Janez Janša: Wir haben uns erhoben und haben überlebt

Fotoquelle: Demokracija

Janez Janša

Wir haben uns erhoben und haben überlebt

(Analyse der Wende­punkte der Unab­hän­gig­keit und des Krieges für Slowe­nien im Jahr 1991)

30 Jahre der Unab­hän­gig­keit Sloweniens

2021
Ljubljana/Laibach


VORWORT

Es war Mitt­woch, der 26. Juni, als Slowe­nien seine Unab­hän­gig­keit erklärte (die Dekla­ra­tion über die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens und die Grund­ver­fas­sung über die Unab­hän­gig­keit und Auto­nomie der Repu­blik Slowe­nien wurden am Tag zuvor verab­schiedet), also tatsäch­lich ein unab­hän­giger und souve­räner Staat wurde. In derselben Nacht star­tete die Jugo­sla­wi­sche Volks­armee (JVA) einen bewaff­neten Angriff gegen das junge Land, der offi­ziell nach zehn Tagen mit der Nieder­lage der JVA endete. Diese Tage ragen am meisten aus der Zeit der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit heraus, die sich von 1987, als die berühmte 57. Ausgabe der Zeit­schrift Nova revija mit dem Titel „Beiträge zum slowe­ni­schen Natio­nal­pro­gramm“ erschien, bis 1992, als Slowe­nien von den meisten Ländern aner­kannt wurde, erstreckt.

Die slowe­ni­sche Nation wurde in der Geschichte viele Male auf eine harte Probe gestellt, aber sie hat trotzdem viele Jahr­hun­derte über­lebt. Die Liebe zur Heimat, zur Nation, zur Kultur, zur Tradi­tion, zur Reli­gion und zur Familie hat sie in einer manchmal sehr feind­li­chen Umge­bung am Leben erhalten. Wir haben sogar den Kommu­nismus über­lebt, den schlimmsten und übelsten Tota­li­ta­rismus aller Zeiten, weil wir den Glauben hatten und weil wir von unseren Vorfahren gelernt haben, was es bedeutet, Slowene zu sein. Das ist so, weil wir Patrio­tismus in unseren Genen haben und immer gewusst haben, dass wir etwas Beson­deres sind: gut, fleißig und fried­lich, und dass uns deshalb keine Bedro­hung je erschüt­tern würde. Als die Zeit kam und wir mit der ernst­haften Bedro­hung konfron­tiert waren, in den Kessel des Balkans geworfen und aus dem euro­päi­schen Gedächtnis getilgt zu werden, nahmen wir unsere Schwerter und traten dem jugo­sla­wi­schen Feind entgegen. So gewannen wir unser Land vor 30 Jahren auf diesem schönen Stück Erde, wo unsere Groß­väter vor langer Zeit siedelten und Wurzeln schlugen.

Diese Broschüre wurde zu einem beson­deren Zweck heraus­ge­geben. Sie enthält unter einem drei grund­le­gende Texte, die für das Verständnis der Unab­hän­gig­keit und des Krieges für Slowe­nien wichtig sind. Sie wurden von Janez Janša verfasst, dem dama­ligen Vertei­di­gungs­mi­nister und heutigen Minis­ter­prä­si­denten, der in dieser Zeit eine Schlüs­sel­rolle spielte. Der erste Text ist eine Analyse der Wende­punkte der Unab­hän­gig­keit, die zuerst im Weiß­buch veröf­fent­licht wurde. Darin beschreibt der Autor detail­liert die Zeit zwischen 1990 und 1991, als Slowe­nien in seinen Unab­hän­gig­keits­be­stre­bungen inter­na­tional isoliert war, und die Ereig­nisse im innen­po­li­ti­schen Bereich, als die dama­lige linke Oppo­si­tion Demos Obstruk­ti­ons­po­litik betrieb und mit der föde­ralen Regie­rung des dama­ligen Jugo­sla­wiens paktierte. All jene, die mehr oder weniger offen gegen den unab­hän­gigen Staat oppo­nierten, über­nahmen später die Macht und teilten die Lorbeeren für den unab­hän­gigen Staat, während die wich­tigsten Unab­hän­gig­keits­ak­ti­visten verfolgt und mit falschen Anschul­di­gungen und Schein­pro­zessen ins Gefängnis geschickt wurden.

Der zweite Text ist eine Analyse des Krieges um Slowe­nien, die zuerst als Vorwort zum Buch Krieg um Slowe­nien veröf­fent­licht wurde. Darin analy­siert der Autor den mili­tä­ri­schen Konflikt, der dank der Einheit der Nation mit der Nieder­lage des Aggres­sors JVA endete. „Die Einheit der Nation, der Mut ihres bewaff­neten Teils, der starke poli­ti­sche Wille der Demos-Regie­rungs­ko­ali­tion unter der Führung von Dr. Jože Pučnik und die Eigen­in­itia­tive einer Viel­zahl einzelner Komman­deure von takti­schen Einheiten der Terri­to­rialen Vertei­di­gung und der Polizei erzwangen einen Sieg im Krieg für Slowe­nien. Ein Sieg, der in seiner Endgül­tig­keit in den slowe­ni­schen Olymp erhoben wurde, ein Sieg, der wich­tiger ist als alle Schlachten, die unsere Vorfahren leider oft auch im Namen anderer in den Wirbel­stürmen der undank­baren Geschichte vergan­gener Jahr­hun­derte geschlagen haben“, schrieb Janša.

Der dritte Text ist das Vorwort zur 3. Auflage des Buches Premiki (Bewe­gungen), von dem fast 100.000 Exem­plare verkauft wurden. Im einlei­tenden Text teilt Janez Janša seine Erin­ne­rungen und analy­siert die Ereig­nisse von der Zeit seiner Verhaf­tung (1988) bis zur inter­na­tio­nalen Aner­ken­nung des neuen Staates. Die Beson­der­heit der Einlei­tung und der 3. Auflage besteht darin, dass der Autor Doku­mente bespricht und enthüllt, die zur Zeit der ersten Auflage des Buches (1992) noch nicht bekannt waren, aber sehr wichtig für das Verständnis der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit sind. Da es sich um ein unschätz­bares Zeit­do­ku­ment, behalten wir Janšas Text in seiner inte­gralen Form, so wie er damals veröf­fent­licht wurde. Die Broschüre enthält auch Fotos und Grafiken sowie eine Botschaft des Premier­mi­nis­ters an die Slowenen anläss­lich des Natio­nal­fei­er­tags 2020.

Unsere Nach­kommen sollen wissen, wie wir unsere Souve­rä­nität aufge­baut haben, wie wir die Liebe zum Vater­land empfunden haben und wie dankbar wir für diesen Moment in der Geschichte waren. Aber sie sollen auch wissen, wer dagegen war. Nicht um irgend­je­manden zu verur­teilen oder zu verfolgen, sondern einfach, weil dies die Fakten sind. Die heutige Roman­ti­sie­rung der Geschichte, dass Slowe­nien seine Souve­rä­nität leicht erlangt hat, ist eine Verzer­rung der Tatsa­chen und dient als Recht­fer­ti­gungs­these für dieje­nigen, die alles sabo­tiert haben, was die Demos-Regie­rung in entschei­denden Momenten leider getan hat. Es stimmt, dass die Nation geeint war, aber die poli­ti­sche „Über­gangs­linke“ hat damals alles getan, damit Slowe­nien weder eine eigene Armee bekommt noch unab­hängig wird, sondern im Kessel des Balkans bleibt.

Und heute, 30 Jahre nachdem wir gegen den Aggressor gekämpft und unser Land prokla­miert haben, sehen wir mit Sorge, dass die Jugend nicht mehr sicher ist, ob Slowe­nien eine gute Sache ist, und auch nicht, dass die Liebe zum eigenen Land für den Erhalt einer Nation notwendig ist. Manche Jugend­liche glauben, dass das Gefühl des Natio­nal­stolzes und der Zuge­hö­rig­keit zum Slowen­entum reak­tionär ist. Während die Medien und die Popu­lär­kultur in jenen Jahren die natio­nale Idee stärkten, ist der Patrio­tismus heute nicht mehr ihr Stil. Es scheint, dass sie eher dem Trend des Hasses auf das Slowen­entum und die Ereig­nisse der Unab­hän­gig­keit folgen.

Jože Biščak


Bei der Volks­ab­stim­mung am 23. Dezember 1990 hat sich das slowe­ni­sche Volk klar und entschieden für den unab­hän­gigen Staat der Repu­blik Slowe­nien ausge­spro­chen. Dennoch stieß es in den folgenden Monaten auf starke Wider­stände und Hinder­nisse seitens der einhei­mi­schen post­kom­mu­nis­ti­schen poli­ti­schen Elite; sowie auf Wider­stand und Drohungen von Seiten der Föde­ra­tion und des offi­zi­ellen Auslands.


FAST ALLE GEGEN UNS

In den Jahren 1990 und 1991 war Slowe­nien in seinen Bestre­bungen und Bemü­hungen um die Unab­hän­gig­keit inter­na­tional über­wie­gend isoliert. Das ist in den letzten zwei Jahr­zehnten irgendwie in Verges­sen­heit geraten oder zumin­dest verdrängt worden. Die Analyse der Ursa­chen wird aufzeigen, warum dies geschah.

In den Archiven in- und auslän­di­scher Medien finden sich viele Aufzeich­nungen von Äuße­rungen staat­li­cher und diplo­ma­ti­scher Vertreter der Nach­bar­staaten und anderer Länder, die direkt eine Abnei­gung oder offene Oppo­si­tion gegen die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit zum Ausdruck brachten.

Die opti­mis­tischste Ansicht, die zu unseren Gunsten zu hören war, war die Formu­lie­rung, dass Slowe­nien unab­hängig werden könnte, aber nur im Einver­nehmen mit der Föde­ra­tion und den anderen Repu­bliken. Natür­lich wusste jeder, der dies äußerte, sehr genau, dass die Zustim­mung der Bundes­be­hörden, der JVA und der meisten anderen Repu­bliken nicht zustande kommen würde.

Trotz der Versuche, diese Oppo­si­tion zu vergessen und zu verschleiern, ist sie mehr oder weniger bekannt und gründ­lich doku­men­tiert, aber leider wurde sie von Histo­ri­kern und denje­nigen, die sich auf inter­na­tio­nale Bezie­hungen spezia­li­sieren, nicht ausrei­chend analy­siert und aufgearbeitet.

Lancie­rung nega­tiver Bericht­erstat­tung im Ausland

Weniger bekannt sind die Berichte und Schluss­fol­ge­rungen auslän­di­scher diplo­ma­ti­scher und nach­rich­ten­dienst­li­cher Vertreter. Neben der Skepsis ihrer Regie­rungen trug vor allem die persön­liche Skepsis auslän­di­scher Diplo­maten, die die Ereig­nisse des Unab­hän­gig­keits­pro­zesses von Slowe­nien und der Nach­bar­länder verfolgten, sowie von Slowenen, mit denen sie in Kontakt standen, wesent­lich zu den nega­tiven Berichten bei. Nach­rich­ten­dienst­liche und diplo­ma­ti­sche Berichte sowie Tran­skripte von Tele­fon­ge­sprä­chen zwischen in- und auslän­di­schen Diensten, die im vorlie­genden Alma­nach veröf­fent­licht sind, beleuchten diesen Aspekt. Die erste scho­ckie­rende Erkenntnis bei der Lektüre ist die, dass eigent­lich nichts aus Gründen der Vertrau­lich­keit vor dem Ausland verborgen wurde, nicht einmal die höchsten Staats­ge­heim­nisse. Sogar die Infor­ma­tionen über den Inhalt des streng vertrau­li­chen Entwurfs des Verfas­sungs­ge­setzes über die Unab­hän­gig­keit wurden einem italie­ni­schen Diplo­maten von einem Mitglied der Präsi­dent­schaft der Repu­blik Slowe­nien, Ciril Zlobec, am Telefon frei vorge­lesen. Dasselbe galt für das sorg­fältig gehü­tete Datum der Unab­hän­gig­keit, von dem nur wenige Menschen im Lande wussten. Mitglieder der dama­ligen Oppo­si­tion, vor allem der LDS und des heutigen SD, teilten auslän­di­schen Diplo­maten und Geheim­dienst­agenten ihre Skepsis oder gar Ableh­nung der Unab­hän­gig­keit unver­hohlen mit. Einige von ihnen, wie z. B. der LDS-Abge­ord­nete Franco Juri, mani­fes­tierten damals öffent­lich ihre Oppo­si­tion, indem sie die Bekannt­gabe der Entschei­dung über die Unab­hän­gig­keit boykot­tierten, während andere, vor allem die Nach­folger des Bundes der Kommu­nisten Slowe­niens (ZKS), gegen­über der slowe­ni­schen Öffent­lich­keit und auslän­di­schen Medien andere Aussagen machten. Beide hatten eine ähnliche nega­tive Einstel­lung zu allen Maßnahmen der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit, vor allem zu denen, die mit der Vertei­di­gung zusam­men­hingen, die zutiefst lächer­lich gemacht wurden. Einige Beispiele für eine solche Einstel­lung sind im „Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit – Wider­stände, Hinder­nisse, Verrat“ veröf­fent­licht, das 2013 von der Verei­ni­gung für die Werte der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit heraus­ge­geben wurde.

Infor­ma­tionen als großer Vorteil

Von der Verei­di­gung der Demos-Regie­rung im Mai 1990 bis zur endgül­tigen inter­na­tio­nalen Aner­ken­nung und Aufnahme in die UNO versuchten die zustän­digen slowe­ni­schen Insti­tu­tionen, die Posi­tionen der Nach­bar­länder, der inter­na­tio­nalen Insti­tu­tionen und der einfluss­reichsten Welt­ak­teure gegen­über Slowe­nien und seinem Unab­hän­gig­keits­kampf im Auge zu behalten. Aufgrund der dürf­tigen Anfänge unserer eigenen Diplo­matie war die Arbeit äußerst schwierig und die wich­tigsten Ergeb­nisse wurden von unseren Lands­leuten im Ausland und in der ganzen Welt beigetragen. Die Slowenen, die in der jugo­sla­wi­schen Diplo­matie dienten, waren, mit einigen ehren­werten Ausnahmen, nicht für die Unab­hän­gig­keit, und wir erhielten von ihnen noch weniger nütz­liche Infor­ma­tionen als von Slowenen in hohen Posi­tionen in der jugo­sla­wi­schen Volksarmee.

Infor­ma­tionen über die Ansichten externer Parteien erhielten wir also haupt­säch­lich als:

- öffent­lich verkün­dete Posi­tionen von Regie­rungen und inter­na­tio­nalen Organisationen,

- Infor­ma­tionen von Lands­leuten aus dem Ausland und aus aller Welt,

- Kontakte von slowe­ni­schen Staats­ver­tre­tern mit dem Ausland, insbe­son­dere mit diplo­ma­ti­schem Personal anderer Länder,

- Berichte der inlän­di­schen Nachrichtendienste,

- Berichte auslän­di­scher Dienste, auf die Slowe­nien durch die Arbeit seiner eigenen Dienste oder durch den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch (vor allem mit der Repu­blik Kroa­tien) Zugriff hat.


Bis zum letzten Moment spra­chen sich die meisten auslän­di­schen Staats­männer für die Erhal­tung der Einheit Jugo­sla­wiens aus (im Bild: Präsi­dent der ZIS SFRJ Ante Markovič, der jugo­sla­wi­sche Außen­mi­nister Budimir Lončar und US-Außen­mi­nister James Baker am 21. Juni 1991 in Belgrad).

Im Vertei­di­gungs­mi­nis­te­rium wurde der Nach­rich­ten­dienst erst mit der Schaf­fung der Natio­nalen Vertei­di­gungs­ma­nö­ver­struktur aufge­baut und zählte die meiste Zeit dieser Periode weniger als zehn profes­sio­nell beschäf­tigte Mitglieder. Trotz der schwa­chen Perso­nal­aus­stat­tung sammelte dieser Dienst durch patrio­ti­sche Zusam­men­ar­beit mit einzelnen Slowenen mit über­wie­gend unter­ge­ord­neten Posi­tionen in der JVA stra­te­gisch wich­tige Infor­ma­tionen, die eine realis­ti­sche Planung des Wider­stands gegen die Aggres­sion und die taktisch kluge Durch­füh­rung des Rück­zugs der JVA aus Slowe­nien ermög­lichten. Durch diese Quellen erhielten wir auch Infor­ma­tionen, die auslän­dischdie von auslän­di­schen diplo­ma­ti­schen Vertre­tern mit der JVA-Spitze geteilt wurden. In der Endphase der Unab­hän­gig­keit, insbe­son­dere von den Ereig­nissen im Mai 1991 bis zum Rückzug der JVA aus Slowe­nien im Oktober desselben Jahres, wurde die Arbeit des mili­tä­ri­schen Nach­rich­ten­dienstes inten­si­viert. Durch die Beset­zung einiger Kommu­ni­ka­ti­ons­ein­rich­tungen der JVA und die Konfis­zie­rung von Ausrüs­tung zu Beginn der Aggres­sion begann der Nach­richten- und Sicher­heits­dienst (OVS) des Vertei­di­gungs­mi­nis­te­riums, die verschlüs­selte Kommu­ni­ka­tion der JVA bis nach Belgrad abzuhören.

Nach der Reor­ga­ni­sa­tion Ende 1990 drang auch der Sicher­heits­in­for­ma­ti­ons­dienst (VIS) des Innen­mi­nis­te­riums mit eigenen Mitteln in einige nach­rich­ten­dienst­liche Quellen im Ausland ein und verschaffte sich durch die Kontrolle der Kommu­ni­ka­tion zwischen auslän­di­schen Diensten und deren Vertre­tern zumin­dest teil­weise einen direkten Einblick hinter die Kulissen. Aus dieser Quelle erhielten wir wich­tige Infor­ma­tionen darüber, inwie­weit der Aggressor, der durch die jugo­sla­wi­sche Diplo­matie und die Dienste im Ausland einen ausge­zeich­neten Zugang zu Dritt­staa­ten­res­sourcen hatte, mit unseren Plänen und den tatsäch­li­chen Möglich­keiten der slowe­ni­schen Vertei­di­gung vertraut war. Leider war nur ein Teil des VIS, der in die Hunderte von Beschäf­tigten zählte, über­zeugt und profes­sio­nell agie­rend für die Unab­hän­gig­keit. Der zweite und eben­falls größere Teil des VIS blieb passiv oder war sogar dagegen. Anstatt sich mit der unmit­tel­baren Gefahr zu beschäf­tigen, beschäf­tigten sie sich mit allem Mögli­chen. So erhielt die Regie­rung am 25. Juni 1991, als die Kriegs­er­klä­rung an Slowe­nien erging, von VIS eine Einschät­zung der Lage in – der rumä­ni­schen Armee. Ein VIS-Mitar­beiter, der eine Panzer­ka­serne in Vrhnika bewachte, schlief angeb­lich ein und bemerkte nicht, dass eine Panzer­ko­lonne durch das Tor in Rich­tung Ljub­l­jana fuhr. Der Grund, warum das laute Geräusch der Panzer­ko­lonne nicht zu hören war, war wohl nur im VIS bekannt.


Sogar die Infor­ma­tion über den Inhalt des streng vertrau­li­chen Entwurfs des Verfas­sungs­ge­setzes über die Unab­hän­gig­keit wurde von einem Mitglied der Präsi­dent­schaft der Repu­blik Slowe­nien, Ciril Zlobec, einem italie­ni­schen Diplo­maten am Telefon frei vorgelesen.

Durch die Veröf­fent­li­chung verschie­dener Doku­mente beider Inlands­dienste in Zeit­schriften und Büchern konnte die slowe­ni­sche Öffent­lich­keit viele Details über die Entschei­dungs­fin­dung hinter den Kulissen zu einzelnen Aspekten der Aggres­sion gegen Slowe­nien und die Haltung der Vertreter anderer Länder dazu erfahren.

Es ist jedoch unge­wöhn­lich, dass frühere Veröf­fent­li­chungen glei­cher oder ähnli­cher Doku­mente, wie z.B. das „Weiß­buch über die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit – Wider­stände, Hinder­nisse, Verrat“, kein beson­deres Inter­esse bei Histo­ri­kern oder anderen Fach­leuten geweckt haben, von denen es in Slowe­nien heute mindes­tens fünfmal so viele gibt wie zur Zeit der Unab­hän­gig­keit Sloweniens.

Das mangelnde Inter­esse an einigen Fakten und die Verzer­rung anderer

Obwohl der Wider­stand und die Behin­de­rung der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit von außen und innen in den letzten zwei Jahr­zehnten wenig Inter­esse und noch weniger wissen­schaft­liche Erfor­schung erfahren hat, wurde viel mehr Energie in die beharr­liche Verharm­lo­sung der Unab­hän­gig­keit inves­tiert. Viele Ereig­nisse und Aussagen wurden zum Schweigen gebracht oder verzerrt, während andere beson­ders hervor­ge­hoben wurden. Die Verzer­rung der Wahr­heit gehörte zum Alltag der Nach-Unab­hän­gig­keit. Die grund­le­gende Leit­linie war: Alles, was das mehr­heit­liche Werte­system der Menschen in Slowe­nien zur Zeit der Unab­hän­gig­keit und der Demo­kra­ti­sie­rung zur Zeit des slowe­ni­schen Früh­lings prägte, wurde rela­ti­viert und schließ­lich durch sein Gegen­teil benannt. Seit dem Plebiszit im Dezember 1990 wurde die Unab­hän­gig­keit ständig als allge­meine Ursache für alle mögli­chen Probleme ange­pran­gert. Die Slogans wurden von Jahr zu Jahr direkter und aussa­ge­kräf­tiger, bis wir 2012 bei den soge­nannten „Volks­auf­ständen“ Trans­pa­rente mit den Aufschriften erlebten: „Seit 20 Jahren werden wir bestohlen“ oder „In 20 Jahren wurden Unter­nehmen und der Staat bestohlen“ oder „20 Jahre einer korrupten poli­ti­schen Elite sind genug“ – als ob wir vor der Unab­hän­gig­keit im Himmel gelebt hätten und als ob es in Slowe­nien kein tota­li­täres Regime gegeben hätte, in dem das Land komplett vom Volk gestohlen wurde; sicher­lich viel mehr als heute, unge­achtet aller aktu­ellen Probleme.

Seit dem berühmten Brief von Kučan im Früh­jahr 1991 wird versucht, den Wider­stand gegen die Entwaff­nung der Terri­to­riale Vertei­di­gungs­armee und die Vertei­di­gung des slowe­ni­schen Staates als Waffen­handel darzu­stellen, und die Etablie­rung der staat­li­chen Attri­bute Slowe­niens wird als Affäre der „Izbri­sani“ („Ausge­löschten“) bezeichnet. Zwei Jahr­zehnte lang war die Mani­pu­la­tion so intensiv, dass die jüngeren Genera­tionen, die in dieser Zeit aufwuchsen, das Thema der soge­nannten Izbri­sani-Affäre leicht aus den meisten öffent­li­chen Medien erfahren konnten; viel ausführ­li­cher als über die Maßnahmen, die die Grün­dung des slowe­ni­schen Staates ermög­lichten. Zehn Jahre nach seiner Grün­dung erschienen die ersten roten Stern­fahnen bei der Staats­feier am Natio­nal­fei­ertag. Zuerst schüch­tern wegen des Bewusst­seins, dass sie ein Symbol der Aggres­so­ren­armee darstellten, die im Krieg um Slowe­nien besiegt wurde, dann aber immer aggres­siver, als ob die JVA den Krieg gewonnen hätte. Die Haupt­aus­sage der Redner beinhal­tete einen Satz, der sich allmäh­lich veran­kerte, nämlich dass es ohne die soge­nannte Natio­nale Befrei­ungs­be­we­gung (NOB) kein unab­hän­giges Slowe­nien geben würde. Es war, als ob das unab­hän­gige Slowe­nien 1945 und nicht 1991 entstanden wäre. Dadurch wurde die Bedeu­tung der Unab­hän­gig­keit ausge­löscht oder zumin­dest abge­schwächt, als die Versuche, sie auszu­lö­schen, nicht erfolg­reich waren. Als die Regie­rungen der „Über­gangs­linken“ an der Macht waren, waren die staat­li­chen Fest­pro­gramme anläss­lich der beiden größten slowe­ni­schen Natio­nal­fei­er­tage, dem Tag der Staat­lich­keit und dem Tag der Unab­hän­gig­keit und Einheit, besten­falls leere Veran­stal­tungen, die nichts mit dem Zweck der Natio­nal­fei­er­tage zu tun hatten, und schlimms­ten­falls voll von offenem Spott über Slowe­nien und die Werte, die uns in einem erfolg­rei­chen und gemein­samen Unab­hän­gig­keits­pro­jekt vereinten.

Ande­rer­seits verging fast keine Woche im Jahr ohne pompöse und teure Feiern, die von den Verbänden der Natio­nalen Befrei­ungs­be­we­gung Slowe­niens (ZZB) orga­ni­siert wurden, die voll von Hass­reden und Drohungen gegen Anders­den­kende waren, begleitet von der Ausstel­lung tota­li­tärer Symbole und krimi­nellen Akti­vi­täten in Form von Mani­pu­la­tionen an offi­zi­ellen Staats­sym­bolen und ille­galem Tragen und Zurschau­stellen von mili­tä­ri­schen Waffen. Die Teil­nehmer an diesen Massen­ver­an­stal­tungen waren meist bezahlte Ange­hö­rige der ZZB, denn rund 20.000 von ihnen erhalten noch heute jeden Monat privi­le­gierte Vete­ra­nen­be­züge, obwohl viele nach 1945 geboren sind. Die Privi­le­gien wurden zum Teil an die Nach­kommen weiter­ge­geben, als ob wir in einem Feudal­fürs­tentum gelebt hätten. Solche Bacchana­lien im Stil der Kund­ge­bungen aus Miloše­vičs inten­sivster Kampagne vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert wurden von der ZZB-Kund­ge­bung am 24. Dezember 2012 in Tisje gekrönt, wo uns der Gene­ral­se­kretär der Vete­ra­nen­or­ga­ni­sa­tion Mitja Klavora, der ein Jahr­zehnt nach dem Zweiten Welt­krieg geboren wurde, wieder mit Massa­kern drohte.

Einige Jahre lang nach der Unab­hän­gig­keit musste man mili­tä­ri­sche Auszeich­nungen mit der Erklä­rung zurück­geben, dass es dem Präsi­denten des Landes recht­lich nicht erlaubt sei, den Frei­heits­orden an Menschen zu verleihen, die mit der Unab­hän­gig­keit wenig zu tun hatten oder sogar aktiv dagegen waren. Nach zehn Jahren begann man, absicht­lich Verwir­rung in Bezug auf Symbole zu stiften. Am 15. Jahrestag der Unab­hän­gig­keit begann eine Kontro­verse über die Bildung der slowe­ni­schen Armee und ihr Alter, und am 20. Jahrestag „donnerte“ der dama­lige Präsi­dent der Repu­blik sogar über die so genannten Unab­hän­gig­keits­kämpfer und sagte, dass dieses „Verdienst“- und Über­gangs­ge­wirr ein für alle Mal besei­tigt werden sollte. Zum Glück hat ihn die Mehr­heit der Wähler im Herbst 2012 nicht wieder­ge­wählt. Der letzte Schliff der Beschä­mung der Unab­hän­gig­keit und vor allem der slowe­ni­schen Armee wurde kurz vor dem 22. Jahrestag mit der Ernen­nung des letzten Vertei­di­gungs­mi­nis­ters gesetzt.

Die soge­nannten „Onkel aus dem Hinter­grund“ ernannten eine Person in diese Posi­tion, die sich 1991 nicht nur indi­rekt, sondern aktiv durch poli­ti­sche Aktionen und Abstim­mungen gegen jegliche Maßnahmen zur Vertei­di­gung Slowe­niens gegen die Aggres­sion der jugo­sla­wi­schen Armee stellte. „Ich bin kein Mitglied der poli­ti­schen Partei LDS, aber ich teile dieselben Gedanken und Ansichten mit Roman Jakič“, sagte der JVA-Oberst Milan Aksen­ti­jevic auf einer Versamm­lung, nachdem die beiden gemeinsam in einer äußerst kriti­schen Zeit die Vertei­di­gungs­vor­be­rei­tungen behin­derten. Das zweite Kapitel dieses Alma­nachs enthält viele konkrete Beispiele für Maßnahmen zur Behin­de­rung der Unab­hän­gig­keit, die die Hand­schrift von Roman Jakič und seinen Anhän­gern aus der linken Oppo­si­tion tragen. Wären nur ein paar ihrer Ände­rungs­an­träge zu wich­tigen Vertei­di­gungs­ge­setzen ange­nommen worden, hätte sich Slowe­nien nicht erfolg­reich gegen die Aggres­sion der JVA im Juni 1991 vertei­digen können.


In der Zeit der Unab­hän­gig­keit stellte sich die Oppo­si­tion oft vehe­ment gegen die Bemü­hungen um die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit (im Bild: die LDS-Abge­ord­neten Gregor Golobič, Zoran Thaler und Jožef Školč).

Echte Mili­tär­macht statt Operette

Dies war auch der grund­le­gende Zweck der Zerstö­rung aller Bemü­hungen Slowe­niens, ein effek­tives Vertei­di­gungs­system aufzu­bauen, das in der Lage wäre, dem erwar­teten und entschei­denden Versuch Belgrads, unsere Unab­hän­gig­keit mit Gewalt zu verhin­dern, zu wider­stehen. Dies wird in Dutzenden von Doku­menten im „Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit“ nach­ge­wiesen. Dazu gehören die Bemü­hungen der slowe­ni­schen kommu­nis­ti­schen Politik der JVA um die Entwaff­nung der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee, die Dr. Jože Pučnik und Ivan Oman zu Recht als Verrat an Slowe­nien bezeich­neten, durch die so genannte Dekla­ra­tion für den Frieden, die die schnelle einsei­tige Entwaff­nung Slowe­niens forderte, und die Kontakte hinter den Kulissen mit JVA-Gene­rälen und Belgrader Poli­ti­kern, über die die Öffent­lich­keit immer wieder neue Infor­ma­tionen erfährt, wenn ein Belgrader Archiv geöffnet wird oder wenn einer der Betei­ligten ein Buch mit Memoiren von der Gegen­seite schreibt. Erst nach einigen Jahren, als sich linke Poli­tiker bemühten, dem Aggressor­ge­neral Konrad Kolšek einen slowe­ni­schen Pass zu verschaffen, wurde klar, warum die formelle Kriegs­er­klä­rung mit einem Ulti­matum, die General Kolšek am Morgen des 27. Juni 1991 nach Slowe­nien schickte und die in Form von Flug­blät­tern von den JVA-Flug­zeugen gestreut wurde, nicht an den Ober­be­fehls­haber und Präsi­denten des Präsi­diums Milan Kučan, sondern an Minis­ter­prä­si­dent Lojze Peterle gerichtet war, der nach der dama­ligen Verfas­sung prak­tisch keine Befug­nisse im Bereich der Vertei­di­gung hatte. Aufgrund früherer Kontakte und Abspra­chen betrach­teten Kolšek und andere Aggres­soren Milan Kučan offenbar als einen derje­nigen, auf die sie in der Zeit nach der „Unab­hän­gig­keits­ope­rette“ zählen konnten, wenn die Demos-Regie­rung aufgrund der Wirkung einer gebro­chenen Führung zerfallen und vor Mili­tär­ge­richten oder vor dem Erschie­ßungs­kom­mando enden würde.


Die Partei der Demo­kra­ti­schen Erneue­rung unter der Führung von Ciril Ribičič, die den Bund der Kommu­nisten Slowe­niens ablöste, hatte viele Bedenken gegen die Unab­hän­gig­keit Sloweniens.

Aufgrund der hohen Unter­stüt­zung der Unab­hän­gig­keit bei der Volks­ab­stim­mung und der ansonsten posi­tiven Stim­mung gegen­über der Unab­hän­gig­keit in der slowe­ni­schen Öffent­lich­keit – einschließ­lich einer Frak­tion von Mitglie­dern in linken Parteien – stellten sich die Gegner der Unab­hän­gig­keit im Allge­meinen nicht offen dagegen, sondern wendeten eher eine indi­rekte Taktik an, was sich in den Slogans wider­spie­gelte, die im Früh­jahr 1991 populär wurden, z. B. „Unab­hän­gig­keit ja, aber auf fried­liche Weise“, oder „Unab­hän­gig­keit ja, aber ohne Armee“, oder „Der in der Volks­ab­stim­mung ausge­drückte Wille des Volkes muss verwirk­licht werden, aber nur durch Verhand­lungen und Verein­ba­rungen“, oder: „Die Slowenen haben im Plebiszit nicht für den Krieg gestimmt!“, oder: „Die Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung Slowe­niens muss mit der sofor­tigen Aufnahme von Verhand­lungen mit anderen Repu­bliken über eine neue konfö­de­rale Verbin­dung einhergehen.“

Außerdem ging es um mehr als nur Parolen; im Früh­jahr 1991 fanden Treffen der slowe­ni­schen Links­par­teien, insbe­son­dere der Nach­fol­ge­partei des ZKS und der Vorgän­ger­partei der damals aktu­ellen SD, mit den ehema­ligen kommu­nis­ti­schen Parteien in anderen Repu­bliken der ehema­ligen SFRJ statt. Eines dieser Treffen, das zwischen Ciril Ribičič und seinen Genossen mit bosni­schen und kroa­ti­schen Kommu­nisten in Otočec statt­fand, wurde von großen Zeitungs­schlag­zeilen im gesamten ehema­ligen Jugo­sla­wien begleitet, die eine neue jugo­sla­wi­sche Inte­gra­tion forderten.

Das Kalkül der Gegner der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit im In- und Ausland basierte auf der Erwar­tung einer gespal­tenen Führung. Sie kalku­lierten, dass ein unab­hän­giges Slowe­nien zwar eupho­risch prokla­miert, aber nicht reali­siert werden würde. („Träume sind heute erlaubt, morgen ist ein neuer Tag!“) Sie glaubten und versuchten, so viel wie möglich dazu beizu­tragen, dass die slowe­ni­schen Vertei­di­gungs­kräfte nicht in der Lage sein würden, Grenz­über­gänge und wich­tige Infra­struk­tur­punkte im Land zu besetzen und Manöver der JVA einzu­schränken, und dass nach ein paar Tagen alles wie eine Operet­ten­epi­sode ablaufen würde, nach der jedem im Land klar sein würde, dass wir vom Westen isoliert sind, dass wir unser eigenes Terri­to­rium nicht kontrol­lieren und dass uns niemand helfen würde, dass uns niemand aner­kennen würde und dass wir mit dem Kopf gegen eine Beton­wand stoßen würden.

Nach einem solchen Ergebnis wurde der Zerfall der Demos-Koali­tion und der Sturz der Regie­rung, gefolgt von einer voll­stän­digen Macht­über­nahme, erwartet. Sie erwar­teten sicher auch das Ende des Traums von einem unab­hän­gigen Slowe­nien, da sie sich als Retter der Slowenen gegen die gefähr­li­chen Demos-Aben­teurer sahen. Oder, wie der dama­lige LDS-Vorsit­zende sagte: „Es ist besser, hundert Jahre lang für ein unab­hän­giges Slowe­nien zu verhan­deln, als einen Tag lang zu kämpfen.“ Diese Erwar­tungen werden buch­stäb­lich durch die eben­falls im folgenden Abschnitt des vorlie­genden Alma­nachs veröf­fent­lichten Erin­ne­rungen des dama­ligen Minis­ter­prä­si­denten Ante Markovič über das Treffen zwischen ihm und der slowe­ni­schen Links­op­po­si­tion kurz vor dem Krieg, am 12. Juni 1991, bestätigt:

„Das Gespräch von Markovič mit der Oppo­si­tion ergab die gemein­same Einschät­zung, dass die Wider­sprüche im regie­renden Demos so groß sind, dass nur der 26. Juni ihn zusam­men­hält. Wenn am 26. Juni nichts passiert, was den Demos-Kreis­lauf stärken könnte, gibt es nicht mehr viel Hoff­nung für die Regie­rung, oder anders gesagt: Wenn nach dem 26. Juni ein Prozess in Gang kommt, der gleich­zeitig in beide Rich­tungen läuft, in Rich­tung Unab­hän­gig­keit und Wieder­ein­glie­de­rung, wird die Demos-Regie­rung im Sommer, spätes­tens im September, fallen.“

Nach einem Treffen mit der slowe­ni­schen Links­op­po­si­tion über­zeugte Markovič auch den kroa­ti­schen Präsi­denten Franjo Tudjman von der Wahr­schein­lich­keit einer solchen Wendung der Ereig­nisse in Slowe­nien. Jahre später sprach Tudjman über den Operet­ten­krieg in Slowe­nien und vertuschte seine Unter­stüt­zung für Markovič. Am 27. Juni 1991 brach er jedoch das gege­bene Verspre­chen und die unter­zeich­nete Verein­ba­rung über den gemein­samen Wider­stand der beiden Länder im Falle einer JVA-Aggres­sion. Die Operet­ten­un­ab­hän­gig­keit wurde von Kroa­tien im Juni 1991 tatsäch­lich voll­zogen, als es die Unab­hän­gig­keit erklärte, aber nicht die effek­tive Macht über­nahm. Der Preis, den Kroa­tien für Tudj­mans Naivität mit vielen Leben bezahlte, war enorm.

Ich selbst war Zeuge einiger ähnli­cher offener Vorher­sagen und Andeu­tungen slowe­ni­scher linker Poli­tiker, ganz zu schweigen von auslän­di­schen Diplo­maten. Einige in der dama­ligen Präsi­dent­schaft der Repu­blik, der stell­ver­tre­tende Minis­ter­prä­si­dent und ihr Finanz­mi­nister, der ein paar Monate vor dem Krieg zurück­trat, und viele andere „respek­table“ Bürger waren ähnli­cher Meinung. Einen von ihnen, der damals im unab­hän­gigen Slowe­nien eine große Karriere gemacht hatte, traf ich kurz vor dem Krieg auf dem Kongressplatz.

Er sagte zu mir in einem etwas verächt­li­chen Ton: „Für einen unab­hän­gigen Staat braucht man keine Visionen, sondern Divi­sionen.“ Ich habe ihm nicht erklärt, dass wir die auch hatten, denn er hätte mir sowieso nicht geglaubt.

Nach der Erzäh­lung und den mehr­fa­chen öffent­lich aufge­zeich­neten Auftritten des ehema­ligen Mitglieds der Präsi­dent­schaft der Repu­blik Slowe­nien, Ivan Oman, der als einziger in der Präsi­dent­schaft die Vorbe­rei­tungen für die Vertei­di­gung gegen die Aggres­sion konse­quent unter­stützte, fragte Dr. Jože Pučnik – in einer der vielen Pausen während der Verhand­lungen für das Plebis­zit­ge­setz im November 1990 – den Hohen Reprä­sen­tanten der heutigen SD, warum sie alle Vorschläge für die Unab­hän­gig­keit über­mäßig verkom­pli­ziert und grund­sätz­lich abge­lehnt hätten. Er antwor­tete ihm, er solle verstehen, dass sie und ihre poli­ti­sche Option in der Unab­hän­gig­keit keine Zukunft für sich sahen.

Seit dem Sieg von Demos bei den Wahlen im April 1990 arbeiten die linken Spit­zen­po­li­tiker Slowe­niens gegen die Schaf­fung echter Kapa­zi­täten für die Unab­hän­gig­keit, unge­achtet der gele­gent­li­chen öffent­li­chen Vortäu­schung. Ihre wich­tigsten Kampa­gnen bis zum 26. Juni waren:

1. Entwaff­nung der Terri­to­rialen Vertei­di­gung im Mai 1990, wo sie der JVA auf alle mögli­chen Arten halfen. Dies wird im ersten Kapitel dieses Kompen­diums besprochen.

2. Die soge­nannte Frie­dens­er­klä­rung im Februar 1991, in der direkt die schnelle einsei­tige Abrüs­tung des ohnehin „kaum bewaff­neten Slowe­niens“ gefor­dert wurde.

3. Konse­quentes Abstimmen gegen Maßnahmen zur Siche­rung der Unab­hän­gig­keit (Vertei­di­gungs­ge­setz, Wehr­pflicht­ge­setz, Vertei­di­gungs­haus­halt) im Parla­ment. Alle genannten Gesetze wurden mit wenigen Stimmen der Demos-Mehr­heit knapp verab­schiedet. Dies wird im zweiten Kapitel dieses Alma­nachs besprochen.

4. Die Unter­rich­tung auslän­di­scher Dienste und Diplo­maten über die obersten Staats­ge­heim­nisse aus den opera­tiven Plänen für die Unab­hän­gig­keit (genauer Zeit­punkt, Liste der Funk­tionen der Föde­ra­tion, die Slowe­nien effektiv in die eigenen Hände nehmen wollte).

5. Das Rück­tritts­ge­such des Gene­ral­staats­an­walts Anton Drobnič, das ein paar Tage vor der Erklä­rung des unab­hän­gigen Slowe­niens unter der Führung von Milan Kučan und Spomenka Hribar an die Öffent­lich­keit gelangte (die sie mir in ihrem Präsi­di­al­büro zur Unter­schrift anbot). Kurz vor dem Krieg wollten sie damit Demos weiter aufrüt­teln, denn die Peti­tion wurde von einigen promi­nenten Poli­ti­kern der SDZ und der Grünen Slowe­niens unterzeichnet.

6. Strei­k­an­kün­di­gung der Poli­zei­ge­werk­schaft für den 27. Juni 1991.


In einigen slowe­ni­schen Zeitungen spra­chen sich verschie­dene Autoren offen gegen die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit aus (im Bild: Artikel in Mladina mit dem Titel „Unab­hän­giges Slowe­nien? Nein, danke!“, 21. Mai 1991).

Am 25. Juni 1991 über­nahm Slowe­nien faktisch die Mehr­heit der ehema­ligen Bundes­kom­pe­tenzen (Grenze, Zoll, Währungs­po­litik, Luft­raum­kon­trolle, Devi­sen­ge­schäfte und ‑kontrolle) und erklärte am 26. Juni mit allge­meiner Unter­stüt­zung und Freude der Bevöl­ke­rung die Unab­hän­gig­keit. Am selben und am folgenden Tag wider­stand Slowe­nien erfolg­reich der ersten Angriffs­welle, so dass einige linke Poli­tiker Zweifel am Erfolg ihrer Erwar­tung einer „Operetten-Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung“ hatten. Nichts­des­to­trotz setzten ihre Chefs alles daran, auch aus einer solchen Situa­tion egois­ti­sche klein­ka­rierte poli­ti­sche Vorteile zu ziehen.

Der ehema­lige mehr­fache Minister in den italie­ni­schen Links­re­gie­rungen (für Justiz, Außen­handel, stell­ver­tre­tender Außen­mi­nister) und Hohe Reprä­sen­tant der Sozia­lis­ti­schen Inter­na­tio­nale, Piero Fassino, veröf­fent­lichte ein Buch mit dem Titel „Aus Leiden­schaft“ („Per passione“, Mailand, 2003), in dem er auf Seite 292 schreibt, wie er am 27. Juni 1991 Milan Kučan und Ciril Ribičič in Ljub­l­jana besuchte und wie sie ihn anflehten („soll­eci­tando“), dass „die italie­ni­sche und euro­päi­sche Linke die Unab­hän­gig­keit der ehema­ligen jugo­sla­wi­schen Repu­bliken nicht der Rechten über­lassen sollte“. In den Monaten nach diesem Besuch war es der sozia­lis­ti­sche Außen­mi­nister Italiens, Gianni de Michelis, der als euro­päi­scher Poli­tiker die meiste Kritik an der slowe­ni­schen Staat­lich­keit äußerte. Er stimmte der euro­päi­schen Aner­ken­nung Slowe­niens erst in letzter Minute zu. Selbst als der italie­ni­sche Präsi­dent Fran­cesco Cossiga am 17. Januar 1992 Slowe­nien besuchte, nachdem die Euro­päi­sche Union den unab­hän­gigrn Staat bereits aner­kannt hatte, griff de Michelis den Präsi­denten dafür scharf an. Trotzdem verlieh ihm Milan Kučan wenig später die Ehren­pla­kette der Frei­heit. Und er kannte den Grund dafür genau.


Jaša Zlobec und Franco Juri (im Bild mit Ciril Ribičič und Lev Kreft), die extremsten Gegner der Versamm­lung aller notwen­digen Maßnahmen zur Unab­hän­gig­keit, wurden zu Botschaf­tern des Staates, den sie bei seiner Geburt bekämpft hatten.

Für die Gegner der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit ist es nicht so ausge­gangen wie erwartet. Slowe­nien hat keine gebro­chene Führung erlitten. Die JVA und all jene, die wie im Falle des JBTZ-Prozesses oder der Befür­worter der Entwaff­nung der slowe­ni­schen Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee damit gerechnet hatten, dass dieses projek­tierte Ergebnis die Drecks­ar­beit für sie erle­digen würde, prallten gegen die Wand der slowe­ni­schen Entschlos­sen­heit und ernst­hafter Verteidigungsvorbereitungen.

Rache derje­nigen, denen der Staat SFRJ gestohlen wurde

Die Verbit­te­rung war groß. Anstatt ehrlich zuzu­geben, dass sie im Unrecht waren, oder wenigs­tens zu schweigen, begannen einfluss­reiche Personen (sie wurden von niemandem für ihre Hand­lungen, die an Verrat oder noch Schlim­meres grenzen, belangt) gleich nach dem Krieg und vor der inter­na­tio­nalen Aner­ken­nung Propa­gan­da­kam­pa­gnen gegen die Unab­hän­gig­keits­ak­ti­visten zu starten und begannen, einzelne Demos-Mitglieder und dann die Regie­rung zu stürzen.

Auf der anderen Seite erlebten Personen, die sich am meisten durch Anti­un­ab­hän­gig­keits­ak­ti­vi­täten expo­niert hatten oder sich gegen Maßnahmen zur Siche­rung der Unab­hän­gig­keit gestellt hatten, unab­hängig von ihren sons­tigen beruf­li­chen und persön­li­chen Quali­täten, einen schnellen persön­li­chen Aufstieg. Wenn man die Zusam­men­fas­sungen von Wider­ständen, Behin­de­rungen und allge­meinem Fehl­ver­halten im slowe­ni­schen Parla­ment zur Zeit der wich­tigen Unab­hän­gig­keits­ent­schei­dungen liest, oder die Doku­mente und Aufzeich­nungen im vierten Kapitel über die Bildung eines Paktes mit dem Aggressor auf lokaler Ebene und in der Politik im Allge­meinen, stößt man prak­tisch auf keinen einzigen Namen, der auf die eine oder andere Weise der öffent­li­chen Kritik oder sogar Verur­tei­lung für Hand­lungen ausge­setzt wäre, die die Geschichte unbe­streitbar als fehl­ge­leitet und schäd­lich bestä­tigt hat.

Der dama­lige LDS-Vorsit­zende Jožef Školč wurde Kultur­mi­nister und sogar Präsi­dent der Natio­nal­ver­samm­lung; das Mitglied des Präsi­diums der Repu­blik Slowe­nien Ciril Zlobec, der den auslän­di­schen Diensten ein hoch­ran­giges Staats­ge­heimnis verriet, blieb bis zum Ende seiner Amts­zeit Mitglied des Präsi­diums und wurde sogar Vize­prä­si­dent der Slowe­ni­schen Akademie der Wissen­schaften und Künste; Ciril Ribičič, der sich mit der Außen­po­litik gegen die inter­na­tio­nale Aner­ken­nung Slowe­niens wandte, wurde Verfas­sungs­richter und sogar Mitglied der Inter­na­tio­nalen Rechts­kom­mis­sion von Venedig. Ein Mitglied der Führung von Marko­vics Sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Union, Rado Bohinc, wurde Wissen­schafts­mi­nister und dann Innen­mi­nister, später Kanzler der Univer­sität Primorska. Franco Juri und Jaša Zlobec, die extremsten Gegner der Versamm­lung aller notwen­digen Maßnahmen für die Unab­hän­gig­keit, wurden zu Botschaf­tern des Landes, das sie zur Zeit ihrer Geburt bekämpften. Ihr glühender Komplize bei der Obstruk­tion der Unab­hän­gig­keit, Roman Jakič, wurde sogar Vertei­di­gungs­mi­nister. Aurelio Juri wurde Mitglied des Euro­päi­schen Parla­ments, und Sergij Peljhan wurde Kultur­mi­nister. Jože Mencinger, der einige Monate vor dem Krieg aus der Regie­rung deser­tierte, weil er nicht an die Unab­hän­gig­keit glaubte, wurde Kanzler der Univer­sität von Ljub­l­jana und Besitzer des Bajt-Insti­tuts. Marko Kranjec, der sich ihm bei der Deser­tion anschloss, wurde erst Botschafter und später Gouver­neur der Bank von Slowe­nien. Die Liste ist zu lang, um sie alle zu nennen. Auch Jour­na­listen und Redak­teure, die zur Zeit der Unab­hän­gig­keit Zweifel säten oder offenen Wider­stand leis­teten, stiegen extrem schnell auf. Eine ebenso glän­zende Karriere erwar­tete dieje­nigen aus akade­mi­schen Kreisen, die sich aktiv gegen das Plebiszit für ein unab­hän­giges Slowe­nien und später gegen die Unab­hän­gig­keit selbst stellten. Das Muster wurde auch auf die Wirt­schaft über­tragen. In der ersten Priva­ti­sie­rungs­welle wurden die meisten Unter­nehmen von Personen „priva­ti­siert“, die noch zwei Jahre zuvor die Möglich­keit des wirt­schaft­li­chen Über­le­bens Slowe­niens beklagt hatten. In der zweiten Welle waren es jedoch diese oder ihre Nach­kommen, die privi­le­gierte poli­ti­sche Kredite von staat­li­chen Banken erhielten. Der berüch­tigte Veno Karbone alias Neven Borak wech­selte aus dem Amt des Präsi­denten Kučan in das Amt des Minis­ter­prä­si­denten, wurde dann unter dem Deck­mantel des Wett­be­werbs­schüt­zers zum Beschützer des „natio­nalen Inter­esses“, der die Ankunft auslän­di­scher Inves­toren und die Konkur­renz für einhei­mi­sche Tycoons verhin­derte, und nahm später die Posi­tion der grauen Eminenz in der Bank von Slowe­nien ein.

Trotz der erfolg­rei­chen Unab­hän­gig­keit von Belgrad war der Traum von neuen Zeiten nur für einen Tag erlaubt, dann wurden in der Gesell­schaft verkehrte Förde­rungs­me­cha­nismen in Gang gesetzt. Je mehr jemand gegen die Unab­hän­gig­keit war oder ihr skep­tisch gegen­über­stand und je mehr jemand fami­liär, poli­tisch oder emotional mit dem ehema­ligen Staat SFRJ verbunden war, desto größer waren seine Chancen auf Karriere und poli­ti­schen Erfolg im unab­hän­gigen Slowe­nien. Sie arbei­teten uner­müd­lich im Kleinen, zwischen Triglav und Kolpa, um einen kommu­nis­ti­schen Pashaluq [Vasal­len­staat] zu errichten, den sie zwischen Triglav und Vardar verloren hatten. Und bis zu einem gewissen Grad gelang ihnen das auch. Heute ist unter allen Ländern, die auf dem Gebiet der ehema­ligen SFRJ entstanden sind, die kommu­nis­ti­sche und jugo­sla­wi­sche Ikono­gra­phie bei vielen Veran­stal­tungen nur in Slowe­nien vorherr­schend, und nur in Slowe­nien erhalten ehema­lige jugo­sla­wi­sche kommu­nis­ti­sche Funk­tio­näre immer noch spezi­elle Pensionszuschläge.

Die Kampagne zur Diskre­di­tie­rung der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit dauert bis heute an: vom Vorwurf des Waffen­han­dels bis hin zu den so genannten „Ausge­löschten“ und den Äuße­rungen des Präsi­denten des Verbandes der Kriegs­ve­te­ranen für Slowe­nien, dass gerade die Unab­hän­gig­keit die zuvor geeinte slowe­ni­sche Nation gespalten habe. Die Akteure der Diskre­di­tie­rung wurden mit jedem Jahr aggres­siver, da die Erin­ne­rung an die Genera­tion, die die Unab­hän­gig­keit direkt erlebt hat, verblasste. Jeder, der auf die Mani­pu­la­tionen hinwies, wurde von den Medien diskre­di­tiert und lächer­lich gemacht. Das Netz­werk der ehema­ligen SDV mit mehr als 10.000 Mitar­bei­tern, die mit dem Justiz- und Poli­zei­ap­parat, halb­staat­li­chen Insti­tu­tionen wie der Korrup­ti­ons­kom­mis­sion oder dem Infor­ma­ti­ons­be­auf­tragten und privaten Detek­tiv­büros verflochten sind, ist weiterhin aggressiv aktiv. Das Medi­en­mo­nopol der „Über­gangs­linken“, das die Bedeu­tung der Unab­hän­gig­keit von Jahr zu Jahr herab­setzte und die revo­lu­tio­nären Errun­gen­schaften des so genannten Natio­nalen Befrei­ungs­krieges (NOB) verherr­lichte, hat sich jedoch nach einer kurzen Flaute bei der Unab­hän­gig­keit seit 1992 nur noch verstärkt.

Wider­stand gegen die Geschichts­ver­fäl­schung wäre heute prak­tisch unmög­lich, gäbe es nicht die Bewah­rung von Doku­menten und Aufzeich­nungen von vor gut zwei Jahr­zehnten, einige akku­rate Histo­riker und die Bemü­hungen von Teil­neh­mern, die ihre Memoiren geschrieben haben. Mehr oder weniger dieselben Akteure, die die Enthül­lung der dras­ti­schen Geschichts­ver­fäl­schung ab 1941 auf jede Weise verhin­dern wollten und täglich öffent­lich behaup­teten, sie würden eine Verfäl­schung nicht zulassen (lies: sie werden die Wahr­heit nicht zulassen), haben ande­rer­seits ihre Methoden der Verfäl­schung aus dem tota­li­tären Regime in die Zeit nach der Unab­hän­gig­keit über­tragen. Bei der Vertei­di­gung der verzerrten Geschichte von 1941–1990 wurde die gleiche Arbeit für die Zeit nach 1990 verwendet. Die tägliche Gehirn­wä­sche erfolgt durch die Massen­me­dien, und die Grund­lage dafür ist in Kommen­taren, Sympo­sien, Schul­bü­chern und Programmen sowie in Doku­men­tar­filmen oder quasi-doku­men­ta­ri­schen Sendungen enthalten.

All das wird natür­lich mit Steu­er­gel­dern bezahlt.


In einigen slowe­ni­schen Zeitungen haben sich verschie­dene Autoren offen gegen die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit ausge­spro­chen. Viele Artikel darüber finden Sie im Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit – Wider­stände, Hinder­nisse, Verrat. Eine beson­dere Auswahl dieser Artikel kann auch im Museum der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit in Ljub­l­jana besich­tigt werden (siehe Bilder oben). Die Bemü­hungen um die Unab­hän­gig­keit wurden von allen slowe­ni­schen Medien, die von der Linken kontrol­liert wurden, lächer­lich gemacht, beson­ders von Mladina und Dnevnik. Der „Witz“ mit dem schwarzen Punkt stammt aus Mladina vom 26. Januar 1990, heraus­ge­geben von Miran Lesjak. Unter dem schwarzen Punkt wurde zynisch in kleinen Buch­staben geschrieben: „Übung 1: Schauen Sie so lange gera­deaus in den schwarzen Punkt, bis Sie ein unab­hän­giges Slowe­nien sehen werden. Wieder­holen Sie die Übung jeden Tag.“ Ähnliche Aktionen führte der LDS-Abge­ord­nete Franco Juri mit seinen Kari­ka­turen in Delo und später in Dnevnik durch.

Die Grund­lagen des unab­hän­gigen Slowe­niens sind die Werte des slowe­ni­schen Früh­lings – die Grün­dung der SFRJ war ein Verbrechen

Die slowe­ni­sche Verfas­sung enthält den Text des Eides, den alle Spit­zen­be­amten des Staates nach ihrer Wahl ablegen. Mit dem Eid verpflichten sie sich, „die Verfas­sung zu achten, nach ihrem Gewissen zu handeln und sich mit aller Kraft für das Wohl Slowe­niens einzu­setzen“. Der Test, mit dem wir fest­stellen können, ob eine Hand­lung, ein Verhalten oder ein Programm einer Einzel­person, einer Gruppe, einer poli­ti­schen Partei oder einer poli­ti­schen Option wirk­lich im Einklang mit dem Verfas­sungseid steht, ist ganz einfach.

Wenn eine Einzel­person, eine Gruppe, eine Partei oder eine poli­ti­sche Option die Werte, Ereig­nisse und Errun­gen­schaften der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit, die uns auf die Welt­karte gebracht haben und um die herum die Slowenen in ihrer Geschichte bei weitem am meisten vereint und geeint sind, in den Vorder­grund stellt und hervor­hebt, dann arbeitet sie im Einklang mit dem Text und dem Geist des Verfassungseids.

Wenn aber eine Einzel­person, eine Gruppe, eine Partei oder eine poli­ti­sche Option die Ereig­nisse und Zeiten in den Vorder­grund rückt, die uns als Nation gespalten und zerstört haben, dann handelt sie gegen den Text und den Geist des Verfas­sungs­eids. Und keine Zeit war für die slowe­ni­sche Nation zerstö­re­ri­scher als die bruder­mör­de­ri­sche kommu­nis­ti­sche Revo­lu­tion, mit der eine verbre­che­ri­sche Clique die schwie­rige Zeit der Okku­pa­tion und die echten patrio­ti­schen Gefühle der Slowenen ausnutzte, um mit Gewalt die Macht zu ergreifen. Heute kann man einen Menschen leicht durch dieses Lack­mus­pa­pier kennen lernen. Niemand, der die Zeit des Bruder­krieges 1991 verherr­lichte, war aufrichtig für die Unab­hän­gig­keit. Denn der slowe­ni­sche Staat, der damals trotz der Spal­tung der Politik mit großer Zustim­mung des Volkes geschaffen wurde, war eine grund­sätz­liche Abkehr von den blutigen Grund­lagen der zerfal­lenden SFRJ.

Wie wir seit langem wissen und wie aus den vorge­legten Doku­menten näher ersicht­lich ist, waren nicht alle für die Unab­hän­gig­keit. Nach den Ergeb­nissen des Plebis­zits waren etwa 200.000 Menschen und der größte Teil der post­kom­mu­nis­ti­schen Nomen­kla­tura in Slowe­nien, der größte Teil der übrigen ehema­ligen SFRJ und der größte Teil der Welt­po­litik formell gegen die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit. Unter den 200.000 einhei­mi­schen Unab­hän­gig­keits­geg­nern befanden sich etwa 50.000 Extre­misten. Einige von ihnen nahmen mit Waffen in der Hand an der Aggres­sion gegen Slowe­nien teil, andere verwei­gerten ange­wi­dert die slowe­ni­sche Staats­bür­ger­schaft und wanderten nach der Nieder­lage der JVA aus dem Land aus. Einige blieben und fanden Zuflucht in slowe­ni­schen Links­par­teien. Viele, die die slowe­ni­sche Staats­bür­ger­schaft verwei­gerten und Slowe­nien zusammen mit der besiegten Armee oder sogar schon früher verließen, begannen nach ein paar Jahren zurück­zu­kehren, als Slowe­nien Fort­schritte machte, als andere Teile des ehema­ligen Jugo­sla­wiens hinter­her­hinkten und als die Durch­schnitts­rente in unserem Land zehnmal höher war als die Durch­schnitts­rente in Serbien und Bosnien-Herze­go­wina. Zuerst leise, dann immer lauter, begann sich eine Gruppe der soge­nannten „Ausge­löschten“ zu bilden. Den wenigen hundert begrün­deten Fällen, in denen Einzelne ihren Auslän­der­status oder sogar die Staats­bür­ger­schaft regeln wollten, was ihnen aber aus objek­tiven Gründen nicht gelang, folgten Tausende von Speku­lanten, die Slowe­nien zur Zeit seiner Geburt verrieten und heute mit Hilfe der anti­slo­we­ni­schen Links­po­litik Scha­den­er­satz vom slowe­ni­schen Steu­er­zahler fordern.

Trotz der Hinder­nisse, Wider­stände und des Verrats gelang die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens von Belgrad. Aber es gab noch eine andere Möglichkeit …

Quelle: Verein für die Werte der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit: „Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit – Wider­stände, Hinder­nisse, Verrat“. Nova obzorja, d. o. o., Ljub­l­jana 2013


Am 27. April 2013 nahm die gesamte slowe­ni­sche Staats­füh­rung an der Feier in Ljub­l­jana mit kommu­nis­ti­scher Szen­o­grafie teil, die ganz an die Zeiten erin­nerte, als die tota­li­täre Sozia­lis­ti­sche Föde­ra­tive Repu­blik Jugo­sla­wien noch existierte.


Das „Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit – Wider­sprüche, Hinder­nisse, Verrat“ enthüllt, wie ein großer Teil der slowe­ni­schen post­kom­mu­nis­ti­schen Nomen­kla­tura die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit ablehnte.


Die im Sammel­band „Krieg für Slowe­nien“ veröf­fent­lichten Doku­mente, die zeit­lich aufein­ander folgen, veran­schau­li­chen, wie die Aggres­sion der JPA gegen Slowe­nien statt­fand, wie wir uns vertei­digten und retteten und die Jugo­sla­wi­sche Bundes­armee mili­tä­risch besiegten.


Janez Janša war der stell­ver­tre­tende Vorsit­zende der Slowe­ni­schen Demo­kra­ti­schen Union, Mitglied der ersten demo­kra­tisch gewählten Versamm­lung der Repu­blik Slowe­nien im Jahr 1990 und Vertei­di­gungs­mi­nister zur Zeit der Unab­hän­gig­keit Slowe­niens 1990–1992. Heute ist er der Vorsit­zende der Slowe­ni­schen Demo­kra­ti­schen Partei und zum dritten Mal Minis­ter­prä­si­dent der Repu­blik Slowenien.

(1) Gefan­gene Ange­hö­rige der JVA, nach Provinzen
Insge­samt gefan­gene Ange­hö­rige der JVA: 2.663
Davon Offi­ziere und Unter­of­fi­ziere: 253
Offi­ziere und Unter­of­fi­ziere / Zivi­listen / Soldaten

(2) Über­ge­lau­fene Ange­hö­rige der JVA, nach Provinzen
Über­ge­lau­fene Ange­hö­rige JVA gesamt: 3.090
Davon Offi­ziere und Unter­of­fi­ziere: 281
Offi­ziere und Unter­of­fi­ziere / Zivi­listen / Soldaten

(3) Tote und verwun­dete Ange­hö­rige der Terri­to­rialen Verteidungsarmee
und der JVA, nach Provinzen
JVA Tote / Verwundete
Terri­to­riale Vertei­dungs­armee Tote / Verwundete

Anzahl aller Ange­hö­rigen der Terri­to­rialen Vertei­dungs­armee, nach Tagen

Bei Gefechts­hand­lungen konfis­ziertes Kriegsmaterial
Infanteriewaffen
Anti-Panzer-Waffen
Waffen der Luftabwehr
Gepan­zerte Fahrzeuge
Kraftfahrzeuge
Artillerie-Waffen
Kommunikationsgerät
Elek­tro­ni­sches Gerät

Die Info­grafik zeigt die Menge an Waffen und mili­tä­ri­scher Ausrüs­tung, die bei Kampf­ein­sätzen der Terri­to­rialen Vertei­dungs­armee konfis­ziert wurde. Zusätz­lich zu den in der Grafik aufge­führten Mitteln konfis­zierte die Terri­to­riale Vertei­dungs­armee der Repu­blik Slowi­e­nien zwischen dem 26. Juni und dem 17. Juli 1991 ca. 7 Millionen Stück Muni­tion für Infan­te­rie­waffen, 20.000 Stück Muni­tion für verschie­dene Panzer- und Flug­ab­wehr­waffen, ca. 400.000 Tonnen Minen und geringe Mengen an Quartiermeister‑, Sani­täts- und ABKO-Ausrüs­tung. In diesen Mengen sind die während der Feind­se­lig­keiten von der Polizei konfis­zierten Waffen und Ausrüs­tungen nicht enthalten.


Janez Janša als Minis­ter­prä­si­dent der Repu­blik Slowe­nien bei seiner Ankunft auf der Haupt­feier anläss­lich des Tages der slowe­ni­schen Armee am 15. Mai 2021.


Dreißig Jahre nach der Unab­hän­gig­keit Slowe­niens sind die slowe­ni­schen Streit­kräfte wieder auf der Höhe der Zeit und bereit, sich den Heraus­for­de­rungen unserer Zeit zu stellen.


Analyse des Krieges für Slowenien

Europa und insbe­son­dere die Euro­päi­sche Union ist heute weit­ge­hend ein Ort des Frie­dens und zumin­dest des rela­tiven Fort­schritts, aber einige Nationen, die im Kern der EU ohne eigenen Staat leben, streben dennoch danach, eine Nation und eine unab­hän­gige Einheit in der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft zu werden.

Die Kata­lanen möchten in einem Refe­rendum entscheiden, ob sie sich vom demo­kra­ti­schen Spanien abspalten wollen, und die Schotten, ob sie Teil des Verei­nigten König­reichs bleiben wollen oder nicht. Noch weiter verbreitet auf dem Planeten Erde sind heute viele Nationen, die viel größer als Slowe­nien sind, aber keinen eigenen Staat haben, obwohl das mit wenigen Ausnahmen in der Regel alle wollen. Die Slowenen haben vor kurzem das Recht auf ein eigenes Land gewonnen.

Das Werte­zen­trum der Nation

In der Geschichte jeder Nation gibt es einen bestimmten Zeit­punkt, der es der Nation ermög­lichte, souverän, d.h. ihr eigener Herr zu werden. Eine solche Zeit, die in der Regel mit Ereig­nissen verbunden ist, die die Unab­hän­gig­keit, die Plat­zie­rung auf der Welt­karte und die inter­na­tio­nale Aner­ken­nung ermög­lichten, wird von den Nationen als etwas „Heiliges“ verehrt, so dass ihr natio­nale Feier­tage gewidmet werden, Städte, Plätze, Straßen oder Deko­ra­tionen nach ihr benannt werden und es Veran­stal­tungen gibt, um sie zu feiern. Eine solche Zeit ruft bei der Mehr­heit der Bürger oder Mitglieder der Nation eine posi­tive Einstel­lung hervor. Eine solche Zeit reprä­sen­tiert das Werte­zen­trum der Nation. Für uns Slowenen ist dies die Zeit der Unab­hän­gig­keit. Inner­halb dieser Zeit, die sich in der Geschichte von 1987 bis 1992 erstreckt, stechen die Tage des Krieges für Slowe­nien hervor. Das waren die Wochen, Tage und Stunden im Juni und Juli 1991, als alles auf dem Spiel stand. Eine unab­hän­gige und euro­päi­sche Zukunft für die Slowenen, ein demo­kra­ti­sches System, unsere Reli­gion und Verfas­sung, Wohl­stand und unser Leben. Das waren die Tage, als das im Mai 1990 entwaff­nete Volk wieder für seine Rechte eintrat, Slowe­nien für unab­hängig erklärte und sich gegen die Aggres­sion der jugo­sla­wi­schen Volks­armee wehrte.

In jenen Tagen haben ein paar Prozent der Slowenen, die mit der massiven Unter­stüt­zung der Nation alle verfüg­baren Waffen zur Hand nahmen und sich zusammen mit der Zivil­ver­tei­di­gung der tech­nisch fünftstärksten Armee in Europa entge­gen­stellten, mit ihrem Mut das Unmög­liche erreicht und den letzten Akt des Über­gangs der slowe­ni­schen Nation zur Unab­hän­gig­keit geschrieben. Der Mut der Slowenen wurde damals von der ganzen Welt bewun­dert. Die Vertreter der mäch­tigsten Länder der Welt, die noch wenige Tage vor dem Krieg behaup­teten, dass sie uns niemals aner­kennen würden, änderten aufgrund unseres Mutes ihre Position.

In ein paar Tagen änderte die Welt­presse ihre Haltung gegen­über Slowe­nien und wech­selte auf unsere Seite. Die aufla­gen­starke ameri­ka­ni­sche Zeit­schrift People veröf­fent­lichte einen Artikel über den Krieg für Slowe­nien mit dem Titel „The Mouse That Roared“. Die Slowenen in aller Welt gingen geschlossen auf die Straßen der Metro­polen, über­schwemmten die Regie­rungen mit Briefen und Appellen und unter­stützten den Kampf ihres Heimat­landes gegen den Goliath. Trotz der Oppo­si­tion gegen die Unab­hän­gig­keit in Teilen der linken Politik war die Nation geeint. Einig wie nie zuvor, und sehr mutig. Dies waren „die schönsten Stunden“, die heiligen Stunden, ein Höhe­punkt der slowe­ni­schen Nation. Wir haben uns erhoben und haben überlebt.

Auch die Zahlen sagen viel aus

Diese unbe­streit­bare histo­ri­sche Tatsache kann nicht verän­dert oder verzerrt werden. Sie kann auch nicht vergessen oder über­schattet werden, obwohl dies seit 1991 ständig versucht wird. „Hatten wir in Slowe­nien über­haupt einen Krieg?“, fragten manche spöt­tisch, aber natür­lich erst, nachdem der letzte Aggressor-Soldat Slowe­nien im Oktober 1991 verlassen hatte. Während die Stimmen der Gegner der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit, die behaupten, dass es in Slowe­nien gar keinen rich­tigen Krieg gab, in den Jahren seit der JVA-Aggres­sion gegen Slowe­nien immer lauter und medi­en­wirk­samer wurden, haben die Histo­riker in Serbien para­do­xer­weise keinen Zweifel daran. Das Buch von zwei serbi­schen Histo­ri­kern (Kosta Nikolič, Vladimir Petrovič: Krieg in Slowe­nien / Juni-Juli 1991, Doku­mente der Präsi­dent­schaft der SFRJ, Institut für Zeit­ge­schichte, Belgrad 2012) hat einen eindeu­tigen Titel: Krieg in Slowenien.

Die JVA-Gene­räle und die Poli­tiker der SFRJ, die Panzer und Truppen gegen uns schickten, behaupten, Jugo­sla­wien und seine inter­na­tional aner­kannten Grenzen vertei­digt zu haben, aber sie leugnen den Krieg nicht. Sie leugnen nicht einmal, dass sie in Slowe­nien besiegt wurden.

In ihren Memoiren beschreiben JVA-Offi­ziere aus dem 5. Mili­tär­be­zirk, die die Aggres­sion gegen Slowe­nien operativ leiteten, detail­liert, wie sie jene Juni- und Juli­tage 1991 erlebten und wie „die Bitter­keit der Nieder­lage in Slowe­nien schwer auf sie fiel“. Aufgrund der Nieder­lage der ersten Aggres­si­ons­welle wurde der Komman­deur des 5. Mili­tär­be­zirks, General Konrad Kolšek, durch den dama­ligen Komman­deur des 3. Mili­tär­be­zirks, General Žiko Avra­movič, abge­löst. Zwei Tage nach seiner Ankunft wieder­holte Avra­movič jedoch das Schicksal von Kolšek und erlitt eine noch schwe­rere Niederlage.

Auch die Zahlen haben ein Wört­chen mitzu­reden. Am 26. Juni 1991 star­tete die JVA eine Aggres­sion gegen Slowe­nien mit Einheiten von insge­samt 22.000 Soldaten, Offi­zieren und Unter­of­fi­zieren. Analysen, die in dem Buch Krieg für Slowe­nien veröf­fent­licht wurden, zeigen, dass die JVA im Krieg für Slowe­nien 48 Tote und 116 Verwun­dete hatte, die Einheiten der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee nahmen 2.663 JVA-Ange­hö­rige in den Kämpfen gefangen, während 3.090 frei­willig zur slowe­ni­schen Seite überliefen.


Einhei­mi­sche in der Nähe von Komenda in der Region Goren­jska beob­achten die Soldaten der JVA, die am 27. Juni 1991, zu Beginn des Krieges für Slowe­nien, bei ihren gepan­zerten Fahr­zeugen stehen.

Von ihren 22.000 Ange­hö­rigen verlor die JVA in etwas mehr als 7 Tagen Kampf­zeit mindes­tens 5.917, also mehr als ein Viertel, darunter einen über­pro­por­tional hohen Anteil – mindes­tens 534 – an aktiven Offi­zieren und Unteroffizieren.

Ein erster Vergleich: Die Terri­to­riale Vertei­di­gung der Repu­blik Slowi­e­nien hatte (unter Berück­sich­ti­gung der Verluste durch Unfälle) 9 Tote und 44 Verwun­dete, die slowe­ni­sche Polizei 4 Tote. Die JVA nahm nur einen Offi­zier der Terri­to­rialen Vertei­di­gung gefangen. Keiner deser­tierte vom der Terri­to­rialen Vertei­di­gung zur JVA.

Eine weiterer Vergleich (weil die abfäl­ligen und vernich­tenden Worte über den Nicht-Krieg 1991 haupt­säch­lich von ZZB-Ange­hö­rigen stammen): Zwischen dem 6. April 1941 und dem 9. Mai 1945 haben slowe­ni­sche Parti­sa­nen­ein­heiten mit eigenen schweren Verlusten wesent­lich weniger Ange­hö­rige der italie­ni­schen und deut­schen Besat­zungs­truppen neutra­li­siert, als es die Terri­to­riale Vertei­di­gungs­armee und die Polizei in den zehn Tagen des Krieges für Slowe­nien geschafft haben, obwohl die beiden genannten Besatzer während des Zweiten Welt­krieges haupt­säch­lich zweit­klas­sige mili­tä­ri­sche Forma­tionen mit entspre­chender Bewaff­nung nach Slowe­nien geschickt haben.

Da die von den Gene­rälen Kolšek und Avra­movič nach Slowe­nien geschickten Verstär­kungen beim Einmarsch größ­ten­teils gestoppt wurden, waren die verblie­benen JVA-Einheiten in Slowe­nien in der Zeit vor dem Brioni-Abkommen stra­te­gisch in jeder Hinsicht in einer völlig unter­ge­ord­neten Posi­tion. Am 26. Juni begann die JVA den Krieg nicht nur tech­nisch, sondern auch zahlen­mäßig über­pro­por­tional stark. Slowe­nien war nicht einmal in der Lage, so viele Ange­hö­rige der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee zu den Waffen zu rufen, wie die JVA direkt auf slowe­ni­schem Terri­to­rium hatte. Der Grund war natür­lich der Mangel an Bewaff­nung. Weniger als 10 Tage später änderte sich die Situa­tion komplett zu Gunsten Slowe­niens. Nicht nur, dass Slowe­nien aufgrund der beschlag­nahmten Waffen und Ausrüs­tungen bereits am 5. Juli 35.300 seiner Soldaten (ohne Ange­hö­rige der Polizei) bewaffnen konnte, sondern mit Hilfe der erwor­benen schweren Waffen, vor allem Panzer- und Flug­ab­wehr­waffen, konnte Slowe­nien damit rechnen, jeder Streit­macht, die die JNA gegen den jungen slowe­ni­schen Staat schi­cken könnte, erfolg­reich entgegenzutreten.

Diese Tatsache hatte einen entschei­denden Einfluss auf die Ände­rung der Stra­tegie von Miloševic. Sein ursprüng­li­cher Plan A – mit Hilfe der JVA und der Verwal­tung der SFRJ ein zentra­li­siertes Jugo­sla­wien in seinen ehema­ligen Grenzen und unter direkter serbi­scher Herr­schaft zu bilden – schei­terte mit der Nieder­lage der JVA in Slowe­nien. Um den 10. Juli 1991 herum beschloss die serbi­sche Führung schließ­lich, zu Plan B über­zu­gehen, zur Bildung eines Großserbiens.


Schnapp­schüsse aus dem Opera­ti­ons­saal der Koor­di­na­ti­ons­gruppe, die Anfang Juli 1991 die Vertei­di­gung der Repu­blik Slowe­nien leitete.

Doku­mente des Krieges für Slowenien

Die im Alma­nach Krieg für Slowe­nien veröf­fent­lichten Doku­mente folgen im Allge­meinen der chro­no­lo­gi­schen Reihen­folge ihrer Entstehung.

Die Darstel­lung beginnt mit dem Befehl zur Bildung einer stän­digen Arbeits­gruppe des Koor­di­na­ti­ons­or­gans, der am 7. Mai 1991 erlassen wurde. Durch die recht­zei­tige Bildung einer Koor­di­na­ti­ons­gruppe (im Folgenden auch slowe­ni­sches Vertei­di­gungs­haupt­quar­tier, Koor­di­na­tion oder Haupt­quar­tier) am 18. März 1991 und die Einfüh­rung des stän­digen Einsatzes Anfang Mai waren wir ausrei­chend vorbe­reitet, um mit dem Vorfall in Pekre das erste ernst­hafte Macht­messen mit der JVA sieg­reich zu bewältigen.

Die Darstel­lung endet mit einer Analyse der Kampf­hand­lungen der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee der Repu­blik Slowe­nien vom 26. Juni bis 17. Juli 1991, die am 18. Juli 1991 auf einer Konfe­renz des slowe­ni­schen Vertei­di­gungs­stabes bzw. der Koor­di­na­ti­ons­gruppe disku­tiert wurde.

Ein beson­derer Anhang am Ende des Buches ist eine Darstel­lung des einlei­tenden Teils des JVA-Plans Okop (Bedem), den der Aggressor zum Teil als Grund­lage für den Angriff auf Slowe­nien benutzte und der am deut­lichsten die Menta­lität der mili­tä­ri­schen Führung der JVA und der poli­ti­schen Führung der SFRJ veran­schau­licht. Sie waren davon über­zeugt, dass ihre Macht prak­tisch unbe­grenzt war und dass sie in der Lage waren, sogar die NATO zu besiegen, geschweige denn das arme Slowe­nien. Leider waren auch viele einfluss­reiche einhei­mi­sche Gegner der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit von der Macht der JVA, ihrer kommu­nis­tisch-parti­sa­ni­schen Ideo­logie und ihren Waffen über­zeugt. Deshalb setzten sie während der ganzen Zeit und beson­ders seit der Entwaff­nung der Terri­to­rialen Vertei­di­gung der Repu­blik Slowe­nien im Mai 1990 und der Volks­ab­stim­mung im Dezember desselben Jahres auf die Karte der „Operetten-Unab­hän­gig­keit“, die mit der Erklä­rung eines unab­hän­gigen Slowe­niens rech­nete (der Tag, an dem Träume erlaubt sind), die wegen der Macht der JVA nicht reali­siert werden konnte, und deshalb würden sie anderen Nationen sofort die Verei­ni­gung zu einem neuen Jugo­sla­wien anbieten. Dies war die offi­zi­elle, öffent­lich vorge­tra­gene Doktrin der Sozi­al­de­mo­kraten (damals noch ZKS-SDP). Doku­mente und Zeugen­aus­sagen dazu sind im „Weiß­buch der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit“ (Nova obzorja, Juni 2013) veröffentlicht.

Das erste Kapitel „Letzte Vorbe­rei­tungen für die Vertei­di­gung Slowe­niens“ enthält viele bisher größ­ten­teils unver­öf­fent­lichte oder wenig bekannte Doku­mente über die Arbeit der Koor­di­na­ti­ons­gruppe, des Vertei­di­gungs­mi­nis­te­riums, der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­aemee und der Polizei im Mai und Juni 1991. Dies war eine Zeit, in der einer­seits das Bewusst­sein für den großen D‑Tag wuchs, der mehr als jeder andere Tag in unserer Geschichte über die Zukunft der slowe­ni­schen Nation entscheiden würde; ande­rer­seits konzen­trierte sich diese Zeit auf die verzwei­felten Vorbe­rei­tungen zur Vertei­di­gung gegen die schein­bare Bedro­hung dieser Zukunft. Aus dieser Zeit ragen heraus: die Ereig­nisse in Pekre, die Entfüh­rung des Komman­danten der 7. PŠTO und das erste Opfer der Aggres­sion gegen Slowe­nien, ergän­zende Pläne für die erfolg­reiche Behin­de­rung und Blockade der JVA-Einheiten und Bemü­hungen, die Terri­to­riale Vertei­di­gungs­armee zumin­dest notdürftig mit Infan­te­rie­waffen auszustatten.

Das zweite Kapitel „Die Feuer­taufe gleich bei der Geburt“ umfasst den Zeit­raum vom 25. Juni bis zum 10. Juli 1991, die Zeit, in der der Krieg um Slowe­nien gewonnen wurde. Der Zeit­raum beginnt mit der Prokla­ma­tion des unab­hän­gigen Slowe­niens in der Natio­nal­ver­samm­lung und der effek­tiven Über­nahme der Grenz­über­gänge, des Zolls, der Flug­si­che­rung, der Devi­sen­in­spek­tion und anderer bis dahin föde­raler Zustän­dig­keiten sowie der Errich­tung von Grenz­kon­troll­stellen an der neuen Staats­grenze zu Kroa­tien. Aufgrund der Heraus­gabe des korrekten Tder­mins für die Über­nahme der effek­tiven Macht durch Ciril Zlobec, einem Mitglied der Präsi­dent­schaft der Repu­blik Slowe­nien, beginnt die Periode mit einer teil­weise verfrühten Inter­ven­tion von Einheiten des JVA-Korps aus Rijeka in Primorska und Goriška und mit dem stra­te­gi­schen Dilemma, ob man die Waffen zur Vertei­di­gung vor oder erst nach der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung einsetzen sollte. Das Kapitel endet mit Doku­menten, die am 10. Juli 1991 entstanden sind. Das war der Tag, an dem der slowe­ni­sche Vertei­di­gungs­stab die stärksten Versuche der JVA, die stark zwei­deu­tigen Schluss­fol­ge­rungen der Brioni-Verhand­lungen zu recht­fer­tigen und zu ihren Gunsten zu wenden, erfolg­reich neutra­li­sierte und damit alles zurück­ge­wann, was er im Kampf verloren hatte.

Eines der zentralen Doku­mente dieses Kapi­tels ist der Stabs­be­fehl vom 28. Juni 1991: der Befehl zur „Offen­sive“. Schon wenige Sätze dieses Doku­ments zeugen von mehreren Dingen. Erstens spie­gelt das Doku­ment die genaue und recht­zei­tige Erken­nung der Grenz­si­tua­tion wider. Dies ist in den meisten großen Schlachten oder Kriegen der Zeit­punkt, an dem es auf das genaue und recht­zei­tige Erkennen des Augen­blicks und folg­lich auf die genauen Entschei­dungen der Befehls­haber ankommt, wohin die Waage gekippt wird. Der 28. Juni 1991 war der Tag, an dem die JVA nach den erfolg­rei­chen Blockaden vieler Panzer­ko­lonnen und dem ersten Vorge­schmack auf die Nieder­lage, die Luft­fahrt massiv zum Angriff auf zivile Objekte einsetzte. Der Zweck war offen­sicht­lich: die Über­le­gen­heit in der Luft zu demons­trieren und Angst unter den Vertei­di­gern und der Bevöl­ke­rung zu säen. Wir wussten, dass auf diese Entschei­dung gepan­zerte Verstär­kungen aus den Korps Varaždin und Zagreb folgen würden und dass das am 27. Juni aufge­stellte Notgleich­ge­wicht am seidenen Faden hing.

Wir brauchten schwere Waffen und erfolg­reiche Aktionen, um die Moral zu heben. Am besten beides gleich­zeitig, also war es höchste Zeit, die JVA-Depots anzu­greifen und die vorbe­rei­teten Pläne mit dem Code­namen „Akqui­si­tion“ umzu­setzen. Am selben Tag beschlag­nahmte der Aufklä­rungszug der Spezi­al­bri­gade Krkovič in einer Blitz­ak­tion ohne Verluste ein großes Depot mit Waffen, Minen und mili­tä­ri­scher Ausrüs­tung bei Borov­nica. Allen Betei­ligten gebührt für diese Opera­tion die höchste Auszeich­nung der Unab­hän­gig­keit, die Frei­heits­me­daille. Viel­leicht wird ein unab­hän­giges Slowe­nien eines Tages einen Präsi­denten der Repu­blik haben, der wie sie ein Herz für die Unab­hän­gig­keit hatte und ihnen diesen Orden verleihen wird.


Der Krieg hinter­ließ nicht nur Verwüs­tung, sondern auch Freude über die erfolg­reiche Vertei­di­gung des jungen Landes und der Heimat Slowenien.

In dem Krieg gab es viele sehr wich­tige Ereig­nisse für Slowe­nien, die das Tuch des Sieges entschei­dend mitge­webt haben. Die erste Analyse der RŠTO, die im dritten Kapitel veröf­fent­licht wurde, hebt zu Recht das Anhalten der Panzer­ko­lonnen auf dem Medve­djek und der Brücke bei Ormož zu Beginn der Kämpfe hervor. Der Mörser­an­griff auf die Lande­bahn des Mili­tär­flug­ha­fens in Cerklje, der das JVL-Luft­ge­schwader nach Bihač vertrieb, kann in die gleiche Kate­gorie einge­ordnet werden. Außerdem die Erobe­rung der Grenz­über­gänge in Rožna dolina, Šentilj und Holmec, die Blockade der JVA-Panzer­ko­lonnen an vielen Orten im ganzen Land, der Abschuss feind­li­cher Hubschrauber, die Erobe­rung der verblie­benen JVA-Depots und so weiter.

Dennoch kann man nach einer genaueren Unter­su­chung aller Kampf­hand­lungen der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und der slowe­ni­schen Polizei und ihrer Einord­nung in die Zeit und das Gesamt­bild leicht die wich­tigste Kampf­hand­lung der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­amee zum Gewinn des Krieges für Slowe­nien heraus­heben. Das war zwei­fellos die Beset­zung des JVA-Depots bei Borov­nica. Bei dieser Opera­tion beschlag­nahmte eine Hand­voll Ange­hö­riger der Spezi­al­bri­gade eine größere Menge an Waffen, Minen und mili­tä­ri­scher Ausrüs­tung, als alle slowe­ni­schen Parti­sa­nen­ein­heiten in allen Kampf­hand­lungen während des Zweiten Welt­kriegs zusammen hatten (Beschlag­nah­mungen während der Kapi­tu­la­tion Italiens und Deutsch­lands nach der Nieder­lage auf den Welt­kriegs­schau­plätzen sind dabei nicht berück­sich­tigt). Der Erfolg war auch deshalb voll­kommen, weil das Depot in Sicht­weite der großen Konzen­tra­tion von JVA-Einheiten in der Vrhnika-Kaserne besetzt wurde, von wo aus das Depot mit Kanonen- und Rake­ten­waffen zerstört werden konnte, wenn sie recht­zeitig von der Opera­tion erfahren hätten. Aber die Einheit, die das Lager über­nahm, über­zeugte den Funker, der alle 30 Minuten über die Situa­tion im Lager nach Vrhnika berichten musste, dem Kommando weiterhin zu berichten, dass alles im Depot in Ordnung war.

Um die berühmte Aussage von Winston Chur­chill nach der Luft­schlacht um England zu para­phra­sieren, kann man sagen, dass noch nie in der Geschichte der slowe­ni­schen Nation so viele Menschen einer Hand­voll ihrer Lands­leute so viel Dank­bar­keit schuldeten.

Das dritte Kapitel, „Einschät­zungen und Erkennt­nisse“, präsen­tiert Doku­mente vom 10. bis 17. Juli 1991. Der zentrale Teil dieses Kapi­tels ist die Analyse des Kampf­ein­satzes des {Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee} RS, die eigent­lich laufend oder unmit­telbar nach den Kampf­hand­lungen erfolgte. Diese große zeit­liche Nähe hat ihre Vor- und Nach­teile. Die Kehr­seite ist der Zeit­mangel, der es den Haupt­quar­tie­render Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee auf Repu­blik- und regio­naler Ebene nicht erlaubte, die Beur­tei­lungen ernst­haft zu prüfen und zusätz­liche Kontrollen mit allen unter­ge­ord­neten Kommandos durch­zu­führen. Die posi­tive Seite ist jedoch, dass die schrift­li­chen Einschät­zungen, die tatsäch­lich „vor Ort“ gemacht wurden, ohne nach­träg­liche Ratio­na­li­sie­rungen und Beschö­ni­gungen sind. Alles, was eine Viel­zahl unter­schied­li­cher takti­scher Entschei­dungen auf verschie­denen Ebenen im Rahmen einer einheit­li­chen Vertei­di­gungs­stra­tegie ausmachte, deren Ergebnis – mit allen Vor- und Nach­teilen – ein mili­tä­ri­scher Sieg im Krieg für Slowe­nien war, wurde aufge­zeichnet und bewertet.

Wert­volle Erfah­rungen der entschei­denden Tage

Die in dieser Samm­lung veröf­fent­lichten Doku­mente sind ein Spie­gel­bild der Zeit, in der sie entstanden sind, und der Menschen, die sie erstellt haben. Einige Berichte und Befehle sind profes­sio­nell geschrieben und sagen alles, was nötig war, ohne unnö­tige Worte. Andere sind minder­wertig und lassen einige der notwen­digen Elemente vermissen. Einige sind sogar hand­ge­schrieben, abhängig von den spezi­fi­schen Umständen des Krieges. Die vorlie­genden Doku­mente ermög­li­chen zusammen mit den nume­ri­schen Angaben und dem allge­meinen Wissen über den Krieg in Slowe­nien natür­lich auch eine Beur­tei­lung der Leis­tung der einzelnen Provinz­kom­mandos, der Koor­di­na­ti­ons­un­ter­gruppen und nicht zuletzt eine Beur­tei­lung des Haupt­quar­tiers, das die Vertei­di­gung Slowe­niens leitete. All dies zeigt die Ausbil­dung und Moti­va­tion einzelner Personen und ganzer Kommandos, und an manchen Stellen auch den Einfluss jenes Teils der slowe­ni­schen Politik, der nur auf eine Operet­ten­un­ab­hän­gig­keit setzte und an manchen Stellen sogar mitten im Krieg die JVA güns­tiger behan­delte als die Terri­to­riale Verteidigungsarmee.

In gerin­gerem Maße beziehen sich die Doku­mente auf die Rolle der slowe­ni­schen Polizei, die für die slowe­ni­sche Vertei­di­gung stra­te­gisch wichtig war, da sie bereits in verschie­denen anderen Publi­ka­tionen gesam­melt und veröf­fent­licht worden waren. Natür­lich war das Bild nicht überall das gleiche. Während ihre Einheiten an einigen Orten (z.B. in der Region Südpri­morska) aktiver waren als die Einheiten und Kommandos der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee, gaben sie an anderen Orten (z.B. in der Region Dolen­jska) prak­tisch keinen einzigen Schuss ab. Später erfuhren para­do­xer­weise vor allem die Mitar­beiter aus Dolen­jska eine Beför­de­rung inner­halb der Polizei und des Innenministeriums.

Bei der Lektüre der Doku­mente wird der Leser direkt oder indi­rekt auf einige Infor­ma­tionen und Punkte stoßen, die in 23 Jahren in Verges­sen­heit geraten sind oder nie allge­mein bekannt waren. Der Autor dieses Textes war 1991 direkt an der Entste­hung oder Lektüre vieler der vorlie­genden Befehle, Direk­tiven, Berichte und Analysen betei­ligt. Dennoch stieß er bei der Bear­bei­tung des Sammel­bandes und der erneuten Lektüre auf viele Details, die heute inter­es­sant sind, aber damals, mitten im Krieg und in der Konzen­tra­tion der Zeit, gar nicht wahr­ge­nommen wurden. Ebenso sind wir uns beim Lesen der Analysen und mit genü­gend zeit­li­chem Abstand heute noch mehr der Fehler bewusst, die wir gemacht haben.

Einer meiner Fehler aus der Zeit der Vorbe­rei­tungen auf die Vertei­di­gung Slowe­niens war meine Zustim­mung zur Fort­set­zung der Reor­ga­ni­sa­tion der Terri­to­ri­al­ver­tei­di­gung, die die Anzahl der Provinz­haupt­quar­tiere von 13 auf 7 redu­zierte und die Zusam­men­le­gung der kommu­nalen Haupt­quar­tiere zu regio­nalen vefügte. Unter dem Gesichts­punkt der ernsten Gefahr, die uns drohte, hätten wir die Reor­ga­ni­sa­tion stoppen müssen, denn die neue Struktur, insbe­son­dere der regio­nalen Haupt­quar­tiere, hat uns viel Kopf­zer­bre­chen bereitet. Die Reor­ga­ni­sa­tion erschwerte nicht nur die natür­li­chen Bindungen zu den lokalen Gemein­schaften, sondern brachte auch viel Büro­kratie und zu wenig ausge­feilte Führungs- und Befehls­me­thoden mit sich.

Ein ähnli­cher Fehler war, dass wir die Bedeu­tung neuer Symbole und Uniformen unter­schätzt haben. Mit anderen Worten: In einer schweren finan­zi­ellen Dürre war die Einschät­zung der Prio­ri­täten unzu­rei­chend. Obwohl wir vom Krieg bedroht waren, wies der Finanz­mi­nister Marko Kranjec mit starker Unter­stüt­zung der Oppo­si­tion und der Mehr­heit der Regie­rung der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee nur sehr karge Mittel zu, die wir fast ausschließ­lich für den Kauf von Waffen verwenden mussten. Aufgrund der Nicht­un­ter­stüt­zung und des teil­weise offenen Wider­stands der Mehr­heit der Mitglieder des Ober­kom­mandos und des Präsi­diums der Repu­blik Slowe­nien gegen die Stär­kung der Vertei­di­gung (4 Mitglieder des Präsi­diums unter­zeich­neten im Februar 1991 eine Erklä­rung, dass Slowe­nien keine Armee brauche) und aufgrund der enormen Verzö­ge­rung und des Wider­stands der Oppo­si­tion gegen die Verab­schie­dung eines Vertei­di­gungs­bud­gets erhielten wir die ohnehin mageren Mittel für die Vertei­di­gung erst im Früh­jahr, was den Kauf von zumin­dest beschei­denen Mengen an Panzer­ab­wehr­waffen und Infan­te­rie­waffen ernst­haft gefähr­dete. Mit der Ausbil­dung der regu­lären Armee konnten wir zu spät beginnen, nämlich erst im Mai 1991, und das auch nur für zwei klei­nere Einheiten.

Für Uniformen war nichts mehr übrig, und die neuen Staats­sym­bole konnten wegen der Oppo­si­tion erst am 25. Juni 1991 vom Parla­ment bestimmt werden. Trotzdem hätte man vor dem Krieg irgendwie impro­vi­sieren und zumin­dest die wich­tigsten Einheiten mit neuen Uniformen ausstatten müssen. Vor allem gibt es keine Entschul­di­gung dafür, dass bis zur Unab­hän­gig­keit nicht genü­gend Koka­rden für Mili­tär­mützen bereit­ge­stellt wurden. Deshalb ist die Kritik an den fehlenden Abzei­chen und neuen Uniformen, die in den Kampf­be­richten vieler Stäbe auftaucht, völlig berechtigt.

Berichte und Analysen zeigen, dass wir Schwie­rig­keiten bei der Mobi­li­sie­rung von Einheiten hatten. Bis dahin war der Öffent­lich­keit verborgen geblieben, dass die Präsi­dent­schaft der Repu­blik Slowe­nien nicht einmal am 27. Juni 1991, als sie die Aggres­sion fest­stellte und einen Befehl für den Waffen­ein­satz erließ, die Mobi­li­sie­rung erklärte. Die Einheiten wurden mit der Auffor­de­rung zu einer „expe­ri­men­tellen“ Mobi­li­sie­rung, für die die RŠTO zuständig war, gesam­melt, als ob es sich um eine mili­tä­ri­sche Übung handelte. Irgendwie gelang es auch auf diese Weise. Es gab mehrere Gründe für ein solches Vorgehen, aber wir werden sie wohl nie alle heraus­finden. Wenn alle so gehan­delt hätten, wie sie es hätten tun sollen, wäre am 25. Juni 1991 PRAMOS, das berühmte Gesetz der SFRJ über die Mobil­ma­chung, in Slowe­nien nicht mehr gültig gewesen.

Die Reak­tion der einbe­ru­fenen Ange­hö­rigen der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee war im Durch­schnitt hoch, aber nicht überall. Die größten Probleme und mangelnde Reso­nanz gab es in Ljub­l­jana und teil­weise in Maribor, wo wir 30 bis 50 Prozent mehr Aufrufe für einzelne Einheiten heraus­geben mussten, um wenigs­tens 90 Prozent Voll­stän­dig­keit der Einheiten zu errei­chen. Die erste Zeit nach dem Angriff in Ljub­l­jana war beson­ders kritisch, da der Rück­lauf erst 10 Stunden nach der Mobi­li­sie­rung einen zufrie­den­stel­lenden Prozent­satz erreichte. Nach dem Ende des Krieges vergaßen die zustän­digen Behörden irgendwie, gegen dieje­nigen vorzu­gehen, die sich dem Aufruf entzogen, was zu Recht eine schlechte Stim­mung unter all jenen verur­sachte, die dem Aufruf zur Vertei­di­gung des Heimat­landes sofort folgten. Insge­samt war die Reso­nanz auf dem Land und in klei­neren Städten viel besser als in den natio­nalen und regio­nalen Zentren.

Neben den erwähnten admi­nis­tra­tiven und allge­meinen Unzu­läng­lich­keiten und Fehlern auf Landes­ebene geben die veröf­fent­lichten Doku­mente auch ein relativ gutes Bild der Ereig­nisse auf Provinz- und Gemein­de­ebene. Viele Ereig­nisse in den Kampf­be­richten sind nicht ausrei­chend detail­liert beschrieben, aber es ist dennoch möglich zu verstehen, wo die Probleme und Fehler aufge­treten sind. Manchmal wird ein Ereignis, das einfach nur bekannt und wichtig war, in den Berichten über­haupt nicht erwähnt. Zum Beispiel wurden einige Grenz­über­gänge von der JVA ohne Wider­stand besetzt, obwohl sie an den Zugängen vertei­digt werden konnten. Viele Barri­kaden wurden weder vermint noch vertei­digt, so dass sie für die Panzer der JVA keine großen Hinder­nisse darstellten. Schon am ersten Tag des Krieges wurde an vielen Stellen deut­lich, wo die Komman­danten fähig waren und wo sie nicht mithalten konnten. An einigen Schlüs­sel­stellen, darunter in der größten Provinz mit den meisten Einheiten der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee, wurde Ersatz benö­tigt. Es blieb keine Zeit zum Lernen und Anpassen. Ein verlo­rener Tag konnte nicht wieder­ge­wonnen werden. Die JVA-Einheit, die zu leicht eine unver­tei­digte Barri­kade in der Schlucht über­querte, musste dann unter viel größerem Risiko im Freien aufge­halten werden. Die Panzer, die trotz des ausdrück­li­chen Befehls, sie am Anfang zu stoppen, ohne Wider­stand aus der Vrhnika-Kaserne wegfuhren und in Brnik den Tod säten, wo wir sie, in einer Kampf­stel­lung einge­setzt, ohne schwere Waffen nicht leicht neutra­li­sieren konnten.

Trotz aller Unzu­läng­lich­keiten, Unge­reimt­heiten in der Politik und Fehler setzte sich Slowe­nien stra­te­gisch gegen­über der SFRJ und der JNA durch. Die wich­tigsten Gründe für den Sieg im Krieg für Slowe­nien waren:

1. Ein klares poli­ti­sches Ziel, unter­stützt durch die Einheit der Nation und das Ergebnis des Plebiszits.

2. Wir haben den Gegner nicht unter­schätzt, er aber uns.

3. Unsere Einheiten waren homogen und moti­viert, die des Gegners meist nicht.

4. Wir haben die notwen­digen und mögli­chen Vorbe­rei­tungen für die Vertei­di­gung recht­zeitig getroffen.

5. Wir hatten gute Infor­ma­tionen über den Gegner.

6. Wir neutra­li­sierten die waffen­tech­ni­sche und zahlen­mä­ßige Über­le­gen­heit des Gegners, indem wir seine Manöver einschränkten.

7. Ein humanes Vorgehen durch Vermei­dung von Verlusten auf beiden Seiten, diskri­mi­nie­rungs­freie Behand­lung der Verwun­deten und erfolg­reiche Propa­gan­da­tä­tig­keit moti­vierten die gegne­ri­schen Einheiten zur Kapitulation.

8. Zahl­reiche Einzel­er­folge der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und der Poli­zei­ein­heiten vom ersten Kriegstag an stärkten die Terri­to­riale Vertei­di­gungs­armee und hoben die Moral von Militär und Zivilbevölkerung.

9. Eine gute Orga­ni­sa­tion des Zivil­schutzes ersetzte den Mangel an schweren Waffen durch Obstruktion.

10. Trotz des Krieges funk­tio­nierte die Versor­gung der Bevöl­ke­rung fast unun­ter­bro­chen, alle Zweige der Regie­rung, mit Ausnahme der Justiz, arbei­teten effi­zient, und der neue Staat funk­tio­nierte zufriedenstellend.

Die Einheit der Nation, der Mut ihrer Streit­kräfte, der starke poli­ti­sche Wille der Demos-Regie­rungs­ko­ali­tion unter der Führung von Dr. Jože Pučnik und die Eigen­in­itia­tive einer Viel­zahl einzelner Komman­deure von takti­schen Einheiten der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und der Polizei errangen einen Sieg im Krieg für Slowe­nien. Ein Sieg, der in seiner Endgül­tig­keit in den slowe­ni­schen Olymp erhoben wurde, ein Sieg, der wich­tiger ist als alle Schlachten, die unsere Vorfahren oft auf Kosten anderer durch die Strudel der undank­baren Geschichte vergan­gener Jahr­hun­derte geschlagen haben.

Der Krieg um Slowe­nien hat jeden Tag Tausende von Helden in der slowe­ni­schen Nation zum Vorschein gebracht. Jungen und Männer über­wanden die Angst aus Liebe zu ihrem Heimat­land. Sie griffen zu den Waffen, um ihre Heimat, ihre Reli­gion und ihr Land Slowe­nien zu vertei­digen. Sie haben eine groß­ar­tige Arbeit geleistet. Nach dem Sieg kehrten sie in ihre Heimat zurück. Der Staat mag sie vergessen haben, aber das Vater­land wird sie nie vergessen. Denn dies waren heilige Stunden, ein Höhe­punkt der slowe­ni­schen Nation. Wir sind aufge­standen und haben überlebt.


Vertei­di­gungs­mi­nister Janez Janša und Innen­mi­nister Igor Bavčar während des Krieges für Slowe­nien Ende Juni oder Anfang Juli 1991 zusammen mit Spezi­al­kräften der Polizei; die beiden Minister leiteten gemeinsam die Koor­di­na­ti­ons­gruppe (Gremium) des Repu­bli­ka­ni­schen Sekre­ta­riats für Volks­ver­tei­di­gung und des Repu­bli­ka­ni­schen Sekre­ta­riats für Innere Ange­le­gen­heiten, die operativ die Vertei­di­gung der Repu­blik Slowe­nien gegen die Aggres­sion der Jugo­sla­wi­schen Bundes­armee führte. Mit jugend­li­cher Energie, Kühn­heit, Mut und stra­te­gi­scher Voraus­sicht wurden die Gene­räle in Belgrad ausgetrickst.


Die fatale Spal­tung der Nation, die durch den Bruder­krieg verur­sacht wurde, konnte zur Zeit der Unab­hän­gig­keit dank der eini­genden Politik von Demos und der großen Geduld und dem staats­bil­denden Geist von Menschen wie Dr. Jože Pučnik zumin­dest vorüber­ge­hend über­wunden werden; deshalb haben die Slowenen 1991 den Krieg für Slowe­nien gewonnen (Im Bild: ein Mitglied der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee der Repu­blik Slowe­nien neben einem beschlag­nahmten Panzer der jugo­sla­wi­schen Bundes­armee, auf dem bereits die slowe­ni­sche Natio­nal­flagge weht).


Eine entschei­dende Zeit für die Slowenen

Den vorlie­genden Text schrieb ich am 15. Mai 2013 als Vorwort zur dritten, ergänzten Auflage des in Slowe­nien sehr popu­lären Buches „Premiki – Nasta­janje in obramba slovenske države 1988–1991“ („Bewe­gungen – Bildung und Vertei­di­gung des slowe­ni­schen Staates 1988–1991“). Es enthält viele Fakten, die ich nicht kannte, als ich die ersten beiden Ausgaben von „Premiki“ schrieb, und sie ergänzen wesent­lich meine Leit­ar­tikel aus dem „Weiß­buch“ und dem „Krieg für Slowe­nien“, die Sie auf den vorhe­rigen Seiten der vorlie­genden Schrift lesen konnten.

Die Einzel­haft­zelle, in der ich im Sommer 1988 im Mili­tär­ge­fängnis Metel­kova inhaf­tiert war, hatte die Nummer 21. Von dem Moment an, als ich dort hinein­ge­steckt wurde, verlor ich meinen Namen. Die Wärter und das andere Gefäng­nis­per­sonal nannten mich bei der Nummer. Wenn sie über mich spra­chen, benutzten sie die Nummer 21. „Bringen Sie Einund­zwanzig rein“, befahl der Gefäng­nis­di­rektor dem Wärter. „Bringen Sie Einund­zwanzig heute nicht in den Hof“, lautete der Befehl, was bedeu­tete, dass ich trotz der Vorschriften über das Recht der Häft­linge auf einen halb­stün­digen Spazier­gang wieder einen Tag lang ohne frische Luft sein würde. „Steh auf, Einund­zwanzig“, rief der Wärter um fünf Uhr morgens. Nach einem Monat ohne Namen beginnt ein Mensch wie eine Nummer zu denken. Aber all dies geschah im zwan­zigsten Jahr­hun­dert, und jetzt sind wir im einundzwanzigsten.

Die letzten andert­halb Jahr­zehnte des ausge­henden 20. Jahr­hun­derts waren entschei­dend für die slowe­ni­sche Nation, aber auch für unsere Umge­bung und nicht zuletzt für Millionen von Menschen. Diese Tatsache ist heute viel klarer, als sie es war, als das Buch „Premiki“ („Bewe­gungen“) geschrieben wurde – sozu­sagen während der Ereig­nisse selbst. Selbst heute, nach all der Zeit, sind die dama­ligen Ereig­nisse in meiner Erin­ne­rung so lebendig, als wären sie gestern geschehen. Ich brauche nicht einmal die Augen zu schließen, , und schon reihen sich die Szenen drama­ti­scher Ereig­nisse, Begeg­nungen und Entschei­dungen vor meinen Augen auf.

Ich sehe ein Bild von den voll konzen­trierten Gesich­tern der Kollegen im slowe­ni­schen Vertei­di­gungs­haupt­quar­tier, wo ein paar Dutzend Menschen in jenen heißen Sommer­wo­chen des Jahres 1991 ständig mili­tä­ri­sche und vertei­di­gungs­po­li­ti­sche Akti­vi­täten steu­erten und koor­di­nierten. Ich sehe Jože Pučnik vor mir, wie er der Demos-Leitung kurz vor dem letzten Test erklärt, dass wir an der Entschei­dung des Plebis­zits fest­halten und dass wir um jeden Preis durch­halten müssen. Ich höre die Worte des kroa­ti­schen Vertei­di­gungs­mi­nis­ters in meinen Ohren, der mit zerknirschter Stimme verkün­dete, ihr Präsi­dent habe eine Art Neutra­lität befohlen, und die Erin­ne­rung an die bittere Erkenntnis, dass wir allein gelassen wurden, steigt in mir auf. Ich sehe ein Bild von gefan­genen JVA-Soldaten, die vor der Regie­rung aufge­reiht sind, und eine Mischung aus Unglauben und Erleich­te­rung und einem Ausbruch von Freude, als ich ihnen sage, dass sie Zivil­klei­dung bekommen werden und dann nach Hause zurück­kehren können. Ich höre die wütende Stimme des Komman­danten der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee-Einheit Domžale bei den Mili­tär­übungen auf dem Medve­dnjak, der mir eine Zeitung mit der Frie­dens­er­klä­rung vor die Füße wirft, was einige slowe­ni­sche Links­po­li­tiker und vier Mitglieder des Ober­kom­mandos dazu veran­lasste, wenige Monate vor dem Krieg zu fordern, dass Slowe­nien keine Armee haben sollte. Ich sehe die große Enttäu­schung in den Augen der jungen Männer des Schutz­zuges, als sie erfuhren, dass unsere Unter­händler in Brioni zuge­stimmt hatten, alle beschlag­nahmten Waffen zurück­zu­geben und alle gefan­genen Offi­ziere der JVA frei­zu­lassen. Ich höre die Stimmen der Krieger des Litija-Batail­lons in Orle, die mich umzin­gelten und slowe­ni­sche Uniformen oder zumin­dest slowe­ni­sche Koka­rden für ihre Mützen forderten. Ich sehe Igor, der nach der Hubschrau­ber­ex­plo­sion ein Scharf­schüt­zen­ge­wehr zückt, und Tone, der mit entschlos­sener Stimme und einem auto­ma­ti­schen Gewehr in der Hand Ordnung unter den Ange­hö­rigen der verschie­denen Einheiten schafft, die die Stel­lungen besetzen. Ich spüre wieder große Erleich­te­rung, als sie verkünden, dass im letzten Moment, kurz vor der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung, das lang erwar­tete Schiff mit Waffen einge­troffen ist. Ich spüre Angst und große Sorge in einem Saal voller Eltern der jungen Männer – es sind etwa 6.000, die wenige Wochen vor dem Krieg noch in der JVA dienen. Ich spüre noch die Wärme der unter­ge­henden Sommer­sonne auf meinen Schul­tern, die uns zum Platz der Repu­blik beglei­tete, wo schließ­lich die slowe­ni­sche Flagge ohne roten Stern flatterte.

Die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens im Kontext der Verschie­bungen auf der euro­päi­schen und welt­weiten Landkarte

Die Zeit zwischen 1988 und 1992 war nicht nur für Slowe­nien entschei­dend. Der Wind der Verän­de­rung trieb den Nebel aus ganz Mittel- und Osteu­ropa fort. Aus der zeit­li­chen Distanz eines Vier­tel­jahr­hun­derts lassen sich verständ­li­cher­weise viele der Ursa­chen und Folgen der dama­ligen Ereig­nisse viel besser verstehen als damals. Sowohl der innen- als auch der außen­po­li­ti­sche Kontext der einzelnen Ereig­nisse lässt sich viel besser erklären. Vor allem der Ausruf eines polni­schen Dissi­denten ist heute für jeden verständ­lich, der bald nach dem formellen Sturz des Kommu­nismus in Polen sagte, dass das Schlimmste am Kommu­nismus in vielerlei Hinsicht das sei, was danach kommt.

In jenem Früh­jahr und Sommer 1989 habe ich die schick­sal­haften einlei­tenden Ereig­nisse für Europa, die das Ende des Kalten Krieges und den Fall der Berliner Mauer einläu­teten, von den Gefäng­nissen in Dob und Ig aus beob­achtet. Der Sieg der Soli­dar­ność bei den ansonsten nur einge­schränkt freien Wahlen in Polen, ein turbu­lenter Kongress der Volks­de­pu­tierten in Moskau, Gorbat­schows histo­ri­sche Besuche und Treffen in Bonn, Vatikan, Peking, Berlin und Malta (Treffen mit dem US-Präsi­denten), die Besei­ti­gung des Eisernen Vorhangs an der unga­risch-öster­rei­chi­schen Grenze und die Proteste in den Städten der DDR hatten einen großen Einfluss auf die Ereig­nisse in der ehema­ligen SFRJ und natür­lich auch auf die Ereig­nisse in Slowe­nien, das sich damals als eine der jugo­sla­wi­schen sozia­lis­ti­schen Repu­bliken in einer ähnli­chen Lage befand wie die Repu­bliken der ehema­ligen UdSSR. Die Ereig­nisse in Europa wurden teil­weise vom Massaker auf dem Platz des himm­li­schen Frie­dens und dem Tod des irani­schen Führers Khomeini über­schattet, während turbu­lente Ereig­nisse in der ganzen Welt die Dramatik der Zeit, die wir aus der Ferne beob­ach­teten, noch verstärkten.


Josip Broz Tito, der Führer der kommu­nis­ti­schen Terror­re­gie­rung und der direkte Orga­ni­sator der Ermor­dung Zehn­tau­sender ohne Gerichts­ver­fahren nach dem Ende des Krieges und der Revo­lu­tion in Jugo­sla­wien (hier im Bild beim Hände­schüt­teln mit Milan Kučan in den 1970er Jahren), wird in ganz Südost­eu­ropa immer noch relativ respek­tiert und geachtet.

Für uns poli­ti­sche Gefan­gene war die Erwar­tung, dass der Wind der Verän­de­rung über ganz Ost- und Mittel­eu­ropa fegen würde, noch größer. Im Früh­jahr 1988, als wir von der kommu­nis­ti­schen poli­ti­schen Polizei verhaftet und dann in einem geschlos­senen Prozess ohne das Recht auf einen Anwalt vor dem Mili­tär­ge­richt in Ljub­l­jana verur­teilt wurden, brachen auch in Slowe­nien Massen­pro­teste aus. Es wurde auch ein Komitee für den Schutz der Menschen­rechte gegründet, das inner­halb von zwei Monaten auf 100.000 Mitglieder anwuchs.


Als wir im Früh­jahr 1988 von der kommu­nis­ti­schen poli­ti­schen Polizei verhaftet wurden (im Bild: die Verhaf­tung von Janez Janša am 31. Mai 1988) und dann in einem geschlos­senen Prozess ohne das Recht auf einen Anwalt vor dem Mili­tär­ge­richt in Ljub­l­jana verur­teilt wurden, kam es in Slowe­nien zu Massen­pro­testen und zur Grün­dung des Komi­tees zum Schutz der Menschen­rechte, das inner­halb von zwei Monaten auf 100.000 Mitglieder anwuchs.

Die kommu­nis­ti­sche Regie­rung befürch­tete, dass es zu Unruhen kommen würde, deshalb wurden wir bei der Verhand­lung mit relativ milden Strafen belegt, die von einem bis zu vier Jahren Gefängnis reichten. Trotz öffent­li­cher Proteste beschlossen die kommu­nis­ti­schen Behörden Slowe­niens, die Urteile zu voll­stre­cken, wobei sie sich auf die Hoff­nung verließen, dass die Verän­de­rungen in Ost- und Mittel­eu­ropa keine fatalen Auswir­kungen auf den Regime­wechsel in Jugo­sla­wien und in der Sowjet­union haben würden. Sie verließen sich auch auf die Einschät­zung, dass der Westen wegen des wilden Zerfalls der Sowjet­union und die damit verbun­denen erhöhten Gefahren durch eine schlech­tere Kontrolle der Atom­waffen besorgt ist und den Ausbruch von ethni­schen Konflikten im Falle des Zerfalls der SFRJ befürchtet.

Diese Hoff­nung war weit­ge­hend irrig. In der UdSSR und der SFRJ gab es nicht nur einen formalen Regie­rungs­wechsel und die Einfüh­rung von Markt­wirt­schaft und freien Wahlen, sondern auch den Zerfall der beiden sozia­lis­ti­schen Reiche. Der Zerfall des Großen Roten Reiches verlief relativ kontrol­liert, während das Kleine Rote Reich im Feuer und Sturm ethni­scher Säube­rungen und bewaff­neter Konflikte in Bosnien und Herze­go­wina sowie teil­weise in Kroa­tien und zuletzt im Kosovo zerfiel.

Dennoch können wir heute, aus der Distanz von fast einem Vier­tel­jahr­hun­dert, fest­stellen, dass die oben erwähnte Hoff­nung der Führer des kommu­nis­ti­schen Regimes in Belgrad und Ljub­l­jana nicht völlig unbe­gründet war. Deshalb lohnt es sich, diese Grund­lagen genauer zu betrachten. Ein genauerer Blick zeigt heute, dass es einen Unter­schied zwischen Ljub­l­jana und Moskau einer­seits und den Haupt­städten anderer ehemals kommu­nis­ti­scher Länder in Europa ande­rer­seits gibt.

Erstens beruhten die Hoff­nungen der kommu­nis­ti­schen Appa­rat­schiks in Ljub­l­jana und Belgrad auf dem Glauben an ihre Außer­or­dent­lich­keit. Die dama­lige kommu­nis­ti­sche Doktrin in Ljub­l­jana und Belgrad wurde von der These beherrscht, dass die kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tionen in der UdSSR und der SFRJ authen­tisch waren, und dass der Kommu­nismus anderswo von den Soldaten der Roten Armee auf ihren Bajo­netten gebracht wurde. Trotz Gorbat­schow und der Pere­stroika in der Sowjet­union klam­merten sich die jugo­sla­wi­schen Kommu­nisten fest an diese These. Sie wurde in den Plan des Gene­ral­stabs der JVA namens „Okop“ („Graben“) aufge­nommen, auf dessen Grund­lage die JVA 1991 eine bewaff­nete Inter­ven­tion in Slowe­nien und später in Kroa­tien durch­führte. Diese These wurde auch sehr offen von einem der Gründer des jugo­sla­wi­schen kommu­nis­ti­schen Repres­si­ons­ap­pa­rates nach dem Tod des jugo­sla­wi­schen Dikta­tors Josip Broz Tito, seiner ehema­ligen rechten Hand und einem Sekretär des Polit­büros der KPJ (Kommu­nis­ti­sche Partei Jugo­sla­wiens) und Sekretär für innere Ange­le­gen­heiten, Stane Dolanc, veröf­fent­licht. Als persön­li­cher Freund des führenden slowe­ni­schen kommu­nis­ti­schen Poli­ti­kers Milan Kučan schrieb er 1990, als Kučan den Posten des Vorsit­zenden des Zentral­ko­mi­tees des Bundes der Kommu­nisten Slowe­niens an seinen Nach­folger übergab und sich zur Wahl des slowe­ni­schen Präsi­denten stellte, in seine Propa­gan­da­bro­schüre vor der Wahl:

„Wir haben das Glück – und Milan Kučan wusste es recht­zeitig zu nutzen, zumin­dest hoffe ich das -, dass es in unserem Land eine auto­chthone Revo­lu­tion gab, die nicht durch sowje­ti­sche Bajo­nette herbei­ge­führt wurde. Deshalb ist das in unserem Land etwas ganz anderes als in Polen, der Tsche­cho­slo­wakei, Bulga­rien, Rumä­nien oder der DDR.“ (Stane Dolanc, Föde­raler Sekretär für das Innere der SFRJ, im Buch Milan Kučan / Igor Savič; Ljub­l­jana: Emonica, 1990) Zu Beginn seiner poli­ti­schen Karriere war Stane Dolanc auch der Gründer und Leiter der Poli­ti­schen Jour­na­lis­ten­schule in Ljub­l­jana (heute FDV, Fakultät für Sozi­al­wis­sen­schaften), die bis heute tätig ist und Genera­tionen von Jour­na­listen ohne kriti­sche Distanz zum tota­li­tären Kommu­nismus ausbildet.

Führende slowe­ni­sche Kommu­nisten und Gene­räle der JVA waren über­zeugt, dass der Sozia­lismus als Einpar­tei­en­herr­schaft in einer etwas moder­ni­sierten Form und unter dem Namen „demo­kra­ti­scher Sozia­lismus“ in Jugo­sla­wien oder zumin­dest in Slowe­nien und Serbien und in der Sowjet­union über­leben würde. Ihr Glaube beruhte auf dem Wissen um eine gründ­liche Säube­rung der Bevöl­ke­rung nach dem Sieg der kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tionen in beiden Ländern. Die Säube­rungen, die in Slowe­nien nach 1945 jede Spur von poli­ti­scher Konkur­renz durch Massaker, Folter, Inhaf­tie­rung und Vertrei­bung aus dem Land physisch besei­tigten, waren mindes­tens so gründ­lich wie während des schlimmsten stali­nis­ti­schen Terrors in der UdSSR.

Die lang­fris­tigen Folgen des Bruder­kriegs Mitte des 20. Jahrhunderts

Der fatale Riss in der Nation, der durch den Bruder­krieg verur­sacht wurde, konnte zur Zeit der Unab­hän­gig­keit dank der einheits­stif­tenden Politik des Demos und der großen Geduld und des staats­bil­denden Geistes des Volkesvon Menschen wie Dr. Jože Pučnik zumin­dest vorüber­ge­hend über­wunden werden. Den führenden Kommu­nisten – jenen, die diese Spal­tung mit Hilfe der auslän­di­schen Besat­zung herbei­ge­führt hatten – fehlte jedoch die aufrich­tige Bereit­schaft für eine dauer­hafte und erfolg­reiche Heilung dieser histo­ri­schen Wunde. Der anfangs viel­ver­spre­chende Versöh­nungs­pro­zess verkehrte sich ins Gegen­teil und fand sein unrühm­li­ches Ende Ende Ende April 2013 in Stožice, wo die gesamte slowe­ni­sche Staats­füh­rung im Saal die kommu­nis­ti­sche Inter­na­tio­nale sang, ein Symbol für groben Kumpaneikapitalismus.

Nach den demo­kra­ti­schen Verän­de­rungen in Slowe­nien im Jahr 1990 wurden auf einer Fläche von mehr als 20.000 km², die von 2 Millionen Menschen bewohnt wird, mehr als 600 Massen­gräber entdeckt, von denen viele größer sind als die in Srebre­nica. Das letzte große Massen­grab wurde 2008 in der verlas­senen Huda jama Mine, 40 km von Ljub­l­jana entfernt, entdeckt. In verlas­senen Minen­schächten liegen Tausende halb verweste Leichen und unbe­stat­tete männ­liche und weib­liche Skelette, meist ohne Schuss­wunden. Die Kommu­nisten haben 1945 ihre Opfer einfach lebendig in die verlas­senen Minen­schächte gekehrt, die Eingänge zuge­mauert und beto­niert. Tatsäch­liche oder poten­zi­elle Gegner des kommu­nis­ti­schen Regimes, die nicht sofort nach Kriegs­ende und der kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tion getötet wurden, flohen entweder ins Ausland oder landeten in kommu­nis­ti­schen Konzen­tra­ti­ons­la­gern und Gefängnissen.

Die Zahl der poli­ti­schen Gefan­genen in Slowe­nien ist auf Tausende ange­wachsen. In den Jahren des kommu­nis­ti­schen Regimes wurden insze­nierte Prozesse veran­staltet, in denen viele völlig unschul­dige Menschen zum Tode oder zu langen Haft­strafen verur­teilt wurden. Da die Säube­rungen und Massaker von lokalen Kommu­nisten, meist in ihrem eigenen Umfeld, durch­ge­führt wurden, waren sie gründ­li­cher als jene, die von sowje­ti­schen Soldaten oder dem KGB in den Ländern des späteren Warschauer Paktes durch­ge­führt wurden. Zugleich hatten viele Menschen auf kommu­nis­ti­scher Seite blutige Hände. Aus Angst vor der Aufde­ckung von Verbre­chen und Verant­wort­lich­keiten verwi­ckelten sie ganze Fami­lien in die Säube­rungen. Nicht nur die Angst, die durch diese Aktionen ausge­löst wurde, sondern auch die physi­sche Vernich­tung der poli­ti­schen Oppo­si­tion ermög­lichte die lange Herr­schaft von Diktator Tito und seinen Nach­fol­gern. Diese Nach­folger rech­neten daher 1989 damit, dass jede Basis für eine starke Oppo­si­tion über die Jahr­zehnte zerstört worden war.

Sie kalku­lierten, dass sie auch im Falle formal freier Wahlen an der Macht bleiben könnten. Sie kalku­lierten, dass Tausende ihrer Mitglieder mit ihren blutigen Händen alles tun würden, um einen Regie­rungs­wechsel und damit eine Abrech­nung mit der Vergan­gen­heit zu verhin­dern. Sie star­teten eine große Propa­gan­daof­fen­sive und behaup­teten, dass alle Zehn­tau­sende, einschließ­lich der Frauen und Kinder, die getötet wurden, Kolla­bo­ra­teure mit dem Nazismus und Faschismus waren. Noch vor den formellen Verän­de­rungen begannen sie, die natio­nalen und lokalen Medien zu priva­ti­sieren. Sie haben bis heute einen fast voll­stän­digen Einfluss auf sie behalten. Jeder, der öffent­lich das Thema der kommu­nis­ti­schen Säube­rungen und Massaker ansprach, wurde in diesen Medien sofort als Sympa­thi­sant der Kolla­bo­ra­tion und des Nazismus gebrandmarkt.

Die schick­sal­haf­testen einlei­tenden Ereig­nisse für Europa in jenem Früh­jahr und Sommer 1989, die das Ende des Kalten Krieges und den Fall der Berliner Mauer einläu­teten, habe ich von den Gefäng­nissen von Dob und Ig aus verfolgt: der Sieg der Soli­dar­ność bei den ansonsten nur einge­schränkt freien Wahlen in Polen, der turbu­lente Kongress der Volks­de­pu­tierten in Moskau, die histo­ri­schen Besuche und Treffen Gorbat­schows mit west­li­chen Vertretern.


Die beschrie­bene Situa­tion erklärt auf eigen­tüm­liche Weise die oft wieder­holte These aus den 1990er Jahren, dass „die Berliner Mauer auf beiden Seiten zusam­men­ge­bro­chen ist“. Der Autor dieser These ist der ehema­lige Präsi­dent des Zentral­ko­mi­tees des Bundes der Kommu­nisten Slowe­niens und der Repu­blik Slowe­nien Milan Kučan (im Bild während eines Gesprächs mit Sonja Lokar auf dem Kongress des Bundes der Kommu­nisten Jugo­sla­wiens in Belgrad im Januar 1990).

All diese Punkte werfen die Frage auf, ob es zwei­ein­halb Jahr­zehnte nach dem Prozess gegen die JBTZ-Vier in Ljub­l­jana, nach dem Fall der Berliner Mauer in Europa und nach der Inte­gra­tion der meisten ehemals kommu­nis­ti­schen Länder Ost- und Mittel­eu­ropas in die EU und die NATO endlich an der Zeit ist, diesen Über­gang einge­hend zu bewerten, den Prozess in den einzelnen Ländern verglei­chend zu analy­sieren und zu hinter­fragen, welche Lehren für die Zukunft sich aus den Erfolgen und Miss­erfolgen dieses Weges ergeben.

Haben wir bei den großen Bewe­gungen viel­leicht etwas über­sehen? Haben wir die Ursa­chen, die Srebre­nica möglich gemacht haben, ausrei­chend unter­sucht? Haben wir uns zu Hause und auch in der weiteren EU gefragt, wie es möglich ist, dass Miloševič, Mladic und andere ehemals führende jugo­sla­wi­sche Kommu­nisten die physi­sche Vernich­tung von Tausenden ohne Zögern und nach genau denselben Mustern anord­neten, wie es ihre Vorbilder 1945 taten? Wie ist es möglich, dass die Ideo­logie des Verbre­chens und die Kultur des Todes in einem solchen Ausmaß über­lebt haben, dass sie in der Mitte des euro­päi­schen Konti­nents erneut den Tod von Zehn­tau­senden verur­sacht haben?

Die Antworten sind für uns alle, die wir in Slowe­nien leben, klarer. Josip Broz Tito, der Inhaber der kommu­nis­ti­schen Schre­ckens­re­gie­rung und der direkte Orga­ni­sator der Massaker an Zehn­tau­senden von Menschen ohne Gerichts­ver­fahren nach dem Ende des Krieges und der Revo­lu­tion in Jugo­sla­wien, wird in ganz Südost­eu­ropa immer noch relativ respek­tiert und geachtet. Obwohl seine Verbre­chen allge­mein bekannt sind, werden sie immer noch gerecht­fer­tigt. Es ist nicht möglich, ein Verbre­chen zu verur­teilen und gleich­zeitig Verbre­cher zu vergöt­tern, und doch geschieht dies vor unseren Augen. In Moskau steht man vor einem ähnli­chen Problem, da es nicht möglich ist, die Verbre­chen von Stalin und Lenin zu verur­teilen und gleich­zeitig beide als große Führer zu vergöt­tern und trotzdem glaub­würdig zu bleiben. Die Entna­zi­fi­zie­rung Deutsch­lands legte den Grund­stein für die Anfänge der EU. Die Entkom­mu­ni­sie­rung des Ostens steht uns noch bevor, wobei die beiden Zentren der soge­nannten authen­ti­schen kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tion beson­ders proble­ma­tisch sind. Die Genera­tionen, die heute in Russ­land leben, haben kein wirk­li­ches Wissen über die Zeit vor der kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tion, da in den Säube­rungen Lenins und Stalins alle nicht­kom­mu­nis­ti­sche Intel­li­genz physisch vernichtet oder vertrieben wurde, und danach wurde auch ein großer Teil der gebil­deten Kommu­nisten durch Säube­rungen entfernt. Das Gleiche geschah in Slowe­nien: Aufgrund der gründ­li­chen kommu­nis­ti­schen Säube­rungen in Slowe­nien über­lebte nur ein kleiner Teil der ehema­ligen bürger­li­chen Intel­li­genz. Lange Zeit nach der Revo­lu­tion durften Kinder aus nicht­kom­mu­nis­ti­schen Fami­lien, selbst wenn sie die Säube­rungen über­lebten, trotz ihres Wissens und ihrer offen­sicht­li­chen Fähig­keiten keine führende Posi­tion in der verstaat­lichten Wirt­schaft oder in Insti­tu­tionen einnehmen. Um in einem so wich­tigen Dienst beschäf­tigt zu werden, war ihre Mitglied­schaft in der Kommu­nis­ti­schen Partei oder im Bund der Kommu­nisten erforderlich.

Die Folgen einer solchen Situa­tion in Slowe­nien sind auch heute noch sehr offen­sicht­lich. Einige der wich­tigsten erwähne ich im Folgenden.

Im Früh­jahr 2009, als das Massen­grab Huda jama geöffnet wurde und die natio­nalen Fern­seh­ka­meras alle Schre­cken der Folgen des kommu­nis­ti­schen Verbre­chens zeigten, sagte der Präsi­dent der kommu­nis­ti­schen Vete­ra­nen­or­ga­ni­sa­tion Janez Stanovnik, der während der SFRJ ein lang­jäh­riger Diplomat im Dienste der UNO war, dass die Massaker nach Kriegs­ende auf Befehl von Marschall Tito durch­ge­führt wurden. Als Folge dieser Aussage wurde die Forde­rung erhoben, alle Denk­mäler und Namen des ehema­ligen jugo­sla­wi­schen Dikta­tors aus slowe­ni­schen Städten und Plätzen zu entfernen, aber sie sind immer noch zahl­reich vorhanden. Die Parteien der derzei­tigen linken Regie­rungs­ko­ali­tion haben sich dieser Forde­rung entschieden wider­setzt. Die Jugend­or­ga­ni­sa­tion der führenden Regie­rungs­partei der Sozi­al­de­mo­kraten (Nach­folger der ehema­ligen Kommu­nis­ti­schen Partei) des dama­ligen Minis­ter­prä­si­denten Borut Pahor gab eine Pres­se­mit­tei­lung heraus, in der behauptet wurde, dass die Zeit der kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tion, in der Massen­ver­bre­chen statt­fanden, eine Zeit des Fort­schritts für Jugo­sla­wien war.

Auf die Frage, wie er die Entde­ckung des Massen­grabs Huda jama mit Tausenden von unbe­stat­teten Leichen im natio­nalen Fern­sehen kommen­tieren würde, sagte der dama­lige Präsi­dent der Repu­blik Danilo Türk, der mit Unter­stüt­zung der linken post­kom­mu­nis­ti­schen Parteien gewählt wurde, dass dies ein zweit­ran­giges Thema sei und er keinen Kommentar abgeben würde.

Die linken Parteien in der slowe­ni­schen Haupt­stadt Ljub­l­jana haben unter der Führung des Bürger­meis­ters Zoran Jankovič (ein enger Freund des ehema­ligen slowe­ni­schen kommu­nis­ti­schen Präsi­denten und späteren Präsi­denten der Repu­blik Slowe­nien Milan Kučan) im Stadtrat mit ihrer Mehr­heit beschlossen, dass eine der Haupt­straßen in Ljub­l­jana nach dem ehema­ligen Diktator Tito benannt werden soll. Eine solche Straße gab es in Ljub­l­jana bis zu den freien Wahlen im Jahr 1990, nach denen sie umbe­nannt wurde. Und nach 20 Jahren erreichten die slowe­ni­schen Neokom­mu­nisten, dass der Name des Dikta­tors wieder verwendet wurde, und erst eine spätere Entschei­dung des Verfas­sungs­ge­richts löschte diesen schänd­li­chen Schand­fleck aus Slowenien.

Zu einer Zeit, als die Post­kom­mu­nisten in Ljub­l­jana beschlossen, eine Straße nach dem ehema­ligen Diktator Tito zu benennen, nahm das Euro­päi­sche Parla­ment eine Entschlie­ßung über das euro­päi­sche Gewissen und den Tota­li­ta­rismus an, in der es alle tota­li­tären Regime verur­teilt, sich vor deren Opfern verneigt und vorschlägt, dass die Mitglied­staaten den 23. August als Gedenktag für die Opfer aller tota­li­tären Regime in Europa begehen. In Slowe­nien stieß die Reso­lu­tion auf großen Wider­stand bei den regie­renden post­kom­mu­nis­ti­schen Kräften. Die Regie­rung sagte, dass sie den 23. August nicht begehen wird. Eine kleine Zere­monie an diesem Gedenktag wurde zwar am 23. August 2009 vom Zentrum für natio­nale Versöh­nung orga­ni­siert, das vor einigen Jahren gegründet wurde, aber an der Veran­stal­tung nahm niemand von der Regie­rung oder der Regie­rungs­ko­ali­tion teil.

Eine ähnliche Reso­lu­tion wie die des EP wurde dieses Jahr von der Parla­men­ta­ri­schen Versamm­lung des Euro­pa­rates verab­schiedet. Einer der Initia­toren für die Verab­schie­dung dieser Reso­lu­tion war eben­falls ein Mitglied der italie­ni­schen Minder­heit im slowe­ni­schen Parla­ment, Roberto Battelli. Die Verab­schie­dung der Reso­lu­tion, für die die über­wie­gende Mehr­heit der Mitglieder der Parla­men­ta­ri­schen Versamm­lung des Euro­pa­rates stimmte, wurde von einigen nicht so lauten Protesten aus Moskau begleitet, das mit der Gleich­be­hand­lung aller Tota­li­ta­rismen, in diesem Fall des Nazismus und des Kommu­nismus, nicht einver­standen war. Das slowe­ni­sche Mitglied der Parla­men­ta­ri­schen Versamm­lung des Euro­pa­rates Battelli war zu Hause hartem Druck und Angriffen der Medien ausge­setzt, und es wurden sogar Forde­rungen nach seinem Rück­tritt laut. Darüber hinaus distan­zierte sich das Außen­mi­nis­te­rium der Repu­blik Slowe­nien mit einer offi­zi­ellen Erklä­rung von seinen Handlungen.


Stane Dolanc in den frühen 1990er Jahren (im Bild 1986 auf dem ZKS-Kongress): „Wir haben das Glück – und Milan Kučan wusste es, wie ich hoffe, wenigs­tens recht­zeitig zu nutzen -, dass es in unserem Land eine auto­chthone Revo­lu­tion gab, die nicht auf sowje­ti­schen Bajo­netten herbei­ge­führt wurde. Deshalb ist die Situa­tion hier etwas ganz anderes als in Polen, der Tsche­cho­slo­wakei, Bulga­rien, Rumä­nien oder der DDR.“

Als die linke post­kom­mu­nis­ti­sche Koali­tion Ende 2008 ihr Amt antrat, holte Finanz­mi­nister Franci Križanič von der SD-Partei den ehema­ligen Agenten der kommu­nis­ti­schen Geheim­po­lizei (SDV) Drago Isajl­ovič als Berater in sein Kabi­nett. Isajl­ovič hatte 1988 David Tasič und mich persön­lich verhaftet und war daher als die Perso­ni­fi­zie­rung der kommu­nis­ti­schen Repres­sion bekannt, die Anders­den­kende mit allen Mitteln verfolgte. Isajl­ovič hatte keine rich­tige Ausbil­dung oder Erfah­rung auf dem Gebiet der Finanzen, und der Minister, der ihn damals einstellte, sagte, dass sie seit vielen Jahren befreundet waren.

Slowe­nien ist der einzige post­kom­mu­nis­ti­sche EU-Mitglieds­staat, in dem nach dem Fall der Berliner Mauer und den demo­kra­ti­schen Verän­de­rungen in den frühen 1990er Jahren nicht einmal die mildeste Form der Lustra­tion durch­ge­führt wurde und in dem die Archive der ehema­ligen poli­ti­schen Polizei nicht öffent­lich zugäng­lich sind. Die post­kom­mu­nis­ti­schen Parteien verhin­derten beharr­lich alle derar­tigen Versuche; 1997 stimmte die Natio­nal­ver­samm­lung der Repu­blik Slowe­nien sogar einstimmig gegen die Annahme der Euro­pa­rats­re­so­lu­tion Nr. 1096 über den Zerfall ehema­liger tota­li­tärer kommu­nis­ti­scher Regime. Deshalb sind in Slowe­nien auch heute noch ehema­lige Mitar­beiter und Kolla­bo­ra­teure der kommu­nis­ti­schen Geheim­po­lizei, die im früheren Regime die Menschen­rechte dras­tisch verletzt haben, in hohen Posi­tionen in Justiz, Staats­an­walt­schaft, Diplo­matie, Wirt­schaft, Verwal­tung, Medien­re­dak­tionen und sogar Geheim­diensten tätig. Der letzte Vorsit­zende der Kommu­nis­ti­schen Partei aus der Zeit vor den freien Wahlen wurde sogar Verfas­sungs­richter, sein Nach­folger war lange Zeit Präsi­dent des Programm­ko­mi­tees des staat­li­chen Fern­se­hens und ist heute Präsi­dent des Olym­pi­schen Komi­tees von Slowenien.


Ich sehe Jože Pučnik, wie er der Demos-Führung kurz vor dem letzten Test erklärt, dass wir an der Entschei­dung des Plebis­zits fest­halten und um jeden Preis durch­halten müssen“ (im Bild: die Demos-Führung freut sich auf den Erfolg beim Plebiszit über die Unab­hän­gig­keit der Repu­blik Slowe­nien in der Kirche des Heiligen Jakobus ober­halb von Medvode, 26. Dezember 1990).

Erst in der Zeit der Krise inter­es­sierte sich Europa wirk­lich für das, was in Slowe­nien geschah

Die beschrie­bene Situa­tion erklärt auf eigen­tüm­liche Weise die oft wieder­holte These aus den 1990er Jahren, dass „die Berliner Mauer auf beiden Seiten zusam­men­ge­bro­chen ist“. Der Autor dieser These, der ehema­lige Vorsit­zende des ZKS (Bund der Kommu­nisten Slowe­niens) und RS Milan Kučan, nutzte sie, um seine Vertei­di­gung des tota­li­tären Regimes und seine Oppo­si­tion gegen jegliche Verän­de­rungen zu recht­fer­tigen, die das Erbe des Kommu­nismus in Slowe­nien dauer­haft abbauen könnten, auf dem die Macht der Post­kom­mu­nisten beruht. Das sind die drei Säulen, nämlich Ideo­logie, Propa­ganda und finan­zi­elle Macht. Para­do­xer­weise sind heute die Nach­folger und Vertei­diger des kommu­nis­ti­schen Regimes in der Regel die reichsten Schichten in Slowe­nien. Nach dem Ablauf seiner dritten Amts­zeit als Präsi­dent der Repu­blik Slowe­nien grün­dete Milan Kučan das Forum 21, das mit wenigen Ausnahmen Personen zusam­men­brachte, die im letzten Jahr­zehnt extrem reich geworden sind und heute einige der größten Unter­nehmen Slowe­niens besitzen. Als einige auf die Diskre­panz zwischen der linken poli­ti­schen Ausrich­tung des Forum 21 und der extrem reichen Mitglied­schaft hinwiesen und Präsi­dent Kučan fragten, wo denn die rest­li­chen Arbeiter und Prole­ta­rier seien, antwor­tete er zynisch: „Die Prole­ta­rier sind dort, wo sie schon immer waren. An ihren Arbeitsplätzen.“

Durch die Akti­vi­täten linker Regie­rungen und roter Mono­pole hat Slowe­nien diese Situa­tion geschickt in die NATO und die EU geschmug­gelt. Etwas Ähnli­ches konnten externe Beob­achter nur in Rumä­nien beob­achten. Heute, wo Slowe­nien täglich von den euro­päi­schen Insti­tu­tionen wegen der Möglich­keit des Bank­rotts und der Gefähr­dung der Stabi­lität der gemein­samen euro­päi­schen Währung kriti­siert wird, fragen sich immer mehr euro­päi­sche Akteure, was mit unserem Land passiert ist. Was ist grund­le­gend falsch mit uns, dass wir so weit in die Irre gegangen sind?

Europa kann auf Dauer nur als ein Europa der Werte bestehen. Insti­tu­tionen sind wichtig, ebenso der allge­meine Fort­schritt. Aber ohne eine Stär­kung der Werte­basis ist das euro­päi­sche Funda­ment in viel größerer Gefahr als ohne einen neuen Insti­tu­tio­nen­ver­trag. Diese Tatsache darf niemals über­sehen werden, und gerade vor dem EU-Beitritt der Länder des West­bal­kans muss die EU von den neuen Mitglie­dern eine konse­quente Aufar­bei­tung der Vergan­gen­heit verlangen können – sowohl mit extremen Natio­na­lismen als auch mit einer ambi­va­lenten Haltung gegen­über dem Verbre­chen, d.h. mit der Billi­gung der Anwen­dung der kommu­nis­ti­schen Methoden der physi­schen Vernich­tung des Feindes. Die Länder des west­li­chen Balkans, die auf den EU-Beitritt warten, sollten sich neben der Versöh­nung nach den Ausein­an­der­set­zungen vor Dayton auch mit der Vergan­gen­heit ausein­an­der­setzen, die zu den Ausein­an­der­set­zungen geführt hat, und mit der Ideo­logie, nach der der Zweck die Mittel heiligt.

In Miloševič und Mladič nur extreme Natio­na­listen zu sehen, ist nicht genug. Es fehlt etwas, was die unglaub­lich brutalen Verbre­chen in Bosnien und Herze­go­wina, in der Repu­blik Kroa­tien und im Kosovo voll­ständig erklären könnte. Es ist offen­sicht­lich eine Mischung aus Natio­na­lismus und kommu­nis­ti­scher Ideo­logie, die das Endpro­dukt der jugo­sla­wi­schen kommu­nis­ti­schen und mili­tä­ri­schen Akade­mien ist, die lehrten, dass das grund­le­gende Ziel des Klas­sen­kampfes die physi­sche Vernich­tung des Feindes sei. Diese Kombi­na­tion brachte den Natio­nal­so­zia­lismus(?) am Ende des 20. Jahr­hun­derts unter anderen Umständen, aber mit den glei­chen verbre­che­ri­schen Folgen wie in der ersten Hälfte des letzten Jahr­hun­derts hervor, zu einer Zeit, als wir glaubten, dass so etwas nicht mehr möglich sei. Es mag daran gelegen haben, dass die ideo­lo­gi­sche Grund­lage des Elends auf dem Balkan irgendwie im Hinter­grund der Forschung blieb. Auch, weil die mäch­tigen Über­bleibsel des Kommu­nismus in der Region Südost­eu­ropa sehr darauf bedacht waren, dass der Westen nicht anfing, die tieferen Ursa­chen von Srebre­nica und der Balkan­tra­gödie im Allge­meinen zu erforschen.

Gleich­zeitig schien das, was auf dem West­balkan geschah, weniger wichtig zu sein, ein Drama auf der Neben­bühne, das keinen entschei­denden Einfluss auf die Thea­ter­saison haben würde. Der Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges markierten nämlich auch den Beginn der Globa­li­sie­rung, den Aufstieg der neuen Infor­ma­tions- und Kommu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien und des reli­giösen Extre­mismus. Letz­terer ist sogar noch einen Schritt weiter als die zerstö­re­ri­schen Ideo­lo­gien des 20. Jahr­hun­derts. Sowohl im Faschismus als auch im Natio­nal­so­zia­lismus und Kommu­nismus heiligt das Ziel die Mittel, und das Verbre­chen ist das legi­time Mittel, um es zu errei­chen. Zum reli­giösen Extre­mismus kommt noch die fana­ti­sche Bereit­schaft, das eigene Leben direkt zu opfern, um ein Ziel zu errei­chen. Das lässt ihn viel­leicht auf den ersten Blick gefähr­li­cher erscheinen, obwohl er es in Wirk­lich­keit nicht ist. Es scheint nämlich unwahr­schein­lich, dass man auf diese Weise so viele Opfer und eine solche zivi­li­sa­to­ri­sche Zerstö­rung verur­sa­chen kann, wie es zum Beispiel der Kommu­nismus in der UdSSR oder der SFRJ oder der Natio­nal­so­zia­lismus in einem Teil Europas getan hat. Die kommu­nis­ti­sche Ideo­logie, die während und nach der kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tion in Jugo­sla­wien oder in Srebre­nica vor einem Jahr­zehnt ange­wandt wurde, mobi­li­sierte die Täter auf der Grund­lage ihres Glau­bens, dass der Schaden, der anderen zuge­fügt wird, ihnen und ihrer Rasse direkt und sofort, nicht erst später, in einer anderen Welt zugute kommen würde.

Die Geschichte hat gezeigt, dass es viel einfa­cher ist, Menschen­massen für direkte Vorteile zu gewinnen als für direkte persön­liche Opfer. Das aber ist der tiefere Kern der Gefahr des Wieder­auf­le­bens tota­li­tärer Ideo­lo­gien, unter denen der Kommu­nismus auf dem Balkan immer eine einfache Kreu­zung mit dem extremen Natio­na­lismus darstellt. Dies führte zu ethni­schen Säube­rungen und Srebre­nica. Das ergibt sich aus dem Inhalt der Rede des Gene­ral­se­kre­tärs der ZZB (Föde­ra­tion der Kämp­fer­ver­bände) Slowe­niens in Tisje, wo er erneut mit Massen­tö­tungen drohte.

Das Buch „Bewe­gungen“ hat die Verfäl­schung der jüngeren Geschichte bis zu einem gewissen Grad verhindert

Das im Früh­jahr 1992 erschie­nene Buch mit dem Titel „Premiki“ („Bewe­gungen)“ hat zusammen mit ähnli­chen Werken anderer Akteure der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit zumin­dest teil­weise die Verfäl­schung der jüngsten Geschichte und die endgül­tige Verwirk­li­chung von Kučans These von den „mehreren Wahr­heiten“ verhin­dert. Diese auf den ersten Blick recht kate­go­ri­sche Aussage lässt sich relativ leicht begründen.


Seit dem Plebiszit im Dezember 1990 wurde die Unab­hän­gig­keit von der Partei der post­kom­mu­nis­ti­schen Kräfte ständig als allge­meine Begrün­dung für alle mögli­chen Probleme präsen­tiert (hier beim Aufstellen eines Schildes für den neuen unab­hän­gigen euro­päi­schen Staat Repu­blik Slowe­nien Ende Juni 1991).

Die erste Ausgabe von „Premiki“ erschien im Juni 1992 in einer Rekord­auf­lage von 30.000 Exem­plaren, von denen bereits 17.000 auf Vorbe­stel­lung verkauft wurden. Die Nach­drucke verkauften dann zusätz­lich fast 40.000 Exem­plare in slowe­ni­scher, engli­scher, deut­scher und kroa­ti­scher Sprache. Nach ein paar Jahren war das Buch komplett ausver­kauft. Das Buch löste einen wahren medialen und poli­ti­schen Sturm aus. Einige griffen es schon vor seiner Veröf­fent­li­chung an, da das Manu­skript aus der Druckerei gestohlen und an Kritiker im Dienst verschickt wurde.

Auf der einen Seite stieß das Buch auf ein uner­wartet hohes Leser­in­ter­esse und massen­hafte Zustim­mung. Ich habe Hunderte von Briefen mit Lob und Dank erhalten. In den öffent­li­chen Medien war die Reso­nanz jedoch gemischt. Dieje­nigen Medien, die noch oder wieder voll­ständig von der „Über­gangs­linken“ kontrol­liert wurden, veröf­fent­lichten die Antworten von Poli­ti­kern, die gegen die Unab­hän­gig­keit waren, so dass es logisch war, dass sie auch gegen die Beschrei­bung des Buches waren. Sie suchten sogar besiegte Gene­räle und JVA-Offi­ziere auf und fragten sie nach ihrer Meinung zu dem Buch. Der Dnevnik aus Ljub­l­jana, die Zeitung, die während der JVA-Aggres­sion die slowe­ni­sche Regie­rung ange­griffen hatte, war in dieser Gruppe führend. Andere, wahr­heits­lie­ben­dere Zeitungen oder Medien (es gab, seien wir ehrlich, mehr von ihnen als heute) veröf­fent­lichten unter­schied­liche Antworten.


Das im Früh­jahr 1992 erschie­nene Buch „Premiki“ („Bewe­gungen“) (im Bild die dritte, ergänzte Auflage) verhin­derte zusammen mit ähnli­chen Werken anderer Akteure der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit zumin­dest teil­weise die Verfäl­schung der jüngsten Geschichte und die endgül­tige Verwirk­li­chung von Kučans These über „mehrere Wahrheiten“.

Die Doku­mente im Buch spra­chen für sich selbst und waren nicht so einfach abzutun. Hier bedienten sie sich des Tricks der angeb­li­chen Unan­stän­dig­keit, indem sie behaup­teten, dass solche Doku­mente nicht veröf­fent­licht werden dürften, dass es nicht schön sei und so weiter. Sie erfanden auch die so genannte Abhör­af­färe, indem sie behaup­teten, der dama­lige Sicher­heits­in­for­ma­ti­ons­dienst (VIS) habe Mitglieder des Präsi­diums der Repu­blik Slowe­nien abge­hört und so ein verrä­te­ri­sches Gespräch aufge­zeichnet, in dem Ciril Zlobec ein Staats­ge­heimnis über das genaue Datum und konkrete Maßnahmen der Unab­hän­gig­keit verriet. Das stimmte natür­lich nicht, denn ganz Slowe­nien wusste, dass das VIS die JVA und die auslän­di­schen Dienste abhörte, und wenn Zlobec nicht selbst ange­rufen hätte, hätten sie ihn nicht erwi­schen können.

Wie in den alten Partei­zeiten wurde die Bewe­gung im Präsi­dium der Repu­blik Slowe­nien, in den Gremien der Nach­fol­ge­partei der KPS, der Sozia­lis­ti­schen Partei und der LS, der Vorgän­gerin der LDS, disku­tiert. Sie gaben Kommu­ni­ques und Pres­se­er­klä­rungen heraus und verur­teilten das Buch. Das gemein­same Merkmal dieser Mittei­lungen war jedoch, dass kein einziger Satz aus dem Buch in einer von ihnen vorkam. Es gab nur pauschale Anschul­di­gungen und Verleum­dungen von denen, die offen gegen die Maßnahmen zur Siche­rung der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit mit echter Gewalt und damit gegen die Unab­hän­gig­keit selbst waren, oder die nicht genau wussten, was sie unter­stützen sollten.

Die Unwis­sen­heit einiger der in der ersten Auflage von „Premiki“ erwähnten Akteure führte zur Veröf­fent­li­chung einiger zusätz­li­cher Doku­mente mit direkten Beweisen für ihr Verhalten und einem Vorwort mit Erklä­rungen in der zweiten Auflage, die der ersten schnell folgte, da die 30.000 Exem­plare der ersten Auflage rasch vergriffen waren.

Die stür­mi­schen poli­ti­schen Reak­tionen auf das Buch „Premiki“ enthüllten eine weitere, bis dahin streng verbor­gene und versteckte Wahr­heit. Die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit und vor allem ihr Finale, der Krieg um Slowe­nien, einte die Slowenen, riss aber gleich­zeitig einen großen Riss in den scheinbar sehr homo­genen Körper der slowe­ni­schen post­kom­mu­nis­ti­schen Linken. Bei den für die Unab­hän­gig­keit notwen­digen Entschei­dungen und Maßnahmen zögerten und kalku­lierten vor allem die Führungen ihrer Parteien und verbargen das nicht nur vor ihrer Öffent­lich­keit, sondern auch vor ihren Mitglie­dern. Ein großer Teil ihrer Mitglied­schaft unter­stützte die Unab­hän­gig­keit, und viele über­nahmen aufgrund der inte­gra­tiven Politik von Demos wich­ti­gere Rollen in den Vertei­di­gungs­struk­turen. Die Mitglieder kannten jedoch nicht den Inhalt der Geheim­ge­spräche mit Markovic über den Sturz der Demos-Regie­rung, über den sein Spre­cher in seinen Memoiren schreibt, und sie wussten nichts von den Machen­schaften gegen die inter­na­tio­nale Aner­ken­nung Slowe­niens, über die der dama­lige inter­na­tio­nale Sekretär der italie­ni­schen Sozia­listen, Piero Fassino, ohne Vorbe­halte schrieb. Auch der Verrat von Ciril Zlobec, der in Premiki indi­rekt erwähnt wird, scho­ckierte viele ihrer Anhänger.

Führende Mitglieder der LDS und später der Verei­nigten Liste und des Präsi­diums der Repu­blik rich­teten ihre Wut und ihren medialen Schwefel gegen „Premiki“ und ihren Autor, vor allem um ihre Mitglieder und Anhänger davon zu über­zeugen, dass führende linke Poli­tiker die Unab­hän­gig­keit nicht behin­derten. Das Buch „Premiki“ wurde am ersten Jahrestag der Prokla­ma­tion der slowe­ni­schen Staat­lich­keit veröf­fent­licht, unmit­telbar nach dem Beitritt Slowe­niens zur UNO, zu einer Zeit, als selbst den größten Jugo­sla­wien-Nost­al­gi­kern klar war, dass Jugo­sla­wien verschwunden war und Slowe­nien trotz allem eine Realität war. Und wie immer in solchen Fällen war nach der Schlacht jeder ein General und alle begannen zu behaupten, sie hätten von Anfang an an dieses Ziel geglaubt.

Meine Kollegen und ich sammelten sorg­fältig Reak­tionen auf das Buch, aber es war nicht möglich, sie alle zu lesen. Erst nach zwei Jahr­zehnten konnte ich den Inhalt von fünf dicken Regis­tra­turen mit Origi­nalen oder Kopien von Arti­keln und Aufzeich­nungen über „Premiki“ voll­ständig durch­sehen. Trotz sorg­fäl­tiger Durch­sicht von Hunderten von Aufzeich­nungen fand ich nirgends eine ernst­hafte Kontro­verse mit Gegen­ar­gu­menten, nicht eine einzige These oder ein Doku­ment aus dem Buch wurde darin widerlegt.

Aber je mehr „Premiki“ ange­griffen wurde, desto mehr wurde das Buch gelesen. Wegen seines doku­men­ta­ri­schen Wertes wurde es bald zu einer Quelle für in- und auslän­di­sche Histo­riker und Publi­zisten, die über den Zerfall Jugo­sla­wiens und die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens schrieben. Als das Buch in fremden Spra­chen nach­ge­druckt wurde, stellte ich es auch in einer Reihe von euro­päi­schen Haupt­städten vor, und in vielen euro­päi­schen Zeitungen wurden Rezen­sionen veröf­fent­licht. Vor kurzem erschien in Belgrad ein Buch von zwei serbi­schen Histo­ri­kern mit dem Titel „Der Krieg in Slowe­nien (Doku­mente der Präsi­dent­schaft der SFRJ)“, und auch darin wird „Premiki“ als eine der Schlüs­sel­quellen erwähnt.

Die Unab­hän­gig­keit und der Krieg für Slowe­nien brachten uns auf die Weltkarte

„Premiki“ befasst sich recht ausführ­lich mit der Vorbe­rei­tung und Durch­füh­rung der Vertei­di­gung Slowe­niens, obwohl das Thema des Buches viel breiter ange­legt ist. In dem Buch wird auch der gesamte Grund­plan zur Siche­rung der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit veröf­fent­licht, der mein Werk ist und der im Mai 1991 von den zustän­digen Behörden als offi­zi­elle Richt­linie für die Vorbe­rei­tung und Durch­füh­rung der Vertei­di­gung geneh­migt wurde; die slowe­ni­sche Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und die Polizei opera­tio­na­li­sierten ihn mit einer Reihe von Durch­füh­rungs­do­ku­menten. Nach dem Krieg habe ich über diesen Plan und die Vorbe­rei­tung der slowe­ni­schen Vertei­di­gung an Mili­tär­aka­de­mien, inter­na­tio­nalen Insti­tuten und Univer­si­täten in Wien, Washington, London, Paris, Rom, Berlin, Prag, Zagreb und auch anderswo refe­riert, aber nach meiner Entlas­sung aus dem Vertei­di­gungs­mi­nis­te­rium im März 1994 inter­es­san­ter­weise nie an slowe­ni­schen Mili­tär­schulen oder ‑kursen. Es gab keine Einla­dungen von dort. Das rote Monopol war zu stark.

Die bemer­kens­werte Leis­tung Slowe­niens, seine völlig unklas­si­sche Vertei­di­gung und seine impro­vi­sierten Streit­kräfte – zuerst in Form der MSNZ (Manö­vrie­rende Struktur des Natio­nalen Schutzes), dann in Form der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und der Polizei – erregte die Aufmerk­sam­keit vieler Militär- und Vertei­di­gungs­ex­perten und Insti­tute. „Wie haben Sie das gemacht?“ war die häufigste Frage. „Wie war es möglich, dass mehr als 20.000 Ange­hö­rige des Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee und der Polizei, die mit leichten Waffen bewaffnet waren, eine zehnmal größere Armee aufhielten, die allein in Slowe­nien oder in unmit­tel­barer Nähe über 500 Panzer und andere gepan­zerte Fahr­zeuge, mehrere hundert Kampf­flug­zeuge und Hubschrauber sowie die gesamte übrige Ausrüs­tung einer bis an die Zähne bewaff­neten konven­tio­nellen Armee verfügte?“ Die meisten Antworten auf diese und ähnliche Fragen sind in dem Buch „Premiki“ zu finden.

Als der Ausschuss für auswär­tige Bezie­hungen des US-Senats im Jahr 2003 über die Zustim­mung des größten und führenden Mitglieds der Nord­at­lan­ti­schen Allianz zum Beitritt Slowe­niens zu diesem Sicher­heits­bündnis entschied, wies der Vorsit­zende des NATO-Ausschusses darauf hin, dass der größte Vorteil eines poten­zi­ellen neuen Mitglieds darin bestehe, dass es sich um ein Land handele, das sich demo­kra­ti­siert habe, unab­hängig geworden sei und sich gegen eine viel größere Macht vertei­digt habe, und dass diese Erfah­rung ein wert­voller Beitrag zur gemein­samen Sicher­heit sei. Da er auch meinen Namen erwähnte, haben die slowe­ni­schen Medien prak­tisch nicht darüber berichtet.


Es genügt nicht, in Miloševič und Mladic (auf dem Bild zusammen mit Radovan Kara­džic) nur extreme Natio­na­listen zu sehen. Es fehlt etwas, das die unglaub­lich brutalen Verbre­chen in Bosnien und Herze­go­wina, in Kroa­tien und im Kosovo voll­ständig erklären kann. Es ist die Verschmel­zung von Natio­na­lismus und kommu­nis­ti­scher Ideo­logie, die offen­sicht­lich war.

Stän­dige Verharm­lo­sung der Bedeu­tung der Unabhängigkeit

Ein solches Vorgehen war schon immer eher die Regel als die Ausnahme. Schon vor der Zeit der Unab­hän­gig­keit versuchte das Rote Propa­gan­da­mo­nopol, das Wesen der Ereig­nisse und das doppelte Spiel einiger Akteure zu verschleiern.

Viele Ereig­nisse und Aussagen wurden zum Schweigen gebracht oder verzerrt. Andere wurden beson­ders hervor­ge­hoben. Die Verzer­rung der Wahr­heit gehörte zum Alltag nach der Unab­hän­gig­keit. Die grund­le­gende Leit­linie war: Alles, was das mehr­heit­liche Werte­system der Menschen in Slowe­nien zur Zeit der Unab­hän­gig­keit und der Demo­kra­ti­sie­rung, zur Zeit des slowe­ni­schen Früh­lings, prägte, sollte rela­ti­viert und schließ­lich durch sein Gegen­teil benannt werden.

Seit dem Plebiszit im Dezember 1990 wurde die Unab­hän­gig­keit ständig als der allge­meine Grund für alle mögli­chen Probleme präsen­tiert. Jedes Jahr wurden die Slogans direkter und wort­ge­wal­tiger, bis wir 2012 bei den soge­nannten Volks­auf­ständen Trans­pa­rente mit den Worten erlebten: „Seit 20 Jahren werden wir bestohlen“ oder „Seit 20 Jahren werden wir von Unter­nehmen und Staat bestohlen“ oder „20 Jahre einer korrupten poli­ti­schen Elite waren genug“.

Es war, als ob wir vor der Unab­hän­gig­keit im Himmel gelebt hätten und als ob es in Slowe­nien kein tota­li­täres Regime gegeben hätte, in dem der Staat das Volk hundert­pro­zentig bestohlen hätte, sicher­lich viel mehr als heute, unge­achtet aller aktu­ellen Probleme.


Nach den demo­kra­ti­schen Verän­de­rungen in Slowe­nien im Jahr 1990 wurden auf einem Gebiet von mehr als 20.000 km² , das von 2 Millionen Menschen bewohnt wird, über 600 Massen­gräber entdeckt, von denen viele größer sind als das in Srebre­nica (im Bild: Skelette der Ermor­deten in Huda jama).

Seit Kučans berühmtem Brief aus dem Früh­jahr 1991 wird versucht, den Wider­stand gegen die Entwaff­nung der Terri­to­riale Vertei­di­gungs­armee und die Vertei­di­gung des slowe­ni­schen Staates als Waffen­handel und die Etablie­rung staat­li­cher Attri­bute Slowe­niens als Ange­le­gen­heit der „Ausge­löschten“ darzu­stellen. Die Mani­pu­la­tion war zwei Jahr­zehnte lang so intensiv, dass die jungen Genera­tionen, die in dieser Zeit aufwuchsen, aus allen mögli­chen öffent­li­chen Medien mindes­tens zehnmal mehr über das Problem der soge­nannten „Ausge­löschten“ erfahren konnten als über alle Maßnahmen, die die Schaf­fung des slowe­ni­schen Staates ermög­lichten. Zehn Jahre nach seiner Grün­dung erschienen die ersten roten Stern­fahnen bei der Staats­feier am Natio­nal­fei­ertag. Zuerst schüch­tern, in dem Bewusst­sein, dass sie ein Symbol der Aggres­so­ren­armee darstellen, die im Krieg um Slowe­nien besiegt wurde. Dann immer aggres­siver, als ob die JVA den Krieg gewonnen hätte. Zu den Haupt­punkten der Redner gehörte der obli­ga­to­ri­sche Satz, dass es ohne den soge­nannten Natio­nalen Befrei­ungs­krieg kein unab­hän­giges Slowe­nien geben würde. Als ob Slowe­nien 1945 und nicht 1991 geschaffen worden wäre. Die Unab­hän­gig­keit wurde ausra­diert oder redu­ziert, als das Erstere nicht klappte. Die Programme der Staats­feiern anläss­lich der beiden größten slowe­ni­schen Feier­tage, dem Tag der Staat­lich­keit und dem Tag der Unab­hän­gig­keit und Einheit, waren während der Regie­rungen der „Über­gangs­linken“ besten­falls völlig leer und hatten nichts mit dem Zweck des Feier­tags zu tun, schlimms­ten­falls waren sie sogar voller offener Verhöh­nung Slowe­niens und der Werte, die uns in einem erfolg­rei­chen, gemein­samen Unab­hän­gig­keits­pro­jekt vereinten.

Ande­rer­seits verging fast keine Woche im Jahr ohne pompöse und teure Feiern, die von der ZZB orga­ni­siert wurden, voll von Hass­reden und Drohungen gegen Anders­den­kende, tota­li­tären Symbolen, Verun­stal­tung offi­zi­eller Staats­sym­bole und dem ille­galem Tragen und Zurschau­stellen von Mili­tär­waffen. Die Teil­nehmer an diesen Massen­ver­an­stal­tungen sind meist bezahlte Mitglieder der ZZB, denn rund 20.000 von ihnen erhalten noch immer jeden Monat privi­le­gierte Zuwen­dungen für Vete­ranen, obwohl viele erst nach 1945 geboren wurden. Die Privi­le­gien werden wie in einem Feudal­fürs­tentum an die Nach­kommen weiter­ge­geben. Solche Bacchana­lien im Stil von Kund­ge­bungen aus Miloše­vics inten­sivstem Feldzug vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert wurden gekrönt von der ZZB-Kund­ge­bung am 24. Dezember 2012 in Tisje, wo der Gene­ral­se­kretär der Vete­ra­nen­or­ga­ni­sa­tion Mitja Klavora, geboren ein Jahr­zehnt nach dem Krieg, erneut mit Massa­kern drohte.

Mehrere Jahre lang nach der Unab­hän­gig­keit musste man die Orden zurück­geben und erklären, dass es dem Präsi­denten des Landes gesetz­lich nicht erlaubt ist, die Frei­heits­me­daille an Personen zu verleihen, die nichts mit der Unab­hän­gig­keit zu tun haben oder sich sogar aktiv gegen sie gestellt haben. Nach zehn Jahren begannen sie, bewusst daran zu arbeiten, mit den Symbolen Verwir­rung zu stiften. Am fünf­zehnten Jahrestag der Unab­hän­gig­keit begann eine Kontro­verse über die Bildung der slowe­ni­schen Armee und ihr Alter, und am zwan­zigsten Jahrestag donnerte der dama­lige Präsi­dent der Repu­blik sogar über die so genannten Unab­hän­gig­keits­kämpfer und sagte, dass dieser „Kampf um Verdienste“ und das Über­gangs­wirr­warr ein für alle Mal besei­tigt werden müssen. Nun, die Wähler haben sich im Herbst 2012 mit ihm befasst, Gott sei Dank. Der Höhe­punkt der Schän­dung der Unab­hän­gig­keit und insbe­son­dere der slowe­ni­schen Armee wurde kurz vor dem zwei­und­zwan­zigsten Jahrestag mit der Ernen­nung des letzten Vertei­di­gungs­mi­nis­ters gesetzt. Die Onkel aus dem Hinter­grund ernannten einen Mann in diese Posi­tion, der 1991 nicht nur indi­rekt, sondern aktiv, durch poli­ti­sches Handeln und Abstim­mungen, gegen alle Maßnahmen zur Vertei­di­gung Slowe­niens gegen die Aggres­sion der JVA war.

„Ich bin kein Mitglied der LDS, aber ich habe die glei­chen Gedanken und Ansichten wie Roman Jakič“, sagte JVA-Oberst Milan Aksen­ti­jevic in der Versamm­lung, nachdem sie gemeinsam die Vertei­di­gungs­vor­be­rei­tungen in der kritischsten Zeit behin­dert hatten.

Der Wider­stand gegen die Fälschungen war durch­ge­hend stark, und „Premiki“ und andere Bücher der direkt Betei­ligten waren seine starke Stütze, aber die Akteure der Fälschungen wurden mit jedem Jahr aggres­siver, da die Erin­ne­rung der Genera­tion, die die Unab­hän­gig­keit direkt erlebt hatte, verblasste. Jeder, der auf die Mani­pu­la­tionen hinwies, wurde von den Medien diskre­di­tiert und lächer­lich gemacht. Das Netz­werk des ehema­ligen SDV (Staats­si­cher­heits­dienst) mit mehr als 10.000 Mitar­bei­tern, verflochten mit dem Justiz- und Poli­zei­ap­parat, halb­staat­li­chen Insti­tu­tionen wie der Anti-Korrup­ti­ons­kom­mis­sion oder dem Infor­ma­ti­ons­be­auf­tragten und mit privaten Detek­teien, blieb aggressiv aktiv. Das Medi­en­mo­nopol der „Über­gangs­linken“, das die Bedeu­tung der Unab­hän­gig­keit von Jahr zu Jahr verrin­gerte und die revo­lu­tio­nären Errun­gen­schaften des so genannten Natio­nalen Befrei­ungs­krieges verherr­lichte, hat sich seit 1992 nach einer kurzen Ruhe­pause nur noch verstärkt.

Gäbe es nicht die Bewah­rung von Doku­menten und Aufzeich­nungen von vor gut zwei Jahr­zehnten, einige kompe­tente Histo­riker und die Bemü­hungen der direkt Betei­ligten, die ihre Memoiren schrieben, wäre der Wider­stand gegen die Fälschungen heute prak­tisch unmög­lich. Mehr oder weniger dieselben Akteure, die die Aufde­ckung der dras­ti­schen Geschichts­fäl­schung ab 1941 verhin­dern wollten und täglich in die Öffent­lich­keit donnerten, man dürfe keine Fälschung zulassen (lies: sie werden die Wahr­heit nicht zulassen), über­trugen ande­rer­seits ihre Methoden der Fälschung vom tota­li­tären Regime auf die Zeit nach der Unab­hän­gig­keit. Bei der Vertei­di­gung der Fälschung von 1941–1990 benutzten sie die gleiche Methode für die Zeit nach 1990: tägliche Gehirn­wä­sche durch die Massen­me­dien; die Grund­lage dafür waren Kommen­taren, Sympo­sien, Schul­bü­cher und ‑programmen sowie doku­men­ta­ri­sche oder quasi-doku­men­ta­ri­sche Sendungen. Der Höhe­punkt einer solchen Arbeit ist sicher­lich das Porträt von Milan Kučan durch den Propa­gan­disten Mojca Pašek Šetinc, und nicht weit davon entfernt ist die Doku­men­ta­tion über JBTZ, in der Ljerka Bizilj die Regis­seure unserer Verhaf­tungen 1988 wäscht. All das wird natür­lich mit Steu­er­gel­dern bezahlt.

Es wird inter­es­sant sein, die Reak­tionen dieser und anderer Autoren in den nächsten Jahren zu beob­achten, wenn die histo­ri­sche und jour­na­lis­ti­sche Tätig­keit doch viele Tatsa­chen ans Licht bringen wird, die man mit der Zerstö­rung der Archive in den Jahren 1989 und 1990 und den aufge­führten Propa­gan­da­me­thoden zu verbergen oder zumin­dest zu verschleiern versuchte. Das jüngste Buch von Igor Omerza über JBTZ beweist zum Beispiel eindeutig, dass Milan Kučan und Janez Stanovnik unter Eid gelogen haben, als sie vor der Unter­su­chungs­kom­mis­sion behaup­teten, sie hätten von Tasičs und meiner Verhaf­tung im Mai und Juni 1988 nichts gewusst.

„Premiki“ („Bewe­gungen“) war das erste Buch seiner Art über die slowe­ni­sche Unabhängigkeit

„Premiki“ war das erste Buch seiner Art über die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit. Bald folgten weitere, die verschie­dene brei­tere oder engere Aspekte dieses histo­ri­schen Prozesses beschreiben. Der außen­po­li­ti­sche Aspekt und der Kampf um die inter­na­tio­nale Aner­ken­nung wurden von Dr. Dimi­trij Rupel beschrieben, die Arbeit der Geheim­dienstler von Andrej Lovšin und die Bezie­hungen in der SFRJ von Dr. Janez Drno­všek. Nach über einem Jahr­zehnt begannen die Memoiren der Akteure der Gegen­seite zu erscheinen, auch inter­es­sante Lektüre und viele Doku­mente zum Vergleich.


Auf die Frage, wie er die Entde­ckung des Massen­grabes Huda jama mit Tausenden von unbe­stat­teten Leichen im natio­nalen Fern­sehen kommen­tieren würde, sagte der dama­lige Präsi­dent der Repu­blik Danilo Türk, der mit Unter­stüt­zung der linken post­kom­mu­nis­ti­schen Parteien gewählt wurde, dass dies ein zweit­ran­giges Thema sei und er sich nicht dazu äußern würde.

Das ehema­lige serbi­sche Mitglied des Präsi­diums der SFRJ, Borisav Jovič, beschreibt beispiels­weise in seinen Memoiren, wie er Kadi­jevič im Früh­jahr 1991 von der Notwen­dig­keit meiner Verhaf­tung oder „Entfer­nung“ über­zeugte, und auch seine Beschrei­bungen des Spiels von Kučan mit mehreren Karten sind interessant.

Noch inter­es­santer ist das 1988 erschie­nene Buch des Präsi­denten der SFRJ, Raif Dizdarevič, „Vom Tod Titos zum Tod Jugo­sla­wiens“, in dem er u.a. das Doppel­spiel von Milan Kučan, Janez Stanovnik und anderen dama­ligen slowe­ni­schen kommu­nis­ti­schen Poli­ti­kern in Bezug auf den JBTZ-Prozess aufdeckt.

Die Bücher der besiegten JVA-Gene­räle Veljko Kadi­jevič, Branko Mamula und Konrad Kolšek beschäf­tigen sich mehr oder weniger mit der Recht­fer­ti­gung der Nieder­lage und der Beschö­ni­gung ihrer Rolle darin. Ihr Auftau­chen wurde vor allem durch die Tätig­keit des Haager Kriegs­ver­bre­cher­tri­bu­nals auf dem Terri­to­rium des ehema­ligen Jugo­sla­wiens ausge­löst, das in seinem auf der Website des Gerichts verfüg­baren Mate­rial auch eine Reihe von wert­vollen Zeugen­aus­sagen gesam­melt hat.

Den Speku­la­tionen über den ille­galen Waffen­handel zwischen Slowe­nien und Kroa­tien wurde mit dem Buch „Erin­ne­rungen eines Soldaten“ von Martin Špegelj, kroa­ti­scher Vertei­di­gungs­mi­nister während des Krieges für Slowe­nien, ein Ende gesetzt, in dem der Autor die mili­tä­ri­sche Hilfe, die Slowe­nien während und nach dem Krieg kostenlos an Kroa­tien abtrat, detail­liert beschrieb.


Nach dem Ende seiner dritten Amts­zeit als Präsi­dent der Repu­blik Slowe­nien grün­dete Milan Kučan 2004 das Forum 21, in dem sich bis auf wenige Ausnahmen Personen zusam­men­fanden, die im letzten Jahr­zehnt extrem reich geworden sind und heute einige der größten Unter­nehmen Slowe­niens besitzen.

Viele neue Doku­mente, die die Verbin­dung zwischen der slowe­ni­schen UDBA und den führenden Kommu­nisten zur Verhin­de­rung der Demo­kra­ti­sie­rung zu Beginn des slowe­ni­schen Früh­lings aufzeigen, sind in den Samm­lungen von Doku­menten und Zeugen­aus­sagen mit den Titeln „7 Jahre später“ und „8 Jahre später“ (beide erschienen im Verlag Karan­ta­nija) und der Publi­ka­tion „Die symbo­li­sche Deko­ra­tion des Verbre­chens durch den Präsi­denten“, erschienen im Verlag Nova obzorja, gesam­melt. Mit der Publi­ka­tion „Der Hoch­verrat Slowe­niens – Entwaff­nung der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee RS im Mai 1990“ und den darin veröf­fent­lichten Doku­menten beleuch­tete derselbe Verlag schließ­lich diesen schänd­li­chen Akt, der beinahe die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens verhin­dert hätte und den Dr. Jože Pučnik und Ivan Oman zu Recht als Verrat an Slowe­nien bezeichneten.

Verschie­dene Vete­ra­nen­or­ga­ni­sa­tionen sammelten in einzelnen Provinzen und Gemeinden Doku­mente und Zeug­nisse über die Vertei­di­gungs­vor­be­rei­tungen und den Krieg um Slowe­nien. Die umfang­reichste derar­tige Leis­tung gelang den Menschen aus Nord-Primorska mit der Antho­logie „Der Ruhm gehört ihnen allen“, heraus­ge­geben vom Museum Goriška.

Die Tätig­keit der slowe­ni­schen Polizei, damals noch der Volks­miliz, während der MSNZ wird in der Antho­logie „Verbor­genes blaues Netz“ beschrieben, die gesamte Zeit und Tätig­keit der MSNZ in dem Werk von Albin Mikulič „Rebellen mit Grund“.

Erfüllte und uner­füllte Erwartungen

In „Premiki“ habe ich auch ziem­lich unbe­scheiden versucht, die Zukunft vorher­zu­sagen. Einige Vorher­sagen sind einge­treten, andere nicht. Ich habe nicht erwartet, dass Slowe­nien so schnell die EU- und NATO-Mitglied­schaft errei­chen würde. Ganz zu schweigen von der Einfüh­rung der euro­päi­schen Währung inner­halb von 15 Jahren. Ehrlich gesagt waren meine Erwar­tungen damals höher, als ich an die innere Umwand­lung Slowe­niens in eine offene, freie und verant­wor­tungs­volle Gesell­schaft dachte. Ich glaubte, dass wir dieses Ziel leichter und schneller errei­chen würden. Leider hat sich das nicht bewahr­heitet. Der Zerfall des alten tota­li­tären Systems verlief langsam, und einige der Mono­pole, die bei der Unab­hän­gig­keit verletzt worden waren, wurden bald wieder etabliert. Die tieferen Ursa­chen dieser Situa­tion habe ich zu Beginn dieses Vorworts und bei verschie­denen anderen Gele­gen­heiten ausführ­li­cher beschrieben. In diesem Vorwort werden die Einschät­zungen und Warnungen, die ich mehr­fach gegeben oder geschrieben habe, an einigen Stellen wieder­holt oder zusam­men­ge­fasst. Einige von ihnen werden mit Sicher­heit auch in Zukunft wieder­holt werden müssen, denn sie werden leider zumin­dest für einige Zeit aktuell bleiben.

Im Jahr 1993 wurde Slowe­nien Mitglied des Euro­pa­rates, und 1996 verab­schie­dete die parla­men­ta­ri­sche Versamm­lung dieser Orga­ni­sa­tion die bekannte Reso­lu­tion über die Besei­ti­gung des Erbes tota­li­tärer kommu­nis­ti­scher Regime Nr. 1096 und sprach drama­ti­sche Warnungen für uns aus:

Es gibt viele Gefahren im Falle eines geschei­terten Über­gangs­pro­zesses. Im besten Fall wird Olig­ar­chie statt Demo­kratie herr­schen, Korrup­tion statt Rechts­staat­lich­keit und orga­ni­sierte Krimi­na­lität statt Menschen­rechte. Im schlimmsten Fall könnte das Ergebnis eine samtene Restau­ra­tion des tota­li­tären Regimes sein, wenn nicht gar der Sturz der entste­henden Demokratie.

Heute sind wir uns prak­tisch alle einig, dass der Über­gangs­pro­zess von einem tota­li­tären kommu­nis­ti­schen Regime zu einer demo­kra­ti­schen, offenen und verant­wor­tungs­vollen Gesell­schaft in Slowe­nien nicht erfolg­reich war. Wir befinden uns immer noch mitten in einer Art rotem Meer, in einer wirt­schaft­li­chen und sozialen Krise. Unter dem Deck­mantel des natio­nalen Inter­esses wurde ein staat­li­ches Eigen­tums­mo­nopol aufrecht­erhalten, das zuerst die slowe­ni­schen Steu­er­zahler ausbeu­tete und die Gehälter und Renten im Lande durch staat­liche Beihilfen und den Haus­halt verschlang; nach dem EU-Beitritt erfolgte dies mit Hilfe von poli­ti­schen Krediten und mit Hilfe der Bank von Slowenien.

Mit diesen Abflüssen von Steu­er­gel­dern haben sie schlechte Geschäfts­ent­schei­dungen finan­ziert, ihr rotes Monopol in den Medien und der Justiz aufrecht­erhalten und durch alle drei die poli­ti­sche Mehr­heits­macht im Lande unab­hängig von der aktu­ellen Regie­rung erhalten. Diese wurde immer durch mindes­tens einen Koali­ti­ons­partner in Schach gehalten.

Für die ehema­ligen Partei­kom­mis­sionen wurden Stell­ver­treter einge­setzt. Auf diese Weise erhielten wir einen Infor­ma­ti­ons­be­auf­tragten, ein Korrup­ti­ons­büro und dann eine Kommis­sion. Neben den beauf­sich­tigten Stellen dienten oft auch der Ombuds­mann, das Amt für Wett­be­werbs­schutz, die Wert­pa­pier­mark­t­agentur, der Rech­nungshof und die Bank von Slowe­nien demselben Zweck. Viele staat­liche oder para­staat­liche Insti­tu­tionen taten das genaue Gegen­teil von dem, was eigent­lich ihr Haupt­zweck sein sollte.

Das rote Monopol in den Medien ist so offen­sicht­lich geworden, dass Armut, unbe­zahlte Arbeiter und sogar hung­rige Kinder auf wunder­same Weise aus den Schlag­zeilen vom Tag der Ernen­nung der linken Regie­rung verschwinden. Ein paar Tage später schrieb die Zeitung in Ljub­l­jana zynisch, dass Slowe­nien die höchste Zahl fett­lei­biger Kinder in Europa hat. Die wich­tigsten Fern­seh­ka­näle widmeten dem Verdacht auf das umstrit­tene Zeugnis des ehema­ligen SDS-Abge­ord­neten zwan­zigmal mehr Sende­zeit als dem Plagi­ats­ver­dacht eines Kandi­daten für das Amt des Ministerpräsidenten.

Die üppigen Privi­le­gien der ehema­ligen Ein-Parteien-Spitze nahmen erst in der Zeit des geschei­terten Über­gangs neue Formen an. Geschenkte und priva­ti­sierte Häuser und Wohnungen, Sonder­renten, Pensio­nie­rungen mit 40 Jahren für die ehema­lige UDBA und Vete­ra­nen­gelder wurden teil­weise sogar an die Nach­kommen weiter­ge­geben. So nahm die Bewah­rung der Errun­gen­schaften des Natio­nalen Befrei­ungs­krieges und der Revo­lu­tion eine sehr konkrete Form des Inter­esses an: die Bewah­rung von Privi­le­gien. Privi­le­gien, die in Zeiten der Krise mehr denn je die Menschen zusätz­lich belasten und der Mehr­heits­be­völ­ke­rung neue, himmel­schrei­ende Unge­rech­tig­keiten bescheren.

Bewahrte und wieder­her­ge­stellte Mono­pole, die Verzer­rung der Wahr­heit über die slowe­ni­sche Unab­hän­gig­keit, die soziale und wirt­schaft­liche Krise – all das hängt auf den ersten Blick eng zusammen, aber in der Praxis ist diese Verbin­dung untrennbar. Es ist daher nicht verwun­der­lich, dass der ehema­lige Präsi­dent in letzter Zeit so offen über die Notwen­dig­keit gespro­chen hat, ein für alle Mal eine „Politik des Verdienstes der Unab­hän­gig­keit“ zu betreiben. Die Akteure, die zur Zeit der Unab­hän­gig­keit ein doppeltes Spiel spielten, die Entwaff­nung der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee ermög­lichten und gegen die inter­na­tio­nale Aner­ken­nung Slowe­niens kämpften – in der Zeit nach der Unab­hän­gig­keit verlän­gerten sie tota­li­täre Verhal­tens­muster in die Neuzeit und schmug­gelten sie teil­weise sogar in die Euro­päi­sche Union – sind sich sehr wohl bewusst, dass das größte Hindernis für ihre Domi­nanz das Werte­system ist, das Werte­zen­trum der Slowenen, das während der Unab­hän­gig­keit gebildet wurde. Solange dieses exis­tiert, werden die Geister der Vergan­gen­heit nicht siegen.


Der anfäng­lich viel­ver­spre­chende Versöh­nungs­pro­zess verkehrte sich in sein Gegen­teil und fand Ende April 2013 in Stožice ein unrühm­li­ches Ende, wo die gesamte slowe­ni­sche Staats­füh­rung im Saal stehend die Kommu­nis­ti­sche Inter­na­tio­nale sang, ein Symbol des Kumpa­n­ei­ka­pi­ta­lismus. Ganz zu schweigen von der Verherr­li­chung von kommu­nis­ti­schen Revo­lu­tio­nären und Mördern wie Che Guevara.


69b


Die „Über­gangs­linke“, die aufgrund der Privi­le­gien und Lasten der ideo­lo­gi­schen und oft auch physi­schen Väter mit brüder­li­chem Blut und gestoh­lenem Eigentum nicht aus diesem verderb­li­chen Rahmen heraus­treten kann, kann ihre ideo­lo­gi­sche Basis nur mit einer groß ange­legten Propa­gan­da­ma­schine aufrecht­erhalten, die große Anstren­gungen und enorme finan­zi­elle Mittel erfor­dert. Sie kontrol­liert auch heute noch den größten Teil der slowe­ni­schen Medien.

Die Doktrin für die Zukunft bleibt unverändert

Die slowe­ni­sche Verfas­sung enthält einen Text des Eides, der nach den Wahlen von allen höchsten Staats­be­amten geleistet wird. Mit dem Eid verpflichten sie sich, „die Verfas­sung zu achten, nach ihrem Gewissen zu handeln und sich mit aller Kraft für das Wohl Slowe­niens einzu­setzen“. Der Test, mit dem wir prüfen können, ob eine Hand­lung, ein Verhalten oder ein Programm einer Einzel­person, einer Gruppe, einer poli­ti­schen Partei oder einer poli­ti­schen Option wirk­lich im Einklang mit dem Verfas­sungseid steht, ist einfach.

Wenn eine Einzel­person, eine Gruppe, eine Partei oder eine poli­ti­sche Option die Werte, Ereig­nisse und Errun­gen­schaften der slowe­ni­schen Unab­hän­gig­keit, die uns auf die Welt­karte gebracht haben und um die sich die Slowenen wie nie zuvor in ihrer Geschichte vereint haben, in den Vorder­grund stellt und hervor­hebt, dann handelt sie im Einklang mit dem Text und dem Geist des Verfassungseids.

Wenn aber eine Einzel­person, eine Gruppe, eine Partei oder eine poli­ti­sche Option die Ereig­nisse und Zeiten in den Vorder­grund stellt, die uns als Nation geteilt und zerstört haben, dann handelt sie entgegen dem Text und dem Geist des Verfas­sungs­eides. Und es hat keine zerstö­re­ri­schere Zeit für die slowe­ni­sche Nation gegeben als die bruder­mör­de­ri­sche kommu­nis­ti­sche Revolution.

Diese offen­sicht­liche Tatsache ist eine unaus­lösch­liche histo­ri­sche Wahr­heit. Die „Über­gangs­linke“, die aufgrund der Privi­le­gien und Belas­tung ihrer ideo­lo­gi­schen und oft auch physi­schen Väter mit brüder­li­chem Blut und gestoh­lenem Eigentum nicht aus diesem verderb­li­chen Rahmen heraus­treten kann, kann ihre ideo­lo­gi­sche Basis nur mit einer groß ange­legten Propa­gan­da­ma­schine aufrecht­erhalten, die große Anstren­gungen und enorme finan­zi­elle Mittel erfor­dert. Da diese Art von Ideo­logie nicht in der Lage ist, die Bedin­gungen für die Schaf­fung neuer Werte zu schaffen, brau­chen sie drin­gend Macht, die Kontrolle über die Haus­halte, die staat­li­chen Banken, die staat­li­chen Mono­pole, die auslän­di­schen Kredite und durch all diese Instru­mente letzt­lich die Gelder der Steuerzahler.

Die Führung des Staates entgegen dem Werte­zen­trum der slowe­ni­schen Nation und des Staates, bzw. die Aufrecht­erhal­tung von Kučans, ansonsten logisch wider­sprüch­li­cher Behaup­tung, dass es mehrere Wahr­heiten gibt – was in der Praxis bedeutet, dass sich natür­lich dieje­nige durch­setzen soll, die durch größere und mäch­ti­gere Laut­spre­cher verkündet wird -, hat den jungen slowe­ni­schen Staat bisher Hunderte von verlo­renen Entwick­lungs­chancen, Zehn­tau­sende von Arbeits­plätzen und verschenkte Chancen für den Einzelnen auf Erfolg im Leben gekostet. Sie hat die gegen­wär­tige und eine Reihe zukünf­tiger Genera­tionen mit Auslands­schulden belastet, die zu diesem Zeit­punkt bereits nomi­nell die gesamte Verschul­dung der ehema­ligen SFRJ übersteigen.

Die Laut­spre­cher spielen jedoch weiterhin eine kata­stro­phale Melodie, obwohl das Geld endlich zur Neige geht und obwohl es höchste Zeit ist, dass sich die Führung des Staatwa wieder auf die Werte stützt, die ihn geschaffen haben.

Wann immer eine solche extreme Zeit in der Geschichte eintritt, geschehen Verän­de­rungen. Bewegungen.



Janez Janša, Premier­mi­nister der Repu­blik Slowenien

Der slowe­ni­sche Premier­mi­nister Janez Janša:
Slowe­nien, mein Heimatland

In der Geschichte jeder Nation gibt es einen genau defi­nierten Moment, der es einer Nation ermög­licht, souverän zu werden, ihr eigener Herr auf eigenem Boden. Ein solcher Moment spie­gelt die posi­tive Einstel­lung der meisten Bürger oder Mitglieder der Nation wider. Ein solcher Moment stellt das Zentrum der Werte der Nation dar. Für uns, die Slowenen und Bürger der Repu­blik Slowe­nien, ist dies der Moment der Unabhängigkeit.

In diesem Jahr werden es dreißig Jahre seit dem Treffen der Demos-Koali­tion am 9. und 10. November 1990 in Poljče, wo eine histo­ri­sche Entschei­dung getroffen wurde, ein Refe­rendum für die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens zu fordern. Die Entschei­dung von Demos in Poljče war richtig, entschei­dend und ausschlag­ge­bend. Aber diese Entschei­dung war nicht selbst­ver­ständ­lich. Sie erfor­derte Mut. Sie wurde zu einem Zeit­punkt getroffen, als andere poli­ti­sche Führer gezö­gert und über­legt hätten und die histo­ri­sche Chance der slowe­ni­schen Nation erneut vertan hätten. Wer weiß, wann, wenn über­haupt, sich eine solche Gele­gen­heit wieder ergeben würde. Deshalb danke ich allen aufrichtig, die an jenem Novem­bertag all ihre Zweifel und Ängste beiseite geschoben und entschieden haben, was richtig war und was damals am nötigsten war. Diese Entschei­dung wurde später durch eine einheit­liche poli­ti­sche Verein­ba­rung über die Durch­füh­rung einer Volks­ab­stim­mung über die Unab­hän­gig­keit Slowe­niens aufgewertet.

Der Tag des Plebis­zits, der 23. Dezember 1990, wird für immer als ein beson­derer Tag in die Geschichte Slowe­niens eingehen. Bei einer Wahl­be­tei­li­gung von 93,2 % stimmten 95 % von uns für ein unab­hän­giges Slowe­nien. Die Nation verstand die Einzig­ar­tig­keit dieses histo­ri­schen Moments und bewies damit ihre Reife, Klug­heit und Bereit­schaft, ein freier souve­räner Staat zu werden. Es war das einzige Mal in der Geschichte, als die slowe­ni­sche Nation wirk­lich ihr eigenes Schicksal gestaltete.

Ein halbes Jahr später, am 25. Juni 1991, verab­schie­dete die slowe­ni­sche Natio­nal­ver­samm­lung nach hitzigen Debatten und Abstim­mungen über Unab­hän­gig­keits­ge­setze, von denen die wich­tigsten mit nur wenigen Stimmen der kleinen Mehr­heit von Demos ange­nommen wurden, mit der erfor­der­li­chen Zwei­drit­tel­mehr­heit das Verfas­sungs­ge­setz zur Umset­zung der Verfas­sungs­charta über die Souve­rä­nität und Unab­hän­gig­keit der Repu­blik Slowe­nien, mit dem Slowe­nien die Befug­nisse der ehema­ligen Föde­ra­tion auf seinem Terri­to­rium über­nahm. Slowe­nien wurde zu einem unab­hän­gigen und souve­ränen Staat. Es gab keinen Weg zurück, obwohl die jugo­sla­wi­sche Volks­armee aggressiv versuchte, den Weg in ein neues Leben zu verhindern.

Wir mussten sofort die Frei­heit unserer Nation vertei­digen, indem wir zu den Waffen griffen. In jenen Wochen, Tagen und Stunden im Juni und Juli 1991 stand alles auf dem Spiel. Eine unab­hän­gige und euro­päi­sche Zukunft für die Slowenen, ein demo­kra­ti­sches System, unsere Reli­gion und unser Recht, Wohl­stand und unser Leben. Es waren die Tage, in denen – im Mai 1990 – ein entwaff­netes Volk wieder für seine Rechte eintrat, ein unab­hän­giges Slowe­nien erklärte und sich ener­gisch gegen die Aggres­sion der jugo­sla­wi­schen Volks­armee wehrte.

In jenen Tagen hat ein kleiner Prozent­satz von Slowenen, die mit der massiven Unter­stüt­zung der Nation zu jeder verfüg­baren Waffe griffen und sich zusammen mit der Zivil­ver­tei­di­gung der fünftstärksten Armee in Europa entge­gen­stellten, mit ihrem Mut das Unmög­liche erreicht und den letzten Akt des Über­gangs der slowe­ni­schen Nation zu einem Staat geschrieben. Der Mut der Slowenen wurde damals von der ganzen Welt bewun­dert. Die Vertreter der mäch­tigsten Länder der Welt, die noch wenige Tage vor dem Krieg behaup­teten, dass sie uns niemals aner­kennen würden, änderten ihre Meinung wegen unseres Mutes. Trotz der Oppo­si­tion gegen unsere tatsäch­liche Unab­hän­gig­keit durch einen Teil der linken Politik war die Nation geeint. Vereint wie nie zuvor und sehr mutig.

Die Einheit der Nation, der Mut ihrer Streit­kräfte, der starke poli­ti­sche Wille der Demos-Regie­rungs­ko­ali­tion unter der Führung von Dr. Jože Pučnik und die Initia­tive vieler einzelner Komman­danten der takti­schen Einheiten der Terri­to­rialen Vertei­di­gung und der Polizei schmie­deten den Sieg im Krieg für Slowe­nien. Ein Sieg, der in seiner Endgül­tig­keit in den slowe­ni­schen Olymp erhoben wurde, ein Sieg, der wich­tiger ist als alle Schlachten, die unsere Vorfahren – oft leider auch für andere – im Strudel der undank­baren Geschichte der vergan­genen Jahr­hun­derte geschlagen haben.

Der Krieg um Slowe­nien brachte jeden Tag Tausende von Helden in der slowe­ni­schen Nation zum Vorschein. Jungen und Männer, die aus Liebe zu ihrem Heimat­land die Angst über­wanden. Sie griffen zu den Waffen, um ihre Heimat, ihre Reli­gion und ihr Land zu vertei­digen. Slowe­nien. Sie haben eine groß­ar­tige Arbeit geleistet.

Um das berühmte Zitat von Winston Chur­chill nach der Schlacht um Groß­bri­tan­nien zu para­phra­sieren, können wir sagen, dass noch nie in der Geschichte der slowe­ni­schen Nation so viele Menschen einer Hand­voll ihrer Lands­leute so viel zu verdanken hatten.

Nach ihrem Sieg kehrten sie in ihre Häuser zurück. Der Staat mag sie oft vergessen haben, aber ihre Heimat wird es nie. Es war ein entschei­dender Moment, eine große Ode an die slowe­ni­sche Nation. Wir haben uns erhoben und dank ihres Mutes haben wir gesiegt.

Aber leider gab es auch dieje­nigen, die diesem Krieg zum Opfer fielen. Wir sind all jenen dankbar, die das wert­vollste Geschenk – ihr Leben – gaben, um den Traum der Nation zu verwirk­li­chen. Und wir pflegen das Andenken an sie mit unserer vollen Wertschätzung.

Wenn wir auf unseren Weg zurück­bli­cken, auf alles, was wir als Nation in diesen neun­und­zwanzig Jahren erreicht haben, was wirk­lich nur eine kurze Zeit­spanne für ein Land ist, können wir stolz sein. Wir haben viel erreicht, aber wir haben auch viele Chancen verpasst. Auch, weil wir zuge­lassen haben, dass alte Miss­stände, Hass, zyni­sche Distanz und Spal­tungen wieder an Macht gewinnen. Weil das Gute, das in jedem von uns steckt, stumm blieb, als das Schlechte wieder einmal seinen Marsch antrat und die krea­tive Begeis­te­rung bremste.

Doch die Prüfungen, die das Leben uns aufer­legt, lehren uns immer wieder, dass wir nur dann stark sind, wenn wir verbunden und vereint sind. Dass wir nur in der Einheit als Nation und als Gesell­schaft voran­kommen und selbst die härtesten Widrig­keiten über­winden können. Unsere jüngste Erfah­rung im Kampf gegen das Coro­na­virus hat dies nur bestä­tigt. Trotz geteilter Politik, wie es auf unserem Weg zur Unab­hän­gig­keit der Fall war, konnten wir als eine Nation, die verstanden hat, dass unsere Gesund­heit uner­setz­lich, unteilbar und für alle glei­cher­maßen von unschätz­barem Wert ist, die erste Schlacht gegen das Virus gewinnen. Ich glaube, dass wir gemeinsam, durch verant­wor­tungs­volles Handeln, jeden weiteren Ausbruch der Infek­tion über­winden können. Darüber hinaus möchte ich den Freunden und Ange­hö­rigen all derer, die an dem Coro­na­virus verstorben sind, mein aufrich­tiges Beileid und Mitge­fühl aussprechen.

Anläss­lich des Geburts­tags unseres Heimat­landes blicke ich auf den Weg zurück, den wir gegangen sind, und hoffe, dass wir uns häufiger bewusst machen, was für eine große Ehre und ein Privileg es ist, dass wir mit unserer Entschei­dung den Traum eines unab­hän­gigen Staates verwirk­li­chen und die Opfer, Anstren­gungen, Arbeit und Gebete vieler Genera­tionen von Slowenen recht­fer­tigen konnten.

Ich hoffe, dass wir unser unab­hän­giges Land als ein großes Geschenk und eine Chance für alle sehen, es sich zu eigen zu machen, für es zu sorgen und unser Bestes zu geben, jeder auf seine Weise. So wie wir uns um die Menschen kümmern, die wir in unseren Herzen tragen.

Ich hoffe, dass wir, seit unsere gemein­same Entschei­dung beim Plebiszit in Form eines souve­ränen und unab­hän­gigen Staates Realität geworden ist, nie wieder sagen werden, dass nichts getan werden kann. Dass nichts geän­dert werden kann. Die Macht einer Nation, die geeint ist, ist eine unauf­halt­same Kraft. Wenn sie um ein edles Ziel vereint ist, hilft ihr die gesamte Schöp­fung auf dem Weg zu dessen Verwirklichung.

Ich hoffe, dass wir als Ergebnis der außer­ge­wöhn­li­chen Ereig­nisse, die Ende 1990 und in der ersten Hälfte 1991 statt­fanden und die in unserer Geschichte bis zu diesem Zeit­punkt beispiellos waren, niemals aufgeben werden. Dass wir in der Lage sein werden, mit jener Zeit in Verbin­dung zu bleiben, die mit einer Kraft, die alle Hinder­nisse über­wand, die Geburt eines unab­hän­gigen und souve­ränen Staates in jener entschei­denden Zeit herbei­führte. Dies ist das Werte­zen­trum der slowe­ni­schen Nation, in dem sich die schöp­fe­ri­schen, geis­tigen und mate­ri­ellen Kräfte der Nation seit ihren Anfängen verei­nigt haben.

Ich hoffe, dass wir aus diesem Werte­zen­trum immer wieder unsere Kraft und Krea­ti­vität schöpfen werden. Dass wir in ihm nach Stürmen Schutz und nach Prüfungen Ruhe finden werden. Dass wir mit ihm und mitein­ander eins bleiben.

Ich hoffe, dass die slowe­ni­sche Fahne zu Ehren dieses, unseres größten Jubi­läums, stolz von jedem Haus in unserer geliebten Heimat wehen wird. Dass wir in den kommenden Sommer­tagen die verbor­gene Schön­heit unseres Landes entde­cken und erkennen, wie zauber­haft es ist. Mit dem Klang der Glocken, von Gott geschenkt. Geschaffen für uns. Alles Gute zum Geburtstag, Slowenien!

Meine aufrich­tigen Glück­wün­sche zum Tag der Staatlichkeit.


Am Palm­sonntag, dem 8. April 1990, fanden in Slowe­nien die ersten demo­kra­ti­schen Wahlen nach dem Zweiten Welt­krieg statt. Der zweite Wahl­gang fand am 22. April 1990 statt (im Bild: Demos-Vorsit­zender Jože Pučnik beim Urnengang).

Die erste demo­kra­tisch gewählte slowe­ni­sche Regie­rung nach dem Zweiten Welt­krieg wurde am 16. Mai 1990 von der Versamm­lung der Repu­blik Slowe­nien bestä­tigt. Das Haupt­ziel der Demos-Regie­rung war die Unab­hän­gig­keit der Repu­blik Slowenien.


Die Entschei­dung für das Plebiszit über die Unab­hän­gig­keit der Repu­blik Slowe­nien wurde unter der Leitung von Dr. Jože Pučnik auf der Konfe­renz des Demos-Klubs der Abge­ord­neten in Poljče am 9. November 1990 getroffen. Der Termin für die Volks­ab­stim­mung wurde auf den 23. Dezember 1990 festgelegt.


Am Tag des Plebis­zits am 23. Dezember 1990 kreuzten 1.289.369 oder 88,5 Prozent der Wahl­be­rech­tigten das Wort JA auf dem Stimm­zettel an, was bedeu­tete, dass sie für die unab­hän­gige Repu­blik Slowe­nien waren (im Bild: Präsi­dent der Demos-Unab­hän­gig­keits­re­gie­rung Lojze Peterle).

Am 25. Juni 1991 verab­schie­dete die Versamm­lung der Repu­blik Slowe­nien in einer feier­li­chen Sitzung die Unab­hän­gig­keits­do­ku­mente, auf deren Grund­lage die slowe­ni­schen repu­bli­ka­ni­schen Organe begannen, die Funk­tionen der zerfal­lenden Sozia­lis­ti­schen Föde­ra­tiven Repu­blik Jugo­sla­wien zu übernehmen.

Die feier­liche Prokla­ma­tion der Unab­hän­gig­keit der Repu­blik Slowe­nien fand am 25. Juni 1991 auf dem Platz der Repu­blik statt. Slowe­nien wurde zu einem unab­hän­gigen und souve­ränen Staat. Es gab kein Zurück mehr, denn der Weg in ein neues Leben wurde sofort durch die JVA-Aggres­sion verhindert.


Die Aggres­sion gegen Slowe­nien wurde von JVA-Einheiten und ‑Kommandos am 26. und 27. Juni 1991 durch­ge­führt (im Bild: das Eindringen von JVA-Einheiten in Rich­tung des Grenz­über­gangs zu Italien am 27. Juni 1991), aber sie stießen schnell auf starken Wider­stand der slowe­ni­schen Streit­kräfte, die ihr ange­grif­fenes Heimat­land – die Repu­blik Slowe­nien – verteidigten.


Jeden Tag brachte der Krieg um Slowe­nien Tausende von Helden in der slowe­ni­schen Nation zum Vorschein, Jungen und Männer, die ihre Angst aus Liebe zu ihrem Heimat­land über­wanden. Sie griffen zu den Waffen, um ihre Heimat, ihren Glauben und ihr Land Slowe­nien, zu vertei­digen. Sie haben hervor­ra­gende Arbeit geleistet (im Bild: ein Mitglied der Terri­to­rialen Vertei­di­gungs­armee der Repu­blik Slowe­nien auf einem beschlag­nahmten JVA-Panzer).

Ich wünsche, dass anläss­lich unseres größten Feier­tages die slowe­ni­schen Fahnen zu Ehren unserer geliebten Heimat stolz flat­tern und dass wir in den kommenden Sommer­tagen ihre bisher verbor­genen Schön­heiten entde­cken und erkennen, wie magisch sie ist. Geboren im Klang der Glocken, geschenkt von Gott. Geschaffen für uns. Alles Gute, Slowenien!


Abkürzungen/Terminologie:

CK ZKS Centralni komite Zveze komu­nistov Slovenije Zentral­ko­mittee des Bundes der Kommu­nisten Sloweniens
DEMOS Demo­kra­tična opozi­cija Slovenije Demo­kra­ti­sche Oppo­si­tion Sloweniens
DZ-RS Državni zbor Slowe­ni­sche Staatsversammlung
JBTZ afera JBTZ (proces proti četve­rici: Janša, Borštner, Tasić, Zavrl) JBTZ-Vier; vgl. en.wikipedia.org/wiki/JBTZ_trial
JNA = JLA Jugo­slo­venska narodna armija (serb.-croat.) = Jugo­slo­vanska ljudska armada (slov.) Jugo­sla­wi­sche Volks­armee (JVA), Bundesarmee
KPJ Komu­nis­tična partija Jugoslavije Kommu­nis­ti­sche Partei Jugoslawiens
LDS Libe­ralna demo­kra­cija Slovenije Libe­ral­de­mo­kratie Sloweniens
LS Libe­ralna stranka Libe­rale Partei [Vorgän­gerin der LDS]
MSNZ Mane­vrska struk­tura nacio­nalne zaščite Manö­vrie­rende Struktur des Natio­nalen Schutzes
NOB Narodno oslo­bo­di­lačka borba Natio­naler Befrei­ungs­krieg, Natio­nale Befreiungsbewegung (?)
RŠTO Repu­bliški štab za teri­to­ri­alno obrambo Haupt­quar­tier der repu­bli­ka­ni­schen Territorialverteidigung (?)
SD Socialni demo­krati Sozi­al­de­mo­kraten, SD-Partei
SDV = SDB Služba državne varnosti (slov.) = Služba državne bezbednosti (serb.-croat.) Staats­si­cher­heits­dienst, kommu­nis­ti­sche Geheimpolizei
SFRJ Socia­lis­tična fede­ra­tivna repu­blika Jugoslavija Sozia­lis­ti­sche Föde­ra­tive Repu­blik Jugo­sla­wien (SFRJ)
TO Teri­to­ri­alna obramba Terri­to­riale Vertei­di­gung, Terri­to­riale Vertei­diger, Terri­to­riale Verteidigungsarmee
RS Repu­blika Slovenija Repu­blik Slowenien
UDBA Uprava državne varnosti (slov.) = Uprava državne bezbednosti (serb-croat.) Behörde der staat­li­chen Sicher­heit, Geheim­po­lizei Jugoslawiens
VIS Varnostno-infor­ma­tivna služba Sicher­heits­in­for­ma­ti­ons­dienst
ZKS Zveza komu­nistov Slovenije Bund der Kommu­nisten Sloweniens
ZKS-SDP [Vorgän­gerin der Sozialdemokraten]
ZZB Slove­nije Zveza združenj borcev za vred­note NOB Slovenije Föde­ra­tion der Kämp­fer­ver­bände Sloweniens
( ) „Izbri­sani“ „Ausge­löschte“
( ) tran­zi­c­ijska levica „Über­gangs­linke“

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