Die mora­li­sche Pflicht, den Westen gegen­über poli­ti­scher Korrekt­heit zu verteidigen

Raffael, Die Schule von Athen · Bild: Wikimedia

Von Silvio Pittori

Im Griff der herr­schenden Covid-Diktatur ist nur noch vom Coro­na­virus und dem Aufkommen eines Impf­stoff-Retters die Rede. Für einen Groß­teil der Infor­ma­tionen gilt: „Alles andere ist lang­weilig“. Es ist auch lang­weilig, sich daran zu erin­nern (gerade das soll ja verhin­dert werden), wie jetzt in den west­li­chen Ländern ein anderer Virus umgeht, uner­bitt­lich, dazu bestimmt, die Geburt und Stär­kung einer neuen Kultur zu bewirken und die Grund­lagen unserer west­li­chen Kultur zu unter­graben, die beschul­digt wird, der Ausdruck der schlimmsten Sünden von Kolo­nia­lismus und Skla­verei zu sein: es ist der Virus der poli­ti­schen Korrekt­heit, der die Gedan­ken­frei­heit des Einzelnen nur dann respek­tiert, wenn der ausge­drückte Gedanke mit dem über­ein­stimmt, was als genau „richtig“ ange­sehen wird.

So werden wir Tag für Tag Zeuge von Angriffen auf die west­liche Kultur, als eine Gesell­schafts­ord­nung, die dazu bestimmt ist, ihren Platz einer neuen Ordnung zu über­lassen, einer nicht näher bezeich­neten „neuen“ Kultur. Und das, obwohl die west­liche Kultur sogar die Aufklä­rung zum Ausdruck bringen konnte, die das Lob der Vernunft gesungen hat, die, wie der emeri­tierte Papst bei seiner lectio magis­tralis erklärte, eng mit dem Glauben verbunden ist (dem Glauben, der den Logos braucht, um nicht in Fana­tismus zu verfallen, und dem Logos, der den Glauben braucht, um Würde zu haben, mit der Folge, dass nur das Handeln nach der Vernunft mit dem Wesen Gottes versöhnt ist). Ande­rer­seits ist die Idee einer klas­si­schen Kultur, die in der Lage ist, den Westen zu prägen, unver­einbar mit der poli­ti­schen Vision des so genannten „univer­sellen Impe­riums“, die im Einklang mit der poli­ti­schen Korrekt­heit in den letzten Jahr­zehnten von vielen Berei­chen der Finanz­welt und der Politik vertreten wurde, aufgrund jenes vorherr­schenden Nihi­lismus, den Papst Paul Johannes II. mehr­fach ange­pran­gert hat (Enzy­klika Cente­simus Annus), und jenes Rela­ti­vismus, gegen den sich Papst Ratz­inger wieder­holt ausge­spro­chen hat (Predigt am Vorabend des Konklaves 2005), und die darauf abzielen, jenes Erbe an Ideen, Werten, histo­ri­schen, reli­giösen, philo­so­phi­schen und wissen­schaft­li­chen Erkennt­nissen auszu­lö­schen, das unsere Kultur ausmacht.

Wir sind Zeugen der stän­digen Verstär­kung einer neuen Form des Tota­li­ta­rismus, die durch bestimmte Merk­male gekenn­zeichnet ist, die Michel Onfray in seiner Theorie der Diktatur gut umrissen hat: „Was uns als Fort­schritt präsen­tiert wird, ist in Wirk­lich­keit ein Marsch in den Nihi­lismus, ein Vorstoß ins Nichts, eine Bewe­gung in Rich­tung Zerstö­rung“. Zu diesen Merk­malen gehören die Zerstö­rung der Frei­heit, die Verar­mung der Sprache, die Abschaf­fung der Wahr­heiten durch die Auslö­schung der Vergan­gen­heit und das Umschreiben der Geschichte, die Schwä­chung der Reli­gion, die Besei­ti­gung der latei­ni­schen Sprache aus den Schulen, die Grund­lage unserer Kultur und in der Lage, die Logik des Indi­vi­duums zu struk­tu­rieren. All diese Merk­male sind funk­tional für den Verlust jegli­cher natio­naler Iden­tität, die aus dem Verlust der kultu­rellen Iden­tität eines Landes hervor­geht, mit dem daraus folgenden Verlust seiner Souveränität.

Wie können wir also ange­sichts der Gewiss­heit dieser Dekon­struk­tion, die alle Bereiche des Wissens betrifft, von dem, was um uns herum geschieht, über­rascht sein? Dante Alighieri wird vorge­worfen, in Bezug auf seine vor etwa sieben­hun­dert Jahren geschrie­bene Gött­liche Komödie nicht poli­tisch korrekt zu sein, und deshalb gezwungen, hilflos der Ampu­ta­tion einiger im Höllen­ge­sang enthal­tener Verse beizu­wohnen, weil sie für andere Reli­gionen poten­ziell unwill­kommen sind; Angriffe auf Musik­ge­nies wie Bach und Mozart (das gleiche Schicksal wird bald den patrio­ti­schen Verdi ereilen), poten­zi­elle „weiße Vorherr­scher“ und Sänger der kultu­rellen Viel­falt, deren Musik an eine „kolo­nia­lis­ti­sche Kunst­auf­fas­sung“ erin­nern würde; „ikono­klas­ti­sche Wahn­vor­stel­lungen“ (Carlo Nordio), die sich in Denk­mä­lern nieder­schlagen, die in vielen Ländern bereits abge­rissen werden, weil sie als poli­tisch „unkor­rekt“ gelten.

Ange­sichts dieser Haltung der „Intel­li­genzia“ haben wir keine andere Wahl, als uns ihr mit allen Mitteln entge­gen­zu­stellen, die uns unsere inzwi­schen zerbrech­lich gewor­dene Demo­kratie zur Verfü­gung stellt, um unsere Kultur und unsere Iden­tität zu bekräf­tigen, eine „klas­si­sche Bildung“ einzu­for­dern, die die Jugend zum Denken zwingt und sie so dauer­haft frei macht, uns der Idee einer Neuen Welt­ord­nung entge­gen­zu­stellen, die uns zu einem Ort ohne Iden­tität, „einem Land ohne Geschichte“ werden lässt, und laut nach einer Rück­kehr zu jenen Prin­zi­pien zu rufen, die die west­liche Zivi­li­sa­tion der christ­li­chen Matrix geprägt sowie die den Westen und seine Schön­heit geformt haben.

Silvio Pittori
Rechts­an­walt mit Sitz in Florenz, Experte für ziviles Gesell­schafts­recht und Wirt­schafts­straf­recht und Verträge. Abschluss in Jura an der Univer­sität von Florenz.

 


Dieser Beitrag erschien zuerst bei CENTRO MACHIAVELLI, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


1 Kommentar

  1. Der Bürger ist nahezu machtlos, den dieje­nigen die in Vertreten sollen, die Poli­tiker, haben ihn schon vor fünfzig sechzig Jahren verkauft und verraten!
    An die über­mäch­tigen Finanz­eliten der Groß­kon­zerne. Und nun wird mit denn BLM, Klima,Corona Bewe­gungen der Druck auf die Bevöl­ke­rung so erhöht dass die Meisten für ein Leckerli wieder denun­zieren, und die Geschichte des eigenen Volkes als Schande betrachten!
    Die Poli­tiker, sei es aus Korrupt­heit oder schlichte Dumme­heit-Inkom­pe­tenz kennen weder Ehre noch Anstand und füllen sich die Taschen voll.
    Aber wenn sich das Volk so gefallen lässt, dann gehört es ihm auch so! Arm sind die wenigen
    die das alles durch­schauen, aber sie sind zu wenige und deshalb leiden dieje­nigen am Meisten.

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