Das Wiener Attentat des Kujtim Fejzulai, seine Wurzeln und seine Folgen (Update)

Der Wiener Attentäter Kujtim Fejzulai

Wien verbietet nach Anschlag zwei Moschee­ver­eine, darunter einen, der seit ca. 10 Jahren Kämpfer für den „Dschihad“ in Europa rekrutiert

Die öster­rei­chi­schen Behörden haben im Nach­klang des Anschlags von Wien und auf Basis des öster­rei­chi­schen Islam­ge­setzes „eine Moschee“ und einen „Verein“ verboten. Beiden wird vorge­worfen, den Koran und die Hadi­then wört­lich anzu­wenden und so den so genannten Wahabismus/Salafismus zu fördern. Was die öster­rei­chi­schen Behörden und die „Quali­täts­presse“ bisher jedoch verschweigen ist, dass die verbo­tene Moschee seit über 10 Jahren das Zentrum bosni­scher Sala­fisten und Muha­jeddin ist.

Nach dem Anschlag von Kujtim Fejzulai, der 4 Menschen das Leben kostete, blieb der Regie­rung offenbar nichts anderes übrig, als das nach­zu­holen, was sie über Jahre vermieden hat: Die Schlie­ßung der Treff­punkte des Atten­tä­ters mit Gleich­ge­sinnten. Am 6.11. traf dies eine Moschee der IGGÖ und deren (Moschee-)Verein. An dieser Stelle beenden die „Quali­täts­me­dien“ dann meist die Berichterstattung:

Doch was für Treff­punkte waren dies? In welchem Netz­werk tauschten sich die Mitglieder der geschlos­senen Treff­punkte aus? Fragen, die bisher niemand stellte, denn deren Antwort ist höchst pein­lich für die öster­rei­chi­schen Behörden: Es sind die öster­rei­chi­schen Zentren der auf dem Balkan lebenden Mudscha­heddin, von denen eines seit einer früheren Auflö­sung der IGGÖ unter­stellt ist, deren Präsi­dent sich in Köln auf einer Veran­stal­tung hoch­ran­giger Muslim­brüder zeigte.

Das öster­rei­chi­sche Islamgesetz

Fragt man Rechts­ex­perten in Deutsch­land, dann wäre ein „Islam­ge­setz“ in Deutsch­land angeb­lich verfas­sungs­widrig. Öster­reich, das eine ähnlich freie Verfas­sung hat wie Deutsch­land, in der auch die Glau­bens­frei­heit und die Geleich­be­rech­ti­gung der Bekennt­nisse aufge­führt ist, zeigt hingegen, dass ein derar­tiges „Islam­ge­setz“ durchaus verfas­sungs­kon­form ausge­staltet werden kann. Zutref­fend ist, dass das Islam­ge­setz Öster­reichs vor allem von den mode­raten Anhän­gern des Islam befür­wortet und gefeiert wird, weil ein derar­tiges „Islam­ge­setz“ sie vor den Radi­kalen schützt. So schwärmt der Vertreter der in der Türkei unter­drückten Alewiten Österreichs:

„Wir haben schon bei der Erar­bei­tung der Geset­zes­no­velle und der Präsen­ta­tion des Gesetz­ent­wurfs die Regie­rungs­linie zu 100 Prozent unterstützt.“

Radi­kale, Muslim­brüder und Funda­men­ta­listen lehnen hingegen ein „Islam­ge­setz“ über ihre poli­ti­schen Hand­langer in der Regel ab.

Gemäß Islam­ge­setz müssen die Vertreter der Moschee­ver­bände demo­kra­tisch gewählt sein:

Falls außen­ver­tre­tungs­be­fugte Organe oder Reli­gi­ons­diener durch Wahl bestimmt werden, muss der Wahl­vor­gang entweder in der Verfas­sung, den Statuten oder einer Wahl­ord­nung so ausrei­chend bestimmt sein, dass eine Über­prü­fung des Wahl­vor­ganges möglich ist (§ 28).

Das öster­rei­chi­sche Islam­ge­setz ermög­licht den Behörden, es als Mittel anzu­wenden, wenn eine im Gesetz defi­nierte Grup­pie­rung nicht auf die Grund­prin­zi­pien des öster­rei­chi­schen Staats respek­tiert, oder sich aktiv gegen diese richtet.

Auf Basis dieses Gesetz können die öster­rei­chi­schen Behörden

Versamm­lungen und Veran­stal­tungen zu Kultus­zwe­cken unter­sagen, von denen eine unmit­tel­bare Gefahr für die Inter­essen der öffent­li­chen Sicher­heit, Ordnung oder Gesund­heit oder der natio­nalen Sicher­heit oder die Rechte und Frei­heiten anderer ausgeht. (§ 27).

Außerdem gibt sich der Staat das Recht mit allen Mitteln gegen Verstöße vorzugehen:

Zur Durch­set­zung von Entschei­dungen nach diesem Bundes­ge­setz kann die Behörde mit Bescheid gesetz‑, verfas­sungs- oder statu­ten­wid­rige Beschlüsse aufheben, Geld­bußen in ange­mes­sener Höhe verhängen sowie andere gesetz­lich vorge­se­hene Mittel einsetzen. (§30)

Poli­ti­scher Islam in Österreich

In der serbi­schen Bevöl­ke­rung ist der Ort Gornja Maoča als Karav­lasi bekannt. Während des Bosnien-Krieges (1992–95) kamen zahl­reiche isla­mis­ti­sche Frei­schärler ins Land, um die bosni­schen Muslime im Kampf gegen Serben und auch Kroaten zu unterstützen.

Seit den Balkan­kriegen in den 90ern aller­dings sehen sich die mode­raten Kräfte heraus­ge­for­dert. Damals kamen tausende Mudscha­heddin nach Bosnien-Herze­go­wina, um ihren bedrängten euro­päi­schen Glau­bens­brü­dern im Kampf gegen die feind­li­chen Serben und Kroaten beizu­stehen. Gottes­krieger aus den Bergen Afgha­ni­stans und aus Saudi-Arabien kämpften plötz­lich acht Auto­stunden von Wien entfernt. 

Diese Kämpfer rich­teten sich nicht nach der Genfer Konvention:

Viele der Mudscha­heddin brachten Kampf­erfah­rung aus Afgha­ni­stan mit. Unter ihnen waren auch Al-Kaida Anhänger, die von Osama bin Laden nach Bosnien geschickt worden waren. Im August 1993 formten sie die Einheit „El Mudžahid“. Sie machten von sich reden, weil Sie ihren Gegnern die Köpfe abtrennten und mit ihnen Fußball spielten.

In diesem Krieg wurde die serbi­sche Bevöl­ke­rung durch ethni­sche Säube­rungen aus dem Dorf Karav­lasi vertrieben. Nach dem Bosni­en­krieg ließen sich dann einhei­mi­sche und auslän­di­sche Wahha­biten in diesem Dorf nieder, das seither Gornja Maoča heißt. Die meisten von ihnen waren Mitglieder der bosni­schen Mudschaheddin.

Viele blieben dort nach dem Krieg. Die Mudscha­heddin brachten neue, radi­kale Formen des Islam nach Bosnien.

Nach Kriegs­ende erhielten viele dieser Kämpfer dennoch die bosni­sche Staatsbürgerschaft.

Und bis heute missio­nieren sie eifrig.

Afgha­ni­sche Mudscha­heddin siedeln sich in Bosnien an

Seither geraten die Einwohner des Dorfs Gornja Maoča nach Terror­an­schlägen immer wieder ins Faden­kreuz der Ermittler.

Der mode­raten Mehr­heit versu­chen sie gern ein schlechtes Gewissen einzu­reden, weil sie, so die Logik, vom reinen Glauben abge­fallen seien. So behaupten radi­kale Prediger häufig, die bosni­schen Muslime seien an grau­samen Massa­kern wie jenem von Srebre­nica 1995 ein Stück weit selbst schuld – das sei quasi Gottes Strafe für ihre Anpas­sung an den west­li­chen Lebens­stil. Solche Worte fallen auf frucht­baren Boden in einem Land, das bis heute vom Krieg zerstört, ethnisch zerrissen und wirt­schaft­lich gelähmt ist.

FBI-Direktor Robert Mueller besuchte im November 2009 Bosnien und Herze­go­wina. Während seines Besuchs teilte Müller dem Präsi­denten mit, dass er und die US-Regie­rung besorgt über die im Dorf Gornja Maoča lebenden Wahha­biten seien. Am 2. Februar 2010 wurde auf Initia­tive von Hunderten von Poli­zisten und 11 verschie­denen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden eine Razzia im Dorf durch­ge­führt. Das Dorf wurde zehn Stunden lang durch­sucht. Die Razzia führte zur Fest­nahme von sieben Personen und zur Beschlag­nahme von Waffen und Munition.

Unter­stüt­zung finden diese offenbar vor allem durch saudi­sche Quellen:

Saudis folgenden Mudscha­heddin mit Inves­ti­tionen in Bosnien

Für die Saudis und die Anhänger des poli­ti­schen Islam ist Bosnien-Herze­go­wina offenbar ein Stütz­punkt von dem aus sie nach Wien wirken und über Wien wiederum in der EU.

„Wenn Bosnien der EU beitritt, dann wird uns das viele Türen öffnen, dann können wir auch wo anders aktiv werden, unseren Islam also wo anders hintragen. Das ist doch viel leichter bei offenen Grenzen. Wir könnten dann ohne Schwie­rig­keiten etwa nach Deutsch­land kommen, und unseren wunder­schönen Islam dann weiter­geben an die Deutschen.“ 

Gleich­zeitig berietet sich Saudi-Arabien darauf vor, dass Bosnien in die EU aufge­nommen wird. Hierbei dienen die Wahha­biten aus Bosnien offenbar als „Scouts“:

Dazu brachten die Radi­kalen Geld ins Land, vor allem aus Saudi-Arabien. Laut dem bosni­schen Jour­na­listen Esad Heći­mović, der sich intensiv mit dem Thema beschäf­tigte, floss zwischen den Jahren 1992 und 2001 rund eine halbe Milli­arde Euro an saudi­schem Ölgeld nach Bosnien. Damit wurden hunderte Moscheen errichtet, Propa­gan­disten bezahlt und Glau­bens­zen­tren finan­ziert. Auf dem Weg von Riad nach Sara­jevo passierte das Geld einen Umschlag­platz: Wien.

Über Agen­turen in Wien, die sich vorder­gründig der huma­ni­tären Hilfe widmeten und Namen wie „Hohes Saudi­sches Komitee“ trugen, seien die Gelder in Bosnien verteilt und die Missi­ons­tä­tig­keit orga­ni­siert worden, schreibt Heći­mović in einem Papier für das öster­rei­chi­sche Bundes­heer. In und nach dem Balkan­krieg war vor allem Wiens bosni­sche Botschaft eine wich­tige Anlauf­stelle: Selbst Osama bin Laden, damals vergleichs­weise unbe­kannt, ließ sich dort Anfang der 90er-Jahre einen Reise­pass ausstellen, wie vor Jahren eine Spiegel-Jour­na­listin berichtete.

Die größte Dschi­ha­dis­ten­gruppe Europas mit Zentrale in Wien

2014 kämpften etwa 350 Wahha­biten aus Bosnien und etwa 30 aus dem Sand­schak in Syrien. Das Netz­werk über das sie ange­worben wurden hatte seine Zentrale in der Tewhid-Moschee in Wien:

Am 1. Dezember 2014 wird der „Prediger“ der Tewhid-Moschee in der Murlin­gen­gasse in Wien-Meid­ling Mirsad Omerović (33) verhaftet

Gemäß Angaben der Belgrader Zeitung „Večernje novosti“ war der 2014 in Wien fest­ge­nom­mene „Prediger“ Mirsad Omerović (33) gemäß Analyse der bosni­schen Geheim­dienste der Kopf einer Gruppe von 200 Dschi­ha­disten aus Bosnien, dem serbi­schen Sand­schak und dem Kosovo. Gemäß dieser Angaben saß der Kopf die wohl stärkste Dschi­ha­disten-Gruppe Europas, die auch als „bosni­schen Zelle“ bekannt wurde. Bei seiner Verhaf­tung genießt er das Privileg in einem von der öffent­li­chen Hand subven­tio­nierten Gemein­debau zu wohnen. Aus den dama­ligen Veröf­fent­li­chungen ist zu entnehmen:

Omerović – das belegen laut Ermittler auch gefun­dene Daten auf Laptops und Handys – steht zudem im Verdacht, mindes­tens ein Dutzend junger Menschen für den „Heiligen Krieg“ rekru­tiert zu haben. Der in einem Gemein­debau in der Donau­stadt lebende Vater von fünf Kindern bestreitet dies.

Zentrum in Meidling

Als Führer der gesamten Gruppe wird der aus Sara­jevo stam­mende Imam Hafedh Muhammed Fadil Porča, der Imam der Tewhid-Moschee in Wien-Meid­ling, genannt. Damit gilt die Tewhid-Moschee als das logis­ti­sche und finan­zi­elle Zentrum der Dschi­ha­disten in Europa. den Angaben zufolge ist er nach einem Zwischen­auf­ent­halt bei der bosni­schen Wahha­biten-Gemein­schaft in Gornja Maoča, nach Wien gezogen. Von Wien aus wirkte er in einem Netz­werk von Moscheen, die den poli­ti­schen Islam predigen und die auch deut­sche Moscheen umfasst, wie z.B. in der Reger-Straße 60 in Stuttgart-Bottnag.

Denn in deren Gebets­räumen tritt die Crème de la Crème der deut­schen wie bosni­schen Predi­ger­szene auf, die im Dschihad, im soge­nannten Heiligen Krieg, den Weg zum Para­dies ­sehen: Ibrahim Abou Nagie, Mohammed Seyfundin Ciftci, Pierre Vogel, der frühere bosni­sche Dschi­ha­dist Bilal Bosnić, der Wiener Extre­mist Hafidh Muhammad Fadil Porča.

Oder Scharf­ma­cher Brahim Mohamed Belkaid, der sich „Abu Abdullah“ nennt. Spenden, rief er noch im vergan­genen Jahr in der Botnanger Moschee seinen Zuhö­rern zu, „sind ja ganz schön“. Aber „im Moment ist die Pflicht eines wahren Muslims der Dschihad“.  Allah liebe dieje­nigen, die für ihn auf seinem Weg kämpften… Cause­vićs Bruder Enes tritt immer wieder als Vorbeter in der Reger­straße auf. Verwandte des Geschwis­ter­paares gehören zur radi­ka­li­sierten Isla­mis­ten­szene in Pforz­heim und Augsburg.

„Bosni­sche Zelle“

Der in Tutin im serbi­schen Sand­schak gebo­rene Mirsad Omerović, der serbi­schen Medi­en­be­richten auch als „Mica Dolch“ bekannt war und unter dem Namen „Ebu Tejma“ „Predigen“ hält, ist gemäß der selben Zeitung einer der acht führenden Dschi­ha­disten des Sand­schak und damit Bestand­teil der „bosni­schen Zelle“.

So auch bei Mirsad Omerović Laut Staats­an­walt­schaft soll der Mann, der vergan­genen November in seiner Gemein­de­woh­nung in der Donau­stadt von der Cobra verhaftet wurde, 64 Syri­en­kämpfer ange­worben haben. Die Justiz nennt ihn einen „Haupt­ideo­logen des globalen dschi­ha­dis­ti­schen Isla­mismus“. Omerović soll sich immer wieder im Dörf­chen Gornja Maoča aufge­halten haben. Zudem unter­steht er in Wien, wie die Zeitung Večernje novosti aus geheim­dienst­li­chen Dossiers erfahren haben will, Muhammed Porča aus Meid­ling. Konkret soll Omerović die soge­nannte „Sand­schak-Zelle“ leiten – der Sand­schak ist jene musli­misch domi­nierte Region in Serbien, aus der Omerović ursprüng­lich stammt. Die Sand­schak-Zelle wiederum ist laut Večernje novosti nur eine Filiale der größeren „Bosnien-Zelle“. Und deren Chef, schreibt die Zeitung, sei der Imam Porča aus Meidling.

Beide seien der Zeitung zufolge in Saudi-Arabien ausge­bildet worden.

Mirsad Omerovic, alias „Mica Dolch“ alias Prediger „Ebu Tejma“ „bosni­schen Zelle“ und ehema­ligr Prediger der am 6.11. geschlos­senen Altun-Alem-Moschee Quelle: www.youtube.com/watch?v=hwb-tEDxw4c%5B/caption%5D

Der Prediger „Mirsad Omerović“ alias „Ebu Tejma“

Mirsad Omerović auch unter dessen „Predi­ger­namen“ Ebu Tejma bekannt, war bis zu seiner Verhaf­tung 2014 der aktivste Sala­fist in Öster­reich. Durch sein Wirken und seine „Predigen“ hat er sich einen Namen als Propa­gan­dist einer wört­li­chen Ausle­gung des Koran und der Hadi­then gemacht und sich von Wien aus zu einem führenden Ideo­logen der radi­kalen sala­fis­ti­schen Szene im deutsch­spra­chigen Raum hochgearbeitet.

Dem Bericht zufolge hat der Nach­wuchs-Werber anschei­nend eine direkte Verbin­dung zum IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi. Während der Ermitt­lungen konnten die Ermittler laut „Daily Mail“ einen konstanten Zuwachs an neuen Sala­fisten in der Altun-Alem-Moschee in Wien beob­achten. Dort soll Tejma den Nach­wuchs in den Isla­mismus einge­führt und später dann über Bosnien nach Syrien weiter­ge­schleust haben.

Omerović wurde in der Klein­stadt Titun im serbi­schen Teil des Sand­schak geboren. 1992 kam er als „Flücht­ling“ des Bosni­en­kriegs im Alter von elf Jahren mit seinen Eltern und Geschwis­tern nach Öster­reich. Zum Studium ging er dann sechs Jahre nach Saudi-Arabien, wo er arabi­sche Sprache und isla­mi­sches Recht studierte. Seit 2008 lebte der gelernte Stahl­bau­schlosser Mirsad Omerović nun als „Prediger“ „Ebu Tejma“ in Wien.

Omerović ist fünf­fa­cher Fami­li­en­vater. Mit seiner Frau und seinen Kindern lebt er in einer Gemein­de­woh­nung in der Donau­stadt­straße in Wien 22. Er gilt als ­enger Freund des deut­schen Sala­fisten Pierre Vogel. Regel­mäßig predigte er in einer Moschee in der Vene­diger Au in Wien-Leopoldstadt.

Dort „predigte“ er in der „Altun-Alem-Moschee im zweiten Wiener Gemein­de­be­zirk“, einem Keller­lokal. Omerović hielt seine „Predigten“ in Öster­reich und Deutsch­land meist auf Deutsch. Hier­durch gelang es ihn, Konver­titen zu rekru­tieren und Jugend­liche aus allen Berei­chen anzu­spre­chen, oft auch Jugend­liche mit Migrationshintergrund.

In zahl­rei­chen „Predigten“ veröf­fent­lichte er auf der Inter­net­platt­form YouTube und brachte darin die Ableh­nung von Demo­kratie zum Ausdruck und propa­gierte ein Leben nach „isla­mi­schem Recht“. In einem Video erläu­tert er, dass Gesetz­geber dem Willen Allahs, der das gött­liche Recht an seinen Propheten herab­ge­sandt habe, zuwi­der­han­delten und versuchten, sich auf eine Stufe mit ihm zu stellen. In seiner Argu­men­ta­tion macht sie das zu Ungläu­bigen (kufar) – ebenso wie alle Personen, die diese Gesetze aner­kennen (Ebu Tejma, 2015). Omerović erhebt das Konzept des „takfir“ – die Praxis, eine Person oder eine Gruppe, die sich der Häresie schuldig macht, der Apost­asie zu bezich­tigen – zur Pflicht für jeden Muslim. Personen, die Radi­ka­li­sie­rung wider besseren Wissens kein „takfir“ prak­ti­zieren, werden seiner Ansicht nach selbst zu Ungläu­bigen (Ebu Tejma, 2015a).

Anfang 2017 lebte er vom öster­rei­chi­schen Steuerzahler:

„Mirsad Omerović“ alias „Ebu Tejma“ als isla­mi­scher Reli­gi­ons­lehrer der IGGÖ

Die Isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) ist als Körper­schaft öffent­li­chen Rechts offi­zi­elle Vertre­tung und zuständig für die Verwal­tung der reli­giösen Belange der in Öster­reich lebenden Muslime. Grund­sätz­lich riva­li­sieren in der IGGÖ die türki­sche Regie­rung, die ägyp­ti­schen Muslim­brüder und die bosni­schen Muslime um Einfluss und Führungs­posten. Die Ober­hand hatte lange Zeit lang die Türkei.

Brisant: Vor seiner Verhaf­tung 2014 war der Sala­fist „Mirsad Omerović“ alias „Ebu Tejma“ als Reli­gi­ons­lehrer aktiv:

Neben seiner Tätig­keit als Imam war Omerović auch als Lehrer für den isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt tätig. In diese Funk­tion war er von der Isla­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) entsendet worden.

Dies hatte die NZZ herausgefunden:

Hass­pre­digten und die Anwer­bung von jungen Terror­krie­gern war offenbar die Neben­er­werbs­tä­tig­keit des radi­kalen Sala­fisten, der in einer Privat­schule in Wien-Brigit­tenau als Reli­gi­ons­lehrer arbeiten durfte – und damit von der Stadt Wien bezahlt wurde. Von 2008 bis 2012 stand der Terror­pre­diger also im Sold des Stadt­schul­rats, wie NZZ.at im März 2016 aufge­deckt hatte. Die Stadt Wien konnte nichts gegen diese Anstel­lung tun: Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft bestimmt, wer unter­richten darf …

Die IGGÖ

Die große Nähe der IGGÖ zur türki­schen Regie­rung wird regel­mäßig kriti­siert. Der Professor für isla­mi­sche Reli­gi­ons­päd­agogik Ednan Aslan bezeichnet die IGGÖ sogar als „außen­po­li­ti­sche Orga­ni­sa­tion der Türkei“:

 „Leider haben wir in Öster­reich derzeit Orga­ni­sa­tionen, die ausschließ­lich aus dem Ausland gesteuert werden, das ist ein Problem“, so der Islam­wis­sen­schafter. Die IGGÖ selbst sieht Aslan als außen­po­li­ti­sche Orga­ni­sa­tion der Türkei: „Solche Vereine gefährden die Exis­tenz der Muslime in Europa. Die Muslime müssen sich davon befreien.“

Noch deut­li­chere Worte findet er zur ATIB, dem größten Moschee­verein inner­halb der IGGÖ: „ATIB ist die Kolonie eines auslän­di­schen Staates und zwar der Türkei. Der Dialog mit diesen Moscheen findet statt, aber er ist sinnlos. Sie werden sowieso aus dem Ausland gesteuert.“ Ein Verbot von ATIB würde die aktu­ellen Probleme aller­dings nicht lösen: „Dann gibt es morgen einen neuen Verein, mit anderem Namen und denselben Struk­turen“, meint Aslan.

Beson­ders stark war die Abhän­gig­keit von der Vereins ATIB, der dem öster­rei­chi­schen Arm des Amtes für Reli­giöse Ange­le­gen­heiten der türki­schen Regie­rung bei dessen letzten Präsi­denten Olgun zum Ausdruck gekommen. dieser war

  • Mitglied der AKP
  • Teil der „Genera­tion Erdogan“

und änderte die Posi­tionen der IGGÖ nach Vorgaben aus Ankara bei

  • der Evolu­ti­ons­theorie, die er hier­nach pflicht­schuldig ablehnte
  • seiner Gülen-freund­liche Haltung, wie er pflicht­schuldig revidierte

Muslim­brüder kämpfen um Macht in der IGGÖ

Bei der Beset­zung der Posten brachen die Konflikt­li­nien der intern riva­li­sie­renden Gruppen offen auf. Die Führung in der IGGÖ ist wichtig. Wer sie inne hat, der legt in Öster­reich fest, Reli­gi­ons­lehrer ausge­bildet und einge­stellt werden und er legt fest, welche Reli­gi­ons­päd­agogen mit welcher Glau­bens­lehre und Ideo­logie die musli­mi­schen Kinder unter­richten und erziehen. , Das Spek­trum reicht von streng konser­vativ bis liberal.

Es gibt drei Frak­tionen in der IGGÖ, die ihre Inter­essen durch­setzen wollen, sagt der Islam­wis­sen­schaftler Ednan Aslan:

dass­sich der Konflikt im Bildungs­be­reich mani­fes­tiert, wundert Aslan nicht: „Das Gesicht des Islam in Öster­reich wird an den Schulen geprägt – wer den Bildungs­be­reich in der Hand hat, hat die IGGÖ in der Hand.“ Das Problem sei, „dasses dabei nicht um fach­liche Kompe­tenzen, sondern um ideo­lo­gi­sche Diffe­renzen geht, darunter kann die Qualität der Ausbil­dung leiden.“ Wobei auch Aslan in der Commu­nity eigene Inter­essen nach­ge­sagt werden: Er soll die IRPA als Konkur­renz für das geplante Hoch­schul­stu­dium ansehen.

Dass die IGGÖ zu einem beträcht­li­chen Teil aus dem Ausland gesteuert werde, sei nichts Neues, sagt Aslan – nur dass es nun um den türki­schen Einfluss gehe. „Diese Steue­rung aus dem Ausland verhin­dert jene euro­päi­sche Prägung des Islam, die wir drin­gend bräuchten.“

Mails, die der Zeitung KURIER vorliegen, lassen erkennen, dass der 2016 gewählte 28-Jährige Vorsit­zende Olgun als Mario­nette der Türkei gilt. Die einen spre­chen von einer Über­nahme der Glau­bens­ge­mein­schaft durch die Türkei, die hier­durch Ange­grif­fenen argu­men­tieren wiederum, dass sie Kontakte zur Muslim­bru­der­schaft oder zu Sala­fisten hätten.

Doch eines ist fest­hal­tens­wert: Olgun hatte 2016 in mit seiner IGGÖ die Tewhid-Moschee als ehema­lige Zentrale der bosni­schen Sala­fisten in Wien, von der aus Dschi­ha­disten nach Syrien in den Kampf geschickt wurden, durch seine Isla­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) als Gemeinde einge­richtet. Die weitere Radi­ka­li­sie­rung in dieser Moschee fand damit letzt­lich unter der Verant­wor­tung der IGGÖ und deren Präsi­denten statt.

Bereits 2017 doku­men­tierte eine Studie der George Washington Univer­sität in Koope­ra­tion mit der Univer­sität Wien aber, dass die IGGÖ unter zuneh­mendem Einfluss der isla­mis­ti­schen Muslim­brüder stehe.

Eben­falls unter Einfluss der Muslim­brüder stehe die Isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ), diese habe eine „zentrale Rolle“ bei der Verbrei­tung der Posi­tionen des Milieus der Muslim­brüder gespielt. Beson­ders die Isla­mi­sche Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Akademie (IRPA), zuständig für die Ausbil­dung der isla­mi­schen Reli­gi­ons­lehrer, weise „mehrere Verbin­dungen“ zu den Muslim­brü­dern auf. Auch sei in der IGGÖ ein hoch­ran­giges Mitglied der Muslim­brüder aktiv – und zwar in der promi­nenten Posi­tion eines Muftis. Die Muslim­brüder, so der Studi­en­autor, würden auf eine Spal­tung der Gesell­schaft und eine Stär­kung des poli­ti­schen Islams abzielen. Kritik am Islam würde pauschal als „Isla­mo­phobie“ abge­lehnt, auch würde teil­weise seitens der Muslim­brüder Gewalt gerechtfertigt.

Bereits davor gab es den wieder­holten Verdacht, dass unter anderem die Jugend­or­ga­ni­sa­tion der IGGÖ, die Musli­mi­sche Jugend Öster­reich (MJÖ), aber auch der frühere Vorsit­zende der IGGÖ Anas Schakfeh der Muslim­bru­der­schaft nahe stünden. Die Muslin­bru­der­schaft verei­nigt sich wiederum unter ihrem Slogan:

„Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfas­sung. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“

Gewalt ist damit Teil der Politik der Muslimbruderschaft: 

Muslim­brüder gewinnen an Einfluss in der IGGÖ

Die Amts­zeit Olguns währte jedoch nur kurz. Im Sommer 2018 sah er sich verpflichtet, formale Mängel an das zustän­dige Kultusamt zu melden. In Folge dieser Meldung wurden sieben Moscheen geschlossen. Nach der Schlie­ßung dieser sieben Moscheen wurde Olgun vorge­worfen, für diese Schlie­ßung verant­wort­lich gewesen zu sein. Dies nutzte der Vize­prä­si­dent des Verbands Tasdögen, hinter dem die „Isla­mi­sche Föde­ra­tion“ und damit die türkisch-natio­na­lis­ti­sche Bewe­gung Millî Görüş steht und brachte den Miss­trau­ens­an­trag gegen den Präsi­denten ein.

Aller­dings wird bereits ein anderer Vertreter der Isla­mi­schen Föde­ra­tion als Favorit gehan­delt: Ümit Vural, derzeit Vorsit­zender des Schura­rats. Er hatte sich zunächst noch nicht zu einer mögli­chen Kandi­datur geäu­ßert. Tasdögen bezeichnet den Juristen als „sicher eine der kompe­ten­testen Personen, die diese Aufgabe sicher gut meis­tern kann. Ich würde seine Kandi­datur begrüßen.“

Im Dezember 2018 wurde gewählt. der ORF berichtet:

Vural gilt als typi­sches Gast­ar­bei­ter­kind: Sein Vater arbei­tete als Maurer. Er studierte Rechts­wis­sen­schaft und enga­gierte sich sehr bald als Jugend­ver­treter in seiner Moschee im Wiener Bezirk Rudolfs­heim-Fünf­haus, wo er bis heute wohnt… Er setzte sich vor allem gegen Diskri­mi­nie­rung und für Chan­cen­gleich­heit auf dem Arbeits­markt ein und ist nach wie vor – wie einer seiner Brüder – als Kammerrat aktiv… Auch reli­giöses Enga­ge­ment legte Vural an den Tag. So orga­ni­sierte und mode­rierte er 2006 eine Groß­ver­an­stal­tung aller namhaften türkisch-isla­mi­schen Verbände anläss­lich des Geburts­tages des Propheten Mohammed in der Wiener Stadt­halle mit 12.000 Teil­neh­mern. Als Jurist versuchte er, das fast fertige und viel kriti­sierte neue Islam­ge­setz zu ändern. Er verfasste auch die neue Verfas­sung der IGGÖ und wurde Präsi­dent des Schurarats.

Die im November 2018 über­ra­schend ausge­ru­fenen Neuwahlen wurden zunächst als Macht­kampf zwischen dem aufgrund der großen Türkei-Nähe umstrit­tenen Dach­ver­band Atib und der türkisch-natio­na­lis­ti­schen Millî Görüş Bewe­gung inter­pre­tiert. Doch Vurval lebt offenbar auch Anschluß­fä­hig­keit in Rich­tung des verfas­sungs­feund­li­chen Spek­trums.  Die Recher­che­platt­form Addendum gelangte in den Besitz der offi­zi­ellen Teil­neh­mer­liste eines großen Tref­fens von Mitglie­dern der Muslim­bru­der­schaft in der Zentra­mo­schee in Köln. Auf der Liste finden sich als öster­rei­chi­sche Delegierte:

  1. IGGÖ-Präsi­dent Ümit Vural,
  2. sein Vize Seyfi Recalar,
  3. das Mitglied des Obersten Rates der IGGÖ, Muhammed al-Khou­tani und
  4. der „Isla­mo­pho­bie­for­scher“ mit Lehr­tä­tig­keit an der Uni Salz­burg Farid Hafez. Dem lang­jäh­rigen Vorsit­zenden der Musli­mi­schen Jugend Öster­reich (MJÖ), dem die Regie­rung Öster­reichs einem Stelle zur Bekämp­fung von musli­mi­schen Extre­mismus finan­zierte. 2017 wollte die MJÖ den Vorwurf, sie sei durch die Muslim­brüder beein­flusst noch juris­tisch bekämpfen. Heute kümmert sich Hafez mit Hilfe einer Lehr­tä­tig­keit um die Defi­ni­tion zenz­traler Begriffe, wie „Isla­mo­phobie„. Auf wissen­schaft­li­cher Ebene wurde Hafez unter anderem von Armin Pfahl-Trau­ghber für die – aus Sicht Pfahl-Trau­gh­bers – wenig trenn­scharfe Verwen­dung des Isla­mo­pho­bie­be­griffes kriti­siert. Damit würde eine Immu­ni­sie­rung gegen jegliche Kritik am Islam ermög­licht. Hafez’ Begriff der Isla­mo­phobie wurde daher auch als poli­tisch moti­viert bewertet.

Der aktu­elle Präsi­dent der IGGÖ, Ümit Vural, weist damit Anschluß­fä­hig­keit und Nähe zur Muslim­bru­der­schaft auf. Seine Teil­nahme an dieser promi­nent mit Muslim­brü­dern besetzten Veran­stal­tung in Köln belegt dies ebenso, wie seine fehlende Distan­zie­rung von der Muslimbruderschaft.

Das bosni­sche Sala­fis­ten­netzwek in der IGGÖ und die Tewhid-Moschee

In dieser Zeit haben sich auch die bosni­schen Sala­fisten und Wahha­biten in Wien eine Zentrale aufge­baut. Hierbei handelt es sich um

Diese Zentrale war offenbar für Akti­vi­täten in der gesamten EU zuständig. Imam Hafedh Muhammed Fadil Porča betrieb damals den „Verein zur Förde­rung der isla­mi­schen Kultur in Öster­reich“ mit der zuge­hö­rigen Tewhid-Moschee im zwölften Wiener Gemein­de­be­zirk. Der

„Verein zur Förde­rung der isla­mi­schen Kultur in Öster­reich“ betreibt in Wien die Tewhid-Moschee. Laut Grund­buch gehört das Haus Muslima Mous­tefai-Thiba, einer Konver­titin. Der Verein steht unter Beob­ach­tung des Verfas­sungs­schutzes und soll auch als Anlauf­stelle von Ange­hö­rigen der „Aktiven Isla­mi­sche Jugend“ (AIO) genützt werden.

Imam Hafedh Muhammed Fadil Porča gilt bosni­schen Behörden zufolge eben­falls als ein Haupt­ak­teur der salafsti­schen Achse zwischen Bosnien und Österreich.

Auf bosni­schen Isla­misten-Websites finden sich Predigten Porčas, in denen er davon spricht, seine „Feinde dann anzu­greifen, wenn sie es am wenigsten erwarten“. Muhammed Porča soll im Mai 2007 auch am Begräbnis des hoch­ran­gigen Wahha­biten Yusuf Barcic im bosni­schen Tuzla teil­ge­nommen haben. Unter den Besu­chern des Begräb­nisses waren auch Abu Hamza, Komman­dant der Mudscha­heddin während des Bosni­en­krieges, sowie Mehmed Djudjic, der vermeint­liche Auftrag­geber des verhin­derten Atten­tä­ters Asim Cejva­novic. Die öster­rei­chi­sche Staats­an­walt­schaft räumt Verbin­dungen Djud­jics zur wahha­bi­ti­schen Szene in Bosnien ein.

Gemeinsam haben die Akteure ein Netz­werk aufge­baut haben, welches es Personen aus Europa ermög­licht hat, nach Syrien zu reisen.

Von Wien aus werden die Tätig­keiten beider Strö­mungen in Bosnien und im zu Serbien und Monte­negro gehö­renden mehr­heit­lich musli­mi­schen Sandžak um Novi Pazar koor­di­niert. Die Strö­mung um Porča ist sogar unter den slawisch­spra­chigen Gorani im Kosovo aktiv.

Offenbar geschah dies unter den Augen der öster­rei­chi­schen Staats­macht, ohne dass diese einschritt.

Diese Akti­vi­täten aus Wien führten auch immer wieder zu Kritik bosni­scher Reli­gi­ons­funk­tio­näre und Intel­lek­tu­eller an Österreich.

Kritik aus Bosnien an dieser Haltung Wiens den Sala­fisten und Wahha­biten gegen­über perlte bei den Offi­zi­ellen in Wien offenbar regel­mäßig ab. Dabei kamen die Vorwürfe bereits im Jahr 2007. Vorge­tragen wurden sie von keinem Gerin­geren, als dem offi­zi­ellen Chef aller bosi­schen Muslime Creic:

Eines der Zentren dieser Akti­vi­täten soll Muhammed P.s Tewhid-Moschee in Meid­ling sein. Das behauptet beispiels­weise Mustafa Cerić, bis vor zwei Jahren als Bosniens Groß­mufti das Ober­haupt des dortigen offi­zi­ellen Islam. Cerić gehört zu jenen, die von den radi­kalen Muslimen gerne als libe­rale Verräter ange­feindet werden. Der Geist­liche klagt immer wieder darüber, dass jene Radi­kale, die in Bosnien für Scharia und Gottes­staat kämpfen, in Wien „rekru­tiert und finan­ziert“ werden. In einer Rede im Februar 2007 etwa bezog sich Cerić ausdrück­lich auf die Moschee in Meid­ling. In einem Inter­view mit dem Nach­rich­ten­ma­gazin News sagte er weiters:

„Diese Gruppen sind bei euch groß geworden, sie sind in eurer Umwelt zu dem geworden, was sie heute sind.“ Die öster­rei­chi­schen Behörden seien aufge­for­dert, endlich etwas gegen die radi­kal­is­la­mi­sche Bedro­hung zu unter­nehmen. Es handle sich um „Paral­lel­ge­sell­schaften außer Kontrolle“.

Im Jahr 2007, als Cerić diese Worte sprach, sorgte auch ein weiterer Vorfall für Verwir­rung – und erneut führt die Spur nach einigen Umwegen bis Meid­ling, in die Moschee von Muhammed P. Im Oktober dieses Jahres verübte ein verwirrter Exil-Bosnier in Öster­reich, Asim Č., einen Atten­tats­ver­such auf die Wiener US-Botschaft. Er tauchte dort mit einem Ruck­sack voller Plas­tik­spreng­stoff und zwei Hand­gra­naten auf und wurde prompt außer Gefecht gesetzt... C hatte neben dem Spreng­stoff auch ein Buch in seinem Ruck­sack… Es trägt den Titel „Namaz u islamu“, zu Deutsch „Das Gebet im Islam“. Bei dem Buch handelt es sich um einen theo­lo­gi­schen Leit­faden für den frommen Muslim, geschrieben in stark arabi­siertem Serbo­kroa­tisch. Bei der Lektüre offen­bart sich ein bedenk­li­ches Weltbild.

Die Ungläu­bigen würden schmerz­hafte Strafen erfahren, steht da beispiels­weise. Oder: „Der reine und aufrich­tige Glaube voll­endet sich erst im Märty­rertod.“ Als Lektor des Buches scheint im Impressum auf: Muhammed P., der Imam aus der Meid­linger Murlingengasse.

Doch trotz all dieser Hinweise ließen die öster­rei­chi­schen Behörden die Moschee in Wien damals noch ebenso unbe­hel­ligt wie ihren Imam.

Doch das frag­wür­dige Buch und die Warnungen des bosni­schen Geist­li­chen Cerić sind nicht die einzigen Zusam­men­hänge, in denen Muhammed P. und seine Tewhid-Moschee auftau­chen. Ein weiterer stammt aus dem Jahr 2010. Damals rückte die bosni­sche Polizei ins Dorf Gornja Maoča ein. In diesem abge­le­genen Flecken im Norden des Landes leben einige radi­kal­is­la­mi­sche Fami­lien ihre Vorstel­lung eines gott­ge­fäl­ligen Daseins. Abge­schottet von der Außen­welt, propa­gieren sie die Scharia; bei Razzien werden immer wieder Waffen beschlag­nahmt. Zwischen den Bewoh­nern von Gornja Maoča und der bosnisch-musli­mi­schen Gemeinde in Wien bestünden rege Reise­ak­ti­vi­täten, berich­teten 2010 bosni­sche Medien. Der Terrorfach­mann Dževad Gali­jašević, Mitglied einer Gruppe von Experten für orga­ni­sierte Krimi­na­lität im Land, nannte Imam P. als den wich­tigsten Verbin­dungs­mann zwischen Wien und Gornja Maoča. Sogar von Waffen­lie­fe­rungen ab Meid­ling war in mehreren bosni­schen Medien die Rede, wie die Apa 2010 berichtete.

In dieser Zeit wurde durch die öster­rei­chi­schen Behörden der Kampf gegen den poli­ti­schen Islam mit wenig Ernst­haf­tig­keit durch­ge­führt. Fest­hal­tens­wert ist, dass Aktionen gegen den poli­ti­schen Islam dann auf einmal „Form­fehler“ aufweisen und damit recht­lich unwirksam waren.

Denn im Juni 2018 sagte der Bundes­kanzler, dass Paral­lel­ge­sell­schaften und Radi­ka­li­sie­rungs­ten­denzen in Öster­reich keinen Platz hätten. Es wurden Moscheen geschlossen, die später aufgrund eines Form­feh­lers bei der Beschei­der­stel­lung alle­samt wieder öffneten. Seitdem ist viel Zeit vergangen und nichts passiert.

Die Melit-Ibrahim-Moschee in Wien Otta­kring ist den Behörden seit Jahren bekannt, sie soll in der Vergan­gen­heit Treff­punkt verur­teilter IS-Anhänger gewesen sein. Konse­quente Maßnahmen blieben aus.

Der Kampf gegen den poli­ti­schen Islam wurde durch die Verant­wort­li­chen  in Wien offenbar mit wenig Ernst­haf­tig­keit geführt und wenn man ihn geführt hat, dann offen­kundig nur, um den den Bürgern im Land durch PR-Aktionen ein subjek­tives Gefühl der Sicher­heit zu geben.

Einer, der diese Kontakte in den Sala­fis­tenort unter­hielt, war der zeit­weise für die IGGÖ tätige „Reli­gi­ons­lehrer“ Mirsad Omerović alias „Ebu Tejma“:

Nach der Groß­razzia gingen die Akti­vi­täten in dem Dorf weiter. Trei­bende Kraft dahinter war lange Zeit der ehema­lige Imam und Dorf­vor­stand, Nusret Imamovic, der rege Kontakte in jenen Wiener Moscheen pflegte, in denen sein Glau­bens­bruder Ebu Tejma (siehe oben) predigte. Umge­kehrt gab es auch in Öster­reich immer wieder Sympa­thi­santen, die umge­kehrt in Gornja Maoča zu Gast waren. Mehrere TV-Aufnahmen des bosni­schen Fern­se­hens, die bei Recher­chen in der Ortschaft entstanden, zeigen Autos mit öster­rei­chi­schen Kennzeichen.

Die offenbar engen Verbin­dungen von Omerović mit dem damals in Wien lebenden und prak­ti­zie­renden bosnischen
Imam Hafedh Muhammed Fadil Porča waren sogar Gegen­stand einer Anfrage im öster­rei­chi­schen Parla­ment, dem Natio­nalrat.

Verhaf­tung der Führung der „bosni­schen Zelle“

Nach einer Razzia wurde Omerović verhaftet und sitzt seit November 2014 in Haft. Im Juli 2016 wurde Omerović am Landes­ge­richt für Straf­sa­chen Graz u. a. wegen der Teil­nahme an einer terro­ris­ti­schen Verei­ni­gung (§ 278b StGB), terro­ris­ti­scher Straf­taten (§ 278c StGB) sowie der Teil­nahme an einer krimi­nellen Verei­ni­gung zu 20 Jahren Haft verur­teilt. Im Prozess wurden die bishe­rigen Vorwürfe  erwiesen, nämlich, dass er an der Rekru­tie­rung von Personen für die Terror­or­ga­ni­sa­tionen Al Quaida bzw. deren Syrien-Ableger al-Nusra-Front und den IS betei­ligt war.

An den in der Moschee verkeh­renden Publikum änderte sich offenbar wenig. Sie wurde weiterhin von Sala­fisten und Waha­biten besucht, nur eben nun unter den Augen der IGGÖ und ihrem der Muslim­bru­der­schaft nahe stehendem Präsi­denten. Die Ergeb­nisse der letzten Wahlen unter der Schirm­herr­schaft der IGGÖ in deren 89 Moscheen sind offen einsehbar. Hieraus geht hervor, dass der von verur­teilten Isla­misten gegrün­dete Moschee­verein noch immer existiert:

Verein zur Förde­rung der Isla­mi­schen Kultur in Öster­reich – Tewhid Moschee
Adresse Murlin­gen­gasse 61, 1120 Wien
Zahl der Wahl­be­rech­tigten 61
Abge­ge­bene Stimmen 35
Gewählt Benamin Ramceski 35 Stimmen

Am 6.11.2020, also wenige Tage nach dem IS-Attentat in Wien wurde bekannt, dass ein Moschee­verein und eine Moschee in Wien auf Anord­nung der Behörden geschlossen wurden. Der Grund: Der Atten­täter war dort aktiv und hat sich wohl aufgrund des dortigen reli­giösen Ange­bots radikalisiert.

Erst am 6.11.2020 hatte das für die Über­wa­chung der Isla­misten zustän­dige Innen­mi­nis­te­rium das für die Moschee­ver­eine zustän­dige Kultusamt am Donnerstag darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Atten­täter regel­mäßig folgende beiden Gebets­räume in Wien besucht hatte,

  • die Tewhid-Moschee in Meid­ling, die 2016 durch die Isla­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) als Glau­bens­ge­meinde einge­richtet worden war und
  • die Melit-Ibrahim-Moschee in der Hasner­strasse in Wien-Otta­kring, nicht der IGGÖ unter­stehe und nur ein Verein sei.

Nun erst fällt den Behörden offi­ziell auf, dass eine Schlie­ßung im Inter­esse der öffent­li­chen Sicher­heit notwendig mache, weil die im öster­rei­chi­schen Islam­ge­setz gefor­derte „posi­tive Grund­ein­stel­lung gegen­über Gesell­schaft und Staat“ nicht bestehe. Bei der „Melit-Ibrahim-Moschee“ handelt es sich um einen Verein, aus dem heraus seit Jahren immer weder hoch­ran­gige Terro­risten hervor­gehen und der eine Art Zwei­stelle der Tewhid-Moschee bildet.

Im Gegen­satz zur bekannten Murlin­gen­gasse (Wien-Meid­ling) findet man jedoch zur Zweig­stelle in der Hasner­straße (Wien-Otta­kring) so gut wie keine Infor­ma­tionen, obwohl die Moschee genau gegen­über des Magis­tra­ti­schen Bezirks­amts Richard-Wagner-Platz 19 gelegen ist. Die Kultur des Wegschauens hatte man in Wien in den letzten Jahren offenbar bis zur Perfek­tion prak­ti­ziert. Nicht uner­wähnt sollte bleiben, dass sich im selben Häuser­block Richard-Wagner-Platz 5 das Büro der Grünen in Otta­kring befindet und unter der Adresse Richard-Wagner-Platz 5a die „Grünen Migrant*innen Wien“ ihr Büro haben. Derart abge­schirmt konnte der Sala­fismus in Wien unter den Augen der Behörden und der Grünen offenbar prächtig gedeihen.

Wie rück­sichts­voll man in Wien mit den Beschüt­zern der Sala­fisten umgeht zeigt der Umstand, dass die öster­rei­chi­schen Behörden es nicht einmal wagten, den zur IGGÖ gehö­renden Verein und die Moschee selbst zu schließen. Man über­ließ dies rück­sichts­voll­er­weise und kultur­sen­sibel der IGGÖ, die sich diese Schlie­ßung der Extre­misten damit als Akt der Selbst­rei­ni­gung in Zukunft bei Sonn­tags­reden auf ihre eigenen Fahnen schreiben kann, womög­lich unter der Über­schrift „Die IGGÖ enga­giert sich im Kampf gegen den Terror“:

An die IGGÖ seien Frei­tag­vor­mittag Infor­ma­tionen heran­ge­tragen worden, wonach die bei ihr regis­trierte Moschee­ge­meinde gegen Glau­bens­lehre und Verfas­sung sowie das Islam­ge­setz von 2015 verstoße, hatte kurz zuvor die IGGÖ selbst bekannt­ge­geben. Um mögliche Gefahr in Verzug abzu­wenden, habe man die Rechts­per­sön­lich­keit dieser Moschee­ge­meinde aufge­hoben und dies dem Kultusamt mitgeteilt.

Durch die „Quali­täts­presse“ blieben natür­lich alle Zusam­men­hänge der Tewhid-Moschee und ihrer Zweig­stelle in Wien-Otta­kring mit deren Muha­jeddin und den früheren Predi­gern der „bosni­schen Zelle“ unerwähnt.

Der an der Uni Wien lehrende Reli­gi­ons­päd­agoge Aslan vom Institut für isla­mi­sche Studien warnte hingegen bereits 2014 davor, sich mit einer Schlie­ßung zufrieden zu geben, den die Verant­wort­li­chen haben inzwi­schen weite Netz­werke ausgebildet.

„Denn dann haben wir die Gefahr nicht richtig verstanden. Diese geis­tigen Brand­stifter in unserer Gesell­schaft predigen nicht nur in einer Moschee. Diese Gefahr kennen wir nicht seit zwei Tagen, diese Gefahr ist seit Jahren bekannt.“

„Radi­ka­li­sie­rung ist ein Prozess, der nicht über Nacht passiert. In vielen Moscheen wird der isla­mi­sche Staat als gesell­schaft­lich ideale Vorstel­lung einfach gepre­digt, daher müssen sich die Muslime zuerst mit ihrer eigenen Lehre kritisch ausein­an­der­setzen. Das vermisse ich unter den Muslimen “, so Aslan weiter.

Nach Jahren des Nichts­tuns zeigt sich nun, wie zutref­fend die Einschät­zungen des Reli­gi­ons­päd­agogen Aslan damals waren.


Aktua­li­sie­rung vom 9. März 2021:

Die Tewhid-Moschee in Wien-Meid­ling, die nach dem Wiener Anschlag geschlossen wurde, war mit ihrer Beschwerde gegen einen vereins­recht­li­chen Auflö­sungs­be­scheid erfolg­reich. Die Vereins­be­hörde bestä­tigte zwar, dass der Atten­täter Kujtim Fejzulai die Moschee regel­mäßig besuchte. Aber es sei nicht erweisbar, dass der „Verein zur Förde­rung der isla­mi­schen Kultur“, welcher seine Räum­lich­keiten an die Tewhid-Moschee vermie­tete, selber zur Teil­nahme am Dschihad aufge­rufen habe. Deshalb wurde die Auflö­sung aufgehoben.

Die Polizei verwies auf die „spezi­elle recht­liche Konstruk­tion“, wonach sich der Verein nicht selbst der Reli­gi­ons­aus­übung widme, sondern sein Zweck darin bestehe, die Räum­lich­keiten Dritten zur Reli­gi­ons­aus­übung zu über­lassen. Bei diesem Mieter handle es sich um eine isla­mi­sche Kultus­ge­meinde, die in Öster­reich den Status einer „Körper­schaft öffent­li­chen Rechts“ genießt. Dieser Kultus­ge­meinde wurde von der Isla­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) die Rechts­per­sön­lich­keit entzogen, die Entschei­dung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Quelle der Aktua­li­sie­rung: Kronen-Zeitung


5 Kommentare

  1. Worin die „Wurzeln“ des Atten­tates liegen, erklärt sich bereits durch den Namen „Kujtim Fejzulai“. Mehr muss man dann gar nicht mehr wissen…

  2. Hier werden die Begriffe zurecht gerückt. Das hat Kickl schon 2015 tref­fend geahnt! Und so gelangt die heutige Justiz­mi­nis­terin in einen Refor­men­stau, wo hinterher die Probleme größer sind als vorher.
    Die Anrainer der von bosni­schen Muslimen geführten „Dzemat Vöck­la­bruck“ haben Erfah­rung damit, wenn ein „isla­mi­scher Kultur-Verein“ und eine „Moschee-Gemeinde“ (= Körper­schaft öffent­li­chen Rechts) mit den öster­rei­chi­schen Behörden Katz und Maus spielen. Daher gibt es unseren Verein, die BÜRGERINITIATIVE ZIVILCOURAGE!
    unser-mitteleuropa.com/voecklabruck-ooe-mahnwache-der-buergerinitiative-einspruch-gegen-5-jahre-illegalen-moscheebetrieb/

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