Jüdischer Unternehmer packte aus: so entstand der Soros-Plan (Teil 1)

MTI

Der Amerikaner George Birnbaum, der ehemalige Geschäftspartner Arthur Finkelsteins sprach zum ersten Mal darüber, wie die George Soros in die Zielscheibe setzende politische Kampagne für die Fidesz-Partei herausgearbeitet wurde, und wie aus dem ungarischstämmigen Milliardär ein in allen Ländern der Welt einsetzbarer Sündbock wurde.

Im Juli 2017 kristallisierte sich ein, schon früher gestarteter Propagandafeldzug heraus, als die neuen Orbáns „Nationale Konsultation” anwerbenden Riesenplakate auf den Werbeoberflächen erschienen. Auf dem Plakat war der Kopf von George Soros zu sehen, daneben die Beschriftung: „Lassen wir nicht zu, dass zum Schluss Soros lacht!”, womit darauf hingewiesen wurde, dass der Geschäftsmann sich darauf vorbereitet, Ungarn anzugreifen.

Die gegen den ungarischstämmigen US-Milliardär gerichtete Angriffsserie überdauerte bis heute, aber über den Hintergrund der Geburt der Kampagne konnte man wenig wissen. Jetzt verriet aber einer von den Erfindern, George Birnbaum dem als Wochenendzeitung für mehrere schweizerischen Tageszeitungen dienenden Magazin, wie er gemeinsam mit Arthur Finkelstein das perfekte Feindbild für die Fidesz-Partei entwarf.

Die Finkelstein-Methode

Mitte der 90-er Jahre traf sich der 1970 in Los Angeles geborene,  von einem Holokaust-überlenden Vater abstammende George Eli Birnbaum mit dem auch damals bereits gut bekannten Kampagnenguru, Arthur Finkelstein in Washington. Er wurde zu eines der „Kinder von Finkelstein” (Finkelstein’s Kids), also die die Wissenschaft der Organisierung der effektiven politischen Kampagne vom Meister selbst erlernen konnten.

Der urspünglich in der Finanzwelt beschäftigte Finkelstein arbeitete die von ihm geführten Kampagnen stark anhand der Ergebnisse der Umfragen heraus:

„Alles, was Arthur tat, tat er auf die Zahlen basiert. Aber aus den Zahlen konnte niemand das etnehmen, was Arthur.”

Nicht nur das Alter, den Wohnort, oder den politischen Standpunkt der Befragten entnahm er aus den Zahlen, sondern hat auch wichtige Muster erkannt. Zum Beispiel hatte er schon früh herausgefunden, dass die Menschen meistens vor solchen Sachen Angst haben, wie Drogen, Kriminalität, oder (von ihrer eigenen) abweichende Hautfarbe. Finkelstein meinte, dass er das beste Ergebnis durch die Aufhetzung der Wähler gegeneinander erreichen kann, nämlich mit Hilfe der Angst.

„Solche Themen sollen angesprochen werden, wovor die Menschen Angst haben, und diese müssen so eingestellt sein, als würde die Gefahr von den Linken kommen.”- schrieb Finkelstein dem US-Präsidenten Richard Nixon 1972.

Der Kampagnenexperte erkannte auch, welche starke Wirkung die negative Kampagne haben kann, also, wenn der Kandidat statt seinem Programm bekannt zu machen, permanent den Gegner attackiert. Finkelstein meinte, dass sich jede Wahl bereits vor der Abstimmung entscheide, weil die Meisten von Anfang an wissen, für wen sie stimmen werden, und es ist daher sehr schwierig, ihre Entscheidung zu verändern.

Das nennt man „die Unterdrückung der Wähler” (voter supression) und die modernen rechtslastigen Populisten verwenden diese Methode mit Vorliebe, diese Elemente sind in den Kampagnen der letzten Jahrzehnte von Ungarn bis in den USA markant zu erkennen.

Aus der Kombination der oben Skizzierten arbeitete Finkelstein später eine effektive Methode der negativen Kampagne heraus, die sogenannte „ablehnende Stimme” (rejectionist voting), wonach ein bestimmter Feind in der Kampagne benannt wird, der ununterbrochen attackiert werden soll, auf den alle, von den Wählern als negativ beurteilte Sachen projiziert werden können, damit er im Folge darauf das Vertrauen seiner Wähler verliert.

Finkelstein rechnete damit, dass der Gegner versuchen wird, auf diese Angriffe zu reagieren, womit er nur erreicht, dass seine Person mit den gegen ihn aufgebrachten Anklagen in den Gedanken der Wähler hängen bleibt. Am effektivsten ist, je mehr diese Anklagen überraschend und schockierend sind, da in diesem Fall man damit vielmehr rechnen kann, dass die Medien diese übernehmen und verbreiten.

Die in den USA herausgearbeitete Methode brachte Finkelstein dann auch an den internationalen politischen Markt: im Jahre 1996 ermöglichte er damit die Machtübernahme von Benjamin Netanjahu in Israel, später, 2006, nahmen Finkelstein und Birnbaum durch eine gemeinsame Firma Osteuropa ins Visier. So unterstützten sie Calin Popescu-Tariceanu in Rumänien, Sergej Stanistschev in Bulgarien durch ihre Kampagnen und 2008 fanden sie mit Hilfe Netanjahus, seines alten Freundes auch Viktor Orbán.

Der perfekte Feind

Die Kooperation mit der damaligen Oppositionspartei Orbáns hatte so dermaßen einen guten Start, dass sie bereits in jenem Jahr, an der sozialen Volksabstimmung  günstige Ergebnisse für die Fidesz-Partei erzielen konnten, und Orbán auf den Weg zum Wahlsieg 2010 gesetzt werden konnte.

Birnbaum sagte dem schweizer Blatt: offiziell schloss die Fidesz-nahe Századvég-Stiftung einen Jahresvertrag mit uns ab.

„Wir haben die Sozialisten schon vom Feld geräumt, bevor die Wahlen starteten” – so Birnbaum, und auch nach zehn Jahren kann er es kaum glauben, durch welche Leichtigkeit das gemeistert wurde. Für die nächste Kampagne brauchten sie jedoch ein neues Ziel. Es war für sie günstig, dass nach der Finanzkrise Ungarn Kredite aus dem Ausland aufnahm, wodurch die Weltbank, die EU, sowie IMF die Bedingungen vorgaben. Zum neuen Feindbild wurde also „das Finanzkapital” auserkoren, und die „ausländischen Bürokraten”, womit der Plan tadellos aufging.

Nach den Fidesz-Siegen 2010 und 2014 war es ja sinnlos, die größeren Oppositionsparteien, wie Jobbik oder MSZP als Hauptgegnern einzustufen, auch das Finanzkapital wurde besiegt, anderswo musste gesucht werden.

„Arthur sagte immer, dass die Alliierten nicht gegen die Nazis, sondern gegen Hitler kämpften, die Amerikaner nicht gegen die Al-Kaida, sondern gegen Osama bin Laden” – zitierte Birnbaum seinen Mentor. So musste man die Person finden, gegen die sie die Wähler aufhetzen können. Das Endergebnis entstand aus zwei Komponenten.

Ein Element war nämlich das Steckenpferd Orbáns, dass eine neue, von der bisherigen noch mehr dramatische historische Narrative für Ungarn geschaffen werden muss, dabei bot ihm die Historikerin Mária Schmidt ihre Hilfe an. Die Direktorin des Museums „Haus des Terrors” stellt das mit Hitler sich vereinbarende Ungarn immer als unschuldiges Opfer ein, das von Feinden umzingelt war, und trotzdem tapfer seine Identität verteidigte. Laut Schmidt stand die ungarische Nation permanent unter Belagerung, mal von den Osmanen, mal von den Nazis, mal von den Kommunisten, und Ungarns Aufgabe es sei, den äußeren Einfluss zurückzudrängen, und das Christentum zu verteidigen.

Das andere Element war – laut Birnbaums Ausführungen – die Weiterentwicklung des Motivs des „Ungarn angreifenden Finanzkapitals”:

Man brauchte eine Person, die das gefährliche ausländische Finanzkapital nicht nur steuert, sondern dieses sogar verkörpert – das wurde George Soros, der Ungarn angreifende und währenddessen die Hintermacht steuernde perfekte Feind.

Dem Magazin sagte eine weitere Quelle, dass sie durch telefonische Umfragen gemessen haben, ob Soros in Ungarn bekannt genug sei, um  auf ihn die negative Kampagne aufbauen zu können. Birnbaum bestätigte dies nicht, aber verriet, dass Orbán Finkelstein bedingungslos vertraute, darum war es nicht schwierig, ihn davon zu überzeugen, Soros als neuen Feind zu nehmen. Das Magazin kontaktierte auch den Sprecher des ungarischen Ministerpräsidenten, aber er wollte die Nachricht nicht kommentieren.

Ein früherer Meinungsforscher der Fidesz-Partei sagte jedoch dem Blatt:

„Für die Politik Orbáns war nichts wichtiger als Finkelstein, und auch Finkelstein hatte keinen besseren Lehrling, als Orbán.”

Soros erwies sich wirklich als perfekten Feind. Einerseits konnte man ihn als Liberalen abstempeln, andererseits verkörpert er das, was die Konservativen in den erfolgreichen Linken so hassen: ein Finanzspekulant, der gleichzeitig die Schwächung des Kapitalismus ersehnt. Zum dritten äußert er sich nicht zur Politik, er hat keine Mitteln um zurückzuschlagen, und lebt außerdem gar nicht in Ungarn.

Ersichtlich ist Birnbaum auch heute stolz auf ihre Erfindung:

„Es war so offenbar. Das war am Einfachsten von unseren Produkten. Man musste es nur verpacken und an den Markt bringen.”

Fortsetzung folgt!

Quelle:

Kitálalt a Fidesz kampánytanácsadója: így csináltak Sorosból tökéletes ellenséget | 24.hu

Egy, már korábban elindult propaganda-hadjárat kicsúcsosodásának lehettünk szemtanúi 2017 júliusában, amikor országszerte megjelentek a hirdetőtáblákon az Orbán-kormány legújabb nemzeti konzultációját reklámozó óriásplakátok. A plakáton Soros György feje volt látható, mellette pedig a szöveg: „Ne hagyjuk, hogy Soros nevessen a végén!“, amellyel arra utaltak, hogy az üzletember éppen Magyarországot készül megtámadni.