Frank­reich: Ist Éric Zemmour ein Antisemit?

Ist Éric Zemmour (im Bild), ein wahrscheinlicher Kandidat für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich, wirklich ein Rassist? Steht Frankreich kurz vor dem Umkippen in den Faschismus? Natürlich nicht. Was in Frankreich tatsächlich geschieht, ist eine Befreiung der Meinungsfreiheit. Erstmals seit 40 Jahren wird über Themen wie Einwanderung, Islam und die Vorliebe der Eliten für unkontrollierte Massenmigration in Radio und Fernsehen offen gesprochen. (Foto von Nicolas Tucat/AFP über Getty Images)

von Yves Mamou | Das Gerücht, ein Jude mit rassis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Äuße­rungen könnte bei der fran­zö­si­schen Präsi­dent­schafts­wahl im Früh­jahr 2022 kandi­dieren, hat die Landes­grenzen über­schritten. Schlimmer noch, das Gerücht ist, dass dieser angeb­lich rassis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche Jude Éric Zemmour von Umfragen unter­stützt wird, die ihn als sehr mögli­chen Kandi­daten für die zweite Runde gegen Frank­reichs aktu­ellen Präsi­denten Emma­nuel Macron prognostizieren.

 

Sacrebleu! Wie konnte so etwas passieren? Ist Zemmour wirk­lich ein Rassist? Wird er von einer Welle der extremen Rechten getragen, wie viele auf der Linken sugge­rieren? Steht Frank­reich kurz vor dem Umkippen in den Faschismus?

Natür­lich nicht. Was in Frank­reich tatsäch­lich geschieht, ist eine Befreiung der Meinungs­frei­heit. Erst­mals seit 40 Jahren wird über Themen wie Einwan­de­rung, Islam und die Vorliebe der Eliten für unkon­trol­lierte Massen­mi­gra­tion in Radio und Fern­sehen offen gesprochen.

Der Grund, warum all diese Themen endlich auf dem Tisch liegen, liegt darin, dass Zemmour sie dorthin gebracht hat, in die Medien. Wenn man vor Zemmour ängst­lich über Migranten sprach, galt das als „rassis­tisch“. Jeder, der sich Sorgen über den schnellen Wandel der fran­zö­si­schen Iden­tität machte, wurde als Ange­hö­riger der extremen Rechten abge­stem­pelt. Fran­zose zu sein und die fran­zö­si­sche Kultur zu vertei­digen hat einen anschei­nend zu einem Nazi gemacht. Jeder, der es wagte, die musli­mi­sche Einwan­de­rung und den Islam zu kriti­sieren, wurde sofort als Rassist „in der Nähe von Jean-Marie Le Pen“ gebrand­markt, von den Medien diffa­miert und sogar vor Gericht gestellt.

Zemmours Leis­tung besteht darin, mit Hilfe von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer der rechts­aussen-Partei Front National, die Mauer der Schande durch­bro­chen zu haben. Le Pen war der erste, der die musli­mi­sche Einwan­de­rung kriti­sierte und Fragen zum Islam stellte, aber leider tat er dies auf eine so kari­kierte und rassis­ti­sche Weise, dass es für die Medien und die Führer der Sozia­lis­ti­schen Partei nicht schwierig war, ihn zu dämo­ni­sieren – und oft auch die sehr realen Probleme, die der Front National ansprach, wie die Iden­tität des Landes, die Rolle des Säku­la­rismus, der Wett­be­werb auf dem Arbeits­markt und die Stel­lung der Frau.

Als der Histo­riker Georges Bensoussan 2016 im Radio das Thema musli­mi­scher Anti­se­mi­tismus thema­ti­sierte, wurde er umge­hend von „anti­ras­sis­ti­schen“ Verbänden verfolgt und vor Gericht gestellt. Obwohl er dreimal frei­ge­spro­chen wurde, zeigte die Einschüch­te­rung Wirkung. Wer hätte nach einem solchen juris­ti­schen Mara­thon noch einmal den Mut, sich der komplexen Frage nach dem Platz des Islam in einer west­li­chen Gesell­schaft im Allge­meinen und in Frank­reich im Beson­deren erneut zu stellen?

Der Vorwurf, dass Zemmour ein Rassist ist, ergibt sich nicht nur aus Themen rund um die Einwan­de­rung, sondern auch aus den zahl­rei­chen Klagen, die isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tionen, „anti­ras­sis­ti­sche“ Orga­ni­sa­tionen und einige partei­ische Abge­ord­nete gegen ihn erhoben haben. Meis­tens haben die Richter Zemmour frei­ge­spro­chen, manchmal aber auch nicht. Richter haben ihn gele­gent­lich verur­teilt. Im Jahr 2011 wurde er verur­teilt, weil er sagte, dass „Fran­zosen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund deswegen öfter von der Polizei ange­halten werden als andere, weil die meisten Menschen­händler Schwarze und Araber sind… Das ist eine Tatsache“. Zemmour wurde nicht verur­teilt, weil er gelogen hatte, sondern weil eine solche Behaup­tung nicht zu beweisen war. Seit dem Zweiten Welt­krieg verbietet das fran­zö­si­sche Gesetz jede Erwäh­nung der ethni­schen Zuge­hö­rig­keit in offi­zi­ellen Statis­tiken. Im Jahr 2020 wurde Zemmour auch wegen „Provo­ka­tion von Hass“ verur­teilt.

Die gegen Zemmour erho­benen Vorwürfe des Rassismus und Anti­se­mi­tismus kommen auch aus dem jüdi­schen Estab­lish­ment. Der Ober­rab­biner von Frank­reich erklärte Zemmour kürz­lich für „sicher anti­se­mi­tisch, offen­sicht­lich rassis­tisch“. Francis Kalifat, Präsi­dent des Reprä­sen­ta­tiven Rates für Jüdi­sche Insti­tu­tionen in Frank­reich (CRIF), forderte die Juden auf, nicht für ihn zu stimmen.

Das jüdi­sche Estab­lish­ment hat Zemmour beschul­digt, Marschall Pétain und das Vichy-Regime reha­bi­li­tiert zu haben, die beide während des Zweiten Welt­kriegs mit Nazi-Deutsch­land kolla­bo­rierten. Zemmour hat gesagt, dass Pétain „fran­zö­si­sche Juden schützte, während er im Ausland gebo­rene Juden in einem notwen­digen Kompro­miss gegen­über der Besat­zung an die Nazis auslie­ferte. Laut Zemmour: „Die Zahlen spre­chen für sich … in Frank­reich wurden 40% der auslän­di­schen Juden exter­mi­niert und 90% der fran­zö­si­schen Juden haben überlebt.“

Die These ist jedoch die von Alain Michel, einem Rabbiner und jüdi­schen Histo­riker fran­zö­si­scher Herkunft, der Heute in Israel lebt. Laut Michel hätte Zemmour sagen sollen, dass „zwischen 90 und 92 %“ der fran­zö­si­schen Juden über­lebt hätten. Darüber hinaus sagt Michel, dass:

„Im Gegen­satz zu dem, was Serge Klars­feld [Präsi­dent der Orga­ni­sa­tion der Söhne und Töchter jüdi­scher Depor­tierter aus Frank­reich] behauptet, können diese Zahlen nicht allein den Aktionen der „Gerechten unter den Völkern“ zuge­schrieben werden. Es war die durch die Vichy-Regie­rung ange­wandte Politik, die die Anwen­dung der ‚Endlö­sung‘ in Frank­reich verlangsamte.“

Michel und Zemmour sind sich einig, dass es für Histo­riker in Frank­reich äußerst schwierig ist, die weit verbrei­tete Ansicht in Frage zu stellen, dass das Vichy-Regime irgend etwas anderes als ein Klon des Nazi-Regimes gewesen sein könnte.

Niemand versteht so recht, warum Zemmour Vichy und den Zweiten Welt­krieg zur Sprache bringt, aber die Heftig­keit der Anschul­di­gungen hindert ihn nicht daran, in der jüdi­schen Gemeinde äußerst beliebt zu bleiben.

Zemmour verleugnet seine jüdi­sche Herkunft nicht und geht regel­mäßig in die Synagoge. Er macht deut­lich, dass er kein Zionist ist, macht aber ebenso klar, dass er kein Anti­zio­nist ist. Zemmour sagt, er gehöre in erster Linie zur fran­zö­si­schen Kultur und fran­zö­si­schen Zivi­li­sa­tion. Er scheint ein „napo­leo­ni­scher“ Jude zu sein, der seine reli­giöse Iden­tität auf den privaten Bereich, zu Hause oder in einer Synagoge, beschränkt.

Während der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion 1789 und dann unter Napo­leon wurden die Juden „eman­zi­piert“. Ihnen wurden alle Persön­lich­keits­rechte gewährt, die anderen fran­zö­si­schen Staats­bür­gern zuer­kannt wurden, als Gegen­leis­tung für ihren Verzicht auf gemein­de­ei­gene Regeln, wie die Zwangsehe zwischen Juden und die Achtung der reli­giösen Gesetze vor den Gesetzen der Repu­blik. Zemmour ist verblüfft, dass diese Regeln, die Juden erfolg­reich in die fran­zö­si­sche Gesell­schaft assi­mi­liert haben, für Muslime aufge­geben wurden.

Um Frank­reich zu retten, beteuert Zemmour, müsse Frank­reich zu einer Assi­mi­la­ti­ons­po­litik zurück­kehren. Er möchte Muslime „assi­mi­liert“ sehen und eher wie altein­ge­ses­sene fran­zö­si­sche Staats­bürger. „Wir müssen sie (all diese musli­mi­schen Migranten, die nach Frank­reich kommen) ermu­tigen, gleich zu werden“, sagte er, „sich die Geschichte, die Bräuche, die Lebens­weise, den Geschmack, die Lite­ratur anzu­eignen, die Worte, die Sprache der Landschaft.“

Zemmour betont seinen Wunsch, Frank­reich zu retten und ein fran­zö­si­scher Staats­bürger zu sein, so sehr, dass er manchmal an Unhöf­lich­keit grenzt. In seinem letzten Buch verletzte er unnö­ti­ger­weise Menschen, die vom isla­mis­ti­schen Terro­rismus schwer getroffen wurden. Er schrieb, dass sich die Fami­lien der 2012 an einer jüdi­schen Schule in der Nähe von Toulouse ermor­deten Kinder wie Ausländer verhalten, weil sie ihre Kinder in Israel statt in Frank­reich begraben haben. „Anthro­po­logen haben uns gelehrt, dass wir aus dem Land stammen, in dem wir begraben sind“, schrieb er und wendete anschei­nend die glei­chen pro-fran­zö­si­schen Maßstäbe für Juden an wie für Muslime. Jüdi­sche Fami­lien in Frank­reich, die nicht riskieren wollen, dass die Gräber ihrer Söhne und Töchter von Anti­se­miten geschändet werden, könnten sich jedoch belei­digt gefühlt haben.

Zemmour wird in den nächsten sechs Monaten nur dann poli­tisch über­leben können, wenn er von den Medien als gang­barer Kandidat ange­sehen wird, und das passiert nur, wenn er eine gewisse „Aufre­gung“ auslösen kann.

Die Aufre­gung kann jedoch unan­ge­nehm, um nicht zu sagen böse werden. Der Philo­soph Alain Finkiel­kraut, der einige Diffe­renzen mit Zemmour zugibt, bedauert dennoch die gegen ihn erho­benen „Anathemen“ und sagte über Zemmour: „Er ist das Objekt einer obses­siven Rach­sucht. Das ist kontra­pro­duktiv.“ Finkiel­kraut fügte hinzu:

„[Zemmour] hat das Verdienst, die Frage nach Frank­reich in den Mittel­punkt der Debatte zu stellen… Er nimmt sich der exis­ten­zi­ellen Angst einer wach­senden Zahl von Fran­zosen an, die sich fragen, ob Frank­reich Frank­reich bleiben wird, ob ihr Recht auf histo­ri­sche Konti­nuität endlich respek­tiert oder weiter verachtet wird.“

Für Fran­zosen ist die wich­tigste Frage eigent­lich nicht, ob Zemmour rassis­tisch oder anti­se­mi­tisch ist, sondern ob Frank­reich, wie sie es kennen – „mit der Geschichte, den Bräu­chen, der Lebens­weise“ – weiter­be­stehen wird.

Yves Mamou, Autor und Jour­na­list aus Frank­reich, arbei­tete zwei Jahr­zehnte als Jour­na­list für Le Monde.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei GATESTONE INSTITUTE, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION

Bitte unter­stützen Sie unseren Kampf für Frei­heit und Bürgerrechte.

Für jede Spende (PayPal oder Bank­über­wei­sung) ab € 10.- erhalten Sie als Danke­schön auf Wunsch ein Dutzend Aufkleber „CORONA-DIKTATUR? NEIN DANKE“ porto­frei und gratis! Details hier.




3 Kommentare

  1. „Er möchte Muslime „assi­mi­liert“ sehen und eher wie altein­ge­ses­sene fran­zö­si­sche Staats­bürger. „Wir müssen sie (all diese musli­mi­schen Migranten, die nach Frank­reich kommen) ermu­tigen, gleich zu werden“, sagte er, „sich die Geschichte, die Bräuche, die Lebens­weise, den Geschmack, die Lite­ratur anzu­eignen, die Worte, die Sprache der Landschaft.““

    Wovon träumt der nachts? – Als wenn das jemals gelungen wäre. – Assi­mi­la­tion ist eine Bring­schuld der Einge­wan­derten, aber die wenigsten Muslime – und das sind die wenigen säku­laren Papier-Muslime – haben diese Bring­schuld im Sinn, sondern bis auf ein paar Steck­na­deln im Heuhaufen haben sie nach wie vor den Öllah-Möhämmed-Auftrag der Welt­is­lö­mi­sie­rung im Sinn – m. E..

    Doch viel­mehr sollte er mindes­tens parallel dazu diese Plöndemie/Phantömie mit Prio­rität angehen – m. E..

    9
    1
  2. Warum will der Mann fremde Menschen zu Fran­zosen machen? das ist gegen jedes Natur­ge­setz. Das will weder ein Fran­zose noch ein Afri­kaner, es sei denn, letz­terer wird von den Fran­zosen mit durch­ge­füt­tert wie bisher. Überall müßte ein Aufstand der weißen eurioäi­schen Völker statt­finden. Der Mann will den Fremden fran­zö­si­sche Namen über­stülpen. Dann kann man sie nur noch über die DNS wieder nach Hause schi­cken. Daß wir alle gleich sind, ist ebnen­falls eine Lüge.

    22
    3

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein