Alain de Benoist: „Keine Wahl, nicht einmal eine Präsi­dent­schafts­wahl, kann die Bedin­gungen für eine echte Revo­lu­tion schaffen, die unser Volk braucht“ [Inter­view]

Bildquelle: Breizh-info

Wir baten Alain de Benoist um seine Analyse des Durch­bruchs von Eric Zemmour im Kampf um die Präsi­dent­schafts­kan­di­datur, aber auch seiner wahr­schein­li­chen Konfron­ta­tion mit Marine Le Pen und Emma­nuel Macron.

Wir nutzten auch die Gele­gen­heit, Alain de Benoist über die Konti­nuität der von den Behörden betrie­benen Covid-Tyrannei zu befragen, aber auch über die Rolle Mittel­eu­ropas bei der Rettung der euro­päi­schen Zivilisation.


Breizh-info:
Alain de Benoist, was ist Ihre Meinung zum medi­en­po­li­ti­schen Aufstieg von Eric Zemmour einige Monate vor den Präsi­dent­schafts­wahlen? Ist dieser Aufstieg nicht ein Zeichen für das endgül­tige Schei­tern des Rassem­ble­ment National in der Politik?

Alain de Benoist: Jeder Präsi­dent­schafts­wahl­kampf in Frank­reich hat seine uner­war­teten Ereig­nisse. Dieses Jahr geht es um das Phänomen Zemmour. Ich betrachte sie mit Neugier – aber auch mit Distanz, denn ich bin nach wie vor davon über­zeugt, dass keine Wahl, auch keine Präsi­dent­schafts­wahl, die Voraus­set­zungen für die echte Revo­lu­tion schaffen kann, die unser Volk braucht.

Eric Zemmour ist ein Freund, dessen umfas­sende poli­ti­sche und histo­ri­sche Kultur ich kenne und dessen wider­spens­tige und kämp­fe­ri­sche Haltung ich bewun­dere, was mich jedoch nicht daran hindert, mit ihm in vielen Punkten nicht über­ein­zu­stimmen (sein Jako­bi­nertum, seine Kritik an der Idee des Empire, seine unein­ge­schränkte Befür­wor­tung der Assi­mi­la­tion, seine Feind­se­lig­keit gegen­über regio­nalen Namen, ganz zu schweigen von der Frage der „christ­li­chen Wurzeln“). Sein Aufstieg vom „Beinahe-Kandi­daten“ ist bemer­kens­wert, da er nun in der Lage zu sein scheint, Marine Le Pen im ersten Wahl­gang zu verhin­dern und sogar ihre Anwe­sen­heit im zweiten Wahl­gang zu verhin­dern. Sechs Monate vor den Wahlen gibt es jedoch keinen Grund, eine Prognose abzu­geben. Zemmour kann sich sehr wohl weiter­ent­wi­ckeln, wie Macron im Jahr 2017, oder plötz­lich zusam­men­bre­chen, wie Chevè­ne­ment im Jahr 2002.

Anfangs wurde Zemmours Kandi­datur einer­seits von Repu­bli­ka­nern unter­stützt, die mit Marine Le Pen in der Einwan­de­rungs­frage über­ein­stimmen, ihre Posi­tionen in sozialen Fragen aber für zu extrem halten, und ande­rer­seits von einer ganzen Reihe enttäuschter Mitglieder des Rassem­ble­ment National, die ihr vorwerfen, dass sie sich auf die Gefahr hin, ihren Diskurs zu „trivia­li­sieren“, zu sehr enga­gieren wollte, wobei ihr Haupt­ziel nicht darin besteht, die Wieder­wahl Macrons zu verhin­dern, sondern „Marine endgültig loszu­werden“. Das Problem ist natür­lich, dass es schwierig ist, Leute zu verführen, die sie zu radikal finden, und andere, die sie nicht radikal genug finden…

Ich denke auch, dass es falsch wäre, Marine Le Pen zu schnell zu begraben. Trotz des bekla­gens­werten Zustands des RN (aber bei einer Präsi­dent­schafts­wahl wählt man eine Person, nicht eine Partei) bleibt sie die bevor­zugte Kandi­datin der Arbei­ter­klasse. In seinem Bestreben, die RPR „neu zu erfinden“, sagt Zemmour, er wolle die Arbei­ter­klassen und die „patrio­ti­sche Bour­geoisie“ versöhnen (oder die Sozio­logie des Manif pour tous und die der Gilets jaunes zusam­men­führen), aber im Moment berührt er die Ersteren kaum, die ihn kaum kennen. Er erkannte dies indi­rekt an, als er am 22. Oktober erklärte, dass „Marine Le Pen nur die Arbei­ter­klasse für sich hat, sie ist in einer Art Ghetto der Arbeiter und Arbeits­losen einge­schlossen, die durchaus respek­table und wich­tige Leute sind, aber sie erreicht die CSP+ und die Bour­geoisie nicht“. Zemmour hingegen hat vor allem Erfolg bei den ehema­ligen Fillon und Bellamy-Wählern, bei der CSP+ und den Katho­liken von Versailles, d.h. bei jenem kleinen und mitt­leren Bürgertum, das um seine Zukunft und seine Iden­tität fürchtet, weil es um seine kultu­relle Unsi­cher­heit besorgt ist, Aber sehr wenig von der wirt­schaft­li­chen Unsi­cher­heit, die im Gegen­teil eine der Haupt­sorgen eines „peri­pheren Frank­reichs“ ist, das, wie Marine Le Pen sagte, „nicht akzep­tieren wird, einer ultra­li­be­ralen Vision der Wirt­schaft geop­fert zu werden“.

Es gibt in der Tat zwei sehr unter­schied­liche Arten, sich die Bildung eines neuen histo­ri­schen Blocks mit hege­mo­nialem Anspruch vorzu­stellen: die „Union der Rechten“ und das, was Chris­tophe Guilluy oder Jérôme Sainte-Marie (Bloc contre bloc, 2019, Bloc popu­laire, 2021) den „Volks­block“ nennen. Ersteres basiert auf einer Rechts-Links-Spal­tung, die heute nicht mehr viel Sinn macht, letz­teres auf einem Klas­sen­ver­hältnis, das sich mit sinkender Kauf­kraft und zuneh­mender Preka­rität immer mehr durch­setzt. Diese beiden Ansichten sind kaum mitein­ander zu verein­baren. In einer Zeit, in der alle Insti­tu­tionen, die früher für Zustim­mung sorgten, in eine System­krise geraten sind, ist es schwierig, die Forde­rungen der Arbei­ter­klasse zu berück­sich­tigen, die sowohl mit sozialem Elend als auch mit einer unkon­trol­lier­baren Einwan­de­rung konfron­tiert ist und die sehr wohl weiß, dass die Frage der natio­nalen Iden­tität untrennbar mit der sozialen Frage verbunden ist, während man gleich­zeitig versucht, den Bossen des CAC 40 Zusagen zu machen.

Warten wir also weitere sechs Monate. Dann werden wir wissen, ob Zemmour etwas anderes erreicht hat als die Wieder­wahl Macrons.

Breizh-info: Die tyran­ni­sche (offi­ziell sani­täre) Politik der fran­zö­si­schen Behörden geht weiter. Die Mehr­heit der fran­zö­si­schen Bevöl­ke­rung scheint kapi­tu­liert oder zumin­dest akzep­tiert zu haben, dass sie einen Strich­code und einen Impf­nach­weis vorlegen muss, um in der Stadt essen zu gehen, ins Kino zu kommen usw. Beun­ru­higt Sie die pauschale Unter­wer­fung einer Bevölkerung?

Alain de Benoist: Sie vergessen, dass mitten im letzten Sommer, zu einer Jahres­zeit, in der keine Gewerk­schaft es wagte, eine Demons­tra­tion zu orga­ni­sieren, in der jedoch Hundert­tau­sende Fran­zosen Woche für Woche gegen den Gesund­heits­pass demons­triert haben. Das gab es noch nie.

Ande­rer­seits – ich denke, wir haben bereits darüber gespro­chen – ist es klar, dass viele Menschen bereit sind, ihre Frei­heiten aufzu­geben, wenn sie glauben, dass ihre Sicher­heit oder ihre Gesund­heit bedroht ist. Angst ist der wich­tigste Motor für frei­wil­lige Knecht­schaft. Aber was Sie als Unter­wer­fung inter­pre­tieren, kann auch als Wider­stands­kraft oder Anpas­sungs­fä­hig­keit inter­pre­tiert werden, ohne zu verhin­dern, dass die Wut hoch­kocht. Ich persön­lich würde die allge­meine Unter­wer­fung als die Akzep­tanz eines kapi­ta­lis­ti­schen Systems durch die Massen betrachten, das dabei ist, sie ihrer Mensch­lich­keit zu berauben.

Breizh-info: Sie haben vor kurzem das Buch „Survi­ving disin­for­ma­tion“ veröf­fent­licht, in dem Sie Ihre Inter­views mit Nicolas Gaut­hier auf der Website „Boule­vard Voltaire“ zusam­men­fassen und wieder­holen. Wie können wir in einer offenen Gesell­schaft, die jede Sekunde Infor­ma­tionen produ­ziert, richtig infor­miert werden?

Alain de Benoist: Es gibt natür­lich Infor­ma­ti­ons­quellen, die besser sind als andere. Es ist nicht nötig, sie aufzu­zählen (Breizh-Info hätte dort natür­lich seinen Platz). Wichtig ist jedoch nicht so sehr, wie viele Infor­ma­tionen man aufnimmt, sondern viel­mehr, wie man deren Bedeu­tung einschätzen kann. Die Tragödie besteht darin, dass die heutigen Medien es aufgrund ihrer Struktur zuneh­mend unmög­lich machen, Infor­ma­tionen einzu­ordnen und vor allem ihren Sinn und ihre Bedeu­tung zu verstehen. Zu zeigen, dass die Ereig­nisse, die eine wirk­liche histo­ri­sche Bedeu­tung haben können, nicht unbe­dingt (und sogar selten) die sind, über die am meisten gespro­chen wird, ist genau eines der Ziele dieser Sammlung.

Breizh-info: Welcher Unter­schied besteht schließ­lich zwischen dem unzu­rei­chend infor­mierten Menschen – also demje­nigen, der nur die 8‑Uhr-Nach­richten sieht oder nur ein paar Auszüge aus einer regio­nalen Tages­zei­tung liest – und demje­nigen, der den ganzen Tag mit dem Kopf in den Nach­richten steckt, so dass er sich nicht mehr davon lösen kann?

Alain de Benoist: Letzt­end­lich weder noch. Der eine weiß nicht viel, der andere hat von allem gehört, versteht aber nichts. Ein Übermaß an Infor­ma­tion ist voll­kommen gleich­be­deu­tend mit dem Fehlen von Infor­ma­tion, was auf das Phänomen der Kontra­pro­duk­ti­vität zurück­zu­führen ist, für das Ivan Illich viele weitere Beispiele ange­führt hat.

Breizh-info: Um auf das Thema Europa und seine Zukunft zu spre­chen zu kommen, wie analy­sieren Sie die immer hefti­geren Offen­siven der Brüs­seler Kommis­sare gegen­über den Ländern Mittel­eu­ropas, allen voran Polen und Ungarn? Glauben Sie, dass die Euro­päi­sche Union mögli­cher­weise explo­dieren oder sich in zwei Teile teilen könnte?

Die Brüs­seler Kommis­sion kann nicht ertragen, was sie immer wieder als „Verstöße gegen die Rechts­staat­lich­keit“ darstellt. Dies ist nicht verwun­der­lich, da es sich um einen der Vektoren einer herr­schenden Ideo­logie handelt, die den Rechts­staat als Mittel zur Unter­wer­fung der Politik unter die Auto­rität der Richter und die Volks­sou­ve­rä­nität unter die Moral der „Menschen­rechte“ betrachtet. Die osteu­ro­päi­schen Länder ihrer­seits haben entdeckt, dass die „freie Welt“, von der sie während der kommu­nis­ti­schen Ära träumten, umso weniger ein Vorbild ist, als sie auch eine Bedro­hung darstellen kann. Polen und Ungarn sind in der von Ihnen erwähnten Kontro­verse nicht isoliert, da am 7. Oktober nicht weniger als zwölf Mitglied­staaten (Öster­reich, Bulga­rien, Zypern, Tsche­chi­sche Repu­blik, Däne­mark, Estland, Grie­chen­land, Ungarn, Litauen, Lett­land, Polen und die Slowakei) versucht haben, einen Text zu verab­schieden, der die Finan­zie­rung des Baus von Mauern oder Stachel­draht­zäunen an den Außen­grenzen der Union durch die Kommis­sion vorsieht. Dieser Antrag wurde natür­lich abge­lehnt, aber er ist dennoch von Bedeutung.

Die Visegrád-Gruppe könnte als der Beginn eines „anderen Europas“ ange­sehen werden. Dies ist eine begrün­dete Hoff­nung, aber es sollte nicht verschwiegen werden, dass die Länder der Gruppe bei weitem nicht in allen Punkten über­ein­stimmen. In der Außen­po­litik beispiels­weise orien­tiert sich Polen weiterhin blind an den Verei­nigten Staaten und bekennt sich zu einer Russo­phobie, die Ungarn nicht teilt. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Polen in einem Kräf­te­messen mit der EU viel zu verlieren hat, da es derzeit der größte Empfänger von EU-Geldern ist. Ich glaube nicht an eine Explo­sion, sondern eher an eine Implo­sion der EU, die de facto zu einer Verwer­fung führen würde.

Breizh-info: In Frank­reich würden wir uns bei dieser Hypo­these wahr­schein­lich im west­li­chen Lager wieder­finden… das heißt, nicht gerade im Lager der Vertei­diger eines zivi­li­sierten Europas… Was können wir morgen tun, um die grund­le­genden Brücken zu erhalten?

Alain de Benoist: Das Risiko, im „west­li­chen Lager“ zu stehen, scheint mir im gegen­wär­tigen Tauziehen zwischen Washington und Peking beträcht­lich zu sein, das sehr wohl eines Tages zu einem bewaff­neten Konflikt zwischen einer abneh­menden ameri­ka­ni­schen Hyper­macht und einer aufstre­benden chine­si­schen Macht führen könnte, die sich ständig behauptet. Die Verei­nigten Staaten sind bereits dabei, eine „west­liche Koali­tion“ gegen China zu bilden, ähnlich derje­nigen, die während des Kalten Krieges die Sowjet­union eindämmen wollte. Im Falle eines Krieges wäre es der größte Fehler der Euro­päer, sich auf die Seite Washing­tons zu stellen, anstatt zumin­dest eine neutrale Haltung einzu­nehmen. Europa ist nicht dazu berufen, Krieg gegen die Chinesen zu führen!

Dieser Beitrag erschien auf  BREIZH-INFO unserem Partner in der euro­päi­schen Medienkooperation.


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4 Kommentare

  1. Von dem Alge­rier als Kandi­daten halte ich gar nichts, wobei der Fran­zose Macron auch nur ein Hand­langer der globalen Hoch­fi­nanz ist. Es wird erst wieder für die Völker regiert, wenn das Global­system mit seinen Netz­werken aufge­löst wurde. Gewählt werden ja doch nur Marionetten.

  2. Das Wahlen nichts ändern, weil das Gesamt­system der Fehler ist, dieses aber nur durch einen Volks­auf­stand besei­tigt werden kann, erzähle ich (als Kommen­tare im Internet) seit vor 2010. Raten wir erneut wie all die „Mündigen Bürger“, auch die vom „helden­haften Wider­stand“ darf reagierten und reagieren …

    • Die Antwort ist nicht allzu schwer und geht vermut­lich in diese Rich­tung : „Ein Volks­auf­stand ist momentan nicht möglich, weil die Abstände coro­nabe­dingt nicht einge­halten werden können“

  3. Wo und wann war denn schon jemals eine Präsi­dent­schafts­wahl die Vorbe­din­gung für eine Revo­lu­tion? „Lasst uns einen Präsi­denten wählen, damit die Revo­lu­tion endlich starten kann“. Dass aktuell alles quer läuft, und die Wirkung neuer­dings vor der Ursache kommt, ist klar – aber langsam nimmt das Züge an, die ohne patho­lo­gi­sche Kennt­nisse nicht mehr erklärbar sind …

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