Der Verfas­sungs­schutz verfolgt den Verlag Antaios und die „Neue Rechte“

Bildquelle: Breizh-Info

Von Lionel Baland
 

Fahren­heit 451 ist der Titel eines Romans des ameri­ka­ni­schen Schrift­stel­lers Ray Brad­bury aus dem Jahr 1953. In diesem Buch, das die Grund­lage für den 1966 erschie­nenen gleich­na­migen briti­schen Science-Fiction-Film des fran­zö­si­schen Filme­ma­chers Fran­çois Truf­faut war, sind die Feuer­wehr­leute nicht mehr für das Löschen von Bränden zuständig, sondern für die Zerstö­rung von Büchern, weil diese als Gefahr für das herr­schende poli­ti­sche System gelten, das, um sie zu verbieten, behauptet, dass Bücher dem Glück schaden und soziale Ungleich­heiten und Konflikte zwischen den Bürgern erzeugen.

451 Grad Fahren­heit, oder 232,78 Grad Celsius, ist die Tempe­ratur, bei der sich Papier spontan entzündet, ohne dass es dafür einer äußeren Flamme bedarf.

Das Szenario des Buches und des Filmes ist nun immer weniger Science Fiction. Die gericht­liche und gesell­schaft­liche Unter­drü­ckung von dissi­denten Schrift­stel­lern in ganz West­eu­ropa nimmt immer größere Ausmaße an. Der Antaios-Verlag des deut­schen „Neue Rechte“-Verlegers Götz Kubit­schek wurde jetzt vom Verfas­sungs­schutz zu einem „Verdachts­fall“ erklärt.

Am Dienstag, 15. Juni 2021, stellten der Bundes­mi­nister des Innern, für Bau und Heimat, der baye­ri­sche Christ­lich-Soziale Horst Seehofer (CSU), und der Präsi­dent des Bundes­amtes für Verfas­sungs­schutz, Thomas Halden­wang, den Jahres­be­richt 2020 dieses Amtes vor.

Der als „Neue Rechte“ bezeich­nete intel­lek­tu­elle Trend ist in diesem Jahr als eigene Kate­gorie im Verfas­sungs­schutz­be­richt enthalten. Horst Seehofer sagt, die „Neue Rechte“ wolle „ihre Ideen mit einem pseudo-intel­lek­tu­ellen Anstrich in den poli­ti­schen Diskurs einbringen und die Grenzen des Sagbaren verschieben“. Dazu gehören die Iden­ti­täre Bewe­gung, das von Jürgen Elsässer gelei­tete Magazin Compact, das Institut für Staats­po­litik (IfS), das im Orbit von Götz Kubit­schek steht, die natio­na­lis­ti­sche Propa­gan­da­agentur EinPro­zent und der Anti-Isla­mi­sie­rungs­blog PI-News.

Thomas Halden­wang bestä­tigte die Über­wa­chung des Antaios-Verlags. Einer der Gründe dafür sind die Verbin­dungen zwischen dem Verlag und dem inzwi­schen aufge­lösten natio­na­lis­ti­schen Flügel der deut­schen patrio­ti­schen Partei Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD). Björn Höcke, Nummer eins des „Flügels“, hat gesagt, Antaios‘ Bücher seien für ihn ein „geis­tiger Glücksfall“.

Ironi­scher­weise veröf­fent­lichte Antaios im Jahr 2020 ein Sammel­werk mit dem Titel Das Buch im Haus nebenan. Die Autoren stellen jeweils eine Reihe von berühmten Büchern vor, die sie gelesen haben und die einen Einfluss auf sie hatten. In der Einlei­tung beziehen sich Götz Kubit­schek und seine Frau Ellen Kositza auf das Buch Fahren­heit 451, in dem Ray Brad­bury den Brand­meister Beatty in einem Schlüs­sel­ge­spräch sagen lässt: „Das Buch im Nach­bar­haus ist wie eine schwer gela­dene Pistole. “

Zu den von Antaios veröf­fent­lichten Autoren gehören der „Papst“ der fran­zö­si­schen Neuen Rechten, Alain de Benoist, sowie Jean Raspail, der Autor von Das Heer­lager der heiligen (Camp des Saints).

Buch :

Götz Kubit­schek und Ellen Kositza (Hrsg.), Das Buch im Haus nebenan, Antaios, Schnell­roda, 2020.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BREIZH-INFO, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

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2 Kommentare

  1. Danke an das Team von Antaios für die uner­müd­liche Arbeit!
    Suchen und Stöbern lohnt dort immer. Viele der uns wert­vollsten Werke waren und sind dort zu finden.
    Glück­wunsch zur Voll­jäh­rig­keit auch an „Sezes­sion“ – das Kraft­futter für den Geist 😉

    Daß die Redak­tion auf diesen wich­tigen Verlag hinweist, freut uns besonders.
    (auch wenn wir dort nicht ange­stellt sind)

    10
  2. 451 Fahren­heit / aculeus
    stachelschriften.de/
    (aus „Verse in Dunklem Grau“ )

    Erin­nern wir uns einer Zeit,
    es wehten rote Fahnen,
    Verlage zur Zensur bereit,
    beherrscht von Staatsorganen,
    die Zeitungs­presse gleichgeschaltet,
    alle Vereine zwangsverwaltet,
    alles entschied die Obrigkeit.

    Vergleiche darf man nicht mehr ziehen,
    dann ist man Volksverhetzer,
    wie prophe­zeit in Dystopien,
    verbrennt man jeden Ketzer.
    Die ersten Bücher brennen schon,
    in altbe­währter Tradition,
    bekannte Szenerien.

    Schau genau hin, es ist so weit,
    wieder Zensur an Wort und Bild,
    die Schei­ter­haufen sind bereit,
    der neue Pres­se­kodex gilt.
    Der Propa­ganda treu verpflichtet,
    wird auch das letzte Buch vernichtet.

    Vier-ein-und-fünfzig Fahren­heit

    12

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