„In der Frit­ta­ten­suppe feiert die Provinz ihre Triumphe“

Kandschwar/Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Harald Schmidt im Volkstheater
 

WIEN – Seit zwei Jahren bela­gert Kai Voges nun das Volks­theater. Und es lässt tief blicken, dass die erste sehens­werte Auffüh­rung in diesem großen, schönen Haus ein Gespräch zwischen Anke Zilich und Harald Schmidt ist. Auf der Bühne ein paar Stühle und Tische, dahinter drei große Bilder: Zweimal Bern­hard, einmal Schmidt, wie sie Eis schle­cken. Um ihn soll’s gehen, um Thomas Bern­hard, denn der Brand­stätter-Verlag hat seiner Leser­schaft ein schönes, großes Büch­lein vorge­legt, indem Harald Schmidt sich auf die kuli­na­ri­schen Spuren des öster­rei­chi­schen Dich­ters und Drama­ti­kers begibt. Ob kurze Essays, Berichte von Wirts­haus­be­su­chen im Umkreis von Ohls­dorf oder aber ein langes Gespräch zwischen Schmidt und Claus Peymann in Bern­hards Leib- und Magen­re­stau­rant Eckel in Döbling – das Buch, ein Text­buch im Bild­band­format, lässt kaum zu wünschen übrig.

Der Inten­dant selbst blieb dem Gespräch fern: ein Berliner Komitee hatte wohl an diesem Sonntag einen Preis loswerden wollte – undo­tiert, versteht sich. Corona dürfte da einiges ange­staut haben.

Das Gespräch selbst war im Grund ein Monolog, ein außer­ge­wöhn­li­cher, ein fabel­hafter Monolog. Schmidt griff zum Mikrofon und unter­hielt das Publikum für einein­halb Stunden in alter Manier – ein paar ange­le­sene Zitate, Stücke aus dem Leben, amüsante Reise­schil­de­rungen, zwischen­durch die eine oder andere Zote. Dazwi­schen rezi­tierte Anna Zilich, Schmidts Jahr­gangs­kol­legin an der Schau­spiel­schule und seit kurzem Ensem­ble­mit­glied am Volks­theater, Texte von Thomas Bern­hard zum Themen­kreis Essen.

Ob die Fett­augen in der Frit­ta­ten­suppe oder die Würgerei mit den Brand­teig­krapfen: Bern­hard, dessen ange­schla­gene Gesund­heit ihm wohl ausschwei­fende Orgien verbot, war ein ausge­spro­chener Kuli­na­riker – kaum ein Wirt, dem er nicht die Ehre gab. Führen hätte das Gespräch ein öster­rei­chi­scher Jour­na­list sollen, der zufällig eine ehemals hono­rige und konser­va­tive Tages­zei­tung heraus­gibt, dessen Name uns aller­dings aus Gründen der Rele­vanz entfallen ist. Er ist unvor­be­reitet, vertei­digt das Wort „konser­vativ“, kündigt im nächsten Satz eine Dame als „Gästin“ an und nuschelt unver­ständig ins Mikro­phon, ja, schlimmer noch, er versucht, sich Harald Schmidt anzu­dienen, schafft’s aber nicht, lustig oder zynisch zu werden. Das Gespräch entgleitet ihm von der ersten Minute an: Schmidt reißt es bereit­willig an sich, bestimmt die Themen, und springt wild zwischen denselben hin und der.

Ein Seil­tanz, flan­kiert von Gelächter und tosendem Beifall des Publi­kums. Von einer Heraus­ge­ber­schaft hätte er ähnlich wenig Ahnung wie von Bern­hard selbst, stellt Schmidt gleich zu Beginn klar: Er sei nur der Werbe­träger, der die Arbeit dele­giert – „wie Andre Heller, der’s ja ähnlich macht“ – und weil er jede Gele­gen­heit nutze, um nach Wien zu kommen, deshalb sei er heute hier.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei ZUR ZEIT, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.



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