Doppel­spiel der Türkei: Die Verei­nigten Staaten sind nicht die einzigen Gewinner der Ukraine-Krise

Recep Tayyip Erdoğan (Bildquelle: dailyhellas.com)

VON PHILIPPE JOUTIER

Als Folge des russisch-ukrai­ni­schen Krieges wird die Türkei, die seit 1952 Mitglied der NATO ist, mehr denn je von Russ­land und Europa umworben. Die Türkei will davon profi­tieren. Erdo­gans impe­rial-reli­giöse Foucades sind vergessen. Heute akzep­tiert er die Aufnahme von Schweden und Finn­land in die NATO. Wird er als Dank für all seinen guten Willen freie Hand haben, um das Schicksal der Kurden ein für alle Mal zu regeln?

Erin­ne­rung:

Im Jahr 1920 zwang der Vertrag von Sèvres das Osma­ni­sche Reich zur Schaf­fung eines kurdi­schen Staates mit einer Bevöl­ke­rung von dreißig bis vierzig Millionen Staats­an­ge­hö­rigen. Von da an nahm die Unter­drü­ckung kein Ende mehr. Ihr Terri­to­rium, Kurdi­stan, ist eine Mischung aus verschie­denen Staaten, die aus der Türkei, dem Iran, dem Irak und Syrien bestehen. 1987 ließ Saddam Hussein 200.000 Kurden von seinem Schwie­ger­sohn vergasen, der den Namen Ali, der Chemi­sche, behalten sollte. Die Türkei verfolgt die Kurden, die als Lumpen­pro­le­ta­riat betrachtet werden, und ihre gewählten Vertreter im Parla­ment syste­ma­tisch oder inhaf­tiert sie. Diese werden mit der berüch­tigten PKK oder Arbei­ter­partei Kurdi­stans (PKK) und ihrem Anführer Abdullah Öcalan in den bewaff­neten Kampf umschlagen. Da die NATO der Türkei jedoch aufgrund ihrer geogra­fi­schen Lage und des Mili­tär­stütz­punkts Incirlik nichts abschlagen kann, erwirkte Erdogan die Kompli­zen­schaft Europas und der USA, um die PKK auf die schwarze Liste der Terror­or­ga­ni­sa­tionen zu setzen, was sie keines­wegs ist. Im Februar 1999 rieb sich die Türkei die Hände und konnte so unge­straft mit CIA- und Mossad-Barbouze die Entfüh­rung Öcalans orga­ni­sieren, der noch immer im İmralı-Gefängnis schmort.

Der kurdi­sche Teil Syriens wurde zu einem auto­nomen Gebiet namens Rojava im Nord­osten, das die Kurden weit­ge­hend ausge­dehnt und in einen Staat mit rela­tiver Stabi­lität umge­wan­delt haben. Sie unter­halten dort eine Armee, die so effi­zient ist, dass sie in der Lage war, Daech zu zerschlagen, dessen erste Nieder­lage die Schlacht von Kobane 2014 war. Eine Schlacht, die trotz des Wohl­wol­lens der türki­schen Armee für die Isla­misten, deren Logistik sie sogar unter­stützte, gewonnen wurde. Videos zeigen türki­sche Soldaten, die sich ruhig mit den Sala­fisten unter­halten. Die Türkei greift die Kurden erneut an und besetzt 2018 Afrin. Dann kommt es 2015 zu dem offi­ziell Sala­fisten zuge­schrie­benen Anschlag in Suruc, bei dem mindes­tens dreißig Kurden ermordet werden. Die Kurden zwei­feln jedoch an den Tätern und sind der Ansicht, dass dieser Anschlag genau zum rich­tigen Zeit­punkt kam, um der Türkei freie Hand in ihrem als umfas­send ange­kün­digten Anti­ter­ror­kampf zu geben, der sich jedoch mehr gegen sie als gegen die Sala­fisten richtet.

Am 17. April rückte die türki­sche Armee in die Zab-Region ein und fügte damit einer Reihe von Inter­ven­tionen in Nord­sy­rien und im Irak sowie gezielten türki­schen Droh­nen­an­griffen weitere hinzu. Die Euro­päer schweigen. Wo sind unsere Moral­apostel im Fern­sehen, die mit tril­lernder Stimme den mutigen Wider­stand der Kurden gegen Daech in der Schlacht um Kobane priesen?

Bei einem öffent­li­chen Auftritt am Montag, dem 23. Mai, in einer Mili­tär­werft am Marma­ra­meer kündigte Erdoğan seine Absicht an, um Zab herum einen dreißig Kilo­meter breiten Land­streifen entlang der nord­sy­ri­schen Grenze zu besetzen. Und er kündigte am 1. Juni vor dem Parla­ment Mili­tär­ope­ra­tionen gegen zwei Ortschaften in Nord­sy­rien an, die sich gegen kurdi­sche Kämpfer richten, die mehr denn je als Terro­risten bezeichnet werden. Danke, NATO.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei EUROLIBERTÉS, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


Bitte unter­stützen Sie unseren Kampf für Frei­heit und Bürgerrechte.
Für jede Spende (PayPal oder Bank­über­wei­sung) ab € 10.- erhalten Sie als Danke­schön auf Wunsch ein Dutzend Aufkleber „CORONA-DIKTATUR? NEIN DANKE“ porto­frei und gratis! Details hier.



2 Kommentare

  1. Wenn die Fräääser die alle will­kommen heißt, dann soll sie sie alle bei sich zuhause aufnehmen und von ihren fetten Mastäten durchfüttern.

    www.wochenblick.at/migrationskrise/innenministerin-faeser-jeder-ist-willkommen-und-wenn-es-kracht-brauchen-wir-halt-mehr-polizei/

    Ich hab’s ja immer schon gesagt: „Wenn die Klügeren immer nach­geben, sind die Dummen an der Macht.“ – und das die Klügeren offenbar immer nach­ge­geben haben, ist die Folge jetzt unübersehbar. 

    So ein kleines geogra­fi­sches Land als Einwan­de­rungs­land für Hinz und Kunz zu machen ist der reinste Irrsinn. – Das ist nicht leistbar und selbst das gesamte Kern­eu­ropa kann das nicht leisten.

    Es geht nur darum, Dtld. und die echten Dtschn. zu vernichten in jeder Hinsicht.

    Meines Erach­tens.

    21
    1
  2. Die NATO ist wohl die teuf­lichste Orga­ni­sa­tion auf Erden!
    Und diese BRD, als treuer USA-Vasall ist natür­lich mit das eifrigste Mitglied!
    Die Herr­schenden unter­drü­cken ihre Völker und mißbrau­chen die Macht über die Menschen – das wird von Politik und Medien dann wohl­ge­fällig als „Demo­kratie“ verherrlicht.
    Frei­heit sieht ganz anders aus! (:

    34

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein