Janez Janša: „Es gibt keine starke Euro­päi­sche Union ohne ein starkes Mitteleuropa.“

Janez Janša während seiner Dankesrede · Foto: Adam Guz / Kancelaria Prezesa Rady Ministrów

Janez Janša sagte in seiner Dankes­rede für die Auszeich­nung zur Persön­lich­keit des Jahres 2020: „Es gibt keine starke Euro­päi­sche Union ohne ein starkes Mittel­eu­ropa, ja, es gibt keine Euro­päi­sche Union ohne die Länder Mitteleuropas.“

Premier­mi­nister Janez Janša wurde im Rahmen des 30. Wirt­schafts­fo­rums in Polen mit der Auszeich­nung „Mittel- und Osteu­ro­päi­sche Persön­lich­keit des Jahres 2020“ geehrt.

Der Premier­mi­nister hielt bei der Preis­ver­lei­hung auch eine Dankes­rede, die wir hier in vollem Wort­laut veröffentlichen.

„Vielen Dank für Ihre Einla­dung. Es ist mir eine große Freude, heute bei Ihnen im schönen Karpacz (dt. Krumm­hübel, Nieder­schle­sien) zu sein.

Liebe Freunde, Exzellenzen,

Es war eine große Ehre für mich, diesen Preis entge­gen­zu­nehmen, denn Polen war von Anfang an, vor fast vier Jahr­zehnten, als Slowe­nien noch tief im kommu­nis­ti­schen Jugo­sla­wien steckte, unser Vorbild in unserem Kampf für Frei­heit und Demo­kratie in Slowe­nien und natür­lich auch für die anderen Länder Mittel- und Osteuropas.

Die Soli­dar­ność-Bewe­gung und Papst Johannes Paul II. haben uns alle, die wir damals die Last der Fesseln tota­li­tärer Regime zu spüren bekamen, mit ihrem Mut und ihrer Vision von Frei­heit inspi­riert. Ich nehme diesen Preis in aller Beschei­den­heit an und betrachte ihn als Verpflich­tung und Verant­wor­tung, auf unser histo­ri­sches Ziel hinzu­ar­beiten: ein ganzes und freies Europa, das mit sich selbst im Frieden ist. Ein Europa, das geeint und stark ist, weil alle seine Mitglied­staaten stark und frei sind. Ein Europa, in dem die Euro­päer leben und die Werte der euro­päi­schen Zivi­li­sa­tion teilen; ein Europa, in dem die euro­päi­schen Völker frei, stolz und souverän leben. Weil wir Euro­päer sind, weil wir Polen, Slowenen, Fran­zosen, Ungarn, Tsche­chen, Serben, Ukrainer, usw. sind.

Mittel­eu­ropa ist vom Chris­tentum geprägt. In dieser Region haben sich die Prin­zi­pien der Subsi­dia­rität und der Soli­da­rität aus der katho­li­schen Sozi­al­lehre zu den zentralen Ideen der euro­päi­schen Inte­gra­tion entwi­ckelt. Darüber hinaus haben die Mittel­eu­ro­päer im Laufe der Geschichte die euro­päi­sche Lebens­weise vertei­digt. Man denke nur an die Schlacht bei Wien im Jahr 1683, als die Truppen der Polnisch-Litaui­schen Gemein­schaft das Osma­ni­sche Reich besiegten und das Heilige Römi­sche Reich der Habs­burger retteten. Das war euro­päi­sche Soli­da­rität in ihrer besten Form.

Jahr­hun­derte später ist Mittel­eu­ropa leider immer noch Gegen­stand von Konflikten und Teilungen zwischen den Groß­mächten. Viele Jahr­zehnte lang litt es unter tota­li­tärer Herr­schaft. Doch die vom Chris­tentum geprägte Kultur inspi­rierte die Frei­heits­kämpfer trotz der Unter­drü­ckung und Kontrolle durch tota­li­täre Behörden. Gegen die rohe Macht der Unter­drü­ckung stand die Macht der Wahr­heit, die am Ende triumphierte.

Wir haben uns von der Soli­dar­ność-Bewe­gung und ihrem Motto inspi­rieren lassen: Nie ma wolności bez soli­dar­ności – „Es gibt keine Frei­heit ohne Soli­da­rität“. Die Tatsache, dass eine Bewe­gung mit eben diesem Namen den Weg für die Frei­heit und die Rück­kehr Polens und aller mittel­eu­ro­päi­schen Länder in den souve­ränen Raum der Frei­heit geebnet hat, ist von großer Bedeu­tung und sollte heute bedacht werden. Soli­da­rität ist ein Band zwischen den Mitglie­dern einer Gemein­schaft, das darauf abzielt, dass alle an dem gemein­samen Wohl teil­haben, das sie anstreben und das nur gemeinsam erreicht werden kann. Dies muss auch das ewige Ziel oder Motto der euro­päi­schen Inte­gra­tion sein.

1988, als ich gerade aus einem kommu­nis­ti­schen Gefängnis entlassen worden war, sagte Papst Johannes Paul II, dass Europa erst dann wieder aufatmen könne, wenn es mit beiden Lungen­flü­geln atme. Das ist im Wesent­li­chen im Jahr 2004 geschehen, aber unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Europa ist immer noch nicht ganz und frei. Wir haben sowohl in der östli­chen Nach­bar­schaft als auch auf dem west­li­chen Balkan zu tun. Und auch zu Hause, in der Euro­päi­schen Union.

Denn es scheint, dass Europa in einer Zeit des Wohl­stands erkaltet ist, und wir wollen hoffen, dass sich daraus kein Asthma entwi­ckelt. Die Euro­päi­sche Union hat sich in den poli­ti­schen Debatten und bis zu einem gewissen Grad auch im Verhalten einiger Insti­tu­tionen zu weit von den Grund­prin­zi­pien der euro­päi­schen Inte­gra­tion entfernt, nämlich dem Streben nach Konsens und gegen­sei­tigem Respekt, Subsi­dia­rität und Solidarität.

Lassen Sie mich abschlie­ßend sagen: Es gibt keine starke Euro­päi­sche Union ohne ein starkes Mittel­eu­ropa. In der Tat gibt es keine echte Euro­päi­sche Union ohne die Länder Mittel­eu­ropas. Mittel­eu­ropa wird immer mehr zu dem, was der Name unseres Teils des Konti­nents aussagt. Es ist etwas Zentrales, sowohl in wirt­schaft­li­cher Hinsicht als auch in Bezug auf die Werte.

Erin­nern wir uns noch einmal daran, dass die Grund­sätze, auf denen die Grün­dungs­väter der Euro­päi­schen Union, die in ihrer großen Mehr­heit Christ­de­mo­kraten waren, die Euro­päi­sche Union grün­deten, auf das berühmte Gebot des Heiligen Augus­tinus zurück­gehen. Und dieses Gebot lautet: Einig­keit in den Notwen­dig­keiten, Frei­heit in den nicht verhan­del­baren Dingen, Barm­her­zig­keit in allen Dingen. Nur auf diesem Funda­ment können wir ein solides euro­päi­sches Gebäude errichten.

Ich danke Ihnen, dass Sie sich für all das einsetzen, in diesem Forum und auch sonst, als das Herz Mittel­eu­ropas. So lernen wir vonein­ander, und nur so können wir in Europa erfolg­reich sein – indem wir uns gegen­seitig respek­tieren und vonein­ander lernen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

Dierser Beitrag erschien zuerst bei DEMOKRACIJA, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


3 Kommentare

  1. Ich schwanke noch ob ich diese Aussagen eines ehema­ligen (?) kommu­nis­ti­schen (!) Wende­halses als Popu­lismus, Lüge oder Verar­schung werten soll. Die EUdSSR braucht nämlich über­haupt niemanden (außer natür­lich stupid Germoney), sie ist nämlich selbst­in­kar­nie­rend – wie der Teufel!

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    • Sie liegen da eindeutig falsch: Der Mann hat an vorderster Front gegen die Tito-Kommu­nisten und die Jugo-„Volksarmee“ gekämpft. Wenn Sie unter seinem Namen suchen, finden sie hier in „Unser Mittel­eu­ropa“ etliche Artikel dazu.

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  2. Mittel­eu­ropa, das war das Land zwischen Lüttich und Brest, zwischen Jütland und den Karpaten so wie zwischen Reval und Triest. Hier lebte eine biolo­gisch homo­gene Bevöl­ke­rung. Das waren flei­ßige diszi­pli­nierte Christen, mit IQ 110. Hinsicht­lich Archi­tektur, Kunst und Lite­ratur war dieses Land eine Augenweide.

    Dieses Mittel­eu­ropa exis­tiert nicht mehr. Es wurde mit Hirten­völ­kern wie mental schwer­fäl­ligen und arbeits­un­wil­ligen Harems­be­treiber vermuselt!

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