Jean-Marie Le Pen: „Die große Umvol­kung findet vor unseren Augen statt, auch wenn diese Vorstel­lung bei vielen den Eindruck von Extre­mismus erweckt

Ende 2021 inter­viewte die konser­va­tive unga­ri­sche Wochen­zei­tung Demo­krata den Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen. Das Inter­view wurde Ende Januar 2022 in unga­ri­scher Sprache veröffentlicht.

Ein halbes Jahr­hun­dert lang war er die domi­nie­rende Figur des fran­zö­si­schen natio­nalen Lagers, doch sein poli­ti­scher Einfluss reichte weit über die Grenzen seines Landes hinaus. Bereits vor vierzig Jahren pran­gerte er die Gefahren an, die von der Massen­ein­wan­de­rung ausgehen – auch wenn es stimmt, dass ihm damals noch kaum jemand zuhörte. Wie sieht er das heutige Europa? Was denkt er über Ungarn? Glaubt er, dass Nationen eine Über­le­bens­chance haben? Demo­krata besuchte den 93-jährigen Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen, in seiner Pariser Wohnung.

Demo­krata: Es gibt eine Gemein­sam­keit zwischen Ihnen und den Ungarn: Für Ihre Karriere wie auch für ihr natio­nales Schicksal war 1956 das Jahr einer entschei­denden Wende.

Jean-Marie Le Pen: Das ist richtig. Gerade im Jahr des unga­ri­schen Aufstands wurde ich zum ersten Mal in die Versamm­lung gewählt. Ich erin­nere mich noch sehr gut an die Nieder­schla­gung des Aufstands und die Nach­richten, die uns über den kommu­nis­ti­schen Terror erreichten, die nicht nur mich in meinen anti­so­wje­ti­schen Über­zeu­gungen bestä­tigten, sondern auch dem gesamten Westen ein wenig die Augen öffneten.

Demo­krata: Wie sahen Sie während der Jahre des Kalten Krieges die Bezie­hungen zwischen Frank­reich und dem Ostblock?

Jean-Marie Le Pen: Da ich keine Macht­po­si­tionen inne­hatte, verfolgte ich die Ereig­nisse nicht als Prot­ago­nist, sondern eher als Beob­achter. Damals betrach­teten wir die Möglich­keit, dass die Rote Armee West­eu­ropa über­schwemmen würde, als reale Gefahr. Dies war auch der Grund für die Legi­ti­mität des Mili­tär­bünd­nisses mit den Ameri­ka­nern. Daher achteten wir beson­ders auf alle Anzei­chen, die auf die Gewalt­be­reit­schaft der sowje­ti­schen Diktatur hindeu­teten. Aber heute scheint das alles schon so weit weg zu sein…

Demo­krata: Es stimmt, dass seither viel Wasser unter den Brücken geflossen ist. Vor allem seit dem Zusam­men­bruch der UdSSR …

Jean-Marie Le Pen: Für uns war der Zusam­men­bruch der Sowjet­union wie der Einsturz eines Gebäudes. Man kann sich unge­fähr vorstellen, wie ein Holz­haus zusam­men­bricht oder abbrennt, aber sich vorzu­stellen, wie ein Beton­ko­loss von selbst ins Nichts zurück­kehrt, ist schon schwie­riger. Was wir unter Gorbat­schow erlebt haben, war ein echter histo­ri­scher Selbst­mord. Damals war man erleich­tert, weil die Bedro­hung durch die Besat­zung endlich verschwunden war. Heute hingegen erleben wir selbst die Implo­sion, die sowohl poli­tisch als auch mora­lisch und reli­giös ist. Der Zusam­men­bruch des Gerüsts unserer Zivi­li­sa­tion ist nun unver­meid­lich, da es schwie­riger ist, gegen einen inneren Verfall zu kämpfen als gegen den Angriff eines äußeren Feindes. Damals stei­gerte die Angst vor der Sowjet­union unsere Wach­sam­keit; seit ihrem Verschwinden hingegen ruhen wir uns auf unseren Lorbeeren aus, versinken in Bequem­lich­keit, und der Nieder­gang hat begonnen.

Demo­krata: Was ist die Ursache für diese Implosion?

Jean-Marie Le Pen: Ich glaube, dass die Wurzeln des Problems in der Aushöh­lung des reli­giösen Gefühls liegen. Früher war es die Reli­gion, die die mora­li­schen Werte und die Lebens­re­geln diktierte, selbst für dieje­nigen, die nicht prak­ti­zierten oder persön­lich nicht einmal gläubig waren. So kam es, dass die Schwä­chung der Reli­gion zum Nieder­gang von allem anderen führte, von allem, was geistig, psycho­lo­gisch oder mental von ihr abhängig war. Es ist wie ein Leucht­turm, der mitten in der Nacht ausfällt.

Demo­krata: Besteht Ihrer Meinung nach Hoff­nung, dass sich dieser Trend umkehrt?

Jean-Marie Le Pen: Hoff­nung ist eine Kardi­nal­tu­gend. Die Hoff­nung blinkt am Ende des Tunnels, selbst für dieje­nigen, denen es an Glauben mangelt oder die über­haupt keinen Glauben haben. Wir alle leben in der Hoff­nung auf die Ankunft einer Art Erlö­sung, sei sie irdi­scher oder himm­li­scher Natur. Doch die Zeit läuft unwi­der­ruf­lich ab. Ich glaube, dass die öffent­liche Meinung immer noch nicht bereit ist, bestimmte Tatsa­chen und die unver­meid­li­chen Konse­quenzen daraus zu sehen. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Erdbe­völ­ke­rung inner­halb von fünfzig Jahren von zwei Milli­arden auf fast acht Milli­arden ange­stiegen ist – im Zuge eines Wachs­tums, das immer noch anhält. Dies wird drama­ti­sche Folgen haben, die bis zur Explo­sion unserer Welt reichen können. Die Mittel zur Bevöl­ke­rungs­re­gu­lie­rung, die die Natur bereit­stellte – wie die großen Krank­heiten, die Pest oder die Cholera sind dank der Impf­stoffe nun verschwunden, aber die Bevöl­ke­rungs­ex­plo­sion wird nicht von einer vergleich­baren Auswei­tung der verfüg­baren Ressourcen begleitet. Der sich vergrö­ßernde Abgrund zwischen den Bedürf­nissen und den verfüg­baren Ressourcen führt zu Konflikten und globalen Migra­ti­ons­phä­no­menen. Ich begrüße die Klar­heit von Ländern wie Ungarn und Polen, die diese Prozesse verstanden haben und sich darauf vorbe­reiten, sich zu vertei­digen. Wenn West­eu­ropa ihrem Beispiel folgen würde, hätte es viel­leicht eine Chance, dem heran­zie­henden Sturm zu entkommen. Da dies jedoch nicht der Fall ist, wird er uns mit sich reißen.

Demo­krata: Sie gehörten zu den ersten, die auf die Gefahren der Einwan­de­rung aufmerksam machten, die West­eu­ropa traf. Ihre Vorher­sage von vor 40 Jahren scheint sich heute zu bewahrheiten…

Jean-Marie Le Pen: Seitdem muss ich mir oft vorwerfen lassen, dass ich dieses Problem immer wieder auf den Tisch bringe, egal worüber wir disku­tieren. Ähnliche Vorwürfe werden heute Éric Zemmour gemacht, der sich um die Präsi­dent­schafts­kan­di­datur bemüht: Auch ihm wird nach­ge­sagt, dass er von der Einwan­de­rungs­frage besessen sei. Aber was kann ich dagegen tun, solange dieses Phänomen tatsäch­lich einen zentralen Platz einnimmt? Die Folgen des Wachs­tums der Welt­be­völ­ke­rung lassen sich leicht berechnen. Wenn die Größe des Kuchens unver­än­dert bleibt, während die Zahl der Gäste von 12 auf 48 und schließ­lich auf 96 steigt, wird der Kuchen letzt­end­lich nicht mehr für alle reichen, nicht nur um satt zu werden, sondern sogar um zu über­leben. In dem Raum, der sich von Wladi­wostok bis Gibraltar erstreckt und den ich als „borealen Konti­nent“ bezeichnet habe, ist das Bevöl­ke­rungs­wachstum mehr oder weniger normal. Es besteht also kein Zweifel daran, dass dieses Gebiet für einen Teil der Menschen, die in den unter Über­be­völ­ke­rung leidenden Regionen leben, das Ziel ihrer Wahl sein wird. Was uns betrifft, so haben wir nicht nur das Recht, sondern gera­dezu die Pflicht, uns dagegen zu wehren, selbst wenn dies den christ­li­chen Grund­sätzen der Offen­heit und Brüder­lich­keit wider­spricht. Europa wird auf eine harte Probe gestellt werden. Ein Freund von mir ist Schul­di­rektor in der Provence. In seiner Stadt gibt es insge­samt sechs Schulen, und der Anteil der Kinder mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund liegt bereits bei 90 %. Ich habe den Eindruck, dass die Grand Rempla­ce­ment vor unseren Augen statt­findet, auch wenn diese Vorstel­lung bei vielen den Eindruck von Extre­mismus erweckt. Sie werden uns durch die Macht der Zahl unterwerfen.

Demo­krata: Sie haben den Namen Éric Zemmour erwähnt. Was halten Sie von diesem Mann, der bislang als Publi­zist bekannt war und vor kurzem als Radi­kaler in die Politik gegangen ist? Unter­stützen Sie ihn?

Jean-Marie Le Pen: Zemmour ist einer der Kandi­daten des natio­nalen Lagers. Im Laufe des Wahl­kampfs stellen sich die Kandi­daten vor und treten dann im ersten Wahl­gang gegen­ein­ander an, damit schließ­lich nach dem zweiten Wahl­gang nur noch einer von ihnen im Rennen bleibt. Was mich betrifft, beschränke ich mich darauf zu sagen, dass ich im zweiten Wahl­gang, egal was passiert, für den Kandi­daten des natio­nalen Lagers stimmen werde. Wenn das Eric Zemmour sein sollte, werde ich für ihn stimmen; wenn es Marine Le Pen ist, werde ich natür­lich für sie stimmen – unge­achtet der Art unserer bishe­rigen Beziehungen.

Demo­krata: Aber für den ersten Wahl­gang planen Sie nicht, dazu aufzu­rufen, für einen der beiden Kandi­daten zu stimmen?

Jean-Marie Le Pen: Nein, ich möchte nicht wählen müssen [Ende Januar 2022 sprach sich Jean-Marie Le Pen schließ­lich für Marine Le Pen aus, Anm. d. Ü.]. Hinter Marine steht die Partei, die ich gegründet habe und aus der ich ausge­schlossen wurde. Ich sehe Zemmour – mit all seinen Schwä­chen – als die einzige authen­ti­sche Persön­lich­keit im Wett­be­werb. Was auch immer geschieht, Zemmour wird unsere Aner­ken­nung verdient haben, weil er mit der Faust auf den Tisch geschlagen und es gewagt hat, einige Wahr­heiten auszu­spre­chen, die man selbst in den soge­nannten natio­nalen Kreisen aufgrund von Diskre­tion, Angst und Bequem­lich­keit kaum mehr als geflüs­tert hört. Ande­rer­seits ist es sehr wichtig, auch die Programme der Kandi­daten zur Kenntnis zu nehmen. Zemmour verspricht einige Dinge, die im Wider­spruch zu allem stehen, was der Status eines Präsi­denten mit sich bringt. Aber letzt­lich ist es ein Kampf, den das Aufein­an­der­treffen der beiden Massen von Anhän­gern zu gege­bener Zeit entscheiden wird.

Demo­krata: Im Gegen­satz zu Zemmour hat Marine Le Pen eine alte Partei hinter sich, die auf jahr­zehn­te­lange Erfah­rung zurück­bli­cken kann, aber noch nie an der Macht war.

Jean-Marie Le Pen: Der Front National – oder, wie sie ihn heute nennen: der Rassem­ble­ment National – ist heute geschwächt. Wie im Fall der anderen alten Parteien und alten, zerfal­lenden Struk­turen in Europa ist die Ursache auch hier im Verlust der geis­tigen Werte zu suchen. Doch so geschwächt die Partei auch ist, bietet sie Marine dennoch eine gewisse Unter­stüt­zung, da sie nicht so gut wie ihre Main­stream-Rivalen in den Medien und ähnli­chen Struk­turen veran­kert ist.

Demo­krata: Éric Zemmour hingegen spielt den Alleingang.

Jean-Marie Le Pen: Ja, er ist allein ins Rennen gegangen, mit allen Nach­teilen und Schwie­rig­keiten, die das mit sich bringt. Denn eine Partei, selbst wenn sie schwach ist, sichert ihrem Kandi­daten eine beträcht­liche Unter­stüt­zung und ein wert­volles Hinter­land. Zemmour hingegen ist den Schwan­kungen der Umfragen und den Meinungs­än­de­rungen der Wähler ausge­lie­fert. Seine Chancen hängen von der Presse, den Kommen­ta­toren und von Erklä­rungen ab, die mal loyal, mal verrä­te­risch sind.

Demo­krata: Wenn einer der Kandi­daten aus dem natio­nalen Lager die Wahlen gewinnen sollte, welche Chancen hätte er, effektiv regieren zu können?

Jean-Marie Le Pen: Es würde mich wundern, wenn uns in der Politik die Oppor­tu­nisten ausgehen würden: Um den Sieger herum werden die spon­tanen Hilfs­an­ge­bote ihre Ellen­bogen ausfahren. Eine echte Heraus­for­de­rung für einen mögli­chen Präsi­denten aus dem natio­nalen Lager wäre es jedoch, seine Auto­rität zu festigen, die derzeit geschwächten Regie­rungs­struk­turen zu refor­mieren und Persön­lich­keiten zu entlassen, die für ihre Aufgaben unge­eignet sind. Und all das würde nicht nur von uns abhängen.

Demo­krata: Lassen Sie uns ein wenig über Ungarn spre­chen, das Sie zuletzt vor etwa 20 Jahren auf Einla­dung von István Csurka besucht haben. Wie sehen Sie unser Land?

Jean-Marie Le Pen: Ich hatte gute Bezie­hungen zu István Csurka, wir respek­tierten uns gegen­seitig als euro­päi­sche Patrioten, auch wenn wir nicht in allem über­ein­stimmten. Ich bin ihm zu großem Dank verpflichtet, weil er es mir ermög­licht hat, die unga­ri­sche Realität persön­lich zu erleben und das Land zu entde­cken. Durch Bücher wäre mir das nicht gelungen. Seitdem hat sich viel verän­dert. Ich empfinde Sympa­thie und Mitge­fühl für die unga­ri­sche Regie­rung aufgrund der stän­digen Angriffe, denen sie ausge­setzt ist. Ich habe den Eindruck, dass Ungarn ein neues Modell geschaffen hat und zum Vorboten des Kampfes für die Vertei­di­gung der west­li­chen Zivi­li­sa­tion geworden ist. In dieser Hinsicht unter­stütze ich das Land von ganzem Herzen. Unter anderem hängt es von Ihrer Hart­nä­ckig­keit ab, ob es Ihnen gelingt, die noch schlum­mernden Kräfte West­eu­ropas oder sogar Nord­eu­ropas zu wecken. Ich bin zutiefst davon über­zeugt, dass wir uns um eine Annä­he­rung an die Russen bemühen müssen, die zwar histo­risch gesehen eine Bedro­hung darstellten, deren Teil­nahme am gemein­samen Kampf aber trotz ihrer Schwä­chen heute unver­zichtbar geworden ist. Russ­land ist nach wie vor das größte Land der Welt, während seine Bevöl­ke­rung insge­samt nur 140 Millionen beträgt und jedes Jahr eine Million Menschen verliert. Sind sie weiterhin in der Lage, ihr Terri­to­rium zu vertei­digen? Es könnte sein, dass der Westen und Russ­land im selben Boot sitzen. Es steht außer Frage, dass sie aus mili­tä­ri­scher Sicht mit ihrem Arsenal weiterhin in der Lage wären, sich zu vertei­digen. Uns hingegen fehlen die geis­tigen Fähig­keiten, die notwendig sind, um gegen unbe­waff­nete Massen von Frauen, Kindern und Männern zu bestehen. Und genau das ist es, was unseren Unter­gang in unserer DNA veran­kert. Heute verwan­delt unser gemein­samer Feind die euro­päi­schen Völker in Freunde. Wie die Kinder einer anderen euro­päi­schen Nation sagen: Gott mit uns.

Demo­krata: Als Sie 2003 Buda­pest besuchten, warnten Sie die Ungarn vor der Euro­päi­schen Union. Sie sagten ihnen, sie sollten sich nicht zu viele Illu­sionen machen und sich vor einer Struktur hüten, die mit großer Wahr­schein­lich­keit in die Fußstapfen der Sowjet­union treten würde, da sie außer­or­dent­lich büro­kra­tisch sei und versuche, die Nationen ihrer Souve­rä­nität zu berauben. Was denken Sie heute, zwanzig Jahre später, über all das?

Jean-Marie Le Pen: Ich habe den Eindruck, dass meine Vorher­sagen leider Realität geworden sind – zumin­dest zum Teil. Aber man sollte die Hoff­nung nicht aufgeben: Schließ­lich beginnt das Leben immer morgen.

Demo­krata: Was halten Sie von der Bildung einer neuen Frak­tion der Natio­nalen im Euro­päi­schen Parla­ment, die die unga­ri­sche Fidesz, die polni­sche PiS und die fran­zö­si­sche Rassem­ble­ment National vereinen würde?

Jean-Marie Le Pen: Die Idee ist gut; auch ich hatte seiner­zeit versucht, etwas Ähnli­ches zu gründen. Leider schei­terte mein Versuch an der innen­po­li­ti­schen Situa­tion einiger der Parteien und an natio­nalen Ressen­ti­ments und Strei­tig­keiten, die sie seit Ewig­keiten mit sich herum­schleppten. Ich glaube, dass wir immer in der Lage bleiben sollten, die größte Gefahr zu erkennen und weise zu entscheiden, gegen wen wir kämpfen sollten. Ich befürchte jedoch sehr, dass sich die mensch­liche Natur kaum ändern wird, sodass wir uns nur auf Gott verlassen können.

Demo­krata: Sind Sie insge­samt opti­mis­tisch, was die Zukunft Frank­reichs und der Euro­päi­schen Union angeht?

Jean-Marie Le Pen: Wenn wir nicht sofort alle Lecks stopfen – d.h. das Asyl­recht, die Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung, das Boden­recht und die doppelte Staats­bür­ger­schaft abschaffen; mit anderen Worten: wenn wir nicht zu Formen des natio­nalen Schutzes zurück­kehren – werden wir unter­gehen. Das ist alles. Der Kampf findet in den Köpfen statt, und ich befürchte, dass wir bereits besiegt sind.

Demo­krata: Viele haben gehofft, dass Ihre Enkelin Marion Maré­chal dem fran­zö­si­schen natio­nalen Lager neues Leben einhau­chen könnte. Welche poli­ti­sche Zukunft sehen Sie für sie?

Jean-Marie Le Pen: Wenn die Politik weiterhin in den bisher bekannten Formen gespielt würde, wäre Marion für mich ein solides Verspre­chen für die Zukunft. Ich sage das nicht, weil sie meine Enkelin ist, sondern weil sie klare Vorstel­lungen hat, über die Erfah­rung eines Abge­ord­ne­ten­man­dats verfügt und die ihr über­tra­genen Aufgaben stets hervor­ra­gend erfüllt hat. Das Problem ist nur: Bis sie an der Reihe ist, könnte die Masse der Menschen, die zu verhun­gern drohen, mit der Welt, wie wir sie kennen, reinen Tisch gemacht haben.

Demo­krata: Sie sind nicht sehr optimistisch.

Jean-Marie Le Pen: Glauben Sie, dass es gut ist, einen Krebs­kranken über den Stand seiner Krank­heit zu informieren?

Demo­krata: Ich denke, ja.

Jean-Marie Le Pen: Und wenn man ihm das sagt, riskiert man nicht, ihn zu schwä­chen? Ich für meinen Teil bin dafür, in jedem Fall die Wahr­heit zu sagen: Ich sage, was ich sehe. Das ist die Rolle, die mir in der fran­zö­si­schen Politik zuge­fallen ist: die des Wäch­ters, der vom Mast aus Ausschau hält, von wo aus er weiter sehen kann als seine Kame­raden, die auf der Brücke geblieben sind, oder sogar weiter als der Kapitän. Die Pflicht des Wäch­ters ist es, zu sagen, was er sieht, und nicht, was er gerne sehen würde. Gute und verant­wor­tungs­volle Politik ist es, mit dem Schlimmsten zu rechnen und sich darauf vorzubereiten.

Demo­krata: Es ist wie im Mythos: Die Rolle der Kassandra ist ziem­lich undankbar…

Jean-Marie Le Pen: Es ist in der Tat eine undank­bare Rolle, manchmal sogar eine schmerz­hafte. Aber ich, ich habe die mora­li­sche Pflicht, das zu tun, was ich tun kann: zu sagen, was ich sehe oder was ich voraus­sehe. Natür­lich kann ich mich irren – ich hoffe sogar, dass ich mich irren werde. Aber die Wahr­heit muss gesagt werden, auch wenn sie die Gefühle anderer verletzt. Vor fünf Jahren brannte es in meinem Haus. Ich schrie sofort Feuer; als die Feuer­wehr eintraf, befand ich mich im ersten Stock des Hauses und aus den Fens­tern schlugen meter­hohe Flammen. Die Feuer­wehr griff das Feuer frontal an. Meine Klei­dung, meine Anzüge verbrannten alle, aber wir konnten meine Fall­schirm­sprin­ger­mütze und meine Orden retten. Das Feuer hatte alles wegge­fegt, aber in der Asche blieben Spuren zurück. Viel­leicht war das ein Zeichen, um mir zu verdeut­li­chen, dass mein Leben nur ein mikro­sko­pisch kleiner Punkt in der Geschichte der Mensch­heit war.

Demo­krata: Und doch haben Sie Ihr ganzes Leben lang gekämpft.

Jean-Marie Le Pen: Ich habe immer Vertei­di­gungs- und Rück­zugs­kämpfe geführt: in Indo­china, in Nord­afrika und zu Hause. Ich habe mich oft zurück­ge­zogen, aber ich habe nie kapi­tu­liert und immer die Hoff­nung bewahrt, verlo­renes Terrain zurück­zu­ge­winnen. Ich habe meine Pflicht getan, denn es ist unsere Pflicht, die Unseren zu schützen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: Das ist das wich­tigste aller Gebote.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei BREIZH-INFO, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.

18 Kommentare

  1. …woran wir als Nation wirk­lich seit 1.Weltkrieg defi­nitiv weiterhin zu leiden hatten und immer noch leiden müssen, ohne realis­ti­sche Aussichten auf baldigst abseh­bares Ende dieses Spuks, mit einigen kurzen, jedoch relativ glück­li­chen Atem­pausen? Bis uns die „RAF‚s,Fischers und Cohn-Bendits“ erneut zu Kreuze krie­chen liessen und solches ihre noch viel radi­ka­leren Erben weiterhin zulassen wollen und „dürfen“? Wer will uns hier- an dieser Stelle ausge­rechnet- der Torheit bezichtigen,wo wir seither doch offen­sicht­lich g a r k e i n e echten WAHLEN mehr zu haben scheinen und uns oben­drein oft genug­selbst an dieser Stelle
    als „zu dumm“ bezich­tigen lassen müssen…Wer alles „darf“ denn seither schon längst „unsere Metzger“ ganz unver­froren mitwählen? Hoch­verrat, oder was?

  2. Ein groß­ar­tiger Kerl, dieser Le Pen.
    Leider war und ist die Masse immer dämlich, sonst hätten wir ja nicht den Ärger auf der ganzen Welt. Das führt zu der Erkenntnis, dass Gesell­schaften in der die Masse ein erheb­li­ches Mitspra­che­recht hat, nicht funk­tio­nieren können.
    Roya­lis­ti­sche Systeme jedoch, schneiden hier auch nicht viel besser ab. Gene­rell verhin­dert Macht­an­spruchs­denken, Korrup­tion, Geld­gier, Geil­heit, Neid, Faul­heit und Verkom­men­heit – alles Haupt­ei­gen­schaften des Menschen – eine Verbes­se­rung der Zustände.
    Es ist ein Dilemma.

  3. Jean-Marie Le Pen und Franz Schön­huber. Zwei weise Männer, deren Vorher­sagen voll­um­fäng­lich einge­troffen sind.

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    • Ich hab‘ das auch bereits gesehen, als die angeb­li­chen Gast­ar­beiter aus der Törkei hier +/- Anfang der Sieb­ziger hier einströmten und blieben und sich auch schon wie die Herren hier benahmen, die Messer­ste­che­reien begannen, etc. etc. etc..

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      • Ich kenne die Beschei­ßerei der Zuge­reisten aus dem Gesund­heits­be­reich und Sozi­al­wesen, Das geht schon seit ca. 40 Jahren so und alles mit Wissen und Duldung der Poli­tiker! Ein schönes Beispiel ist hier das verschieben der Kinder unter den Fami­lien ‚um mehr Kinder­geld zu bekommen.

    • Der kommu­nis­ti­sche Hetzer und Spalter ist einfach nicht tragbar!
      Leider hat der Michel nichts aus seiner eigenen Geschichte gelernt oder er kennt sie gar nicht!

      • Falls Sie Marie LePen als solchen Spalter und Hetzer empfinden. Was halten Sie davon das eine Hand­voll Wohl­stands­ve­ganer sich auf der Autobahn
        fest­zurren um sich gegen Lebens­mit­tel­ent­sor­gung zu echaufieren.
        Unter dem Deck­mantel des Wetters und der Leug­nung des echten Klima­wan­dels kann man die Fratze der Igno­ranz gegen­über Armut sogar zur Flucht­ur­sache stili­sieren. Die Ursache mit seiner Wirkung absicht­lich zu vertau­schen ist nichts Neues. Oder ging jemals, einer dieser hand­voll Demons­tranten gegen sie Strafen bei Contai­ning vor, immerhin schafften die es in die Quan­ti­täts­me­dien, dies gelang nicht mal den Gelb­westen im Jahr 2019. Sie könnten mit ein paar billigen Erdnüssen für 45 cent auf 100 Gram im Einzel­handel wenigs­tens den Hunger hinaus­zö­gern bis genug tieri­sches Protein vorhanden ist um die angeb­li­chen Hunger­bäuche zu verhin­dern. Der Tod durch Mangel an Eiweiß und die Wasser­ein­la­ge­rungen z.B. in den Bäuchen ist nur noch so etwas „Spal­te­ri­sches“ jedoch medi­zi­nisch korrekt und nicht Bestand­teil eben jener Ignoranz.

      • Er kennt sie im Grunde nicht. Seit Ewig­keiten wird über Nazi und sonst nichts berichtet, keine Zusam­men­hänge, keine inter­na­tio­nalen Intrigen usw.

  4. Ich persön­lich kenne eine (A*)PD gutgläu­bige Wähler*in
    (Das ein Stern­chen ist nicht Duden­kon­form, falls es jemand stört
    de.wikipedia.org/wiki/Gendersternchen#Deutscher_Blinden-_und_Sehbehindertenverband) der Ex-„Arbeiter“-Partei Deutschland.

    Dieses Jahr, 2022, wurde sie von dem Vermieter gekün­digt und sucht jetzt eine neue Bleibe.

    Als deut­sche Rentner*innen kann man gerne Versu­chen gegen das Einkommen einer Fach­kraft um eine Wohnung zu buhlen. 

    Das und noch mehr (Krimi­na­lität, Trau­ma­ti­sierte Kosten für die Pflicht­ge­sund­heits­ver­si­che­rung nach Forde­rung zur Arbeit) ist die einzige neue Realität die die Leute schon bald verstehen werden.

    Ps. I (A*) ist eine Anspie­lung für den verlo­renen Sozialismus. 

    «Das Problem des Sozia­lismus ist, dass dir irgend­wann das Geld anderer Leute ausgeht.»
    Zitat Margaret That­cher, besser Informieren
    *https://dpa-factchecking.com/germany/201030–99-146971/

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    • Margret That­cher hat das meines Wissens auf die EU bezogen, was aber an den Fakten nicht das geringste ändert. „Die EU ist am Ende, wenn das deut­sche Geld ausge­geben ist“.

      Mieten? Mir ist eine Nacch­richt aus der Zeit um 1960 in Erin­ne­rung, für die ich natür­lich keine hand ins Feuer legen Würde, Vor allem wegen der Zahlen.
      In münchen sollen damals in der Hälfte aller Haus­hal­tungen keine Kinder gewesen sein. Daraus folgerte ich: Zwei Verdiener können die stei­genden Mieten immer leichter bezahlen, als ein normaler Haus­halt. Gehe ich fehl mit meiner Meinung, daß die Zerstö­rung des Normalen für alle Probleme mit‑, oder sogar haupt­schuldig sind.

  5. Die Angst vor Über­be­völ­ke­rung hatte schon Hans Grimm in seinem Buch „Volk ohne Raum“. Ich sehe eher die globalen Orga­ni­sa­ti­ons­formen als größte Gefahr für die Mensch­heit, denn die zentra­li­sieren und setzen diese Gebilde anschlie­ßend wieder zusammen. Welches Volk ist der Staat? Überall trennen künst­liche Grenzen Völker. Memo­randen werden igno­riert wie das von Öster­reich von 1918. Alles Eigen­stän­dige muß genormt werden, wie in Europa die Dialekte, die verschwunden sind. Nun werden die Natio­nal­spra­chen geschleift durch Englisch, aber was für ein Englisch? Doch nicht das feine Oxford-Englisch.
    Ich kann nur sagen: Was man mischt, kann man auch wieder trennen, aber in der EU fehlt dazu der poli­ti­sche Wille. Hemm­schuh ist seit der UdSSR eine neobol­sche­wis­ti­sche Ideologie.

  6. Wir wünschen ihn deshalb einen Sieg und dann geht erst richtig nach vorne in unsere Zukunft hin los, anders­herum in den ABGRUND:
    Vorher kommt nochmal ein Krieg, weil der Westen keinen Frieden will.

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    • Der „Westen“? Nein, nur dessen kleine selbst­er­nannte Elite die kalt lächelnd jegliche Errun­gen­schaften der Aufklä­rung und unserer Kultur für eigenen Gewinn verrät.

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    • Ein Volk, was sich zweimal von den AMIs zerbomben lässt und ihn dann noch 80 Jahre lang kostenlos bekös­tigt, hat nur noch den Unter­gang verdient! Selbst die angeb­lich nicht so klugen Taliban, haben die Zerstörer aus dem Land vertrieben!

  7. Daran, daß es jeder sehen kann, aber kaum einer sehen will und die wenigen, die es sehen und sagen was ist, dann von der Masse ange­griffen werden, könnte wieder jeder erkennen, daß Demo­kratie nicht funk­tio­niert. Die Masse ist schlicht zu doof für diese Regierungsform. 

    Wenn alle zum Souverän sich eignen würden, dann wären ja alle taug­lich Anführer zu sein, denn genau das wird vom Souverän erwartet. Der Ansatz schei­tert aber schon an der grund­le­genden Biologie. Der große, aufrecht­ge­hende Affe ist so nicht gestrickt. Die Masse kann nicht führen, sie folgt, hirnlos, kritiklos, wider­standslos, auch in den eigenen Unter­gang, immer.

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    • Das trifft auf jegliche andere Ogani­sa­ti­ons­form (inkl. Anar­chie) ebenso zu, die Skru­pel­losen setzen sich immer durch weil die Gutmü­tigen sie gewähren lassen.

      Das einzige was dagegen hilft ist jegliche Verant­wor­tung so klein­räumig wie möglich zu halten: Ein Dorf­rats­mit­glied kann täglich mit den Folgen seines Handelns konfron­tiert werden, einen Global­ca­ma­rilla hingegen ist jegli­cher Kontrolle enthoben.

      Der aktu­elle Drang zur Entmach­tung der Länder und zuneh­mende Ermäch­ti­gung trans­kon­ti­nen­taler Orga­ni­sa­tionen (erst kürz­lich wieder: WHO) und Konzerne ist eine Gefahr, nicht nur für das tradi­tio­nelle Europa, sondern für die gesamte Menschheit.

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