In Mittel­eu­ropa wird das Konzept der Nation anders inter­pre­tiert als im Westen

Die Visegrad Vier in Aktion. Stärke in der Einheit Foto: Zoltán Fischer / MTI / Pressebüro des ungarischen Ministerpräsidenten

In Bezug auf Mittel­eu­ropa und die Situa­tion der jenseits der heutigen Staats­grenze lebenden Ungarn gab es 2020 aus unga­ri­scher Sicht sowohl posi­tive als auch nega­tive Entwicklungen.

Die Wieder­wahl des konser­va­tiven polni­schen Staats­ober­hauptes Andrzej Duda diente in diesem Jahr zur Stär­kung der polnisch-unga­ri­schen Zusam­men­ar­beit, aber auch das Lager der Verbün­deten der Buda­pester Regie­rung wurde mit dem Regie­rungs­wechsel in Slowe­nien im Früh­jahr erwei­tert. Das gemein­same polnisch-unga­ri­sche Veto hat sich eben­falls als wirksam erwiesen, da die Idee, die Zahlung von EU-Subven­tionen mit vagen rechts­staat­li­chen Bedin­gungen zu verknüpfen, von der Tages­ord­nung in der EU gestri­chen wurde.

Der unga­ri­sche Lite­ratur- und Kultur­his­to­riker Gy. Csaba Kiss, eines der Grün­dungs­mit­glieder des Unga­ri­schen Demo­kra­ti­schen Forums, erklärt das folgendermaßen:

Das Miss­ver­ständnis zwischen den Ländern West- und Mittel­eu­ropas und die unter­schied­li­chen Welt­an­schau­ungen sind haupt­säch­lich darauf zurück­zu­führen, dass die Länder West­eu­ropas nicht wissen, was die kommu­nis­ti­sche Diktatur bedeu­tete. Sie betrachten den extremen Natio­na­lismus als die größte Sünde. Wenn wir über eine Nation spre­chen, rufen sie Faschismus und Chau­vi­nismus, obwohl die Zusam­men­ar­beit der Visegrád-Vier und ihre Aner­ken­nung der gegen­sei­tigen Abhän­gig­keit das genaue Gegen­teil beweist. Wir betrachten wir das Konzept der Nation anders. Wir hatten lange Zeit keine eigenen souve­ränen Länder, während in West­eu­ropa die Idee entstand, dass wir aus dem Zeit­alter der Nationen heraus­ge­treten waren, um ein föde­rales Europa zu schaffen.

In Bezug auf die Nach­bar­schafts­po­litik erlangten die lokalen unga­ri­schen Parteien in demo­kra­ti­schen Wahlen Schlüs­sel­po­si­tionen in der serbi­schen und rumä­ni­schen Regie­rung; auch die Zusam­men­ar­beit mit der neuen slowa­ki­schen Mitte-Rechts-Regie­rung unter Premier­mi­nister Igor Matovič war fair. Die Ukraine hingegen verfolgt eine zuneh­mende Anti-Minder­heiten-Politik, wobei die Bedro­hung der dort ansäs­sigen Ungarn an der Tages­ord­nung ist und Haus­durch­su­chungen von unga­ri­schen Orga­ni­sa­tionen, denen Sepa­ra­tismus vorge­worfen wird, durch Geheim­dienst­kom­mandos durch­ge­führt werden. Laut Zsolt Németh, dem Vorsit­zenden des Ausschusses für auswär­tige Ange­le­gen­heiten der Unga­ri­schen Natio­nal­ver­samm­lung, hat Volo­dymyr Zelensky, der im vergan­genen Jahr zum Präsi­denten der Ukraine gewählt wurde, die in ihn gesetzten Erwar­tungen nicht erfüllt und es gab bisher keine Wende in den bila­te­ralen Beziehungen.

Quelle: Magyar Nemzet

1 Kommentar

  1. Wenn wir reden über Mittel­eu­ropa frage ich mich, wo ist in diesem Artikel Deutschland?
    Das Land gehört auch zu Mitteleuropa?
    Das habe ich im Schul­fach Geschichte immer so gelernt: Deutsch­land gehört zu Mitteleuropa.

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