Das Szekler­land von der Basis her gesehen (3)

Von Csaba Ferencz *

Der deut­sche Leser weiß vermut­lich wenig über das Szekler­land, dieser in die Ostkar­paten einge­bet­teten Region. In dieser Serie wollen wir, ohne zu behaupten, erschöp­fend zu sein, einige Bilder zeigen, wie eine Gruppe von Menschen seit hundert Jahren versucht, unter fremden quasi-kolo­nialen Macht­ver­hält­nissen und isoliert von ihrer natür­li­chen Mutter­na­tion, der unga­ri­schen Nation, ihre Alltags­bräuche und ihre Feste zu bewahren. Eben­so­wenig wie dies bei den Sieben­bürger Sachsen oder den donau­län­di­schen Schwaben gegen­über der deut­schen Nation der Fall ist, hat die Gemein­schaft der Szekler Ungarn, obwohl ihre Tradi­tion spezi­fi­sche Iden­ti­täts­ele­mente aufweist, nie bestritten, ein Teil der heutigen unga­ri­schen Nation zu sein.

In diesem Abschnitt wollen wir einige Merk­male des kultu­rellen Lebens aufzeigen, indem wir eine der spezi­fi­schen Insti­tu­tionen einer der geschäf­tigsten Klein­städte vorstellen.

Auf Tanz­wegen

Die kultu­relle Iden­tität des Szekler­landes und seine Bindung an die unga­ri­sche Spiri­tua­lität konnten in den letzten hundert Jahren nicht gebro­chen werden. Die meisten der extrem starken und program­ma­ti­schen Versuche sind ins Stocken geraten, sei es die Verkün­di­gung der Exklu­si­vität der rumä­ni­schen Sprache zwischen den beiden Welt­kriegen, der Versuch, in den fünf­ziger Jahren eine eigen­stän­dige unga­ri­sche Lite­ratur in Rumä­nien zu schaffen, oder die von der chine­si­schen Kultur­re­vo­lu­tion inspi­rierte gran­diose patrio­ti­sche Show „Wir singen Rumä­nien“ in den acht­ziger Jahren.

Nein, da kultu­relle Tradi­tionen so tief in der einheit­li­chen unga­ri­schen Kultur verwur­zelt sind, war jeder Tren­nungs­ver­such zum Schei­tern verur­teilt, auch wenn dies zum Zeit­punkt der Expe­ri­mente nicht so offen­sicht­lich war. Und auf die eine oder andere Weise gab es bei der Kultur­pflege immer einen insti­tu­tio­nellen Hinter­grund, auch wenn dies die meiste Zeit durch eine Viel­zahl von ideo­lo­gi­schen Unter­schieden verdeckt und verzerrt wurde. Ab den 1940er Jahren gab es beispiels­weise in Maros­vá­sá­r­hely ein Stein­theater, das zu dieser Zeit die Rolle des belieb­testen Thea­ters spielte. Später wurden ähnliche Stein­theater in mehreren Klein­städten einge­richtet, um in prak­tisch allen Städten des Szekler­landes, haupt­säch­lich im städ­ti­schen Bereich, tätig zu sein. Ganz zu schweigen vom tradi­ti­ons­rei­chen Szekler-Natio­nal­mu­seum, das – obwohl in rumä­ni­schem Staats­be­sitz – seinen Szekler-Charakter bis heute bewahren konnte. Auf dem Gebiet der bildenden Kunst sind nach den impres­sio­nis­ti­schen Größen der tradi­tio­nellen Land­schaft – Imre Nagy, Albert Nagy und viele andere – Genera­tionen von Künst­lern aufge­wachsen, die heute an der Spitze der inter­na­tio­nalen Arena stehen. Es ist kein Zufall, dass das Sieben­bürger Kunst­zen­trum vor einigen Jahren in Sepsis­zent­györgy im Szekler­land seine Pforten geöffnet hat. Auf dem Gebiet der Musik gibt es neben den Phil­har­mo­ni­kern von Maros­vá­sá­r­hely eine Reihe von über­wie­gend privaten Musik­firmen, die in der Lage sind, quali­tativ hoch­wer­tige Produk­tionen in allen Genres zu produ­zieren.

Anstelle einer umfas­senden Analyse möchte ich diesmal ausführ­li­cher über ein bestimmtes kultu­relles „Produkt“ berichten. Das Beispiel des Három­szék-Tanz­ensem­bles, das eben sein drei­ßig­jäh­riges Bestehen feiert, zeigt, dass es möglich und lohnens­wert ist, ein tradi­tio­nelles, auf Volks­tanz basie­rendes Kunst­en­semble so zu betreiben, dass es auch die Welt der modernen Tanz­kunst befruchtet. Es ist jedoch wichtig, die Vorge­schichte zu kennen, die auf die Tanz­haus­be­we­gung zurück­geht, die Anfang der sieb­ziger Jahre in Buda­pest begann und zur Grün­dung von vier weiteren profes­sio­nellen Ensem­bles in Sieben­bürgen führte. Die Bewe­gung kulti­vierte eine Form der Unter­hal­tung mit eigen­stän­digem sieben­bür­gisch-unga­ri­schen Flair, die im MEZŐSÉGI SZÉK sogar in einer städ­ti­schen Umge­bung ihre volle Pracht entfalten konnte. Jungen und Mädchen in Jeans lernten tradi­tio­nelle Székely-Volks­tänze und hatten Spaß daran. Natür­lich begleitet von Musik, die von den Musi­kern vor Ort getragen wird. Dank der starken kultu­rellen Bezie­hungen zwischen Ungarn und Szekler­land / Sieben­bürgen brei­tete sich die Bewe­gung trotz aller Verbote schnell nach Sieben­bürgen aus, immer weitere Tanz­häuser wurden gebildet, und einige Amateur-Tanz­ensem­bles schufen Produk­tionen, die auf authen­ti­scher Volks­tanz­kultur basierten. Die Staats­macht erkannte bald die Stärke der Bewe­gung, die seit Mitte der 1980er Jahre auf der Verbots­liste stand, aber der Prozess konnte nicht länger gestoppt werden. (Übri­gens beginnt die Bewe­gung, die mitt­ler­weile auch von der UNESCO aner­kannt und gelistet ist, jetzt in Polen Fuß zu fassen, natür­lich mit Hilfe dortiger lokaler Volks­tänze.)

Das Három­szék-Tanz­ensemble hat in den letzten dreißig Jahren mehr als sechzig Tanz­pro­duk­tionen insze­niert. Neben tradi­tio­nellen Folk­lo­re­pro­grammen, dem Theater und anderen Kunst­for­ma­tionen gab es auch Auffüh­rungen, die alle Merk­male des Tanz­thea­ters tragen. Spek­ta­ku­läre Bühnen­pro­duk­tionen auf höchstem tech­ni­schen und künst­le­ri­schen Niveau, die in jedem Theater der Welt ein Erfolg wären.

 

*) Der Autor ist Jour­na­list und Vize­prä­si­dent des Szekler-Natio­nal­rates


 

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