Papst Franziskus, der Politiker

Foto: Agencia de Noticias ANDES / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)

Während Johannes Paul II. der Philosoph und Benedikt XVI. der Theologe auf dem Stuhl Petri waren, ist nun Franziskus der Soziologe und Politiker.

Franziskus agiert als Mediator der linken Szene. Er sucht den Schulterschluss mit jener Macht, die Obama und die Demokraten in den USA und die EU ins­ge­samt repräsen­tiert. Damit gehört er zum Mainstream, sucht ihn gezielt. Daher hat er auch Macht. Nicht so sehr auf die Massen, wie man ver­muten kön­nte, son­dern auf die weni­gen, die bes­tim­men oder bes­tim­men wollen.

Der Papst sym­pa­thisiert mit den bolvarischen Präsidenten Lateinamerikas und maßregelt die nicht-linken Präsidenten. Er baut ein vielschichtiges Netzwerk auf der linken Seite auf, von radikalen Linken bis zu den sozialdemokratis­chen Bürgermeistern, und ignori­ert kat­e­gorisch die rechte Seite: Keine Einladung, kein Handschlag. Der Papst mis­cht sich in Wahlkämpfe ein (und unter­liegt zum Teil: Argentinien, USA), aber er schafft sich damit unter den Linken einen Nimbus mit Strahlkraft. Er ist let­ztlich, und darauf zielt er ab, ihr höch­ster Repräsentant, seit die Linke Washington ver­loren hat. Dafür erk­lärte er der „religiösen Rechten“ in den USA den Krieg – ob evan­ge­likal oder katholisch, ganz egal. Dafür lässt er das Regime in Peking und das kom­mu­nis­tis­che China als das Land loben, in dem die kirch­liche Soziallehre derzeit am besten umge­setzt sei!?

Franziskus ist ein Dialektiker, darin eigentlich ganz Marxist oder zumin­d­est Hegelianer: die Begriffe und Inhalte wer­den beliebig umge­mod­elt. Er strebt ein Abkommen mit China an, aus religiösen Gründen wohl kaum, aber poli­tisch betra­chtet, bekommt die Sache einen „Sinn“. Um dieses Abkommen zus­tande zu brin­gen, wurde durch einen per­sön­lichen Freund von Franziskus erk­lärt, dass die Christenverfolgung durch das KP-Regime „nur“ den evan­ge­likalen Gruppen gelte, und die seien US-finanziert und -gelenkt. Katholiken tre­ffe die Verfolgung zwar auch, aber das sei vom Regime eigentlich gar nicht gewollt, son­dern ein Kollateralschaden. Das ist rein­ster Kommunistensprech der 1970er und 1980er Jahre. Genau so ist Franziskus geprägt.

Der Papst ist ein poli­tis­cher Denker. Er schmiedet an einer Anti-Globalisierungs-Globalisierung, also an einer anderen Globalisierung als der des reinen Kapitals. Dieser Ansatz wäre ja nicht ein­mal falsch, den müssten alle Völker, die noch Leben haben und über­leben wollen, sogar unter­stützen. Das Problem ist, dass Franziskus die Antwort bei einem gescheit­erten und zudem nicht min­der brandge­fährlichen Modell sucht, dem des Kommunismus. Auf die Frage, ob er Kommunist sei, was vor allem in den USA disku­tiert wird, antwortete er mit einem Nein und einem Scherz: „Die Kommunisten haben uns Christen die Fahne gestohlen“. Er sagt damit nicht wirk­lich Nein – es war ein dialek­tis­ches Nein –, vielmehr bestätigte er, dass er diese Allianz will. Das ist die Illusion, die ein Teil seit der Französischen Revolution hegt und in der roten Fahne ihren sym­bol­trächtig­sten Ausdruck gefun­den hat. Eine tödliche, eine mörderische Illusion.

Das ist die Tragik Bergoglios, dessen Denken unter Juan Peron geprägt wurde, den er in Argentinien pos­i­tiv erlebte: der Sozialist-Faschist auf dem Thron. Je nach­dem war er für einen mehr der Faschist, für die anderen mehr der Sozialist, bis 1945 an der Seite Berlins und Roms, ab 1945 an der Seite Moskaus, aber immer gegen Washington. Deshalb hatte der Peronist Beroglio auch keine Probleme, mit Kommunisten befre­un­det zu sein. Er selbst betonte bere­its mehrfach, dass Esther Ballestrino Careaga, eine Revolutionärin aus Paraguay, die bei Peron Unterschlupf gefun­den hatte, ihm das poli­tis­che Denken beibrachte (ein­schließlich kom­mu­nis­tis­cher Desinformation). Careaga wurde in den 1970er Jahren während der Militärdiktatur grausam ermordet. Sie wurde Opfer jenes ver­meintlich „spur­losen“ Verschwindens, indem man poli­tis­che Gegner in Militärmaschinen über das offene Meer flog und aus hoher Flughöhe aus dem Flugzeug warf. Der Aufprall auf der Meeresoberfläche muss die Körper regel­recht zer­ris­sen haben. Zudem wur­den Leichenteile wieder an die Küste gespült, auch von Careaga, anhand derer sie mit­tels DNS iden­ti­fiziert wer­den kon­nte. Bergoglio hatte ihre marx­is­tis­che Literatur ver­steckt, damit sie bei Hausdurchsuchungen nicht gefun­den würde.

Da haben wir also den Feind Bergoglios: alles was rechts ist. Das Absurde daran: Sein poli­tis­cher Berater und Vertrauter ist der Sohn und der Enkel von Vertretern dieser antiper­o­nis­tis­chen und vor­per­o­nis­tis­chen Rechten. Aber welchem Rechten wurde nicht verziehen, wenn er links wurde?

Weiterlesen: www.unzensuriert.de/content/0026972-Die-Vatikanische-Politik-unter-Papst-Franziskus-Gegen-alles-was-rechts-ist

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