Autonomie in Südtirol: Vorbild für die Szekler

flickr.com/ Karoly Czifra (CC BY-SA 2.0)

Die Ungarn hören aus Bukarest oft, dass die Szekler eigentlich keine Selbstbestimmung brauchen, und, dass, wenn die Autonomie verwirklicht wird, die schon Mehrheit werdenden Ungarn die in Minderheit lebenden Rumänen unterdrücken würden. Bezüglich dieser Frage erkundigte sich das Portal Alfahír bei zwei Experten, einem Südtiroler Deutschen und einen Italiener, der in Südtirol lebt. Bei der in der vorigen Woche abgehaltenen Budapester Autonomie-Konferenz gaben der ehemalige Parlamentspräsident Südtirols Oskar Peterlini und der Politologe, Mitarbeiter des minderheitlichen Amtes, Davide Zaffi Interviews darüber, wie die Südtiroler Deutschen und italienische Minderheit, die dort angesiedelt wurde, die fast 50-jährige Autonomie erlebt.

Fangen wir von den Fundamenten an. In einem demokratischen Land, wo die persönlichen Freiheitsrechte gesichert sind, warum braucht eine in Minderheit lebende Gemeinschaft Autonomie?

Oskar Peterlini: Weil allein nur das den Fortbestand unserer Muttersprache im Bildungswesen und in den Ämtern garantiert. So können wir unsere Kultur und Identität bewahren, aber geht es nicht nur um sprachliche sondern auch um eine völkische Frage.

Wir treffen unsere Entscheidungen über wichtige Sachen vor Ort, man weiß nicht in Rom nicht, was gut für uns ist. Dies wirkt sich auch auf die Wirtschaft positiv aus: Heute sehen wir, dass hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens, Südtirol die reichste Region ist. Diese Wohlfahrtsgemeinschaft, welch in der Region verwirklicht wurde, gewährleistet die gesellschaftliche und politische Stabilität.

Davide Zaffi: Aber nicht alle Italiener in Südtirol unterstützen die Autonomie. Mehrere Italiener führen Debatten darüber, doch es wird immer eindeutiger, dass es auch uns, der Minderheit gut tut, wenn wir größere Stimme in den Fragen unseres Geburtslandes genießen.

Ich meine, die Autonomie ist für die Region, die einheimischen und angesiedelten Menschen von vornherein eine ganz positive Sache, auch abgesehen von Nationalität und Muttersprache.

Gegen die Autonomie des Szeklerlandes kommt die Angst immer hervor, dass die Ungarn die in Minderheit lebenden Rumänen unterdrücken werden. In Südtirol haben Sie schon eine 50-jährige Erfahrung in diesem Thema. Unterdrückt die nach dem Erwerb der Autonomie Mehrheit werdende Minderheit die von Mehrheit zu Minderheit wandelnde Nation?

D.Z.: Diese Besorgnisse sind absolut grundlos. Wir müssen zu Hause keine Diskriminierung erleiden, uns stehen die selben Rechte zu wie den Deutschen.

O.P.: Gemäß dem Autonomiestatut werden die deutschen, italienischen und ladinischen Muttersprachler in den Ämtern entsprechend ihrem Anteil vertreten. Die Behörden verteilen auch die Wohnungsunterstützungen, die Mietwohnungen, und die Arbeitsplätze der staatlichen Angestellten nach der ethnischen Proportionalität.

D.Z.: Die Deutschen und die Italiener schicken ebensoviele Abgeordnete ins regionale Parlament, den Parlamentspräsidenten gibt mal die deutsche, andermal die italienische oder ladinische Gemeinschaft.

Für uns, Italiener ist dieses Parität-System besonders vorteilhaft, da wir nur einen Viertel der Bevölkerung der Region ausmachen.

In der westlichen öffentlichen Meinung und den Entscheidungsorganen der EU begreift man die Autonomiebestrebungen des Auslandsungarntums oft als den die Stabilität bedrohenden Faktor, und so lehnen sie diese ab. Südtirol ist aber ein ganz markantes Gegenargument dieses Verhaltens. Was soll die politische Elite und Intelligenz Südtirols tun, um diese negative Einstellung zu verändern?

D.Z.: Ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dass, hätte die Europäische Union bereits in den 60ern existiert, die Südtiroler Autonomie in dieser Form sicherlich nicht zustandekommen hätte können.

Die Führung der EU ist gleichmachend, und präferiert die einheitliche Regelung, nicht nur auf Landes- sondern auch auf Kontinentsebene. Die lokalen Gesetze, Regeln stört sie. Immerhin würde ich nicht glauben, dass die EU en bloc die Autonomiebestrebungen einheitlich ablehnt. Man kann und muss Dialoge über diese Frage führen.

O.P.: Ich hoffe, dass immer mehrere in Europa erkennen: die Alternative der Autonomie ist nicht die stille Stabilität, sondern die Sezession, der Separatismus. Wenn etwas, dann dies kann  den Frieden des Kontinents untergraben. Je mehr Rechte gibt ein Land seinen Staatsbürgern, desto sicherer kann es sich fühlen. Ich glaube, dass früher oder später auch Rumänien es verstehen wird.