Dr. Norbert van Handel: Corona und danach

Dr. Norbert van Handel

Ein Gast­kom­mentar von Dr. Norbert van Handel (Steinerkirchen/Traun)

Im 14. Jahr­hun­dert forderte die Pest etwa ein Drittel der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung. Nach dem ersten Welt­krieg starben an der Spani­schen Grippe rund 50 Millionen – sie war die tödlichste Pandemie bisher.
Die Folgen von Corona dürften sich in wesent­lich gerin­geren Zahlen nieder­schlagen. Dennoch ist es richtig, wie z.B. in Öster­reich die Regie­rung gehan­delt hat: konse­quent und unter Einbin­dung des Parla­ments.
Dies brachte ihr auch die Zustim­mung der Oppo­si­tion.
Natür­lich wurden auch Fehler gemacht (Tirol: Ischgl und die Folgen), natür­lich waren die Schutz­aus­rüs­tungen zu wenig und vieles mehr – aber darüber wird man nach Been­di­gung der Krise reden.

Jetzt schon ist es wichtig die Folgen von Corona eini­ger­maßen zu defi­nieren und das sieht nicht sehr gut aus:

  • Das Defizit des Budgets wird wesent­lich größer werden, als jetzt vorher­ge­sehen. Minus sechs Prozent dürfte nur ein anfäng­li­cher Richt­wert sein.
  • Die Verschul­dung des Staates wird dras­tisch steigen.
  • Die verspro­chenen Hilfen des Staates werden finan­ziert werden müssen, obwohl die Steuern stark sinken werden.
  • Eine Insol­venz­welle wird über das Land gehen. Vor allem KMU’s und EPU’s werden betroffen sein. Die Folge ist eine noch stär­kere Stei­ge­rung der Arbeits­lo­sig­keit, die finan­ziert werden muss.
  • Aber selbst, wenn Indus­trie und Mittel­be­triebe wieder normal arbeiten, wird die Nach­fra­ge­si­tua­tion in den übli­chen Liefer­län­dern zurück­gehen. Man wird zwar expor­tieren können, aber die Exporte werden drama­tisch weniger Nach­frager finden.
  • Die Ankur­be­lung des Konsums wird stark zurück­gehen, denn die Konsu­menten haben weniger Geld und geben daher auch weniger aus.
  • Die Touris­mus­in­dus­trie wird viel mehr, als man bisher glaubt, zu stützen sein. Hotels werden zwar nicht schlechter, wenn weniger Gäste kommen, jedoch die am Limit liegende Finan­zie­rung wird, wenn man nicht unmit­telbar stützt, zum Konkurs führen, da die Kredit­si­tua­tion über­wie­gend ausge­reizt ist.
  • Ein spezi­eller Krisen­faktor wird auch die Trans­port­wirt­schaft werden, wo man eben­falls am Limit arbeitet, sodass auch hier größere Insol­venzen voraus­zu­sehen sind.
  • Von beson­derer Bedeu­tung ist die Land­wirt­schaft.
    Früher ging man davon aus, dass ein Land autark mit Lebens­mittel versorgt werden muss. Diese Einstel­lung muss wieder Prio­rität haben. Land­wirte müssen bei oft mehr als zwölf­stün­diger Arbeit den gerechten Ertrag bekommen. Inter­na­tio­nale Verträge, die mehr oder minder die unbe­grenzte Einfuhr land­wirt­schaft­li­cher Produkte vorsehen, sind in jeder Form abzu­lehnen.
    Wenn der freie Land­wirt in einer freien Gesell­schaft nicht mehr exis­tieren kann, dann hört sich diese auf.
    Gerade die Corona Krise muss hier zu einem Umdenken führen.
  • Außen­wirt­schaft­lich werden die Sank­tionen gegen Russ­land unmit­telbar zu strei­chen sein - zumin­dest von neutralen Ländern. In Zeiten wie diesen kann man es sich nicht leisten einen starken Partner vor den Kopf zu stoßen.
  • Von der gnaden­losen Globa­li­sie­rung wird abge­rückt werden müssen.
    Es zeigte sich, dass Medi­ka­mente und andere lebens­wich­tige Mittel, wenn sie im Ausland produ­ziert werden, nicht recht­zeitig zur Verfü­gung stehen.
    Es zeigte sich weiter, dass die Deindus­tria­li­sie­rung Europas dazu geführt hat, etwa China als verlän­gerte Werk­bank zu sehen, sodass Endpro­dukte nicht mehr herge­stellt werden können.
    Eine neue Rena­tio­na­li­sie­rung ist das Gebot der Stunde.
  • Zuletzt die EU:
    Gott sei Dank ist sie für den Bereich Gesund­heit nicht zuständig, sonst wäre das Chaos perfekt.
    Die großen vier Frei­heiten, mit Ausnahme des freien Geld­ver­kehrs, haben nicht funk­tio­niert und das ist die eigent­liche Kata­strophe.
    - Die Frei­heit des Waren­ver­kehrs ist aufge­hoben, wenn etwa Deutsch­land und Frank­reich schon bezahlte Exporte von medi­zi­ni­schen Schutz­ma­te­ria­lien blockieren – im übrigen zeigt dies, vor allem was Deutsch­land betrifft, deut­lich auf, wie die fette Gutmensch­lich­keit des Merkel-­Staates in Krisen zu krassem Egoismus führt.
    Dass sogar Polen und Tsche­chien einfach ärzt­li­ches Hilfs­ma­te­rial konfis­zieren, zeigt, wieweit in Krisen­zeiten die Soli­da­rität unter befreun­deten Ländern gekommen ist.
    Der freie Perso­nen­ver­kehr hat nicht funk­tio­niert, wenn beispiels­weise drin­gend benö­tigte Pfle­ge­rinnen aus Rumä­nien, Ungarn, der Slowakei oder Tsche­chien nicht mehr problemlos einreisen können und vor kaum zu über­win­denden Hürden stehen.
    Auch die Dienst­leis­tungs­frei­heit ist Geschichte, wenn etwa Ärzte aus Ungarn oder Tsche­chien, die in öster­rei­chi­schen Spitä­lern arbeiten, nur unter größten Schwie­rig­keiten oder über­haupt nicht einreisen dürfen.

Was heißt das:

die gesamte EU ist neu zu vermessen. Nicht nur hinsicht­lich der oben geschil­derten Probleme, sondern auch, was den Euro betrifft.
Wie bitte soll Italien, das jetzt schon höchst verschuldet ist „gerettet“ werden, wenn diese Rettung nicht mehr finan­zierbar ist?
Ewiges Geld­dru­cken in riesen Mengen desta­bi­li­siert darüber hinaus den Euro, der auf nichts mehr als die Hoff­nung auf eine fröh­liche Zukunft aufbaut.
Viele werden sich fragen, wieso eine EU, die in Krisen­si­tua­tionen nicht reagiert, über­haupt notwendig ist – jeden­falls in dieser Form?!
Unsere Genera­tion und unsere Eltern­ge­nera­tion haben nach dem zweiten Welt­krieg Wirt­schaft und Gesell­schaft wieder aufge­baut. Mit Schweiß und Tränen. Die Divi­denden dieses Aufbaus werden nun verbraucht.
Wir werden wieder lernen müssen zu arbeiten, zu entscheiden was wichtig und was nicht wichtig ist: Gender­dumm­heiten, Schwu­len­mär­sche, stän­dige Events aller Art sind es mit Sicher­heit nicht.
Der Weg wird nur über tradi­tio­nelle christ­liche Fami­lien, gute Ausbil­dung, Redlich­keit und Fleiß und eine anstän­dige Politik führen.
Nur starke und gesunde Nationen können auch supra­na­tio­nale Insti­tu­tionen, wie etwa die EU, sinn­voll machen. Alles andere ist Schwach­sinn.