Jüdischer Unternehmer packte aus: so entstand der Soros-Plan (Teil 2)

Foto: alfahir.hu

Den ersten Teil finden Sie hier.

Die Kampagne

Die Kampagne gegen Soros begann am 14. August 2013, als ein Artikel im regierungstreuen Magazin Heti Válasz veröf­fentlicht wurde, der sich gegen die ange­blich von Soros ges­teuerten Zivilorganisationen gerichtet wurde. Damals wurde die von der Regierung und der regierungs­fre­undichen Presse ver­bre­it­ete Verschwörungstheorie geboren, wonach Soros Ungarn angreife. Danach hat die Regierung es auf die „Ökotárs-Stiftung” abge­se­hen, Computer wur­den beschlagnahmt, vor­läu­fig stellte die Regierung die Auszahlungen des ungarisch-schweizer Fonds ein, und obwohl die Ermittlungen nichts ergaben, ent­stand das Bild der „gefährlichen NGOs”, das bis heute andauert.

Die Fortsetzung der Propaganda trieb die Migrationskrise 2015 voran, sowie ein Essay, worin George Soros prog­nos­tisierte, dass in der nahen Zukunft 1 Million Flüchtlinge die Europäische Union über­fluten wer­den. Dieses taufte die Regierungspropaganda später „Soros-Plan”, und so wurde George Soros der Erzfeind, der laut der Fidesz-Partei Europa und Ungarn mit Flüchtlingen über­fluten will.

Ende 2015 wur­den die zwei Feindbilder vere­inigt: jede Zivilorganisation, die von der Open Society Foundation von Soros Geld bekommt, wird von Soros selbst ges­teuert, und diese Mitarbeiter sind aus dem Ausland finanzierten „Söldner”. Von hier aus war es nur noch ein Schritt, Putin kopierend (der eine auch von Soros finanzierte Universität in Sankt-Petersburg schließen ließ), und die Central Europe University unter Beschuss zu nehmen. Anschließend fol­gte die Plakat-Hetzkampagne, und sie gelangten ans Ziel: Die Popularität von Soros sank, und er das leib­haftige Böse.

Der Milliardär kon­nte – obwohl er ange­grif­fen wurde – entsprechend der Finkelstein-Formel gar nichts dage­gen tun.

Hätte er die Angriffe immer stärker abgelehnt, hätte er somit vielmehr die Behauptung bestätigt, dass er sich in die Politik ein­mis­cht – erk­lärte Birnbaum. Und Soros hatte keine Motivation, in die ungarische Politik einzusteigen.

Offiziell gab die Fidesz-Partei niemals zu, dass die amerikanis­chen Kampagnenexperten ihre Arbeit unter­stützt hät­ten. Der Pressechef Viktor Orbáns sagte 2015, dass weder Fidesz noch die Regierung Finkelstein bezahle, sie wür­den lediglich Gespräche führen. Im sel­ben Jahr grün­de­ten in London Finkelstein, und der Berater des Ministerpräsidenten, Árpád Habony eine gemein­same Firma, die nach dem Tode Finkelsteins von Habony über­nom­men wurde.

Das ungarische Modell

Das Finkelstein-Birnbaum-Duo erstellte ein so der­maßen gut funk­tion­ieren­des Produkt, dass sie das auch exportieren konnten.Von Kolumbien über Israel und von Kenia bis nach Australien tauchten Anti-Soros-Propagandastimmen in zahlre­ichen Ländern auf. In Italien 2017 ver­bre­it­eten sich erfun­dene Geschichten über von Soros bezahlte Flüchtlingsschiffe, und 2018 sprach auch Donald Trump davon, dass von Soros bezahlte Migrantenkarawanen in Richtung amerikanis­che Grenze vor­drin­gen.

Im Gespräch mit dem Journalisten Hannes Grassegger vom schweiz­eri Blatt leugnete Birnbaum, dass er auch mit den außer­halb von Ungarn geführten Anti-Soros-Kampagnen zu tun habe. Aber, fügt der Journalist hinzu, das hätte er gar nicht nötig. Mit Finkelstein ent­warf er ein so starkes und effek­tives Feindbild, das global, frei zugänglich und tre­f­flich adap­tier­bar sei.

Es tauchte auch die Frage auf, ob die auf Soros abgeziel­ten Angriffe einen anti­semi­tis­chen Ton inne hät­ten – laut Stimmen war das der Grund. Das von den zwei Juden erstellte Feindbild ähnele gespen­sisch dem ural­ten anti­semi­tis­chen Topos, des bösen, geizigen, die Weltmacht anstreben­den Juden – erin­nerte der Artikel des Magazins. Den seine Religion aktiv ausüben­den Birnbaum empöre jedoch sogar die Annahme, dass er was mit einer anti­semi­tis­chen Kampagne zu tun hätte:

„Als wir die Kampagne her­aus­gear­beitet haben, fiel uns nicht ein­mal für eine einzige Sekunde ein, dass Soros Jude ist.”

Sogar sagt er, dass er das vom Milliardär über­haupt nicht wusste. Er fügte noch hinzu, dass er mit Antisemiten nie zusam­me­nar­beiten würde, und im Vorfeld hätte er sich informiert, wie Orbán zu den Juden steht, und er hörte nichts Verdächtiges.

„Wenn jemand ein Jude ist, dann darf ich ihn gar nicht mehr angreifen?”- fragt der Kampagnenberater.

Grassegger erin­nerte aber daran: Der Name von Soros war sowohl für Birnbaum wie auch für Finkelstein seit Jahrzehnten bekannt. Außerdem nutzte Finkelstein bere­its in einer Kampagne in den 80-er Jahren die anti­semi­tis­che Attitüde der Wähler eines Kandidats, und weigerte sich auch nicht, als Homosexueller Berater eines solchen Politikers von Jesse Helms zu sein, der die Gleichberechtigung von Homosexuellen anfocht.

Im Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass anti­semi­tis­che Angriffe auch in den USA immer mehr zunah­men, aber Birnbaum fühlt sich hier­für über­haupt nicht ver­ant­wortlich.

„Unsere Kampagne machte nie­man­den zum Antisemiten, der es zuvor nicht war. Höchstens zeigten wir ihnen ein neues Opfer, etwas anderes ist nicht passiert. Ich würde nichts anders machen wollen.”

Quelle:

Kitálalt a Fidesz kampánytanácsadója: így csináltak Sorosból tökéletes ellenséget | 24.hu

Egy, már koráb­ban elin­dult pro­pa­ganda-had­járat kic­súc­sosodásá­nak lehet­tünk szem­tanúi 2017 júliusában, amikor országsz­erte meg­je­len­tek a hird­e­tőtáblákon az Orbán-kor­mány legú­jabb nemzeti konzultá­cióját rek­lá­mozó óriás­plaká­tok. A plaká­ton Soros György feje volt látható, mel­lette pedig a szöveg: „Ne hagyjuk, hogy Soros nevessen a végén!“, amel­lyel arra utal­tak, hogy az üzletem­ber éppen Magyarországot készül megtá­madni.

 

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