Der Zivil­fa­schismus und seine Ziele – Frank­furter Schule | Teil 1

         Der zivile Faschismus und seine Ziele
                Eine Serie von Fried­rich P. Ost

Teil 1 – Grund­lagen der Frank­furter Schule

Viel wurde über den Unter­gang des Abend­landes schon geschrieben und die Symptome sind bekannt. Sie führen zur Frank­furter Schule und ihrer Ideo­logie der falschen Werte, die jedoch nur unter dem falschen Namen „Kulturm­ar­xismus“ bekannt geworden ist. Das  erleich­terte es den Kultur­fa­schisten, das Werk der Kultur­zer­stö­rung im Schafs­pelz vermeint­lich gutmensch­li­cher Kulturm­ar­xisten uner­kannt fort­zu­setzen. Umso wich­tiger ist es, die über­fäl­lige Korrektur vorzu­nehmen und den Kultur­fa­schismus der Frank­furter Schule unter der rechten Begriff­lich­keit und seinem Ober­be­griff Zivil­fa­schismus zu erfassen und einer erneuten Bewer­tung zu unter­ziehen.

Die Vorge­schichte

Die Epoche vor dem 1. Welt­krieg war durch eine multi­po­lare Welt­ord­nung geprägt: Neben dem Verei­nigten König­reich Groß­bri­tan­nien als Welt­macht zählten noch das Russi­sche und das Deut­sche Reich, die Verei­nigten Staaten von Amerika, Japan, Frank­reich, das König­reich Italien sowie die Öster­rei­chisch-Unga­ri­sche Monar­chie und das Osma­ni­sche Reich zum Konzert der großen Mächte. Um die Jahr­hun­dert­wende wurde deut­lich, dass der Einfluss der Konti­nen­tal­mächte zunahm, jedoch Groß­bri­tan­nien im Vergleich zu den maßgeb­li­chen euro­päi­schen Land­mächten wirt­schaft­lich und poli­tisch stetig zurück­fiel. Vor diesem Hinter­grund hatte im Jahr 1891 eine angli­ka­ni­sche Führungs­elite um Cecil Rhodes und Alfred Milner in diskreter Runde beschlossen, gemeinsam mit den USA nach anglo­ame­ri­ka­ni­scher Welt­vor­herr­schaft zu streben. Mächten, die sich nicht frei­willig unter­werfen sollten oder jener Hege­mo­ni­al­stra­tegie entge­gen­standen, musste der Welt­krieg drohen: Im August 1914 war es dann soweit, als Groß­bri­tan­nien im Schatten der Terror­an­schläge von Sara­jewo die Mittel­mächte mit seinen Kriegs­er­klä­rungen überzog.

Doch selbst der Sieg Groß­bri­tan­niens im 1. Welt­krieg vermochte nicht seine wirt­schaft­liche Talfahrt zu stoppen – ganz im Gegen­teil: Im Jahr 1919 hatte sich schon der Schwer­punkt west­li­cher Welt­macht nach den USA verla­gert und der US-Dollar das briti­sche Pfund Ster­ling als Welt­leit­wäh­rung abge­löst. Das ameri­ka­ni­sche Jahr­hun­dert hatte schon zuvor mit den US-Kriegs­er­klä­rungen im Jahr 1917 begonnen. Die soge­nannten Frie­dens­ver­träge von Paris wurden von Wall Street und der Entente den Mittel­mächten diktiert und ermög­lichten den Siegern den Krieg, wenn auch mit anderen Mitteln, nahtlos fort­zu­setzen: Ein Wirt­schafts­krieg noch nie dage­we­senen Ausmaßes brach über Mittel­eu­ropa herein, an dessen Ende der 2. Welt­krieg stand: Sein erwar­teter Ausgang ermög­lichte den USA, Europa bis heute besetzt zu halten, Mittel­eu­ropa endgültig zu zerschlagen und die Rest­staaten in US-Protek­to­rate zu verwan­deln.

Den anglo­ame­ri­ka­ni­schen Stra­tegen war zum Ende des 1. Welt­kriegs schon bewusst, dass ihr ulti­ma­tives Kriegs­ziel – die flächen­de­ckende physi­sche und kultu­relle Vernich­tung der mittel­eu­ro­päi­schen Staaten – nicht durch Hunger­blo­ckaden, Bomben­krieg, Vertrei­bungen, Völker­mord oder mili­tä­ri­sche Besat­zung allein komplett zu errei­chen war. Es bedurfte zusätz­li­cher flan­kie­render Maßnahmen aus dem zivilen Bereich. Experten für psycho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung machten sich daran, auch die durch­grei­fende Umer­zie­hung und syste­ma­ti­sche Zerset­zung der Kultur der Besiegten von innen heraus in die Wege zu leiten. Die hieß: die Ausfüh­rung ausge­wählten Insti­tu­tionen des akade­mi­schen Bereichs und Über­läu­fern der Besiegten vor Ort zu über­tragen: Die Stunde der »Frank­furter Schule« und der »Philo­so­phen der Umer­zie­hung« hatte geschlagen.

Die Krise des Marxismus: »Wo waren Revo­lu­tion und Arbei­ter­klasse geblieben?«

Kurz nach dem 1. Welt­krieg beschäf­tigte linke Ideo­logen die unan­ge­nehme Frage, warum Karl Marx und „seine“ Arbei­ter­klasse als die erwar­teten Anführer von Revo­lu­tionen so gründ­lich versagt hatten. Entgegen den Vorher­sagen von Marx waren die Arbei­ter­schaften aller Länder in den Krieg gezogen, um für ihr Vater­land zu kämpfen anstatt Revo­lu­tionen anzu­zet­teln. Nicht die Revo­lu­tion der Arbei­ter­klassen, sondern der Kampf der Nationen war zum Kenn­zei­chen der Zeit geworden. Nicht Klas­sen­be­wusst­sein, sondern Natio­na­li­tä­ten­be­wusst­sein bewegte die Massen.

Doch Karl Marx irrte sich weiter: Er hatte verkündet, dass als Voraus­set­zung zur Revo­lu­tion feudale Struk­turen sich erst in ein kapi­ta­lis­ti­sches System zu verwan­deln hätten. Doch die Realität wies in die genau umge­kehrte Rich­tung: Die Revo­lu­tionen der Arbei­ter­klassen in den kapi­ta­lis­ti­schen Staaten West- und Mittel­eu­ropas waren ausge­blieben. Ausge­rechnet in Russ­land – dem damals indus­triell am wenigsten entwi­ckelten (Feudal-)Staat kam es zur soge­nannten „Oktober-Revo­lu­tion“ – doch nicht getragen von der Arbei­ter­klasse: Die Oktober-Revo­lu­tion war ein Putsch von oben, ohne Arbei­ter­massen, doch getrieben von obskuren Berufs­re­vo­lu­tio­nären, die nicht der Arbei­ter­klasse, sondern einer akade­mi­schen Intel­li­gen­zija entstammten, die den Begriff „Arbeiter“ nur aus den Büchern kannte.

So hatten sich Kern­aus­sagen von Karl Marx in Luft aufge­löst oder als grund­le­gend falsch erwiesen. Diese Tatsa­chen mussten orthodox-marxis­ti­sche Apolo­geten nach­denk­lich stimmen, zumal die Zeichen der Zeit den Marxismus zu konter­ka­rieren drohten: Ein Weiter­be­stehen des Marxismus schien nur als soge­nannter Neomar­xismus durch Wand­lung in Rich­tung Bolsche­wismus oder Leni­nismus einer­seits bzw. Faschismus oder Natio­nal­so­zia­lismus ande­rer­seits möglich. Karl Marx durfte sich glück­lich schätzen, die Meta­mor­phose seiner Lehre hin zum Faschismus des vorma­ligen Mitglieds des Direk­to­rats der Sozia­lis­ti­schen Partei Italiens (PSI), Benito Musso­lini (1883–1945) und zum Bolsche­wismus eines Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924), Gründer der Sowjet­union und Vorsit­zender der Bolsche­wis­ti­schen Partei Russ­lands nicht mehr selbst miter­leben zu müssen. Doch das Schicksal schien nur Karl Marx gnädig, nicht jedoch Fried­rich von Hayek, der in seinem Buch Der Weg zur Knecht­schaft (1944) die Ideo­lo­gie­krise des ange­wandten Marxismus auf den Punkt brachte:

»Der Konflikt zwischen den Faschisten oder Natio­nal­so­zia­listen und den älteren sozialis­ti­schen Parteien ist weit­ge­hend ein Konflikt der Art, wie er zwangs­läufig zwischen riva­li­sie­renden sozia­lis­ti­schen Frak­tionen entsteht.«

Die Info­grafik 1 bildet die rele­vanten Ideo­lo­gie­stränge der mate­ria­lis­tisch-athe­is­ti­schen Staats­mo­delle ab und zeigt die Merk­male, die für den linken (marxis­ti­schen) bzw. rechten (faschis­ti­schen) Mate­ria­lismus typisch sind: Eine Staats­räson auf athe­is­ti­scher Grund­lage mit dem Welt- oder Volks­staat als Gotter­satz. Dazu braucht es dann keine Klas­sen­ge­sell­schaft mehr, viel­mehr nur noch eine inter­na­tio­nale Gemein­schaft bzw. Volks­ge­mein­schaft je nach Vari­ante, die sind: Kommu­nismus, Sozia­lismus, Faschismus und das ideo­lo­gi­sche Schat­ten­ge­wächs des rechten Mate­ria­lismus, der soge­nannte Zivil­fa­schismus, den es noch genauer zu beleuchten gilt.

Reli­gionen bzw. Kirchen werden von mate­ria­lis­tisch-athe­is­ti­schen Staats­mo­dellen auf Grund ihres ideo­lo­gi­schen Allein­ver­tre­tungs­an­spruchs abge­lehnt. In der Praxis werden Reli­gionen im besten Fall gerade geduldet, ansonsten bekämpft oder verfolgt.

Meta­phy­si­sche Entzugs­er­schei­nungen, typisch für den Westen, produ­zieren Tendenzen nach einem Reli­gi­ons­er­satz, der dann vom athe­is­ti­schen Staat selbst – ohne Kirchen­tren­nung – als de facto Kryp­tore­li­gion erschaffen wird: Als Symptome dafür stehen die sich häufenden Verweise auf die soge­nannten »Werte«: Das können beispiels­weise die soge­nannten »euro­päi­schen Werte« oder »west­li­chen Werte« sein – an animis­ti­schen Hoch- & Feier­tagen ggfs. gekrönt mit soge­nannten »Menschen­rechten«. Bezüg­lich der erfor­der­li­chen Geset­zes­treue hingegen verliert sich die Spur. Umso stärker erschallt der Ruf nach staat­lich verfasstem Ethik­un­ter­richt, wenn auch nur als Spiel­ball von Tages­moden und sozio­lo­gi­schen Trends.

Fort­set­zung folgt:

Der Zivil­fa­schismus der Frank­furter Schule – Teil 2
Die frühen Jahre der Frank­furter Schule: Vordenker und Konzep­tionen

Zum Autor: Fried­rich P. Ost ist diplo­mierter Wirt­schafts­ex­perte und beschäf­tigt sich mit Fragen der Politik und Zeit­ge­schichte. Er ist Autor zahl­rei­cher Publi­ka­tionen und Analysen über globale Entwick­lungen, Hinter­gründe sowie poli­ti­sche Trends.

 

1 Kommentar

  1. Dank an Fried­rich Ost für diesen aufschluß­rei­chen und dennoch kurzen Artikel über die Vorge­schichte der „Frank­furter Schule“.

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