Inter­view mit Yann Valerie von Breizh-Info

Yann Valerie · Video Screenshot

Die alter­na­tiven Medien sind zu einem wich­tigen Bestand­teil der Infor­ma­ti­ons­ver­brei­tung geworden. Die alter­na­tiven Medien äußern sich jedoch nur selten über sich selber, daher veröf­fent­li­chen wir hier das aktu­elle Inter­view von Grégory Roose (Paris Vox) mit Yann Valerie, dem Chef­re­dak­teur von Breizh-Info, einem unserem Partner in der Euro­päi­schen Medienkooperation.

Über­set­zung des Inter­views (leicht gekürzt):

Grégory Roose: Guten Abend an alle Zuhö­re­rinnen und Zuhörer.

Es geht uns heute vor allem um ein Thema, das uns den ganzen Abend über beschäf­tigen wird, das der „Media­kratie“. Es geht um die endgül­tige Über­nahme der Medien durch Meta­po­litik und Lobby­ismus. Die Medien, die vor einigen Jahren noch als die 4. Macht bezeichnet wurden, gibt es heute nicht mehr. Zunächst möchte ich Sie bitten, sich denje­nigen, die Breizh-info noch nicht kennen, vorzu­stellen. Was ist Breizh-infos Und wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Medium wie Breizh-info zu gründen? Was ist das Ziel?

Yann Valerie: Zunächst einmal danke ich Ihnen für Ihre Einla­dung. Wir haben Breizh-info im Jahr 2013 gegründet. Ich war ursprüng­lich für längere Zeit ein poli­ti­scher Akti­vist. Ich bin 37 Jahre alt und enga­giere mich in der Politik, seit ich 16 oder 17 war. Breizh-info haben wir gegründet, weil wir ein breto­ni­sches Medium schaffen wollten, das ein Gegen­ge­wicht zu Ouest-France oder Le Télé­gramme darstellt. Wir hatten nämlich bei unseren Oppo­nenten den Eindruck, dass es sich zwar um tägliche Infor­ma­tionen handelte, welche die ganze Bretagne betrafen, aber es waren keine Infor­ma­tionen, die wirk­lich dem entspra­chen, was in der Realität geschah. So haben wir dieses neue Medium ins Leben gerufen, das gewis­ser­maßen die Nach­folge von Novopress.info antrat. Tatsäch­lich war Novpress meine erste jour­na­lis­ti­sche Erfah­rung, eine sehr gute Erfah­rung. Wirk­lich, der Anfang, die Anfänge der Re-Infor­ma­tion? Doch es ging um mehr: wie kann man alter­na­tive Medien einrichten? Wie kann man versu­chen, einen Gegen­dis­kurs zum vorherr­schenden Main­stream-Medi­en­dis­kurs zu führen?

Wir hatten ein kleines Team zusam­men­ge­stellt, das mehr und mehr profes­sio­nell wurde. Ich bin nicht als Jour­na­list ausge­bildet worden. Ich habe es bei der Arbeit gelernt. Ich habe versucht, mich an den Berufs­kodex anzu­passen. Und heute, 8 Jahre später, können wir Bilanz ziehen und die Infor­ma­tionen zusam­men­fassen: 12 bis 15.000 Besu­cher pro Tag. Breizh-info ist mitt­ler­weile ein Medium, das nicht mehr nur regional, sondern sowohl national als auch inter­na­tional ist. Etwa 40 Prozent unserer Nach­richten handeln von der Bretagne, also wirk­lich breto­ni­schen Nach­richten. Und dann haben wir etwa 60 Prozent natio­nale oder inter­na­tio­nale Nach­richten. Wir haben auch eine Reihe von tägli­chen Arti­keln in Breto­nisch und sind wahr­schein­lich das Medium, das die meisten Artikel in breto­ni­scher Sprache veröf­fent­licht. Das ist sehr wichtig für die Pflege und den Erhalt der breto­ni­schen Sprache. Wir publi­zieren zwischen 10 und 15 Artikel pro Tag. Darüber hinaus repu­bli­zieren wir auch häufig Videos von Initia­tiven, die wir inter­es­sant finden.

Unser Video­kanal und wir versu­chen, all jene zu unter­stützen, die alter­na­tive Arbeit oder inter­es­sante, nicht-sektie­re­ri­sche Arbeit leisten. Dazu gehören auch Inter­views. Ich führe schon seit einigen Jahren Inter­views mit Poli­ti­kern, Histo­ri­kern, Kultur- und Sport­größen. Es geht hier wirk­lich sehr offen zu, und das war schon immer das Ziel von Breizh-info. Wir versu­chen immer, so viele Menschen wie möglich zu errei­chen. Dazu möchte ich sagen, dass ich schon immer ein Unru­he­stifter war. Ich mag Debatten, ich mag Meinungs­frei­heit, ich mag es, wenn ich sagen kann, was ich sagen will. Und ich lasse auch gerne andere sagen, was sie sagen wollen, auch wenn sie mich kriti­sieren, auch wenn sie viel­leicht nicht im Einklang mit der redak­tio­nellen Linie von Breizh-info stehen. Ich denke, dass es eine Formel ist, die funk­tio­niert. Zwischen 12 und 15.000 Besu­cher pro Tag zu haben, ist es sehr schön, wenn auch bescheiden, aber wir haben damit ein Ziel erreicht, dass wir wahr­ge­nommen werden. Wir sind mitt­ler­weile etwa dreißig Mitar­beiter, die auf einer tägli­chen Basis arbeiten. Dabei gehen wir unseren eigenen Weg und verhin­dern, dass wir sich im Kreis drehen. Dazu gehört auch immer ein kleiner Hauch von Frech­heit, den wir mögen. Weil wir so sind, wie wir sind. Wir sind Menschen, die offen für Diskus­sionen sind, die aber auch gerne dort ansetzen, wo es weh tut.

Für dieje­nigen, die keine Vorstel­lung davon haben, was 15.000 Besu­cher pro Tag bedeuten: Die regio­nale Tages­presse umfasst viele Websites, aber es gibt nur sehr wenige schlechte Seiten, die es schaffen, große Besu­cher­zahlen zu errei­chen. Unter den klei­neren regio­nalen Tages­zei­tungen – ich spreche hier nicht von Ouest-France oder La Voix du Nord – gibt es solche, die nur 15.000 Besu­cher pro Monat haben! Unser Hauot­ziel ist jedoch immer. unsere Unab­hän­gig­keit zu bewahren.

Uns gibt es nun schon seit acht Jahren. Unser Redak­ti­ons­team ist viel­fältig, das heißt, es setzt sich aus Menschen mit unter­schied­li­chen Ansichten zusammen. Darüber hinaus haben wir eine redak­tio­nelle Linie, die klar ist und die eher eine Richt­linie ist. Man könnte sagen, es ist eine Iden­ti­täts­linie, es ist eine breto­ni­sche Linie und eine fran­zö­sisch-euro­päi­sche Linie. Es gibt, so möchte ich sagen, viele Menschen, die sich darin wieder­finden. Ferner versu­chen wir viel­fältig zu sein, wir sind nicht nur ein poli­ti­sches Medium, sondern auch ein Kultur­me­dium und ein Sport­me­dium. Ich selber schreibe zum Beispiel viele Artikel über den Radsport, über Rugby (etwa über Abel Mestre). Wir hatten sogar eine Part­ner­schaft mit dem Rugby-Club von Vannes. In Wirk­lich­keit ging es nur darum, einen Verein zu unter­stützen, der sich im Aufschwung befindet.

Grégory Roose: Aber haben Sie Probleme mit der Neutra­lität? Manche da draußen sehen das so.

Yann Valerie: Wir haben eine Menge Probleme. So konnte nicht ausbleiben, uns in der Hand der extremen Rechten zu sehen.

Aber ja, wir sind ein ziem­lich eklek­ti­sches Medium. Wir sind ein Medium, das sich bemüht, alle zum Reden zu bringen. Unser Prinzip ist es, jeden zu Wort kommen zu lassen, jedem die Fragen zu stellen, die er stellen möchte, und mit jedem zu spre­chen, der mit uns spre­chen möchte. Er kann im Gegenzug antworten, was er will. Und ich denke, wir haben auch eine neue Form von. Jour­na­lismus gefunden, im Gegen­satz zu solchen Jour­na­listen, die Sie 20 Minuten lang inter­viewen und dann zwei Minuten des Inter­views zurück­be­halten und diesen Rest womög­lich so bear­beiten, dass es Ihnen pein­lich ist. Wenn ich mit jemandem ein 20-minü­tiges Inter­view führe, werde ich diese 20 Minuten ausstrahlen, und es wird kein einziges Wort heraus­ge­nommen. Darüber hinaus werden wir sie sogar vorher Korrektur lesen lassen. Denn ich denke, dass unsere Leser alt genug sind, um dies zu tun. Die Meinung der befragten Person zählt, was auch immer es ist, wir sind danicht voreingenommen.

Wenn ich Ihnen in einem Punkt wider­spreche, dann ist es der, dass wir nie vorgeben, ein neutrales Medium zu sein. Für mich gibt es im Jour­na­lismus keine Neutra­lität. Ich spreche nicht von Neutra­lität, sondern von intel­lek­tu­eller Ehrlich­keit. Ich denke, dass wir ehrlich sind. Im Nach­hinein hat man uns ein paar Fehler vorge­worfen, aber wir haben diese zutref­fen­den­falls auch zuge­geben. Wir sind für einige Fake News stig­ma­ti­siert worden, aber wir haben uns immer bemüht, das zurück­zu­nehmen und unsere Fehler einzu­ge­stehen. In Rück­schau scheint es mir, als hätten wir nie zu viel Dummes gesagt. Der beste Beweis dafür ist, dass es uns seit acht Jahren gibt. Wir hatten noch nie einen Prozess, wir hatten noch nie einen Rechts­streit. Und warum? Selbst in der Fülle der radi­kalsten Themen haben wir nie gelogen. Wir haben die Infor­ma­tion nicht erfunden. Wir haben uns auch noch nie über unsere Leser lustig gemacht. Denn sonst wären wir keine neutralen Medien mehr. Wir sind ein Medium mit einer redak­tio­nellen Linie, die eine Iden­ti­täts­linie ist. Diese Linie ist stimmt mit vielen anderen Medien der alter­na­tiven Presse überein. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass wir als Netz­werk arbeiten. Wir versu­chen, uns gegen­seitig zu helfen. Ich unter­stütze alle Initia­tiven, die ich für unter­stüt­zens­wert halte. Danach wählen wir unsere Infor­ma­tionen aus.

Ich sehe nie fern. Und wenn man eine Woche lang die Nach­richten auf France 2 sieht, ist das furchtbar, wenn man sich die 3, 4, 5 Haupt­themen notiert, über die eine halbe Stunde lang berichtet wird. Es wird behauptet, dass derje­nige, der nur das sieht, nicht die gleiche Sicht auf die Nach­richten hat wie derje­nige, der täglich das Internet beob­achtet. Es hat sich jedoch heraus­ge­stellt, dass die meisten Menschen, die in einem anderen Bereich als dem des Inter­nets arbeiten, als einzige Infor­ma­ti­ons­quelle entweder die 8‑Uhr-Nach­richten oder ihre Tages­zei­tung haben. Wenn dadurch die Infor­ma­tionen verzerrt werden, entsteht eine völlig verzerrte Realität. Wir haben im Grunde nur versucht, das Gleich­ge­wicht wieder­her­zu­stellen. Ich sage unseren Lesern jedoch immer wieder, sie sollen nicht nur Breizh-info lesen. Genauso wie man nicht nur Le Monde lesen sollte, genauso wie man nicht nur zu Fdes­ouche gehen sollte, um eine aktu­elle Pres­se­schau zu lesen, denn das würde bedeuten, in einen Teufels­kreis zu geraten. Jeden Morgen, wenn ich meine eigene Pres­se­schau mache, lese ich Le Monde, lese ich Media­part, lese ich die News 20. Ich lese auch die alter­na­tive Presse, aber ich beschränke mich nicht auf eine bestimmte Sphäre, auf einige wenige Medien. Das ist meine poli­ti­sche oder ideo­lo­gi­sche Sensi­bi­lität ist, um nicht in eine Sack­gasse und eine Leere zu geraten

Jeder, der nur die Nach­richten jeden Abend von 19 bis 20 Uhr sieht, ist ideo­lo­gisch vorein­ge­nommen, wenn er sich nicht auch ander­weitig umschaut. Was kann die alter­na­tive Presse dazu beitragen? Mit dem Aufkommen des Inter­nets gab es eine Menge kluger Köpfe, die auf  unab­hän­gigen Platt­formen zu arbeiten begannen. Und dann gab es noch die Re-Infor­ma­tion, die vor allem von Jean-Yves Le Gallou initi­iert wurde, der ein äußerst bril­lanter Kopf ist und klar defi­niert hat, wie der Kampf um echte Infor­ma­tion aussehen sollte.

Im Grunde sagte er, dass wir kleine Schiffe sein müssten, kleine Pira­ten­schiffe, die sich in das System einha­cken, das System bombar­dieren und seine Presse angreifen müssten, die sich damals noch nicht an das Internet ange­passt hatte. Das war vor den 2010er Jahren. Ab 2010 begannen wir, die Mittel und das Paket zu schnüren und dank der alter­na­tiven Presse Themen durch­zu­setzen, aber auch dank bestimmter poli­ti­scher Gruppen der Medi­en­be­richt­erstat­tung Themen aufzu­zwingen, die sonst unter­drückt worden wären – die Frage der Einwan­de­rung, die Frage der Isla­mi­sie­rung und so weiter. Diese Themen waren tabu. Es waren Tabu­themen, die vor allem dank der alter­na­tiven Presse, zu der wir gehören, durch­bro­chen wurden. Aber wie gesagt, wir sind nur ein Schiff in der Galaxie der alter­na­tiven Medien. Einer­seits ist es uns gelungen, der Main­stream-Presse eine bestimmte Anzahl von Themen aufzu­zwingen. Und zwei­tens haben wir sowohl die Main­stream-Presse als auch die Behörden gezwungen, darauf einzu­gehen, was aller­dings auch bedeutet, dass die Behörden seit mehreren Jahren zum Gegen­an­griff über­ge­gangen sind. Sie sahen ein, dass sie veraltet waren. Sie waren in Bezug auf die Einfluss­stra­tegie veraltet. Und so begannen sie, ihren Joker einzu­setzen, den Joker der Zensur, der Bestra­fung und der Justiz. Wir haben aber auch alle Fehler der Alli­anzen zwischen den Main­stream-Medien und den GAFAMs gesehen, da die MSM in Panik geraten ist und sich mit den Trans­na­tio­nalen verbündet hat.

Google: Sie wissen schon. Sich anzu­maßen zu entscheiden, wer die Wahr­heit sagt und wer nicht. Wir haben diese ganze Gegen­of­fen­sive in den letzten 2, 3, 4 Jahren erlebt. Es war auch ein Schlag ins Gesicht für uns, weil uns die Zensuren getroffen haben. Aber es gab auch eine Art von Gegen­an­griff, wieder einmal von Pira­ten­schiffen her, die die Matrix so verdorben hatten, dass das System letzt­lich völlig korrum­piert war. Die heutigen Nach­richten könnten nicht exis­tieren ohne die Arbeit, die in den letzten 10 Jahren von den Re-Infor­ma­tion-Medien her geleistet wurde.

Oder Twitter- und Face­book-Konten, die geschlossen wurden oder bei denen die viel­zi­tierten „Algo­rithmen“ ange­wendet wurden. Es gibt eine ganze Reihe von Medien, die darunter gelitten haben; sie erlitten einen Verlust der Sicht­bar­keit von manchmal 50% und mehr. Gibt es eine Möglich­keit, dieser Zensur entge­gen­zu­wirken, die sehr schlei­chend und langsam einge­führt wird, und zwar unter dem Deck­mantel von faden­schei­nige Gründen?

Es ist drei Jahre her, dass Breizh-info bei Face­book bei 25.000 Anhän­gern gesperrt wurde. Wir wurden blockiert, und wir wurden auch aus den Google News entfernt. Mit anderen Worten: Wir sind zwarimmer noch da, aber wir treten nicht mehr in anderen Medien auf, wie das jahre­lang der Fall war. Aber es gibt auch eine andere Sicht­weise, die prag­ma­ti­schere und weniger egozen­tri­sche: Wir sind nicht hier, um unsere Gesichter auf YouTube oder in den sozialen Medien usw. zu zeigen. Wir sind hier, um unsere Arbeit zu verbreiten. Ich möchte Gegen­mittel verbreiten, Gegen­mittel gegen die derzei­tige Stagna­tion, gegen die derzei­tige Scheiße, die unsere Gesell­schaft verpestet.

Es geht um die verbrei­teten Ideen, um die aufer­legten Themen. Die aufge­zwun­genen Themen sind immer noch da, und sie sind heute noch präsenter als gestern. Machen wir uns aber nichts vor, wir haben die Schlacht noch lange nicht gewonnen, aber das zentrale Thema bleibt aufrecht, das Thema der Einwan­de­rung, d.h. die fort­schrei­tende Verdrän­gung der Bevöl­ke­rung und der Tod der euro­päi­schen oder weißen Zivi­li­sa­tion. Als wir vor zehn oder fünf­zehn Jahren über dieses Thema spra­chen, dachte ich an jemanden, den ich sehr schätzte und der inzwi­schen verstorben ist: Guil­laume Faye, der im Jahr 2000 ein Buch mit dem Titel La colo­ni­sa­tion de l’Europe geschrieben hat. Auch Éric Zemmour hat nichts erfunden, wenn er heute über die Gescheh­nisse in Frank­reich und in Europa spricht.

Guil­laume Faye hat viel­leicht auch die Abspal­tung gesehen, die in der Gesell­schaft statt­ge­funden hat. Es ist diese Abspal­tung, die die Mäch­tigen an der Macht hält und die von den Medien genährt wird. Es gibt manchmal Geschichten, die erfunden werden, um Spal­tungen zu schaffen. Wir können dies in allen Berei­chen fest­stellen, in wirt­schaft­li­chen, ethni­schen und geogra­fi­schen Berei­chen, in Bezug auf die Gesund­heit und den Zugang zur Beschäf­ti­gung. Es gibt viele Faktoren, die dies möglich machen, vor allem im Hinblick auf die Einwanderung.

Heute leben die Menschen in Frank­reich nicht mehr in Harmonie und werden auch nicht mehr in Harmonie leben. Ich habe Mitleid mit all den Menschen, die heute in Paris jeden Tag mit Menschen zusam­men­leben müssen, mit denen sie im Grunde nicht zusam­men­leben wollen. Und diese Leute, die einem ständig sagen, ja, aber es ist die Mischung, die Viel­falt, der Reichtum. Das ist völlig falsch. Es geht hier um Menschen, die nicht mit dieser Mischung, diesem Reichtum leben. Sie sind Lügner oder privi­le­giert und spießig. Entweder ist man ein Spießer, oder man ist jemand, der sich der Dinge bewusst ist und weiß, dass man nicht mit anderen zusam­men­leben kann.

Können wir uns vorstellen, dass Enklaven des fran­zö­si­schen Terri­to­riums voll­ständig isla­mi­siert werden, wie zum Beispiel das Dépar­te­ment Seine-Saint-Deni oder andere Regionen? Die Entste­hung von Kali­faten, wenn es möglich wäre. Im Kosovo ist es nicht ganz dasselbe, aber ist es ähnlich.

Ich will nicht, dass es morgen einen Bürger­krieg gibt. Niemand will morgen einen Bürger­krieg. Sicher ist nur, dass wir, wenn wir nichts tun, dort ankommen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder oder die, die uns am Herzen liegen, versaut werden. Und wir dürfen auch nicht zulassen, dass unsere Zivi­li­sa­tion zerstört wird. Wenn wir also morgen kämpfen müssen, werden wir kämpfen. Das ist übri­gens auch der Grund, warum die Euro­päer, die Weißen, etwas erfunden haben, das sich Debatte und Argu­men­ta­tion nennt. Das heißt, bevor wir uns gegen­seitig ins Gesicht schlagen, bevor wir uns gegen­seitig erschlagen, sollten wir disku­tieren, wie wir das Morgen orga­ni­sieren. Es ist eine Tatsache, dass wir in einer offenen Welt leben, aber jede Gemein­schaft für sich. In Wirk­lich­keit können wir nicht zusam­men­leben. „Zusam­men­leben“ ist west­li­cher Unsinn. Die Inder leben nicht zusammen, die Chinesen leben nicht zusammen. Die meisten afri­ka­ni­schen Völker leben nicht zusammen. In der Tat ist das so. Es gibt nur die ethno­zen­tri­sche euro­päi­sche Minder­heit, die mit einem Teil der Welt zusam­men­lebt und sich als solche fühlt.

Grégory Roose: Halten Sie es für möglich, dass Zemmour, der in den Umfragen hoch im Kurs steht, sich mit der LR und dem Rassem­ble­ment National verbündet, um eine Art Bull­dozer für die Wahlen zu schaffen, der Macron, die Ökologen und den Rest der Linken erschüt­tern würde? Glauben Sie an diese Stra­tegie oder an diese Möglich­keit? Glauben Sie, dass alles zusam­men­bricht und es zu einem Duell Macron-Grüne kommt oder nicht?

Yann Valerie: Ich spreche wirk­lich mit einer ziem­lich neutralen Meinung zu diesem Thema, weil im Grunde war Wahl­kampf noch nie meine Tasse Tee. Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben gewählt habe, aber nicht oft. Und ich war noch nie ein über­zeugter Anhänger einer Partei, was das betrifft. Ich denke, der RN hat sich in den letzten Jahren selbst ins Bein geschossen, aber das war nicht nötig. Ich denke, dass Zemmour das Verdienst zukommt, grund­le­gende Fragen auf den Tisch zu bringen. Für mich gibt es zwei Themen, die ich von Zemmour beibe­halten habe und die in der Tat einen Volks­auf­schrei hervor­rufen sollten. Es geht um Migra­tion, d. h. um die Been­di­gung der Einwan­de­rung. Über die Been­di­gung der Einwan­de­rung hinaus geht es um die Massen­ab­schie­bung von Millionen von Menschen auf fried­li­chem Wege, Millionen von Menschen, die nichts mehr auf unserem Terri­to­rium, das heißt in Europa, zu tun haben. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist die Abschaf­fung aller Gesetze, die das Gedächtnis betreffen und die Meinungs- und Hand­lungs­frei­heit verhin­dern, also die Gesetze Pleven, Gayssot, Taubira usw. Das sind die Gesetze, die die Meinungs- und Hand­lungs­frei­heit verhin­dern. Das sind die Gesetze, die jeden Gedanken an Selek­tion, an Diskri­mi­nie­rung, also an Auswahl verhin­dern. Gesetze, die unsere Bevöl­ke­rung daran hindern, wirk­lich zu bestimmen, mit wem sie zusam­men­leben will, mit wem nicht, usw. Zemmour hat das Verdienst, diese beiden Dinge auf den Tisch gelegt zu haben. Darüber hinaus denke ich, dass er es schwer haben wird, zu gewinnen, weil man nie weiß, was kommt. Es kann ihm so gehen wie Trump in den Verei­nigten Staaten. Eine Zemmour-Welle? Ich denke, er wird sich an die Regionen anpassen müssen. Ich habe ihn gesehen. Ich habe ihn kürz­lich auf Korsika gesehen. Er sagte, dass die Korsen aufhören würden, korsi­sche Natio­na­listen zu sein, wenn sie verstünden, dass Frank­reich zurück sei. Ich finde, dass es nicht unbe­dingt ein intel­li­gentes Gespräch war, wenn man die Korsen „mit einbe­ziehen“ will, denn ich denke, dass man auch Frank­reich in seiner Viel­falt nehmen muss.

Wir dürfen nicht jako­bi­nisch sein, das ist ein Rezept, das funk­tio­niert, und ich glaube, dass der Front National schon lange damit zu kämpfen hat. Danach, ja, warum nicht ein Finale Zemmour-Macron? Das Problem ist, dass Macron auf jeden Fall gute Chancen hat, wieder­ge­wählt zu werden, eine parla­men­ta­ri­sche Mehr­heit zu bekommen, und dann geht es wieder fünf Jahre lang weiter. Noch einmal: Ich fordere die Menschen, die uns zuhören, auf, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und sich nicht wie Fana­tiker alles auf eine Präsi­dent­schafts­wahl und eine Parla­ments­wahl zu setzen. Für mich muss die Fünfte Repu­blik beendet werden. Sie darf nicht überleben.

Wir leben im 21. Jahr­hun­dert, wir leben im Jahr 2021. Ich möchte sagen: Hallo, Leute, wacht auf! Was ich den Menschen rate, ist erstens, sich nicht vom Wahl­kampf täuschen zu lassen, und zwei­tens, für die grund­le­genden Ideen zu stimmen, die unsere Zivi­li­sa­tion bewahren werden, d.h. die Abwehr des großen Austau­sches und der Kampf gegehn die Ausrot­tung des weißen Mannes. Wenn wir uns nicht davor schützen, werden wir morgen tot sein. Drit­tens geht es um völlige und bedin­gungs­lose Frei­heit der Meinungs­äu­ße­rung, egal zu welchem Thema.

Vielen Dank, Yann, für diese Hinweise auf die letzte Entwick­lung, die ich voll und ganz teile. Ich danke Ihnen für Ihre Zeit. Und bis bald.

Quelle: ParisVox


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