Das Grauen fängt in Afgha­ni­stan gerade erst an

Bildquelle: Magyar Nemzet

Von Edith Krisz­tina Dócza
 

Die Taliban haben in ganz Afgha­ni­stan mit Repres­sa­lien begonnen, denen nicht nur Afghanen, sondern auch bereits im Land befind­liche Ausländer zum Opfer fallen. Die Nach­rich­ten­agentur al-Arabiya aus Dubai meldete, dass ein deut­scher Zivi­list, der auf dem Weg nach Kabul war, erschossen wurde, aber Berlin erklärte, dass seine Verlet­zungen nicht lebens­be­droh­lich seien und er bald nach Deutsch­land zurück­ge­schickt werde. Die Nach­rich­ten­agentur Reuters berich­tete jedoch, dass auch ein Jour­na­list des deut­schen Nach­rich­ten­por­tals Deut­sche Welle von Bewaff­neten gejagt wurde. Ein Fami­li­en­mit­glied des Mannes wurde erschossen, ein weiteres schwer verletzt, und bei drei weiteren Jour­na­listen wurden Haus­durch­su­chungen durch­ge­führt. Afgha­ni­sche Jour­na­listen haben von ähnli­chen Angriffen berichtet.

„Es ist deut­lich geworden, dass eine große Kluft zwischen dem besteht, was sie sagen, und dem, was sie tun“

- schrieb Sahar Nasari vom afgha­ni­schen Staats­fern­sehen (RTA) auf seiner Social-Media-Seite. Er fügte hinzu, dass ein Kollege von ihm kürz­lich versucht habe, ein Video in der Haupt­stadt zu drehen, aber die Taliban hätten den Reporter geschlagen und ihm die Kamera abgenommen.

Taliban-Kämpfer patrouil­lieren am 19. August 2021 in Kabul · Foto: MTI/Rahmat Gul

Obwohl die Taliban-Führung einige Tage zuvor eine voll­stän­dige Amnestie für dieje­nigen verspro­chen hatte, die mit der Regie­rung des früheren afgha­ni­schen Präsi­denten Aschraf Ghani zusam­men­ge­ar­beitet haben, geht aus einem Bericht der norwe­gi­schen Orga­ni­sa­tion RHIPTO an die Vereinten Nationen hervor, dass die Kämpfer eine schwarze Liste von afgha­ni­schen Personen führen, die sie der Zusam­men­ar­beit mit der früheren Regie­rung oder einer Verbin­dung zu ihr verdäch­tigen. Werden die Betrof­fenen nicht gefunden, werden ihre Fami­li­en­an­ge­hö­rigen ins Visier genommen, verhaftet und nach der Scharia bestraft, heißt es in dem Doku­ment. „Personen in Schlüs­sel­po­si­tionen der afgha­ni­schen Armee, der Polizei und der Ermitt­lungs­be­hörden sind beson­ders gefährdet“, heißt es in dem RHIPTO-Bericht, der auch darauf hindeutet, dass die Taliban bereits die Häuser der Afghanen besuchen.

Chris­tian Nelle­mann, der Leiter der Orga­ni­sa­tion, schließt nicht aus, dass es in naher Zukunft zu Massen­hin­rich­tungen in Afgha­ni­stan kommen könnte.

Pres­se­be­richten zufolge hat ein hoch­ran­giger Offi­zier der ehema­ligen afgha­ni­schen Regie­rungs­truppen berichtet, dass die Taliban geheime natio­nale Sicher­heits­do­ku­mente verwenden, um ehema­lige Geheim­dienst- und Sicher­heits­kräfte zu verhaften. „Die Leute haben mir Fotos geschickt, auf denen die Taliban in ihren Häusern nach ihnen suchen“, erklärte der demo­kra­ti­sche US-Kongress­ab­ge­ord­nete Jason Crow, der im Kongress bereits einen Gesetz­ent­wurf einge­bracht hat, um die Evaku­ie­rung afgha­ni­scher Entwick­lungs­helfer von den US-Truppen zu beschleunigen.

„Ich bin heute Morgen aufge­wacht und mein Land war weg. Dies ist nicht das Afgha­ni­stan, das ich einst kannte.“

- so wurde Yalda Hakim, eine in Afgha­ni­stan gebo­rene Jour­na­listin des briti­schen BBC-Nach­rich­ten­por­tals, bei einem Rund­tisch­ge­spräch von BBC Moni­to­ring zitiert.

Nach der Macht­über­nahme durch die Taliban fragen sich Poli­tiker und Experten in aller Welt: Was wird aus den Rechten des afgha­ni­schen Volkes, insbe­son­dere den Rechten von Mädchen und Frauen? Obwohl die Taliban zuvor erklärt hatten, dass sie Frauen keine Beschrän­kungen aufer­legen würden, gibt es jetzt zahl­reiche Berichte in der Presse, dass die bewaff­neten Männer Jour­na­lis­tinnen nicht arbeiten lassen. Sodaba Haidare von der BBC wies darauf hin, dass sich die Afghanen in einer extremen Situa­tion befinden, in der sie weder eine Regie­rung noch Beamte haben, an die sie sich um Hilfe wenden können. Mina Al-Lami, eine briti­sche Expertin für dschi­ha­dis­ti­sche Gruppen, ist der Ansicht, dass dies erst der Anfang ist und die Taliban auf inter­na­tio­nale Aner­ken­nung warten. Sie fügte jedoch hinzu, dass es möglich ist, dass die Scharia, das isla­mi­sche Rechts­system, im ganzen Land einge­führt wird und die Lächelof­fen­sive bald endet. Auch unter Akade­mi­kern wird darüber speku­liert, was dies in der Praxis bedeuten wird, obwohl es Anzei­chen dafür gibt, dass die Zukunft für die Afghanen, insbe­son­dere für die Frauen, nicht rosig aussieht: Pres­se­be­richten zufolge malen die Taliban rosa Schilder an die Häuser von Frau­en­rechts­ak­ti­visten, um ihnen mitzu­teilen, wohin sie später zurück­kehren können und gegen wen sie Vergel­tung üben werden.

- „Im Moment können Frauen noch zur Schule gehen, sie können auf die Straße gehen, aber wie lange werden sie das noch dürfen? Können sie Sportler, Poli­tiker oder in der Wirt­schaft tätig sein? Dürfen sie bunte Klei­dung tragen und ihr Gesicht unbe­deckt lassen?“

- stellte Haidare die Fragen, die die in Afgha­ni­stan gefan­genen Frauen am meisten beschäf­tigen. Unter der früheren Taliban-Herr­schaft, die mit der Ankunft der US-Truppen nach den Terror­an­schlägen vom 11. September 2001 endete, durften Frauen nicht studieren und mussten Ganz­kör­per­schleier tragen. Hakim fügte hinzu, dass die derzei­tige Taliban-Führung garan­tiert habe, dass die Rechte der Frauen geachtet würden und Afgha­ni­stan nicht zu einer Terro­ris­ten­hoch­burg werde.

Evaku­ie­rungen sollen beschleu­nigt werden

Auslän­di­sche Regie­rungen bemühen sich nach Kräften, ihre Bürger so schnell wie möglich aus Afgha­ni­stan zu evaku­ieren. Ein NATO-Beamter sagte am Freitag, dass in den vergan­genen fünf Tagen mehr als 18.000 Menschen vom Flug­hafen Kabul evaku­iert worden seien und etwa 6.000 Afghanen, darunter ehema­lige Dolmet­scher für auslän­di­sche Truppen, in der Haupt­stadt in Bereit­schaft stünden, um so bald wie möglich an Bord von Flug­zeugen zu gehen. Der Beamte fügte hinzu, dass man plane, die Rettungs­maß­nahmen am Wochen­ende zu beschleu­nigen. In Kabul ist die Lage weiterhin chao­tisch, da die Taliban versu­chen, die flie­henden Afghanen zurück­zu­halten. Die spani­sche Regie­rung meldete, dass eines ihrer Mili­tär­trans­port­flug­zeuge die Haupt­stadt fast leer verlassen hat, da das Chaos auf dem Flug­hafen den Betrieb weiterhin behin­dert. „Ein afgha­ni­sches Ehepaar war gezwungen, eine ihrer Töchter zurück­zu­lassen, weil sie sie am Flug­hafen verloren hatten“, erklärte die spani­sche Vertei­di­gungs­mi­nis­terin Marga­rita Robles am Freitag. Die Verei­nigten Staaten hatten sich zuvor verpflichtet, den Flug­hafen erst zu verlassen, wenn der letzte zu evaku­ie­rende Afghane ein Flug­zeug bestiegen hat.

Quelle: Magyar Nemzet


7 Kommentare

  1. Jour­na­list des deut­schen Schmier­funk erschossen? Der kann schon nicht mehr lügen. Wo ist jetzt das Problem? Zu erwähnen sei noch, daß der Schie­ßende ein geistig verwirrter Mann war und es sich dabei um einen Einzel­fall handelt. Eat your own dogfood.

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    • Ich habe nichts gegen diesen Kommentar. Man hat uns soweit getrieben, dass wir Genug­tuung empfinden, wenn ein unnützes Objekt der Lügen­presse stirbt. Rein vom mensch­li­chen muss man sich trotzdem immer vor Augen halten, dass es kein Grund zur Freude ist, wenn ein Mensch ermordet wird. Aber rein vom mensch­li­chen hat ein Mensch, der tagein-tagaus andere belügt und betrügt, sein Mensch­sein verwirkt, d.h. er ist kein voll­wer­tiges Mitglied der mensch­li­chen Zivi­li­sa­tion mehr.

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  2. „„Es ist deut­lich geworden, dass eine große Kluft zwischen dem besteht, was sie sagen, und dem, was sie tun““

    Damit haben sich die Taliban quali­fi­ziert als demo­kra­ti­sche Poli­tiker bezeichnet zu werden, die einen Rechts­staat führen. 

    Ansonsten, GÄHN. Aber das verstehen die „Mündigen Bürger“ ja auch vor der eigenen Haustür nicht. Da kann man sich die Finger wund schreiben, daß die leeren, aber „warmen“ Worte von Polit­kri­mi­nellem XY der „Die Linke“ / CDU (welche Partei auch immer) keine Bedeu­tung haben, wenn die Taten etwas ganz anderes zeigen. Wird nicht verstanden und schon wählte der „helden­hafte Wider­stand“ 2009 Union + FDP, weil „die ja jetzt Hoff­nungs­träger haben“ (Gutten­berg, Wulff, Schröder, Rösler).

  3. „Es ist deut­lich geworden, dass eine große Kluft zwischen dem besteht, was sie sagen, und dem, was sie tun“

    Nix neues. Das ist glaube ich bei allen Bück­be­tern so.

  4. Wenn eine zahlen­mäßig weit über­le­gene Bevöl­ke­rung nicht fähig und willens ist sich gegen ein paar geistig verwirrte nacht­hemd­tra­gende Stein­zeitler zur Wehr zu setzen, dann will sie es nicht anders. Warum muss der Rest der Welt darunter leiden?

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  5. …und dieses Grauen wird auf Geheiß unserer „Volks­ver­treter“ nun wieder massiv in diese BRD importiert!
    Was meinen unsere BRD-Verwalter dazu?: „Der Islam gehört zu Deutschland!“ (-;

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