Der Tag, an dem König Matthias die Stadt Wien einnahm

Darstellung von Wien aus dem späten 15. Jahrhundert · Quelle: Wikipedia

Am 1. Juni 1485 eroberte der unga­ri­sche König Mátyás Hunyadi, der sich im Krieg mit Kaiser Fried­rich III. befand, die Stadt Wien. Die Vertei­diger der umzin­gelten habs­bur­gi­schen Haupt­stadt kapi­tu­lierten nach einer fünf­mo­na­tigen Bela­ge­rung, und das Zentrum Nieder­ös­ter­reichs wurde danach für fünf Jahre zum Sitz des könig­li­chen Reiches, berichtet Hirado.hu.

Ferenc Kölcsey hat diesen außen­po­li­ti­schen Erfolg von histo­ri­scher Bedeu­tung für Ungarn in die dritte Strophe der unga­ri­schen Hymne einge­woben, so dass jeder Ungar die Worte „…Mátyás‘ schwer­mü­tiger Krieg / Der stolzen Burg von Wien“ kennen wird.

Nach dem Tod von László V. war der deutsch-römi­sche Kaiser Fried­rich III. entschlossen, den unga­ri­schen Thron zu besteigen, und als Vormund von László und im Besitz der Heiligen Krone hatte er gute Chancen, dies zu tun. Diese verschlech­terten sich, als 1458 Matthias Hunyadi an die Spitze des König­reichs Ungarn trat. Die scharfe Riva­lität zwischen Matthias und Fried­rich dauerte von dem Moment an, als der König den Thron bestieg.

Die beiden Herr­scher schlossen 1463 in Wien einen Frie­dens­ver­trag, wonach Fried­rich und seine Nach­folger den unga­ri­schen Thron geerbt hätten, wenn Matthias nicht ein Kind bekommen hätte. Im Gegenzug erhielt der unga­ri­sche Monarch im Tausch gegen 80.000 Forint Gold von Fried­rich die Heilige Krone zurück, mit der er 1464 in Székes­fehérvár (Stuhl­wei­ßen­burg) offi­ziell zum unga­ri­schen König gekrönt wurde und damit seine Herr­schaft legi­ti­mierte. Trotz großer Kompro­misse blieb der Konflikt zwischen den beiden konstant. Eine Zeit lang unter­stützte Fried­rich sogar Matthias in seinem Kampf um den böhmi­schen Thron, doch als der unga­ri­sche König auch den Titel des böhmi­schen Monar­chen erlangte und seine expan­sio­nis­ti­sche Außen­po­litik den habs­bur­gi­schen Inter­essen zuneh­mend zu schaden drohte, wurde ihr Verhältnis unversöhnlich.

Schließ­lich erklärte Matthias 1477 dem Kaiser den Krieg, weil er den Erzbi­schof von Esztergom (Gran), János Beckens­loer, der mit seiner Schatz­kammer geflohen war, aufge­nommen hatte. Während des Blitz­krieges besetzte Matthias‘ Schwarze Armee Nieder­ös­ter­reich und umzin­gelte Wien, doch der Vorstoß dauerte dank der Inter­ven­tion des Papstes nicht lange, der einen Frieden vermit­telte, bei dem die beiden Herr­scher sich versöhnten. Der Kaiser erkannte Matthias als König von Böhmen an, verlieh ihm das böhmi­sche Lehen und gestat­tete ihm, Schle­sien, die Lausitz und Mähren zu behalten, doch die böhmi­sche Kurwürde durfte Ullászló ausüben, der inzwi­schen offi­ziell den böhmi­schen Thron innehatte.

Der Waffen­still­stand erwies sich nicht als dauer­haft und hilt nur einige Jahre an; die Rege­lung der Frage des böhmi­schen Königs­ti­tels und die Ambi­tionen von König Matthias führte zu erneuten Feind­se­lig­keiten zwischen den beiden Fürsten. Matthias strebte damals die voll­stän­dige Erobe­rung der benach­barten Provinzen an. Bis 1484 hatte er das öster­rei­chi­sche Zentrum voll­ständig umzin­gelt und am 29. Januar 1485 bela­gerte er Wien.

Matthias hatte seine Bela­ge­rungs­taktik perfek­tio­niert, aber es dauerte mehrere Monate, eine Stadt mit 50.000 Menschen einzu­nehmen, was einen großen Teil der Energie des Heeres verbrauchte. Also verließ sich der General auf die sicherste Stra­tegie, das Aushun­gern. Nicht einmal der Vertei­diger der Burg, Hans von Wulfers­dorfer, einer der talen­tier­testen Gene­räle Fried­richs, konnte Wunder bewirken. Die Soldaten brachen ein paar Mal aus der Burg aus und zerstörten sogar einen Bela­ge­rungs­turm, doch wenn die Vorräte in einem längeren Patt zur Neige gingen, konnte das tödlich sein.

Die Wiener Bürger verlangten, dass die Tore geöffnet werden, was am 1. Juni 1485 geschah.

Matthias‘ Einzug in Wien ist im Philos­tratus-Codex über­lie­fert · Quelle: Wikipedia

König Matthias marschierte feier­lich in die Haupt­stadt des Habs­bur­ger­rei­ches ein und deren Räte schworen ihrem neuen Herr­scher, der den Titel Herzog von Öster­reich annahm, den Treueeid.

Er rich­tete seinen Hof in der Kaiser­stadt ein, währensd Buda die Haupt­stadt des König­reichs Ungarn blieb. Der König hatte nicht die Absicht, in der Stadt Gewalt anzu­wenden, da er sie als Sprung­brett zur kaiser­li­chen Herr­schaft sah. Er gewährte ihr eine mehr­jäh­rige Steu­er­be­freiung, bewahrte die ursprüng­liche Verwal­tungs­ord­nung und ernannte nur einen seiner Männer, den Haupot­mann István Szapo­lyai, zum Stadtrat.

Die öster­rei­chi­sche Haupt­stadt war fünf Jahre lang Teil des König­reichs Ungarn. Matthias‘ Ziel war es, eine dauer­hafte Herr­schaft über die öster­rei­chi­schen Erblande zu errichten und ein viel­fäl­tiges, multi­po­lares Reich aufzu­bauen, wobei er sich als gerechter und tole­ranter Herr­scher erwies.

Das 1487 eroberte Wien errich­tete später eine Statue zu Ehren des unga­ri­schen Königs, die bis zur Herr­schaft von Joseph II. im Dom der Stadt stand.

„Von Matthias dem ‚Gerechten‘ sind der Nach­welt eine Reihe von Volks­er­zäh­lungen erhalten geblieben, darunter natür­lich auch eine Geschichte aus der Bela­ge­rung Wiens, die von einem weiteren Aben­teuer des listigen Königs berichtet.

Die Geschichte besagt, dass sich Matthias zusammen mit seinem Hofnarren verkleidet in die Stadt schleicht, um die Stim­mung der Wiener und die mili­tä­ri­sche Stärke der Stadt auszu­spio­nieren. Der verklei­dete König und sein Hofnarr werden im Zuge dieser Tour von einem Taver­nen­wirt betreten, weil sie den Verzehr von sechs gekochten Eiern nicht bezahlt hatten. Der Hofnarr hatte, ebenso wie Matthias, jedoch genug des gesunden Menschen­ver­stands, um glimpf­lich davonzukommen…


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