David Engels: Die Gier der Mächtigen

Bildquelle: JF

Corona-Maßnahmen und ihre Folgen

Lange mochte man zwei­feln, ob die Covid-Stra­tegie der vergan­genen andert­halb Jahre nun eher von der Inkom­pe­tenz oder viel­mehr der Verlo­gen­heit unserer Eliten zeugt. Denn in demselben Grade, wie sich die Angst vor einer globalen Zombie-Apoka­lypse als völlig unbe­rech­tigt und das „Killer-Virus“ sich als durchaus mit schwe­reren Grip­pe­wellen vergleichbar heraus­stellte, wurden die Maßnahmen gegen die „Pandemie“ in einer solchen Weise verschärft, daß eine Rück­kehr zur Norma­lität wohl ebenso unmög­lich geworden ist wie eine neue Vertrau­ens­bil­dung in das, was von unserer Demo­kratie noch übrig­ge­blieben ist.

Zuerst Grenz­schlie­ßung, Test­pflicht und Lock­down, dann elek­tro­ni­sche Über­wa­chung, Notstands­ge­setz­ge­bung, Verfol­gung von Maßnahmen-Skep­ti­kern und Demons­tra­ti­ons­verbot, schließ­lich Impf­pflicht, Elternent­rech­tung und dauer­hafte Ausschlie­ßung unge­impfter Menschen: Schritt für Schritt wurden alle Verspre­chen gebro­chen und die Grund­festen einer freien, glei­chen und soli­da­ri­schen bürger­li­chen Gesell­schaft ausge­he­belt, ohne daß dies bei Massen­me­dien, „Experten“ und Bevöl­ke­rung auf nennens­werte Oppo­si­tion gestoßen wäre.

Wie wird es nun weiter­gehen? Da überall in Europa (mit Ausnahme Frank­reichs) Proteste gegen die indi­rekte Impf­pflicht erfolg­reich unter­drückt wurden, dürfte sich bald eine Art Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft von Geimpften und Unge­impften verfestigen.

Diese beiden Gruppen werden aller­dings alles andere als harmo­nisch koexis­tieren, denn die Impf­skep­tiker werden schon jetzt zu den idealen Sünden­bö­cken auser­koren, um Zwie­tracht zwischen den Menschen zu säen und mittels des alten Leit­spruchs „Divide et impera“ die Entde­mo­kra­ti­sie­rung des Westens voran­zu­treiben – und gleich­zeitig Bürger, die auch jenseits der Pandemie bereit sein könnten, nein zu sagen, dem Haß der Mitmen­schen auszuliefern.

Corona-Impf­skep­tiker als Außenseiter

Da die Impfung mit unbe­kannten Lang­zeit­folgen weder voll­ständig vor einer Erkran­kung an Covid-19 noch vor einer Weiter­gabe des Virus schützt, wird man eben auch in Zukunft ganz analog zur Grippe Covid-Wellen mitsamt verschie­densten Muta­tionen erwarten müssen. Hier bieten sich die Impf­skep­tiker als Außen­seiter und „Volks­schäd­linge“ gera­dezu von selbst an, um ihnen den Weiter­be­stand des Virus und die Fort­set­zung von Lock­down-Maßnahmen ebenso in die Schuhe zu schieben wie volle Krankenhäuser.

Dahinter versteckt sich frei­lich ein erheb­lich gefähr­li­cheres Spiel. Denn es war schon vor der Pandemie klar, daß Europa sich kurz vor einem grund­le­genden Umbruch befand: Die finanz­tech­ni­sche Konstruk­tion des Euro­raums steht seit der Grie­chen­land­krise vor dem Abgrund und kann nur noch mittels massiven Geld­dru­ckens gestützt werden, das zur Enteig­nung des mittel­stän­di­schen Sparers und somit des Funda­ments unserer bürger­li­chen Gesell­schaft führt.

Die Demo­kratie ist zuneh­mend ausge­höhlt worden durch die Verfes­ti­gung einer weit­ge­hend austausch­baren Partei­en­olig­ar­chie und die Ausla­ge­rung zentraler Befug­nisse nach Brüssel. Und schließ­lich sind Medien ebenso wie Poli­tiker und Experten so sehr von einer hyper­mo­ra­li­sie­renden links­grünen Ideo­logie erfaßt worden, daß alle welt­his­to­ri­schen Fragen nur noch unter abstrusen Gesichts­punkten wie Klima­wandel, Gender- und LGBTQ-Rechten, Trans­hu­ma­nismus und natür­lich der Umwand­lung homo­gener in multi­kul­tu­relle Iden­ti­täten behan­delt werden. Unter dem Mantel demo­kra­ti­scher Viel­falt hat sich eine erdrü­ckende Konfor­mität herausgebildet.

Jede dieser Entwick­lungen hat im Laufe der letzten Jahre zuneh­mend Kritik auf den Plan gerufen, und es sah eine Zeit lang sogar aus, als würde der große Umbruch unserer Gesell­schaft jene, die ihn betrieben haben, mit sich in den Abgrund reißen. Die Covid-Pandemie ist die gera­dezu geniale Antwort auf diese Gefahr und der Impf­skep­tiker der perfekte Schul­dige. Der Unter­gang des Mittel­stands und der Aufstieg des Milli­ar­därs­so­zia­lismus mit seinem links­grün lackierten Hoch­ka­pi­ta­lismus auf der einen Seite und seiner grauen Plan­wirt­schaft auf der anderen? Ein unwei­ger­li­cher Kolla­te­ral­schaden des Lock­downs sowie des „Great Reset“ und des euro­päi­schen „Green Deals“.

Tota­li­täre Verhältnisse

Zuneh­mend tota­li­täre Verhält­nisse durch Verfol­gung mißlie­biger Grup­pie­rungen, mani­pu­lierte Brief­wahl, gleich­ge­schal­tete Medien, Versamm­lungs- und Demons­tra­ti­ons­verbot, Umfunk­tio­nie­rung des Covid-Passes zu einem Sozi­al­kre­dit­system nach chine­si­schem Vorbild und Ausla­ge­rung poli­ti­scher Entschei­dungs­fin­dungen in kleine inter­na­tio­nale Gremien? Leider notwendig zum koor­di­nierten Schutz der „Volks­ge­sund­heit“ gegen unbe­lehr­bare Covid-Skep­tiker und andere rechte Populisten.

Syste­ma­ti­sche Über­schwem­mung Europas mit Armuts­mi­granten aus aller Welt bei gleich­zei­tiger Zerset­zung alther­ge­brachter abend­län­di­scher Soli­da­ri­täts­ge­mein­schaften wie Familie, Glaube, Nation oder Kultur? Die Beglei­chung unserer „histo­ri­schen Schuld“, die durch die welt­weiten Verwüs­tungen von Patri­ar­chat, Kolo­nia­lismus und Klima­er­wär­mung über­haupt erst eine Pandemie wie Covid-19 ermöglichte.

Besteht über­haupt noch Hoff­nung, aus diesem absurden, aber hoch­ge­fähr­li­chen Narrativ auszu­bre­chen, das noch vor zwei Jahren als unglaub­wür­dige Dystopie belä­chelt worden wäre? Die Skepsis wächst: Zu stark ist der Mensch dem Konfor­mi­täts­druck der Medien ausge­lie­fert, zu stark die Gier der Mäch­tigen, sich der unge­ahnten Vorzüge zu bedienen, die ihnen die Pandemie liefert, zu stark wohl auch die Verfüh­rung, Eigen­ver­ant­wor­tung abzu­geben und durch Gehorsam nach oben und Ressen­ti­ment nach unten zu ersetzen – das A und O der Bana­lität des Bösen.

Was bleibt? Die Hoff­nung, nein, die Gewiß­heit, daß auch jenes zuneh­mend Gestalt anneh­mende Unrechts­re­gime früher oder später wie alle anderen am ewigen Drang jenes „Geistes, der stets verneint“, zerbre­chen wird, nicht etwa Ordnung und Erfül­lung zu schaffen, sondern Unrecht und Selbst­ent­frem­dung – und für uns die Aufgabe, ihm mit allen Kräften entge­gen­zu­treten, um seine Stabi­li­sie­rung zu behin­dern und den geis­tigen Wider­stand zu garantieren.

Prof. Dr. David Engels ist Professor für Römi­sche Geschichte in Brüssel und forscht am Posener West-Institut .

 

 

Quelle: Junge Frei­heit


2 Kommentare

  1. In Form und Inhalt exzel­lente Analyse, danke!
    Die maßgeb­lich Regie­renden nebst Lobby, Gewal­ten­tei­lung-einge­eb­neter Infra­struktur und zahl­losen konzer­tiert unter­hal­tenen System­pro­fi­teuren stellen nur noch ein bedau­erns­wertes Werte‑, Leis­tungs- und Intel­li­genz­p­re­ka­riat dar, das um relativ kurz­fris­tiger Macht­aus­wei­tung willen alle Vernunft und Wahr­heit unter­pflügt. Die scha­f­ähn­liche Wähler­schaft beweist eindrück­lich die Bildungskatastrophe.

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    • Die Sprache der Massen ist arm und ihr Gemüt ist eher schlicht. So folgt das blökende Schaf dem ebenso blökenden Leit­hammel, dessen Kurs wiederum ein Schäfer bestimmt.
      Da mag man es bedauern, daß das Werte‑, Leis­tungs- und Intel­li­genz­p­re­ka­riat sich im Kreise der Gewählten spie­gelt. Einem Schäfer würde die Herde kaum folgen wollen. Also bedarf es eines Leit­ham­mels, und der muß nun mal zumin­dest einer „domes­ti­zierten Form des Muff­lons“ angehören.
      Hammel, denen die Herde nicht folgt, werden keine Leit­hammel, und Leit­hammel, die der Anwei­sung des Schä­fers nicht folgen, werden geschlachtet und ersetzt.
      Damit die Herde folgt, muß man wohl „einer von ihnen“ sein. Einen Führungs­an­spruch auf Werte, Leis­tung oder gar Intel­li­genz begründen zu wollen, ist aussichtslos. Damit bekommt man viel­leicht 12,6 %, aber sicher keine Mehr­heiten. So depri­mie­rend das sein mag.

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