Frank­reich: Marine oder Éric?

Mine Le Pen & Éric Zemmour · Bildquelle: ReactNieuws

Von Roeland Van Walleghem
 

Am 10. und 24. April 2022 gehen die Fran­zosen zur Wahl ihres Staats­prä­si­denten. Eine Frage ist in aller Munde: Wird der bekannte Pole­miker, Kolum­nist und Medi­en­mann Éric Zemmour für das höchste Amt Frank­reichs kandi­dieren oder nicht? Sollte dies der Fall sein, wäre dies eine schmerz­hafte Entschei­dung für die Patrioten, die seit Jahr­zehnten den Front National von Jean-Marie und Marine Le Pen unterstützen.

Zemmour liebt es, die Span­nung aufrechtzuerhalten

Vor etwa zwei Wochen sagte Zemmour bei einem Treffen im proven­za­li­schen Depar­te­ment Vaucluse uner­wartet zu einem Jour­na­listen von La Provence: „Ich weiß es nicht, es ist vage, ich beob­achte, ich denke, ich versuche, klar zu sehen. Gib mir den Wunsch zu wollen“. Eric Zemmour erin­nerte schließ­lich daran, dass es nicht seine Person sei, „um die es bei den nächsten Präsi­dent­schafts­wahlen gehen sollte“. sondern die folgende Frage: „Werden unsere Kinder noch in der fran­zö­si­schen Zivi­li­sa­tion leben? Darauf gab Éric Zemmour sofort selbst die Antwort: „Nein, wenn Macron wieder­ge­wählt wird“.

In der Zwischen­zeit hat sich Charles Gave gemeldet. Dieser Name wird Ihnen wahr­schein­lich nichts sagen, zumal sich der Mann lange aus der Öffent­lich­keit zurück­ge­zogen hat. 1981 zog Gave nach London, einen Tag nach der Wahl von Fran­çois Mitter­rand (PS): „nicht aus steu­er­li­chen Gründen, denn ich hatte keinen Pfennig, sondern aus ideo­lo­gi­schen Gründen: Ich wollte nicht in einem Land leben, in dem Kommu­nisten mit an der Regie­rung waren“.

Doch seit seiner Rück­kehr nach Frank­reich im Jahr 2015 hat der Geschäfts­mann, der im Laufe der Jahre ein Vermögen in der Finanz­welt ange­häuft hat, groß­zügig in seine Ideen inves­tiert. Der „rechts­ex­treme Unter­nehmer“ (so die MSM) würde nicht auf ein paar Millionen schauen, um einen iden­ti­tären Präsi­denten in den Elysée-Palast zu bekommen. Sein neuester Schütz­ling ist Zemmour. Charles Gave, der in wenigen Tagen 78 Jahre alt wird, ist einer der wich­tigsten Unter­stützer des Pole­mi­kers von CNews und Le Figaro.

„Er (Zemmour) kommt aus den Tiefen der Sahara [er ist jüdisch-alge­ri­scher Abstam­mung, Anm.d.Red.] und spricht über Frank­reich im Geiste von Bernanos“ [katho­li­scher fran­zö­si­scher Schrift­steller, Anm.d.Red.], so Gave gegen­über Paris Match. „Wir werden von Russ­land aus einen Video-Kanal starten und die Blut­sauger und Volks­ver­räter loswerden“, kündigte er an.

Schwie­rige Wahl

Sollten wir uns nun über den wach­senden Erfolg von Éric Zemmour freuen oder uns über die schwin­dende Popu­la­rität von Marine Le Pens Rassem­ble­ment National sorgen? Ist es wieder dieselbe Spal­tung, die die euro­pä­isch-natio­na­lis­ti­schen Parteien so oft plagt? Wir haben das Gefühl, dass es um alles zusammen geht.

Fast 20%

Éric Zemmour hat noch nicht einmal seine Kandi­datur für die fran­zö­si­schen Präsi­dent­schafts­wahlen erklärt, doch fast jeder fünfte Fran­zose (19 %) erklärt, dass er bereits bereit ist, für ihn zu stimmen. Was für ein Debüt! Diese Wahl­ab­sichten gehen aus einer exklu­siven Meinungs­um­frage hervor, die das IFOP im Auftrag der Zeit­schrift L’In­cor­rect am 7. und 8. September unter 995 Personen durch­ge­führt hat, die reprä­sen­tativ für die fran­zö­si­sche Bevöl­ke­rung ab 18 Jahren sind, d. h. für die gesamte Wählerschaft.

Ein weiteres wich­tiges – wenn nicht sogar das wich­tigste – Ergebnis dieser Umfrage ist, dass die Wähler, die bei den Präsi­dent­schafts­wahlen 2017 für Marine Le Pen (RN) oder Fran­çois Fillon (LR) gestimmt haben, mit großer Mehr­heit bereit sind, jetzt für Zemmour zu stimmen: 29 % der Wähler des Präsi­denten des Rassem­ble­ment National und 27 % der Wähler des ehema­ligen Premier­mi­nis­ters erwägen, für den Jour­na­listen zu stimmen!

Man muss kein Super­in­tel­lek­tu­eller sein, um zu verstehen, dass Zemmour sowohl von der mangelnden Glaub­wür­dig­keit der Kandi­daten der Mitte-Rechts-Repu­bli­kaner als auch von den Wählern profi­tiert, die nicht mehr an die Möglich­keit glauben, dass Marine Le Pen jemals Präsi­dentin der Repu­blik werden könnte.

Natür­lich findet Zemmours Diskurs und Radi­ka­lität bei einem Groß­teil des rechts­na­tio­na­lis­ti­schen Frank­reichs Anklang, insbe­son­dere beim harten Kern und den jüngeren Wählern. Das RN versucht, die Chancen von Zemmour zu mini­mieren, ja sogar zu margi­na­li­sieren. Dennoch verspüren sie ein unter­schwel­liges Unbe­hagen. „Sein Programm ist das gleiche wie das von Marine“, sagt ein älterer Akti­vist. „Warum also die poli­ti­sche Familie spalten“, fügt er hinzu. „So sichert er die Wieder­wahl Macrons“, sagt ein jüngerer.

Quelle: React­Nieuws


4 Kommentare

  1. Die Fran­zosen und Fran­zö­sinnen sollten nun endlich Le Pen wöhlen wenn sie nicht auf den nächsten Macrön herein­fallen wollen – m. E..

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  2. Frank­reich, das Land der Fran­zosen, hat man zusammen mit General Petain am 23. Juli 1951 begraben. Danach wurde das Land zum Einfallstor seiner Kolonialbewohner. 

    Die Kolo­ni­al­be­wohner sind zwar nicht gewählt, aber sie entscheiden. 

    Paris hat die „Heilige Frie­dens-Regel mit Deutsch­land“ gebro­chen! Bereits 1919 labte sich die „Welsche Nomen­kla­tura“ am Elend Deut­scher Frauen im Rhein­land, die von schwarz­afri­ka­ni­schen Besat­zungs­sol­daten verge­wal­tigt wurden. Auch fran­zö­si­sche Kardi­näle, Philo­so­phen und Schrift­steller fanden, daß das Verhalten ihrer Soldaten im Rhein­land grund­sätz­lich in Ordnung war!

    Wenn die Kinder­seele darauf getrimmt wurde, bei Verbre­chen an Fremden zu schweigen, dann schweigt sie auch bei Verbre­chen an Vater und Mutter! — Aber das war ja so geplant!

    Inso­fern sind Wahlen in Frank­reich in ihrer Bedeu­tung mit einem Schön­heits­wett­be­werb gleich zu setzen!

      • Ich nicht, denn die macht ziem­lich derbe Stim­mung gegen Deutsch­land. Mich würde es über­haupt nicht wundern, wenn sie einen neuen deutsch-fran­zö­si­schen Krieg vom Zaune brechen würde. Und diesmal würde Frank­reich gewinnen, wegen der force de frappe. Im Übrigen bin ich der Meinung, daß Frauen in der Politik über­haupt nichts zu suchen haben, nachdem, was ich von Frauen in der Politik bisher erlebt habe. Die einzige der sehr, sehr wenigen guten Frauen in der Politik, die ich kenne, hat es ja eh‘ nicht geschafft, die war ganz schnell unter der Erde, bevor sie richtig wirken konnte, und das war Anna Lindh.

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