Wer jetzt Verständnis zeigt, legitimiert den nächsten (Welt-)krieg!

Die letz­ten Wochen schos­sen die Mainstream-Medien aus vol­len Rohren gegen Russland und Syrien. Dass ihre Vorwürfe weder logi­schen noch empi­ri­schen Überprüfungen stand­hal­ten, stört sie dabei nicht. Ihr Ziel ist es Kriege mora­lisch zu legi­ti­mie­ren.

Erste Erfolge die­ses Propaganda-Feldzugs sind die Verlängerung von Sanktionen und die Ausweisung von rus­si­schen Diplomaten zu jenem Zeitpunkt, zu dem wir diese gebraucht hät­ten, um den Frieden zu erhal­ten. Anstatt alles dafür zu tun Kriege zu ver­hin­dern, sol­len jetzt unsere Straßen pan­zer­fit gemacht wer­den.

Bevor jedoch tat­säch­lich Raketen und Bomben auf Menschen nie­der­pras­seln kön­nen, muss die Weltöffentlichkeit dafür emo­tio­nal reif geschos­sen wer­den. Die Menschen in den west­li­chen Ländern müs­sen das Gefühl haben, dass die tod­brin­gende Fracht ihrer Streitkräfte einem guten Ziel dient. Damit das funk­tio­niert, zeigt man uns stän­dig Bilder von lei­den­den Frauen und Kindern (die zumin­dest teil­weise im Verdacht ste­hen, gestellt oder nach­ge­stellt zu sein).

Selbst, wenn man noch nicht weiß, ob diese Gräueltaten tat­säch­lich statt­ge­fun­den haben und noch weni­ger bekannt ist, wer diese ver­übt haben könnte, wird die Forderung nach Vergeltungsmaßnahmen laut. Als ob Raketen, die von NATO-Staaten abge­schos­sen wer­den, kein Leid ver­brei­ten wür­den. Im Fernsehen und auf den Bildern in den Zeitungen ver­brei­ten diese auch kein Leid. Oder haben Sie in den eta­blier­ten Medien jemals Kinder mit stau­bi­gen Gesichtern und blu­ti­gen Körpern gese­hen, wenn die USA eine Stadt beschos­sen hat? In sol­chen Fällen gibt es keine Nahaufnahmen. Keine toten Kinder und keine Eltern, die diese wei­nend durch die Straßen tra­gen.

Dieses Mal spiel­ten jedoch nicht alle Medien mit. Nicht nur in den sozia­len Netzwerken und den alter­na­ti­ven Medien äußer­ten Menschen immer wie­der Zweifel an den offi­zi­el­len Darstellungen der Kriegstreiber. So brachte bei­spiels­weise sogar der Standard eine APA-Meldung dar­über, dass ein Giftgasangriff Assads kei­nen Sinn ergebe.

Diese zumin­dest teil­weise dif­fe­ren­zier­ten Berichte (und das Wissen um die letz­ten Kriegslügen, bspw. hier und hier) könn­ten mit ein Grund sein, warum viele Menschen jetzt ent­täuscht dar­auf reagie­ren, dass der Westen erneut einen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriff auf einen sou­ve­rä­nen Staat ver­übt hat. Dass Angela Merkel im Namen Deutschlands die­sen Anschlag begrüßt, war vor­her­seh­bar. Dass der öster­rei­chi­sche Bundeskanzler Kurz dafür Verständnis zeigt, ist bit­ter, aber auch nicht über­ra­schend. Dass jedoch auch die Nahost-Expertin und von der FPÖ nomi­nierte Außenministerin Karin Kneissl den völ­ker­rechts­wid­ri­gen Militäreinsatz als “nach­voll­zieh­bar” bezeich­net, macht nach­denk­lich.

Die USA, Frankreich und England zün­deln am drit­ten Weltkrieg. Sie grei­fen ohne recht­li­che und mora­li­sche Grundlagen ein sou­ve­rä­nes Land an. Deutschland klatscht Beifall. Die EU schaut taten­los zu. Und eine ehren­werte Frau wie Karin Kneissl, emp­fin­det das, als Außenministerin eines neu­tra­len Landes, als “nach­voll­zieh­bar”. Was zur Hölle ist da los?

Wer jetzt Verständnis für den Angriff auf Syrien zeigt, läuft Gefahr damit auch den nächs­ten Weltkrieg zu legi­ti­mie­ren. Da nutzt es wenig, wenn Kneissl bekun­det, dass Österreich in die­sem Konflikt wei­ter­hin ver­mit­telnd tätig sein möchte.

Bleibt nur zu hof­fen, dass es sich bei die­sem „Vergeltungsschlag“ im Namen der Humanität – so wie im letz­tes Jahr – „nur“ um einen bru­ta­len, sym­bo­li­schen Akt han­delt und nicht um den Beginn eines grö­ße­ren Krieges von Atommächten. Aber selbst, wenn das hof­fent­lich der Fall ist, ist es trotz­dem trau­rig, dass Karin Kneissl und die EU (als Friedensnobelpreisträger!) auf diese sym­bo­li­sche Aktion nicht zumin­dest auch sym­bo­li­schen Protest erho­ben haben. Wer Parolen wie „Nie wie­der Krieg!“ und „Fluchtgründe besei­ti­gen“ ernst meint, muss hier anders han­deln.

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