Hódme­ző­vá­sá­r­he­ly­ku­tasi­puszta und andere merk­wür­dige Orte

Hódmezővásárhelykutasipuszta · Bildquelle: BZ

Von Detlev Schöner
 

Wer kennt nicht Hódme­ző­vá­sá­r­he­ly­ku­tasi­puszta? Den neben Buda­pest bekann­testen unga­ri­schen Orts­namen? So heißt der Bahnhof, in dem das kecke Stati­ons­töch­ter­lein Piroschka dem deut­schen „Herr Stúdent“ erlaubt, „fier bitta­schenn mochen dos Signol”.

Das waren für viele Deut­sche die ersten Eindrücke von Ungarn. Sie stammten aus dem Film „Ich denke oft an Piroschka“ aus dem Jahre 1955.

Wo sich die Biber tummeln

Aber selbst dieser unaus­sprech­liche Orts­name hat eine Bedeu­tung und heißt soviel wie: „das Nest in der Kutasi-Ebene, wo sich die Biber am Brunnen auf dem Markt­platz tummeln” – logisch! Im Unga­ri­schen wird eben jedes Wort an einen Begriff ange­hängt, so wie die alters­schwa­chen Eisen­bahn­wag­gons in jenem Film.

Ich erin­nere mich noch gut daran, als wir das erste Mal in Ungarn auf der Auto­bahn die ganzen unaus­sprech­li­chen Orts­namen auf den Ausfahrts­schil­dern zu entzif­fern versuchten: „Das lernen wir nie!” Wobei wir immerhin recht schnell erkannten, dass „Kijárat“ kein Ort ist, zu dem es verblüf­fend viele Ausfahrten gibt, sondern einfach „Ausfahrt“ heißt.

Alles Balaton

Aber so kompli­ziert ist es gar nicht. In der Nähe des Balaton gibt es beispiels­weise viele Orte, die mit Balaton beginnen. So hat Bala­ton­bo­glár irgend etwas mit einem Moor am Balaton zu tun. Und Bala­tonföldvár etwas mit einer Erdburg, die einmal dort gestanden haben muss.

Dann kamen wir nach Balatonmária­fürdő. Klingt auch erstmal komisch, kann man aber auch ganz einfach in seine Einzel­teile zerlegen. Wenn man erstmal weiß, dass fürdő ein Bad ist, ergibt sich: „Mari­enbad am Balaton“! Ist doch easy, oder?

Ein anderer Name, Bala­tons­zent­györgy, erklärt sich fast schon von selbst: „Szent György” heißt nichts anderes als Sankt Georg. Gerade solche frommen Orts­be­zeich­nungen findet man im katho­li­schen Ungarn zuhauf… Also Sankt Georg am Balaton.

Der Komiker aus Zalakomár

So entpuppen sich die Orts­namen bei näherem Betrachten als ziem­lich simpel, wenn man von so manchen Kurio­si­täten absieht. So heißt etwa eine Klein­stadt nahe der öster­rei­chi­schen Grenze Szom­bathely. „Hely” bedeutet „Ort“, und „Szombat“ heißt eigent­lich „Samstag“ … Schon ein merk­wür­diger Name, oder?

In vielen Orts­namen finden sich – wie bei uns auch – häufig die Namen von Flüssen. So auch in dem Ort, in dem wir uns als Rentner nieder­ge­lassen haben, nachdem ich vierzig Jahre lang in Deutsch­land als Kaba­ret­tist unter­wegs war. Der Ort heißt Zala­komár. Die Zala ist ein Fluss und „Komár” heißt passen­der­weise „Komiker“ – komisch, oder? Zumal wir das erst mitbe­kamen, als wir schon hier wohnten.

Der Autor ist gelernter Diplom-­Phy­siker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kaba­ret­tist. In den vergan­genen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahl­rei­chen Fern­seh­sen­dungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BUDAPESTER ZEITUNG, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION


2 Kommentare

  1. Ein Jammer, daß der Autor die deut­sche Intel­li­genz derart gering schätzt, und selbst so wenig von der Allge­mein­bil­dung eines Nach­kriegs­deut­schen weiß: 

    Der Film „Ich denke oft an Piroschka“ stammt aus dem Jahre 1955. Aber das Endspiel um die Fußball Welt­meis­ter­schaft zwischen Deutsch­land und Ungarn war aber früher, nämlich 1954.

    Daß weite länd­liche Gebiete in Ungarn genera­tio­nen­lang bis 1945 von Deut­schen bewohnt wurden, ist dem Autor wohl entgangen.

    Die Operetten „Der Zigeu­ner­baron“ und „Gräfin Mariza“ waren beim Deut­schen Volk nicht nur beliebt, sondern sogar immer ausverkauft! 

    Jeder Deut­sche kannte Marika Röck, Film­schau­spie­lerin, Sängerin und Tänzerin unga­ri­scher Abstammung.

    Ungarn kämpften mit der Wehr­macht im Osten.

    USW.

    17
    • Ich kann mich auch an den Film erin­nern, der für mich auch erste Eindrücke von Ungarn vermit­telte. Wann ich die beiden oben genannten Operetten gesehen hatte , kann ich nicht mehr sagen. Bei dem genannten Fußball­spiel war ich grade 1 Jahr . Aber mitt­ler­weile bin ich mit einer Frau verhei­ratet mit unga­ri­scher Staats­bür­ger­schaft. Sie macht dann die Übersetzungen.

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