25. 11. 2020
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Der Globa­lismus kann auf lange Sicht nicht überleben

Lionel Baland · Foto: TVLibertés

Inter­view von Álvaro Peñas* (El Correo de España) mit Lionel Baland:

Lionel Baland ist ein fran­zö­sisch­spra­chiger belgi­scher Lehrer, Jour­na­list und Schrift­steller. Er ist Autor mehrerer Bücher über die Geschichte des belgi­schen Natio­na­lismus und eines Buches über den ehema­ligen öster­rei­chi­schen Patrio­ten­führer Jörg Haider. Als Spezia­list für patrio­ti­sche poli­ti­sche Parteien in Europa schreibt er Artikel und Inter­views für Breizh-Info, Euro­li­bertés und Boule­vard Voltaire sowie für andere Medien in fran­zö­si­scher und deut­scher Sprache. Er hat auch einen Blog zu diesen Themen, lionelbaland.hautetfort.com.

 

Neben der Lega von Mateo Salvini gibt es in Italien eine weitere wich­tige patrio­ti­sche Partei, die Fratelli d’Italia. Unter der Führung von Giorgia Meloni verbes­sern die Fratelli d’Italia ihre Ergeb­nisse mit jeder Wahl. Was ist der Grund für ihren Erfolg? 

Die Lega ist eine poli­ti­sche Partei in Nord­ita­lien, während die Popu­la­rität der in Rom gebo­renen Giorgia Meloni in der Mitte und im Süden des Landes höher als die der Lega von Matteo Salvini ist. Giorgia Meloni, eine schöne Frau, tritt im Kampf gegen die ille­gale Migra­tion offener auf als Matteo Salvini. Es ist nicht leicht für Salvini, mit dem Niveau mitzu­halten, das er hatte, als er noch Minister war und gegen die Ankunft ille­galer Einwan­de­rungs­boote antrat.

Eine kürz­lich durch­ge­führte Umfrage gibt 41% der Stimmen an die Lega (25%) und an die Fratelli d’Italia (16%). Kann Italien das nächste euro­päi­sche Land sein, in dem Patrioten an die Macht kommen?

Ja, es ist sehr wahr­schein­lich, weil die Lega und die Fratelli d’Italia auch mit Silvio Berlus­conis konser­va­tiver poli­ti­scher Partei Forza Italia verbündet sind. Zusammen können diese Parteien in beiden Kammern des Parla­ments eine Mehr­heit erhalten, und inner­halb dieser Koali­tion wiederum reprä­sen­tieren die Patrioten vier Fünftel.

Ein Phänomen, das viele noch immer über­rascht, ist Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD). Eine Partei, die trotz ihrer inneren Spal­tung und der Schwie­rig­keit, ein patrio­ti­sches Projekt in Deutsch­land zu vertei­digen, weiter wächst. Glauben Sie, dass die AfD diese Diffe­renzen endlich über­winden wird?

Es gibt zwei Haupt­flügel inner­halb dieser poli­ti­schen Partei: die eine ist liberal und die andere sozial-patrio­tisch. Diese Spal­tung inner­halb der Partei ist dieselbe Spal­tung, wie sie auch zwischen dem west­li­chen und dem östli­chen Teil des Landes besteht. Im östli­chen Teil sind die Menschen eher sozial und natio­na­lis­tisch einge­stellt. Die Alter­na­tive für Deutsch­land versucht, diese internen Diffe­renzen zu über­winden. Einige Mitglieder der beiden Partei­flügel denken nun darüber nach, die Idee eines Grund­ein­kom­mens, das nur Deut­schen vorbe­halten ist, in das Partei­pro­gramm aufzu­nehmen (die Partei plant, ihren Kongress Ende November in Kalkar abzuhalten).

Die öster­rei­chi­sche FPÖ verlor die Regie­rung wegen des Korrup­ti­ons­skan­dals ihres Führers, HC Strache. Jetzt regiert eine Koali­tion aus Konser­va­tiven und Grünen. Ihr Chef, Sebas­tian Kurz, verfolgt eine harte Einwan­de­rungs­po­litik. Hat die FPÖ Möglich­keiten, das Vertrauen der Öster­rei­cher zurückzugewinnen?

Der ehema­lige FPÖ-Vorsit­zende wurde sehr stark ange­griffen und wurde deswegen gestürzt. Gegen­wärtig haben weder die FPÖ noch die andere patrio­ti­sche Partei, die von Strache (Bündnis für Öster­reich), eine wirk­liche Chance, an die Regie­rung zurück­zu­kehren. Zudem hat der öster­rei­chi­sche Bundes­kanzler Sebas­tian Kurz die Ideen und das Programm von der FPÖ „über­nommen“.

Was Frank­reich betrifft, so verliert Macron weiter an Popu­la­rität, und es gibt Umfragen, die Marine Le Pen in Bezug auf die Wahl­chancen vor ihm aufzeigen. Tatsäch­lich war das Rassem­ble­ment National der Gewinner der letzt­jäh­rigen Euro­pa­wahlen. Glauben Sie, dass der Globa­lismus einen neuen Kandi­daten aufbauen wird?

Zur Zeit noch nicht. Emma­nuel Macron kann die nächsten Präsi­dent­schafts­wahlen gewinnen. In der zweiten Runde wird er die Stimmen vieler Menschen erhalten, obwohl ein Sieg für Marine Le Pen jetzt noch möglich erscheint. Aller­dings könnte es eine gewisse Mani­pu­la­tion geben, um eine solche Situa­tion zu vermeiden. Erin­nern wir uns, was in Öster­reich mit dem ehema­ligen FPÖ-Vorsit­zenden Heinz Chris­tian Strache geschah.

Seit Jahren fehlt es Südeu­ropa an einer patrio­ti­schen Kraft, die in den natio­nalen Parla­menten präsent ist. Schliess­lich erschien VOX in Spanien und wurde zur dritt­grössten poli­ti­schen Kraft, und CHEGA ist in Portugal aufge­treten. Was ist Ihre Meinung dazu?

Es ist der Beweis dafür, dass der Natio­na­lismus überall in Europa schnell zurück­kehrt. Die Probleme in West­eu­ropa sind enorm, und deshalb sitzen jetzt auch in den Parla­menten von Spanien und Portugal Patrioten.

Donald Trump hat die Parole ausge­geben: „Die Zukunft gehört den Patrioten, nicht den Globa­listen“. Teilen Sie diese Meinung?

Ja, der Globa­lismus kann auf lange Sicht nicht über­leben, weil er sich nicht der Realität stellt. Aber der Kampf wird hart sein, und es wird lange dauern, bis die Patrioten gewinnen.

Und wo wir gerade von Trump spre­chen, was passiert eben in den ameri­ka­ni­schen Wahlen?

Es ist klar, dass es Wahl­be­trug gegeben hat und dass die Wahlen nicht sauber verlaufen sind. Dennoch hat Trump gute Wahl­er­geb­nisse erzielt und hat die Ideen und das Programm der Repu­bli­ka­ni­schen Partei, die heute mit Menschen verbunden sind, die ihre Iden­tität vertei­digen wollen, tief­grei­fend verändert.


*) Álvaro Peñas

Leiden­schaft­li­cher Geschichts­for­scher und einge­fleischter Reisender. Er kennt die Länder Ostmit­tel­eu­ropas, in die er häufig reist, und ihre poli­ti­sche Situa­tion gut, dank seiner Freund­schaft mit Jour­na­listen und Poli­ti­kern von patrio­ti­schen Parteien in vielen dieser Länder.

 

2 Kommentare

  1. Na ja, daß der Globa­lismus nicht lebens­fähig ist, das kann man heute schon an den ganzen Schul­den­bergen und der derzei­tigen poli­ti­schen Kaste, die milde ausge­drückt, das intel­lek­tuell letzte Aufgebot darstellt, ersehen. Die Aussage ist Trivia. Inter­es­sant ist, ob wir den Globa­lismus über­leben werden und im beson­deren dann auch: Wieviele?

  2. in Frank­reich ist der Unter­schied , dass für die Euro­pa­wahl das prozen­tuale Ergebnis der Stimmen zu den Sitzen führt und dashalb der Ras.National stärkte Partei wurde. Aber für das fran­zö­siche Parla­ment entscheidet in kleine Gebieten die einfache Mehr­heit für einen Abgeordneten .

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