Absur­di­stan: wo blieben die Milli­arden des Westens?

Foto: Staff Sgt. Teddy Wade / Wikimedia (PD)

Die west­li­chen Länder, insbe­son­dere die USA und Groß­bri­tan­nien, haben in den letzten Jahren Milli­arden von Dollar nach Afgha­ni­stan gepumpt, aber das Gegen­teil von dem erreicht, was sie wollten. Sie wollten eine neue Gesell­schaft aufbauen, aber statt­dessen wurde das Geld benutzt, um die Korrup­tion zu fördern, die den Nähr­boden für die Rück­kehr der Taliban bildete. Millionen wurden für Schulen ausge­geben, die zusam­men­ge­bro­chen waren oder nicht genü­gend Bänke hatten. Die Hilfs­lie­fe­rungen landeten oft auf den Lände­reien von Warlords und Mafia­bossen, was die Armut nur noch vergrößerte.
 

Bevor die Taliban Afgha­ni­stan zurück­er­oberten, unter­nahmen die west­li­chen Länder etliche Versuche, die Lebens­qua­lität der Menschen vor Ort zu verbes­sern und eine neue Gesell­schaft aufzu­bauen. Infol­ge­dessen haben sie Unsummen von Geld in das Land gepumpt, was ganz einfach eine Verschwen­dung war“, so die Daily Mail.

Die toska­ni­schen Ziegen

Neun toska­ni­sche Ziegen wurden vom Pentagon nach Afgha­ni­stan geflogen, um die lokale Kasch­mirin­dus­trie anzu­kur­beln und Tausende von Arbeits­plätzen zu schaffen. Für das Programm waren insge­samt 4,4 Millionen Pfund vorgesehen.

Diese Ziegen wurden mit einhei­mi­schen Tieren gepaart, um die Qualität zu erhöhen. Die toska­ni­schen Ziegen kamen jedoch mit den Bedin­gungen in Afgha­ni­stan nicht zurecht, mehrere Tiere wurden krank, sie wurden auf zu kleinem Raum gehalten und die hohen Futter­preise machten das Geschäft unren­tabel, so dass der afgha­ni­sche Partner von dem Geschäft zurück­trat. Das Programm starb still und leise in Ungnade, nachdem das Geld der Steu­er­zahler völlig verschwendet wurde.

Die Behörden konnten nicht einmal sagen, was danach mit den italie­ni­schen Ziegen geschah, mögli­cher­weise wurden sie geschlachtet und gegessen.

Der ehema­lige briti­sche Premier­mi­nister Tony Blair, der die Inva­sion Afgha­ni­stans im Jahr 2001 befür­wor­tete, bezeich­nete es als seine Pflicht, Afgha­ni­stan wieder aufzu­bauen, doch abge­sehen von einigen Fort­schritten in den Berei­chen Bildung, Frauen und Soziales haben auslän­di­sche Inter­ven­tionen vor allem die Korrup­tion und damit die Rück­kehr der Taliban gefördert.

Die Verschwen­dung war einfach atemberaubend

Das Geld wurde für Geis­ter­schulen, Phantom-Mili­tär­ein­heiten, tragi­ko­mi­sche und dilet­tan­ti­sche Drogen­ope­ra­tionen und milli­ar­den­schweren Bau- und Treib­stoff­be­trug ausgegeben.

US-Diplo­maten vor Ort berich­teten Washington, dass ein afgha­ni­scher Vize­prä­si­dent mit 38 Millionen Pfund in bar nach Dubai flog und dass Drogen­händler und korrupte Beamte wöchent­lich 170 Millionen Pfund aus einem Land schmug­gelten, in dem das Durch­schnitts­ein­kommen nur 430 Pfund pro Jahr beträgt.

Dies zeigt, welche Auswir­kungen es hat, wenn riesige Mengen an Hilfe in ein Land gepumpt werden, das sich in einem Konflikt befindet. Vor mehr als einem Jahr­zehnt erklärte der US-Sonder­ge­sandte Richard Holbrooke, dass die Korrup­tion die Bemü­hungen um den Aufbau einer neuen Demo­kratie zunichte mache. Sie ist das wich­tigste Rekru­tie­rungs­in­stru­ment der Taliban.

Rekru­tie­rung junger Männer

Die Vereinten Nationen warnen seit mehr als einem Jahr­zehnt davor, dass die afgha­ni­schen Sicher­heits­kräfte Minder­jäh­rige rekru­tieren. Im vergan­genen Jahr räumte das US-Außen­mi­nis­te­rium ein, dass in Afgha­ni­stan nach wie vor die Gefahr besteht, dass hoch­ran­gige Beamte kleine Jungen als Sexsklaven halten. Trotzdem sind sie nie straf­recht­lich verfolgt worden.

In den ersten Jahren nach 2001 war der US-Haus­halt für zivile Zwecke relativ gering, da das meiste Geld für die Bekämp­fung des Terro­rismus ausge­geben wurde. Die Verei­nigten Staaten verspra­chen, bis Ende 2004 1.000 Schulen und Kliniken zu bauen oder zu reno­vieren, aber sie haben kaum ein Zehntel davon erreicht. Dann wurden die Geld­hähne aufge­dreht, denn „Nation-Buil­ding“ wurde zum Schlüsselwort.

Es gab viele absurde Inves­ti­tionen, wie z. B. 32 Millionen Pfund für eine Erdgas­quelle, 140 Mal mehr als der Bau einer Gasquelle im benach­barten Paki­stan kostet. Erst nach dem Bau wurde den Projekt­ver­ant­wort­li­chen klar, dass die Umrüs­tung der Autos auf Gas mehr kostet als das durch­schnitt­liche Jahres­ein­kommen, so dass kein Afghane die Gasquelle nutzen wird.

Oberst Chris­to­pher Kolenda, ein US-Mili­tär­be­rater, sagte, Afgha­ni­stan sei bis 2006 zu einer Klep­to­kratie statt zu einer Demo­kratie geworden. Dieje­nigen, die Poli­tiker werden wollten, zahlten korrupten Parteien und Führern große Summen für das Amt, und dann wurden die Bestechungs­gelder aus Hilfs­pro­grammen oder dem ille­galen Verkauf von Uniformen und Muni­tion zurück­ge­stohlen, aber die Poli­tiker ließen sich auch gerne auf Drogen­handel und Entfüh­rungen ein.

In Anbe­tracht dessen ist es kein Wunder, dass das briti­sche Vorgehen gegen den Mohn­anbau in Höhe von 6,6 Milli­arden Pfund bzw. 2.800 Milli­arden Pfund geschei­tert ist. Im Büro eines lokalen Gouver­neurs, der an dem Anti-Opium-Programm betei­ligt ist, wurden 9 Tonnen Mohn­samen gefunden. Nachdem er entlassen worden war, schloss er sich mit allen 3.000 seiner Männer den Taliban an.

Im Jahr 2010 war das Ausmaß der Korrup­tion in dem Land deut­lich zu erkennen, trotz der enormen Geld­summen, die von west­li­chen Ländern bereit­ge­stellt wurden. Die USA haben in zwei Jahr­zehnten fast tausend Milli­arden Dollar ausge­geben, und Groß­bri­tan­nien hat 30 Milli­arden Pfund, davon 3,3 Milli­arden Pfund für Entwick­lungs­hilfe, in einem Land mit 38 Millionen Einwoh­nern ausge­geben. Wären alle inter­na­tio­nalen Hilfs­gelder einfach unter den Afghanen verteilt worden, wäre jeder Bürger sofort Millionär geworden. Statt­dessen ist die Zahl der armen Menschen in einem ohnehin schon armen Land noch gestiegen. Eine Bank in Kabul hat über ein Netz von Brief­kas­ten­firmen „Kredite“ an Minister, Beamte und führende Mili­tärs vergeben, die sich auf 12 Prozent des jähr­li­chen BIP des Landes belaufen.

Die Bank gab außerdem 117 Millionen Pfund für 35 Luxus­villen in Dubais Insel­kom­plex Palm Jumeirah aus, die für VIP-Unter­hal­tung genutzt wurden.

All das Geld hat nur zur Korrup­tion beigetragen.

Vor drei Jahren deckte das Rede­ve­lo­p­ment Inspec­to­rate auf, dass von den 38 Milli­arden Pfund, die für Sanie­rungs­pro­jekte ausge­geben wurden, 11,4 Milli­arden Pfund gestohlen, verschwendet oder verloren wurden.

Schulen ohne Schulbänke

Viele Schulen werden inzwi­schen nach dem west­li­chen Modell gebaut, aller­dings zu einem fünfmal höheren Preis. In den Gebirgs­re­gionen konnten die Schulen nicht mit den übli­chen schweren Dächern ausge­stattet werden, und die leich­teren Dächer stürzten im Winter wegen der starken Schnee­fälle ein. Die USA gaben 800 Millionen Pfund für diese Schulen aus, doch die Hälfte von ihnen verfügte nicht über genü­gend Tische oder Stühle. Es wurden Gelder an Personen vergeben, die nicht exis­tierten, und Lehrer fälschten Namen.

Ein Kraft­werk kostete 246 Millionen Pfund, zehnmal mehr als geplant, und lieferte dann weniger als ein Prozent der verspro­chenen Leis­tung, weil kein Geld für den Betrieb vorhanden war. Sogar der 62-Millionen-Pfund-Kredit für das Hotel gegen­über der US-Botschaft ist verschwunden.

Gert Bert­hold, ein Buch­halter, der an der Analyse eines milli­ar­den­schweren Vertrags betei­ligt war, kam zu dem Schluss, dass vier von zehn Dollar in die Taschen von korrupten Beamten, Gangs­tern oder Rebellen flossen.

Und das Ergebnis ist bekannt: Ein demo­kra­ti­scher US-Präsi­dent am Rande des Nerven­zu­sam­men­bruchs, Joe Biden, zieht sich, grob gesagt, völlig sinnlos aus Afgha­ni­stan zurück. Die Taliban-Terro­risten haben sofort mit Hinrich­tungen auf der Straße und einer Fahn­dung begonnen. Es wird erwartet, dass schät­zungs­weise 5 Millionen Afghanen nach Europa fliehen wollen und Migranten erneut versu­chen werden, Europa zu über­fluten. Und in Brüssel ist wieder von verbind­li­chen Quoten die Rede.

Quelle: origo.hu


5 Kommentare

  1. Stöhn.
    Ja, wo sind denn die Milli­arden des Westens bloß hin?

    Aalso, das geht so: In irgend­einem Büro irgend eines Staats sitzen irgend­welche Leute in irgend­wel­chen hohen Posi­tionen. Da sagt einer: „Wisst ihr was? Wir gründen jetzt ein Büro in XYZ-tistan, und nennen das Entwick­lungs­hil­fe­büro“. „Ja“, sagen die anderen wie aus einem Mund. „Du wirst Geschäfts­führer der neuen NGO und wir versorgen dich von hier aus mit Geld“. Gesagt, getan. Alsbald war das neue Entwick­lungs­hil­fe­büro fertig, und das Geld floss in Strömen aus der öffent­li­chen Hand des helfenden Staates in die Entwick­lungs­hilfeTasche des Kollegen vor Ort. 

    Ja, so wird das gemacht, immer und überall.

    • pst: natür­lich gibt der empfan­gende Kollege seinen spen­denden Kollegen etwas ab: Die Beute wird wie bei jeder Bande gerecht geteilt 🙂

    • Aber insge­samt sehr schön geschrieben, danke dafür. Obwohl es traurig ist, sowas immer wieder lesen zu müssen. Da vergeht einem glatt die Lust am Mensch-sein. Ehrlich­keit scheint nur noch eine Eigen­schaft der Dummen zu sein.

  2. Wir wissen seit langen Zeit, Afgha­ni­stan war nur gut um die Tril­lion Militär Budget Penta­gons zu Verant­worten. Mit solch ein Budget braucht Man feinden.

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