten der Jobbik erin­nerte daran, dass seine Partei als erste unter den unga­ri­schen Parteien die MinoritySafePack-Bürgerinitiative für Minderheitenschutz unter­zeich­nete. Auf die Frage der Autonomie zurück­keh­rend betonte er: man sollte für Budapest end­lich klar machen, dass die Autonomie nicht die Quelle des Konflikts, son­dern der Schlüsselmoment der Versöhnung sei.

„Das ist ein his­to­ri­sches Versprechen, ein Anspruch des 21. Jahrhunderts. Heutzutage hat jeder Rechte in Europa, warum dürf­ten die Szekler keine haben?”- stellte er die Frage.

Auch wenn Orbán geht, bleibt der Zaun bestehen

Gábor Vona ging auch auf die gegen ihn geführte Hetzkampagne der Regierung ein. Er bat die Zuhörer darum, dass sie kri­tisch die in den Fidesz-Medien betrie­bene Propaganda betrach­ten, da bezüg­lich Vona bereits erschien, dass er ein Homosexueller, ein Terrorist und sogar Allah-Anbeter sei.

Der MP-Kandidat von Jobbik ver­deut­lichte: trotz den Behauptungen der Regierungspropaganda würde Ungarn – auch wenn Jobbik die Wahlen gewinnt – auf kei­nen Fall ein Einwanderungsland wer­den. Er fügte noch hinzu:

„Auch die Errichtung des Grenzzauns wurde urspüng­lich von Jobbik-Politikern vor­ge­schla­gen, und Fidesz erhielt die für die Errichtung des Zauns nötige 2/​3-​Mehrheit im Parlament nur durch die  Unterstützung von Jobbik. Wir wol­len den Zaun nicht abrei­ßen, sogar wür­den wir die Grenzwache zurück­stel­len, da ihre Aufgabe ja der Grenzschutz ist. Auch wir leh­nen die Quoten ein­deu­tig ab, auch wir ver­tei­di­gen das Land vor der Migration! Es sol­len keine kom­men, die sich nicht in unsere Gesellschaft inte­grie­ren kön­nen, die Kriegsflüchtlinge sol­len die rei­chen mus­li­mi­schen Nachbarländer auf­neh­men.”

Gábor Vona sagte, dass die Orbán-Regierung trotz der Regierungspropaganda Migranten  im Geheimen auf­nahm, nach­träg­lich wurde es klar, dass es unter ihnen zahl­rei­che Menschenschmuggler und Kriminelle gibt. Der MP-Kandidat von Jobbik meint, dass es nicht darum ginge, was Orbán stän­dig wie­der­holt, ob Ungarn ein Einwanderungsland sein würde oder nicht, son­dern ob Ungarn wei­ter­hin ein Auswanderungsland bleibe.

„Viktor Orbán behaup­tet, dass unsere Jugendlichen aus Abenteuerlust weg­ge­hen wür­den, obwohl man heute dazu Abenteuerlust benö­tigt, um zu blei­ben.”- bemerkte Vona.

Man muss nicht mit allem ein­ver­stan­den sein, aber den Anderen respek­tie­ren

Beim Forum gab es natür­lich die Möglichkeit Fragen zu stel­len. Es tauch­ten auch Fragen zu der Person von György Soros auf, über ihn sagte der Jobbik-Chef, dass er mit sei­nen Ansichten über die Welt nicht ein­ver­stan­den sei, und dass er auch kein Soros-Stipendiat war.

Vona wurde auch über die Wahlchancen befragt, dies­be­züg­lich for­mu­lierte er, dass die regie­rungs­än­dernde Stimmung in Ungarn immer grö­ßer sei, beson­ders unter den Jugendlichen, aber er beru­higte die Anwesenden, dass nur Jobbik im Stande sei Fidesz alleine abzu­lö­sen.

„Gott sei Dank müs­sen wir uns nicht vor Ferenc Gyurcsány fürch­ten!”- sagte der Parteichef auf die Freude der Zuhörer. Während der Diskussion stell­ten man­che Anwesenden auf­ge­regt ihre Fragen an Vona, der in sei­nen kur­zen, kom­pak­ten Antworten fest­stellte:

„Ich bitte Sie darum, hören Sie sich bis zum 8. April jeden an, da wir das errei­chen, denn falls wir ein­an­der nicht zuhö­ren, dann hat Ferenc Gyurcsány gewon­nen! Wir müs­sen nicht in allen Fragen ein­ver­stan­den sein, nur müs­sen wir in die Augen der Anderen sehen kön­nen, und sie respek­tie­ren!” – erklärte Gábor Vona, der zum Schluss ver­sprach, im Fall, wenn sie den Regierungsantritt schaf­fen wür­den, tun sie alles, um auch jene zu über­zeu­gen, die momen­tan nicht sie unter­stütz­ten.

Quelle: alfa​hir​.hu/​2​0​1​8​/​0​3​/​0​4​/​v​o​n​a​_​g​a​b​o​r​_​j​o​b​b​i​k​_​e​r​d​e​l​y​_​m​a​r​o​s​v​a​s​a​r​h​e​l​y​_​s​z​e​k​e​l​y​u​d​v​a​rhely

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