Georg von Habs­burg: Das Programm „Ungarn hilft“ greift ein wich­tiges Thema auf

Georg von Habsburg · Foto: Európai Bizottság / Dudás Szabolcs / Wikimedia CC 2.0

Georg von Habs­burg, Enkel des letzten Kaisers von Öster­reich-Ungarn, Erzherzog von Öster­reich, unga­ri­scher Poli­tiker, Jour­na­list und Diplomat, kürz­lich zum Botschafter in Paris ernannt, ist auch ein über­zeugter Katholik. Vor diesem Hinter­grund hat die unga­ri­sche Website S4C ein Inter­view mit Georg von Habs­burg geführt, um sein Enga­ge­ment für das huma­ni­täre Programm der unga­ri­schen Regie­rung „Hungary Helps“ zu zeigen.

S4C.news (Stand For Chris­tians) ist eine englisch­spra­chige Infor­ma­ti­ons­seite, die mit der christ­li­chen und konser­va­tiven Online-Website vasarnap.hu verlinkt ist, die teil­weise von der unga­ri­schen Regie­rung abhängig ist. S4C hat sich auf die Vertei­di­gung von Christen auf der ganzen Welt spezia­li­siert und versucht, die Verfol­gung von Christen, aber auch die Erfolge von einfluss­rei­chen Gruppen und Regie­rungen, die sich für die Vertei­di­gung des Chris­ten­tums einsetzen, aufzu­zeigen. (Vgl. dazu auch unseren Artikel Ungarn spendet 9 Millionen Forint für Opfer von Moslem­terror in Sri Lanka.)

S4C: Sie sind Mitglied des Inter­na­tio­nalen Bera­tungs­ko­mi­tees und teilen mit uns Ihre Über­le­gungen zum Hungary Helps-Programm (HHP) und zur Verfol­gung von Christen auf der ganzen Welt. Die erste und viel­leicht entschei­dendste Frage an Sie lautet: Warum ist das Hungary Helps-Programm (HHP) für Sie so wichtig und warum haben Sie sich für eine Zusam­men­ar­beit mit ihm entschieden?

GvH: Als ich das erste Mal von HHP hörte, fand ich es sehr inter­es­sant. Ich spürte, dass es etwas Beson­deres war, etwas, das es in keinem anderen Land gab. Er spricht ein entschei­dendes Thema an, beson­ders im aktu­ellen poli­ti­schen Kontext, wo wir die inter­na­tio­nale Situa­tion von Christen sehen, die überall auf der Welt leiden.

Ich hatte schon immer ausge­zeich­nete Bezie­hungen zu huma­ni­tären Orga­ni­sa­tionen: zum Roten Kreuz natür­lich, aber auch zum Malte­ser­orden – sie arbeiten überall auf der Welt. Ich habe von ihnen gute Infor­ma­tionen über den Ernst der Lage erhalten, vor allem dort, wo die Christen am meisten verfolgt werden. All das hat mich herausgefordert.

S4C: Sie haben nicht nur bei der Einbe­ru­fung des Rates mitge­holfen, sondern waren auch Mitglied des Rates, wenn unsere Infor­ma­tionen richtig sind?

GvH: Ja, wir ziehen es vor, es ein „inter­na­tio­nales Bera­tungs­gre­mium“ zu nennen. Und ja, ich wurde sofort Mitglied, als es gegründet wurde.

S4C: Sie haben erwähnt, dass das inter­na­tio­nale Bera­tungs­gre­mium zur Arbeit des HHP beiträgt. Können Sie uns ein Beispiel nennen?

GvH: Ich würde sagen, wenn Sie die Mitglieder dieses Gremiums sehen, werden Sie verstehen, welche Art von Hilfe es leistet. Es gibt einen Experten, der bereits für die Föde­ra­tion des Roten Kreuzes gear­beitet hat und über viel Erfah­rung in der inter­na­tio­nalen huma­ni­tären Hilfe verfügt. Hinzu kommen Vertreter aus dem Bereich der Wirt­schaft, Wirt­schafts­führer, der Präsi­dent des Banken­ver­bandes und so weiter. Wir treffen uns nicht allzu oft, weil wir das Manage­ment natür­lich nicht belasten wollen, aber wenn sich der Vorstand trifft – wie im vergan­genen Dezember – schauen wir uns die Hilfs­pro­gramme an, wir schauen uns jedes Projekt an und iden­ti­fi­zieren die wich­tigsten und wir disku­tieren, welche Art von Bera­tung wir geben können.

Denn wenn wir an einem Standort arbeiten, finden wir heraus, welche Orga­ni­sa­tion wir kennen, die dort aktiv ist, und wie wir am besten zusam­men­ar­beiten können. Wenn wir ein klei­neres Projekt haben, das wir unter­stützen, versu­chen wir zu sehen, wie wir es mögli­cher­weise erwei­tern können. Als wir Hilfe in den Libanon brachten – wo sich diese gewal­tige Explo­sion ereig­nete – wollten wir heraus­finden, wie wir vor Ort helfen können, zusammen mit anderen Organisationen.

S4C: Gab es irgend­welche Versuche – außer­halb des Roten Kreuzes – andere Orga­ni­sa­tionen einzubeziehen?

GvH: Ungarn Hilft koope­riert mit anderen Orga­ni­sa­tionen. Die Bezie­hungen zu reli­giösen Orga­ni­sa­tionen sind sehr gut. Sie haben oft eine gute Infra­struktur vor Ort, die wir für die Durch­füh­rung unserer Programme nutzen können. HHP über­wacht, wie die Zuschüsse verwendet werden. Dieses System wurde erst kürz­lich entwi­ckelt und funk­tio­niert gut. Wir können sehen, wie ein Zuschuss verwendet wurde und seinen tatsäch­li­chen Nutzen abschätzen. Offen­sicht­lich ist die Arbeit des inter­na­tio­nalen Bera­tungs­aus­schusses reak­ti­ons­schneller; er erhält die Infor­ma­tionen und tut sein Bestes, um zu reagieren. Es ist eine frei­wil­lige und abso­lute Orga­ni­sa­tion, und wenn wir oder die anwe­senden Mitglieder Fragen erhalten, versu­chen wir, sie zu beant­worten und zu helfen, so gut wir können.

S4C: Gab es, bevor Sie Mitglied des inter­na­tio­nalen Beirats wurden, einen Präze­denz­fall für eine fran­zö­sisch-unga­ri­sche Zusam­men­ar­beit bei einem Projekt, das das HHP durch­führen wollte? Wird es in Zukunft eine Chance für eine solche Zusam­men­ar­beit geben?

GvH: Ich würde sagen, ja, auf inter­na­tio­naler Ebene und nicht nur mit einem Land. Es gibt viele Orga­ni­sa­tionen in vielen Ländern, bei denen Projekte durch­ge­führt werden könnten. Es gibt viele Orga­ni­sa­tionen in den Verei­nigten Staaten, mit denen wir effektiv zusam­men­ar­beiten können. Es ist nicht wie in Ungarn, wo die Unter­stüt­zung aus öffent­li­chen Mitteln kommt. Dort gibt es verschie­dene huma­ni­täre Orga­ni­sa­tionen, die sich haupt­säch­lich auf die Hilfe für verfolgte Christen konzen­trieren. Ich weiß, dass es in der Vergan­gen­heit eine starke Zusam­men­ar­beit gegeben hat, und das wird sicher­lich auch in Zukunft so sein.

Ich denke, dass gerade jetzt die Zusam­men­ar­beit mit den Visegrád-Ländern sehr inter­es­sant wäre, um etwas gemeinsam zu machen, weil es ein sehr inter­es­santes Thema wäre, wo die Zusam­men­ar­beit mit Visegrád wesent­lich wäre. Gott sei Dank sind die Bezie­hungen zu den Visegrád-Ländern wirk­lich gut, ich kann mir eine posi­tive Synergie gut vorstellen.

Was Frank­reich und Deutsch­land anbe­langt: absolut. In jedem dieser Länder gibt es huma­ni­täre Gruppen; die reicheren Länder haben mehr Geld und daher mehr Möglich­keiten zu helfen als andere. Frank­reich hat sehr gute Bezie­hungen in Afrika. Dies ist ein sehr wich­tiges Thema im Rahmen der fran­zö­si­schen Außen­po­litik, weil sie die Situa­tion in Afrika genau verfolgen. In Afrika, vor allem mit Boko Haram, gibt es vieler­orts Probleme; die Verfol­gung von Christen ist dort sehr sichtbar. Dies wäre ein auto­ma­ti­scher Anknüp­fungs­punkt, an dem das HHP eine Part­ner­schaft mit Frank­reich ins Auge fassen könnte. Ob es sich dabei um staat­lich finan­zierte oder nicht­staat­liche huma­ni­täre Gruppen handelt, kann ich noch nicht sagen, aber das werden wir in der Zukunft sehen, ebenso wie das, was in Deutsch­land, Frank­reich oder einem anderen Land getan werden kann.

S4C: Wie kann das HHP dazu beitragen, den Prozess der jüngsten Terror­an­schläge in Europa umzu­kehren und den Verfall des Chris­ten­tums und seiner Werte sowie die Tatsache, dass sich die Menschen immer weniger für das Chris­tentum inter­es­sieren, zu mildern?

GvH: Ich denke, dass HHP eine sehr gute Sache ist und dass es sich auf Themen und Orte konzen­trieren sollte, wo es effektiv sein kann. Gerade jetzt, im Nahen Osten, in Afrika und anderswo, kann es wirk­lich helfen. Es gibt auch Projekte in Europa, aber es ist in letzter Zeit auch außer­halb Europas aktiv.

Außerdem, ja, diese Art von Terro­rismus exis­tiert in einigen wenigen Ländern. Dieses Problem tritt je nach Region mit unter­schied­li­cher Inten­sität auf. Leider ist dieses Problem in England und Frank­reich wich­tiger, denn wir müssen verstehen, dass diese beiden Länder einen wich­tigen kolo­nialen Hinter­grund haben. Sie haben eine andere histo­ri­sche Erfah­rung. Wenn jemand in London oder Paris ist, sieht er eine Gemein­schaft, die sehr stark ist und einen viel­fäl­tigen kultu­rellen Hinter­grund hat.

Leider führt das natür­lich zu mehr Span­nungen; die inter­na­tio­nale Szene ist etwas ange­spannter, man denke nur an das, was in Afrika und im Nahen Osten passiert. In Frank­reich und England ist die Situa­tion die gleiche, weil es dort eine größere arabi­sche und nord­afri­ka­ni­sche Gemein­schaft gibt. Dies wird dazu führen, dass weitere Konflikte impor­tiert werden, und in Zukunft werden wir sehen, dass sich fran­zö­si­sche und engli­sche Poli­tiker mit diesem Thema befassen werden, um eine Stra­tegie für den Umgang mit dieser Art von Terro­rismus zu entwickeln.

S4C: Wie können Ungarn, das HHP oder der Staats­se­kretär zeigen, dass trotz des unter­schied­li­chen histo­ri­schen Kontextes in diesen west­li­chen Ländern – beson­ders in den letzten fünf Jahren – das Gleiche passiert wie in den Ländern des Nahen Ostens?

GvH: Es gibt einen großen Unter­schied, denn im Osten leben die Christen in einer Diaspora-Situa­tion, und sie sind nur wenige, aber sie haben dort eine sehr tiefe kultu­relle Verwur­ze­lung. Früher waren sie zu Hause, jetzt sind sie geächtet, vor allem aus dem Nahen Osten.

Wir wissen jedoch, dass sie Teil der Geschichte und Kultur waren und auch heute noch sind. Deshalb müssen wir ihnen helfen, und das tut HHP sehr gut. Wir helfen ihnen, dort zu bleiben, um ihre Kultur zu bewahren, ihre Tradi­tionen und ihre Schulen zu erhalten. Die Menschen können in ihren Heimat­orten bleiben, und sie werden nicht aus ihrem Land vertrieben, aus den Regionen, in denen sie seit Jahr­tau­senden leben. Die Situa­tion ist sehr unter­schied­lich. Die Migra­ti­ons­krise hat es in den letzten Jahren gegeben, aber in West­eu­ropa hat sie nicht erst vor kurzem begonnen, sondern schon lange vorher. Gerade in Frank­reich können wir sehen, dass in den letzten fünfzig Jahren – nach dem Ende der Kolo­ni­al­zeit – viele Menschen mit ihrer eigenen Kultur, ihrem eigenen Lebens­stil nach Frank­reich gekommen sind, was heute viele Probleme verur­sacht. Aller­dings würde ich nicht sagen, dass die Situa­tion in Europa und im Nahen Osten die gleiche ist – davon sind wir noch weit entfernt.

S4C: Zum Abschluss haben wir eine prak­ti­sche Frage zum HHP: Was war für Sie das wich­tigste Problem, an dem Sie betei­ligt waren und das Sie mit Hilfe des HHP lösen konnten? Welche Problem­lö­sung hat Sie stolz gemacht?

GvH: Es gibt zwei davon. Das erste Beispiel ist das eines Dorfes, das komplett neu aufge­baut wurde. Damals habe ich noch nicht mit dem HHP gear­beitet, aber Tatsache ist, dass ein ganzes Dorf wieder aufge­baut, restau­riert wurde, so dass Tausende von Menschen, ganze Fami­lien dort wohnen können.

Ich finde das bemer­kens­wert. Es ist eine riesige Chance für diese Menschen: Sie brau­chen nicht zu fliehen, sie müssen nirgendwo anders hingehen, da ist dieses Dorf, das im Krieg zerstört wurde, die Ungarn kamen und haben das Dorf wieder aufge­baut, ein ganzes Dorf! Auf diese Weise wurde nicht nur einer Familie, einem Mann oder einem Kind geholfen, sondern das ganze Dorf wurde gerettet. Ein weiteres Beispiel, das mich freut, ist die Geschwin­dig­keit, mit der unsere Hilfe im Libanon ange­kommen ist [nach der Explo­sion eines Lager­hauses im Hafen von Beirut im August 2020]. Was dort geschah, war eine riesige Kata­strophe. Viele Christen im Libanon brauchten Hilfe. Ich erzähle Ihnen nicht, wie es in der Stadt nach der Explo­sion aussah… Dennoch kam sehr schnell Hilfe. Das ist eine wunder­bare Sache, die ein gutes Beispiel für andere Orga­ni­sa­tionen und auch für andere Länder sein kann.

Dieses Inter­view wurde ursprüng­lich auf Englisch auf S4C:.news veröf­fent­licht. Eine fran­zö­si­sche Version erschien bei Visegrád Post.


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