Gemein­same Meetings Zemmour-Le Pen: ausge­streckte Hand oder Eselstritt?

Am Mitt­woch, den 30. März, schlug Éric Zemmour Marine Le Pen auf RMC gemein­same Treffen und sogar gemein­same Versamm­lungen vor, wenn er in die zweite Runde der Präsi­dent­schafts­wahlen einziehen würde. Zur Begrün­dung seines Vorschlags über die zwischen­ge­schal­teten Medien sagte der nach­las­sende Kandidat der Partei Recon­quête unter anderem: „Wir sind nicht verär­gert, wir sind Konkur­renten, wir sind Rivalen.“

Viel­leicht ist diese Aussage aufrichtig. Aber ist sie wirk­lich frei von Hintergedanken?

Seit seiner Kandi­da­tur­er­klä­rung am 30. November 2021 hat Éric Zemmour, ein Neuling auf der poli­ti­schen Bühne, Marine Le Pen nicht geschont, von der er weiß, dass sie eine unbe­streit­bare histo­ri­sche Legi­ti­mität besitzt, wo er zunächst ein Neuan­kömm­ling ist. Aller­dings hat der „Recon­quis­tador“ poli­ti­schen Raum auf Gebieten gefunden, die seine Konkur­rentin brach liegen ließ: fran­zö­si­sche Iden­tität, Natio­nal­roman, Einwan­de­rung, Unab­hän­gig­keit und Souve­rä­nität… Aber poli­ti­scher Raum ist nicht alles.

Die Beob­ach­tung der Anhänger des einen und des anderen Kandi­daten zeigt nämlich, dass dort, wo Zemmour junge und sogar sehr junge Menschen anspricht, die oft aus der CSP+++ stammen, Le Pen sich auf einen Sockel von beschei­de­neren Wählern stützt, die manchmal mit Preka­rität konfron­tiert sind, Opfer der Globa­li­sie­rung sind und für die die Stimme für die RN die letzte Hoff­nung darstellt. So wäre Marine für einige die letzte Hoff­nung, während Zemmour für andere eine neue Hoff­nung darstellt.

Die in den letzten drei Monaten veröf­fent­lichten Meinungs­um­fragen zeigen jedoch, dass der Anteil der Wähler von Patrioten, Euro­skep­ti­kern, Souve­rä­nisten, Globa­li­sie­rungs­geg­nern usw. nicht wesent­lich gestiegen ist. Die Wähler dessen, was man der Einfach­heit halber als „natio­nales Lager“ bezeichnen kann, machen nicht mehr als ein Drittel der Wähler­schaft aus. Genug, um einer einzigen Kandi­datin oder einem einzigen Kandi­daten den Einzug in die zweite Runde zu ermög­li­chen, aber sehr riskant, wenn die Stimmen auf zwei konkur­rie­rende Kandi­daten aufge­teilt werden. Dann wird aus dem Kampf ein Zerwürfnis…

In dem – heute eher unwahr­schein­li­chen – Fall, dass er in den zweiten Wahl­gang kommt, wäre Zemmour natür­lich auf die Über­tra­gung der Stimmen ange­wiesen, die Marine Le Pen im ersten Wahl­gang erhalten hat. In diesem Sinne kann die Einla­dung zu einem „gemein­samen Treffen“ als Wille zur Versöh­nung oder zur Verei­ni­gung aller Rechten inter­pre­tiert werden. Man kann darin aber auch den Willen sehen, das Frank­reich zu verführen, das früh aufsteht, das Frank­reich der Preka­rität, das Frank­reich, das Opfer der sozialen Deklas­sie­rung ist, das Frank­reich, das Le Pen wählt.

Mit Marine Le Pen an seiner Seite würde der Kandidat aus den feinen Pariser Vier­teln den Wählern eines geschä­digten Berg­bau­be­ckens die Hand reichen und jene Fran­zosen anziehen, die er mit seinem „natio­nal­li­be­ralen“ Diskurs nicht verführen kann. Doch der Schuss scheint nach hinten losge­gangen zu sein und Zemmour verfiel wieder in die Verun­glimp­fung seiner Rivalin: „Es ist nicht eine Frau, die in Herren­häu­sern aufge­wachsen ist, die eine Erbin ist, die mir die Leviten lesen wird. Ich selbst bin in den Vorstädten aufgewachsen“.

Die heilige Verei­ni­gung des natio­nalen Lagers ist offen­sicht­lich nicht aktuell. Für den Moment.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BOULEVARD VOLTAIRE, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

7 Kommentare

  1. „On n’est pas fâchés“ heißt nicht, „wir sind nicht verär­gert“, sondern „wir sind nicht zerstritten“ !!! auch wenn -„se fâcher“ sich ärgern heißt !

  2. @ts

    hier verweisen sie wieder auf die kandi­daten die
    die wahl verlieren werden
    bei den ungarn wars das volk)) das die wahl gewann

    wie gesagt des teufels­system lebt von der dummheit
    der breiten massen…sie brau­chen einen fuehrer…

    oder wollen sie uns sagen das der typi­sche franzose
    duemmer als unga­ri­sches gulasch ist.

    und das der nach vorne gepeitschte alge­ri­sche jude von ihnen auch nicht im nach­hinein als fed trojaner erkannt wird macht sie nicht unbe­dingt intel­li­genter als dass fran­zoe­si­schen crois­sant es schon ist.

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    • Wer sich zu fein ist auch die mick­rigen Pflanzen zu pflegen steht in Zeiten schlechter Ernte mit ganz leeren Händen da.
      Eine Logik die insbe­son­dere unter tradi­tions- und werte­be­wußten Mitmen­schen leider weit verbreitet ist und am Ende zum selben Ergebnis führt wie die von ihr zumeist abwer­tend bespot­tete desin­ter­es­siere Folg­sam­keit der breiten Masse.
      Derar­tige Selbst­schwä­chung wir auch hier­zu­lande schon viel zu oft, das unge­hemmte ucker­mär­ki­sche Unglück und jetzt das Cum-Ex-Karlatan-SPDe­bakel sind das Ergebnis.

      Einen langen Marsch schafft nur wer mit vielen kleinen Schritten beginnt, nicht derje­nige der mit einem einzigen Satz gleich am Ziel sein will.

      Eines ist klar: Mit einer Fort­set­zung der Macron­ar­chie wird (nicht nur) Frank­reich gesi­chert verlieren, denn das signa­li­siert daß sämt­liche Untaten und Unter­las­sen­heiten der vergan­genen Jahre akzep­tiert werden.
      Alles andere ist unge­wiss, wer nütz­li­chen Wandel dabei bekämpft braucht die wünschens­werte Wende nicht zu erwarten.

  3. Traurig: Zwei durchaus fähige Kandi­daten, aber weil das Ego bei beiden anschei­nend wich­tiger ist als die Nation profi­tiert am Ende nur wieder das Macron.

    Eine Eini­gung beider mit Aufga­ben­tei­lung auf glei­cher Ebene würde viel bringen, nicht nur in Frank­reich enttäuschte Unter­stützer wieder­ge­winnen sondern auch über die Landes­grenze hinaus ein klares Signal schicken.

    • Im Sinne der Gemein­sam­keiten FÜR die Menschen in ihrem Land, FÜR ihr Land, FÜR die Menschen in Äuropa, sollten sie ihre evtl. egois­ti­schen Vorbe­halte zurück­lassen und sich zusam­men­schließen, sonst wird das nix – ein Satz mit x.

      Meines Erach­tens.

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