Mitteleuropa bleibt christlich: Riesendemo gegen Abtreibung in Pressburg

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Fürs Leben und fürs Vaterland!“ In der slowakischen Hauptstadt Pressburg haben rund 50.000 Menschen für den Lebensschutz und strengere Gesetze gegen Abtreibungen demonstriert. Beim dritten nationalen Pro-Life-Marsch zogen am vergangenen Sonntag Teilnehmer aus der Slowakei und ihren Nachbarländern auf einem zwei Kilometer langen Weg rund um das Präsidentenpalais und das Regierungsgebäude. Unter dem Motto „Für die Kleinsten unter uns“ forderten die Demonstranten eine Revision des noch aus kommunistischer Zeit stammenden Gesetzes, das eine straflose Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche vorsieht. Die Frist müsse herabgesetzt oder ganz gestrichen werden und bessere Information und begleitende Maßnahmen sollten es betroffenen Frauen ermöglichen, von einem Schwangerschaftsabbruch Abstand zu nehmen, hieß es.

Der Pressburger Erzbischof und Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Stanislav Zvolensky, überbrachte bei einem von ihm geleiteten Gottesdienst im Rahmen des Pro-Life-Marschs Segenswünsche von Papst Franziskus. Der Papst hoffe, „dass diese lobenswerte Initiative mit dem Ziel, den unschätzbaren Wert des menschlichen Lebens vom ersten Moment seiner Empfängnis bis zum letzten Atemzug einen erneuten Einsatz in der Zukunft wie in der Gegenwart bewirkt“, verlas Zvolensky ein vom vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnetes Grußwort.

Der Kaschauer Erzbischof Bernard Bober sagte in seiner Predigt bei dem Gottesdienst auf dem Freiheitsplatz, die „Führer der Welt“ sprächen heute viel über den Frieden und verurteilten Krieg und Mord, wollten aber „nicht laut zugeben, dass der größte Feind in den westlichen Gesellschaften das Hinschlachten der ungeborenen Kinder“ sei und dass dies „ein direkter Krieg, ein direktes Umbringen, ein direkter Mord sei, bei dem mehr Menschen sterben als in bewaffneten Konflikten“.

Veranstaltet wurde der Pro-Life-Marsch, der in der Slowakei „Marsch für das Leben“ (Pochod za zivot) genannt wird, von der Slowakischen Bischofskonferenz sowie der von ihr für die Abwicklung von Projekten eingerichteten Organisation „Kanet“. Der erste Marsch fand 2013 in der ostslowakischen Metropole Kosice statt, der zweite 2015 in Bratislava, damals mit 85.000 Teilnehmern.

Stärker als bisher sollte der dritte Marsch die positiven Aspekte des Lebensschutzes in den Vordergrund stellen. Man wolle, so Erzbischof Zvolensky, „dass wir gemeinsam durch Straßen der Stadt Bratislava ziehen, um ruhig und freudig zu zeigen, dass wir das menschliche Leben vom Beginn bis zum natürlichen Tod hochhalten“. Die Organisatoren riefen die Teilnehmer auf, sich aggressiver und beleidigender Äußerungen zu enthalten. Insbesondere distanzierte man sich von allen Äußerungen, die zu einer „Unterdrückung von Menschenrechten und Freiheiten“ führen könnten. „Unpassende politische und andere Reklame“ sei nicht erwünscht.

Unüberhörbar hatte insbesondere Parlamentspräsident Andrej Danko seine Teilnahme am Pro-Life-Marsch angekündigt. Der Vorsitzende der gemäßigten Slowakischen Nationalpartei (SNS) hatte noch bei der Nationalwallfahrt in Sastin am 15. September erklärt, es gebe „nicht gar so viele Abtreibungen“ und angesichts der nahenden Parlamentswahlen solle man „Themen suchen, bei denen wir uns zusammenschließen und nicht auseinanderdividieren“.

Am vergangenen Freitag unterzeichnete Danko jedoch mit Tomas Taraba, dem Vorsitzenden der erst vor einigen Monaten gegründeten Partei „Christliche Demokratie – Leben und Wohlstand – Allianz für die Slowakei“, ein Memorandum „Fürs Leben und fürs Vaterland“. Man habe damit einen ersten Schritt getan, „um in ein so ernstes Thema wie dem Lebensschutz Rationalität einzubringen“. Zu einem runden Tisch werde man „alle relevanten politischen Parteien“ einladen, ausgeschlossen sei jedoch eine Zusammenarbeit mit Kotlebas LSNS. Zusammen mit der „Allianz für das Leben“, die 2015 das fehlgeschlagene „Referendum für die Familie“ organisiert hatte, wolle man das Strafgesetz novellieren und „die Propagierung und Erleichterung der Pädophilie sowie anderer sexueller Abwege verbieten“.

Zentralfigur der neuen Partei ist Stefan Kuffa, der ursprünglich im Parlamentsklub der OLaNO und später Mitglied der Christdemokratischen Bewegung (KDH) war. Sein Bruder Marian Kuffa, Pfarrer in Zakovce zu Füßen der Tatra, ist wegen seines Engagements für die Obdachlosen, aber auch seiner radikalen Ablehnung Homosexueller landesweit bekannt.

Quelle: kathpress.at