Frank­reich: Präsi­dent­schafts­kan­di­datur von Éric Zemmour – Auf dem Weg zur Erneue­rung der Rechten?

Bildquelle: Polémia

Von Didier Beauregard

Wird Éric Zemmour ein Kandidat bei der Präsi­dent­schafts­wahl 2022 sein? Diese Hypo­these scheint laut Didier Beau­re­gard wahr­schein­lich, der in diesem Artikel die Idee vertei­digt, dass diese Kandi­datur durchaus den Beginn einer neuen Geschichte für die fran­zö­si­sche Rechte markieren könnte.

Die Mäßi­gung der konser­va­tiven bürger­li­chen Rechten

Die Aussicht auf eine Zemmour-Kandi­datur im Jahr 2022 scheint in vollem Gange zu sein und wird, wenn sie bestä­tigt wird, eine entschei­dende Etappe im Prozess der Neuzu­sam­men­set­zung der fran­zö­si­schen poli­ti­schen Land­schaft markieren. Es besteht wenig Zweifel, dass die Rück­kehr des Star­jour­na­listen ins Präsi­dent­schafts­rennen einen Elek­tro­schock auf der Rechten auslösen wird. Ein Elek­tro­schock, der mit der Atomi­sie­rung der „klas­si­schen“ Rechten enden wird, deren unend­liche Agonie die struk­tu­relle poli­ti­sche Entwick­lung des Landes verzö­gert oder blockiert, das sich offen nach rechts neu posi­tio­nieren sollte.

Die wich­tigste sozio­lo­gi­sche Frage, die in diesem Szenario auf dem Spiel steht, ist ein wesent­li­cher Schlüssel zum natio­nalen poli­ti­schen Spiel der letzten Jahr­zehnte, und wir haben sie regel­mäßig in den Kolumnen von Polémia ange­spro­chen; es ist die der ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nie­rung der konser­va­tiven Bour­geoisie, die in einer Haltung der Klas­sen­mo­de­ra­tion erstarrt ist, die sie dazu drängt, jede poli­ti­sche Posi­tio­nie­rung abzu­lehnen, die als „extre­mis­tisch“, d.h. „popu­lis­tisch“, gilt. Das Problem ist nicht wirk­lich eine Frage der Ideen, sondern des Stils. Die Frage ist einfach: Kann Zemmour durch seine Kultur und intel­lek­tu­elle Virtuo­sität die konser­vativ-bürger­liche Stimme von einer „gemä­ßigten“ zu einer als radi­kaler ange­se­henen Stimme verschieben? So wie ein bedeu­tender Teil der linken Bour­geoisie 2017 von der Sozia­lis­ti­schen Partei (PS) zu Macron wech­selte, was gleich­zeitig einen Prozess der poli­ti­schen Neuzu­sam­men­set­zung durch die linke Mitte auslöste und die PS been­dete. Heute kämpft die Linke, von der extremen Linken bis zu den Ökos, alle Tendenzen zusammen, damit, 30% der Wähler zu mobi­li­sieren und hat keine glaub­wür­dige Aussicht auf Einheit, um eine Präsi­dent­schafts­stich­wahl anstreben zu können.

Ein neuer sozialer und poli­ti­scher Deal

Während die rechte Partei Les Répu­bli­cains (LR) unter der Führung von Persön­lich­keiten von geringem Format ange­sichts des ange­kün­digten Duells Macron/Le Pen ihre Annä­he­rung an die Macron­sche Mitte vorbe­reitet, kann man logi­scher­weise denken, dass eine Kandi­datur Zemmours ihr ernst­haft schaden würde. Es besteht kein Zweifel daran, dass Éric Zemmour eine starke Anhän­ger­schaft in der konser­va­tiven Rechten genießt, und es ist leicht vorstellbar, dass die großen Gruppen, die seiner­zeit das Manif pour tous bildeten, sich hinter einer Zemmour-Kandi­datur versam­meln könnten, auch wenn sie sich immer von der Wahl des Front National (FN) fern­ge­halten haben. Macrons aggres­sives „fort­schritt­li­ches“ Gehabe und seine narziss­ti­schen Ausrut­scher haben es geschafft, den bürger­li­chen gesunden Menschen­ver­stand zu scho­ckieren, genauso wie seine Kasten­ar­ro­ganz oft das Volks­emp­finden belei­digt hat. Außerdem und vor allem verän­dert die soziale Krise, die mit der Covid-Krise einher­geht, die poli­ti­sche Land­schaft. Ein ganzer Teil des Mittel­standes im Dienst­leis­tungs­sektor, der sich bisher von den Verän­de­rungen in der globa­li­sierten und digi­ta­li­sierten Wirt­schaft mehr oder weniger unbe­rührt fühlte, befindet sich nun in einer Situa­tion großer Insta­bi­lität, die zu einem unvor­her­sag­baren Wahl­ver­halten führt. Schließ­lich ist es nicht unbe­deu­tend, daran zu erin­nern, dass Éric Zemmours Medi­en­schlag­kraft, die sich um seine tägliche Sendung auf CNews dreht, die ebenso feste wie diskrete Unter­stüt­zung von Vincent Bolloré impli­ziert, dessen Einfluss­netz­werke in der Geschäfts­welt mächtig sind. Eine Unter­stüt­zung, die der poli­ti­schen Legi­ti­ma­tion des FN schon immer grausam gefehlt hat.

Mit 13% der Stimmen laut Umfragen, kann Zemmour die Rolle einer Kugel in einem Kegel­spiel spielen! Wenn sich seine Kandi­datur als fähig erweist, die „klas­si­sche“ Rechte zu atomi­sieren – wovon wir ausgehen -, und zwar in drei Teile; die Zemmou­risten, die Macro­nisten aus der 1. Runde und die „Bert­ran­disten“ (oder irgend­eine andere Figur, Edouard Phil­ippe einge­schlossen), dann ist das eine neue Geschichte der fran­zö­si­schen Rechten, die mit dem Nieder­reißen der unüber­wind­baren Barriere zwischen der bürger­li­chen Rechten und der popu­lären Rechten beginnen könnte. Para­do­xer­weise könnte Marine Le Pen, die a priori das erste Opfer einer Zemmour-Kandi­datur sein sollte, von einer neuen Dynamik auf den Trüm­mern einer zersetzten Rechten profi­tieren, die es endlich erlaubt, die fran­zö­si­sche poli­ti­sche Sozio­logie, die sich zumeist auf der Rechten befindet, und ihre poli­ti­sche Reprä­sen­ta­tion gleich­zu­setzen. Das ist sicher­lich ein opti­mis­ti­sches Szenario, aber eines, das weder absurd noch unrea­lis­tisch ist, und wenn sich einmal ein Weg abzeichnet, dem poli­ti­schen Kollaps zu entkommen, den wir seit so vielen Jahren erleben, dann sollten wir uns die Hoff­nung nicht nehmen lassen!

Quelle: Polémia


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