Fran­zö­si­sche Diplo­matie unter Macron: fünf Jahre Ohrfeigen, fünf Jahre Schande

Fünf Jahre sind gerade vergangen. Fünf lange Jahre, in denen Frank­reich – und nicht irgendein Frank­reich, sondern das Frank­reich von Emma­nuel Macron – versucht hat, seinen Platz auf der inter­na­tio­nalen Bühne zurück­zu­ge­winnen. Fünf schreck­liche Jahre, die von einer beispiel­losen Kette öffent­li­cher Ohrfeigen geprägt waren. Es ist Zeit für ein trau­riges Papper­la­papp, bevor wir uns entscheiden, ob wir unseren charis­ma­ti­schen Steu­er­mann wieder aufstellen oder nicht. Die Ukraine, über die wir kürz­lich berich­teten, ist nur das Sahne­häub­chen auf dem Kuchen – oder der letzte Nagel auf dem Sarg, ganz wie man will.

Im zwischen­mensch­li­chen Bereich, mit seinen Amts­kol­legen in allen Ländern, macht der Präsi­dent keine halben Sachen. Er kann nur über­spielen. Er spielte 2017 in Niger OSS 117, als er Präsi­dent Roch Kaboré, der „wegge­gangen war, um die Klima­an­lage zu repa­rieren“, ironi­sierte. Er wollte mit Donald Trump Cowboy spielen, der ihn vor laufender Kamera fröh­lich demü­tigte, indem er ihn an der Hand nahm; die Bilanz waren ein poli­ti­scher Status quo, eine fade Pres­se­kon­fe­renz und drei ausge­ku­gelte Finger­glieder. Mit der für ihn typi­schen stau­bigen und pein­li­chen Vertraut­heit versuchte er vier Jahre lang, Merkels Freund zu sein, die sich nicht darum scherte und nur über sich selbst zu spre­chen wusste, während sie über andere redete. In diesem Zusam­men­hang kann man seine Abschieds­rede an die Kanz­lerin im November 2021 noch einmal nach­lesen. Darin stellt er sich selbst als „jungen, unge­stümen Präsi­denten, der alles umstoßen wollte“ dar. Das ist wahr­schein­lich nicht die Diagnose von Wladimir Putin, der als guter KGB-Offi­zier die narziss­ti­sche Verletz­lich­keit und die grund­le­gende Unsi­cher­heit des „unge­stümen Präsi­denten“ mit bloßem Auge erkennen konnte. Daher wischte er sich jedes Mal lust­voll die Füße (natür­lich nur meta­pho­risch) an der über­heb­li­chen Figur unseres Armee­chefs ab.

Wir sollten dem Präsi­denten der mitt­ler­weile siebt­größten Volks­wirt­schaft der Welt die Ehre erweisen, dass er auf der inter­na­tio­nalen Bühne nicht nur von Ange­sicht zu Ange­sicht eine Null­nummer ist. Macron versuchte zum Beispiel, 2020 der Mann zu sein, der den Libanon wieder auf Vorder­mann bringt. Er sprach dann zu den Führern dieses alten Landes, das seit Franz I. mit Frank­reich befreundet ist, in einem Ton, den viele von uns nicht mit einem Vordrängler in der Warte­schlange ange­schlagen hätten. Nachdem er versucht hatte, die Regie­rungs­bil­dung anzu­führen (und man fragt sich, im Namen welcher Legi­ti­mität), nahm er im September 2020 den „kollek­tiven Verrat“ der liba­ne­si­schen poli­ti­schen Klasse „zur Kenntnis“, die sich wenig um seine Initia­tiven scherte. Unsere phöni­zi­schen Freunde haben das Alphabet und die Globa­li­sie­rung erfunden: Wir haben ihnen unter unserem kurzen repu­bli­ka­ni­schen Protek­torat die Geschäf­tig­keit und die Wort­klau­berei vererbt. Es gibt keinen Grund, sie zurück­zu­bringen. Aber was soll’s, so ist er eben, der Macron. Er muss das Salz in der Suppe sein. Die Liba­nesen kennen uns; wir werden Freunde bleiben. Zum Glück sind sie verständ­nis­voll. Aber es war tatsäch­lich eine Ohrfeige – die der Präsi­dent der Repu­blik selbst gesucht hatte, indem er seine Nase in eine Ange­le­gen­heit steckte, die ihn nichts anging.

Die Levante war nicht genug. Macron musste sich auch anderswo lächer­lich machen. Warum nicht in Mali? Seine Führer hatten uns gebeten, dort einzu­greifen. Wir gaben ihnen viel Geld. Sie ließen uns die Rolle der Ausgleichs­mächte spielen. Der Konflikt geriet ins Stocken, aber nicht mehr als das. Weniger als zum Beispiel Afgha­ni­stan in früheren Zeiten. Es war also schwierig, in kurzer Zeit alles zu vermas­seln: eine Heraus­for­de­rung nach seinem Maß. Inner­halb einer hand­voll Monate orga­ni­sierte er einen lach­haften Gipfel in Pau, um die Präsi­denten der G5 Sahel zu tadeln, blieb nach dem Putsch ohne Reak­tion, ließ Wagner auf das kommen, was man wohl als unsere Vorgärten bezeichnen muss … bevor Mali, nun mit russi­scher Unter­stüt­zung, Anfang dieses Monats unseren Botschafter wie einen Unor­dent­li­chen feuerte. Erst kürz­lich glaubte Macron, die Kontrolle zurück­zu­er­langen, als er die Neuaus­rich­tung von Bark­hane und seinen Abzug aus Mali ankün­digte. Antwort aus Bamako (aus der Diplo­ma­ten­sprache über­setzt): „Okay, und dann soll es krachen.“ Solche Ohrfeigen geben wir manchmal gerne, aber wir nehmen sie nie. Vor allem nicht vor allen anderen.

Sie werden sagen, dass es in den inter­na­tio­nalen Bezie­hungen nicht nur um Diplo­matie oder Vertei­di­gung geht. Und Sie werden Recht haben. Es gibt auch die Unter­stüt­zung von Exporten: Rafale, Mistral, U‑Boote – sie werden sich nicht von selbst verkaufen. Man muss Poli­tiker auf das Foto bringen und Koffer in die Hotel­zimmer stellen. In Austra­lien, hier, zum Beispiel, konnte Macron auf dem Vertrag des Jahr­hun­derts surfen, den er 2016 an Land gezogen hatte: zwölf U‑Boote der Barra­cuda-Klasse. Für die fran­zö­si­sche Seite ging es um acht Milli­arden. Und dann, patatras! Die Austra­lier haben im September 2021 unter dem freund­li­chen Druck ihrer ameri­ka­ni­schen Freunde alles abge­sagt. Vertrau­ens­ver­lust, erschro­ckene Würde, man streicht die Petit Fours: Die fran­zö­si­sche Diplo­matie hat zwar kein Problem damit, auf der Skala von einem breiten Lächeln bis hin zu Tränen zu spielen. Aber die Effekt­ha­scherei reicht nicht mehr aus. Man beginnt, die Leere hinter den Kulissen und die schwin­dende Beleuch­tung zu sehen. Die über­zeug­testen Macro­nisten in ihrem Mühl­stein­pa­villon in den west­li­chen Vororten haben so etwas wie Zweifel. Was wäre, wenn es wahr wäre, was die Faschos erzählen? Wenn der Mozart der Finanz­welt, der Mann mit dem komplexen Denken, der kleine Prinz der plane­ta­ri­schen Stabi­lität, nicht auf der Höhe der Zeit wäre?

Letzter Akt dieser Stra­tegie der mehr­fa­chen Ohrfeige, die an den amüsan­testen Maso­chismus grenzt: die ukrai­ni­sche Affäre. Emma­nuel Macron habe sich bemüht, heißt es in den fran­zö­si­schen Sendern. Ich bin mir nicht sicher, ob man in Peking, Moskau oder Washington damit viel anfangen kann. Was hat er konkret unter­nommen? Oh, nichts, wie üblich, oder zumin­dest nicht viel. Zwei oder drei Kinn­haken, einige lange und wort­reiche Inter­views in Wochen­zei­tungen; einige Reisen in Haupt­städte viel­leicht, wo man ihn natür­lich empfangen hat, weil man ihn nicht mit seinem Blumen­strauß auf der Treppe stehen lassen wollte. Und alles wird so bleiben, wie es war, als hätte er nichts getan. Er wird bereits weiter­ge­zogen sein.

Man könnte ein kubis­ti­sches Porträt von Macron auf inter­na­tio­naler Ebene entwerfen, indem man mehrere Ebenen über­ein­ander legt. In diesem Mann stecken Bernard-Henri Lévy, Salengro (der verstor­bene Präsi­dent von Groland) und Bernard Tapie. Von ersterem hat er die über­trie­bene Liebe zur eigenen Person, das Gefühl, ein univer­selles west­li­ches Wort zu spre­chen, die Lächer­lich­keit falscher Posen, die Vorliebe, sich im Ausland foto­gra­fieren zu lassen, das Bedürfnis, laut zu reden und nichts zu bewirken. Vom zweiten hat er die lächer­liche Emphase, die selbst­ge­bas­telte martia­li­sche Haltung, die unpas­sende Aufge­bla­sen­heit, die Mario­net­ten­haf­tig­keit eines groß­spu­rigen Staats­chefs an der Spitze eines bank­rotten Landes, um das er sich nicht kümmert, über­nommen. Vom Dritten hat er die falsche Vertraut­heit eines Gauk­lers über­nommen (im Fall von Macron sehr unna­tür­lich), die Lust, „Coups“ zu insze­nieren, die völlige Gleich­gül­tig­keit gegen­über dem Schicksal der Unter­nehmen, die er ausbeult und ohne ein Bedauern weiter­ver­kauft (im Fall des Präsi­denten ist es Frankreich).

Fünf Jahre voller Ohrfeigen auf der inter­na­tio­nalen Bühne. Das ist eine lange Zeit. Viel­leicht ist es bald vorbei. Drücken Sie die Daumen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BOULEVARD VOLTAIRE, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

5 Kommentare

  1. Ich erin­nere in diesem Zusam­men­hang an Heike Maas, den Verzwei­felten, der – wenn es richtig zur Sache ging (Paläs­tina) – gerade was Besseres tat: Zuhause bleiben

  2. Zur freund­li­chen Erinnerung;

    Stalin wollte von „Onkel Addi“ anno 1939 im Zusam­men­hang mit der „Polen­krise“ für die „Rote Armee“ ein Durch­marschs­recht von der Memel bis zum Atlantik. Aber das wollte Herr Hitler mit Rück­sicht auf seine Freunde in Italien und Spanien nicht. Gedankt hat man es den Deut­schen nie. Jetzt braucht Herr Putin solche Zusagen nicht mehr. Er wird das eura­si­sche Groß­reich errichten und seine „Nütz­li­chen Idioten“ in Irren­an­stalten verwahren!

    • russ­land ‚ist‘ dass euro­asi­sche grossreich…
      (land­karte hilft)))
      da muss er nichts mehr gross errichten

      und er wird sich von den drecks öldol­lar­zio­nisten nicht länger in die suppe spucken lassen…

      das paralell zenario läuft gerade in china/taiwan ab
      auch hier meint der dreck­sami er sei richter, besizter und execu­tiv­organ zugleich…nur china lacht sich seit dem ukarine vorfall die huke voll

      die anglo­zio­nis­ti­sche nwo träu­merei ist am 22.2.2022
      für null und nichtig erklärt worden…and thats a fakt

  3. macron ist ein unaus­ge­li­chener schwuler roth­schild agent der sich aber auch an gross­müt­tern vergeht…

    falls die nicht_muslimische fran­zö­si­sche minder­heit endlich aufwacht könnte dieser april europas linke in eine abwärts­spi­rale spülen…die zeit wäre reif, oder anderst ausgedrückt…überreif!!

    *die nato ist hirntot*…nur hier sagte der schwule fran­zö­si­sche altwei­ber­feger für einmal die wahrheit

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