Kanton Waadt: Anwalt appel­liert im Namen eines Hundes

Pomeranian (Symbolbild) · Foto: Jpkollman / Wikimedia CC0

Lokum, ein Pome­ra­nian, wurde mit falschen Papieren aus der Türkei einge­führt, was sein Besitzer nicht wusste.

Das Waadt­länder Vete­ri­näramt hatte beschlossen, den Pome­ra­nian einzu­schlä­fern, da es den Verdacht hatte, dass er an Tollwut erkrankt war. Der Anwalt seines Besit­zers, Romain Jordan, hatte im Namen seines Mandanten, aber auch des Hundes selbst, Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

„Wenn ich mich nicht irre, ist dies der erste Fall in der Schweizer Justiz­ge­schichte“, sagte Jordan. Das Inter­esse besteht darin, „den Hund als unmit­tel­baren Träger von Rechten als nicht-mensch­liche Person zu etablieren, ohne dass es auf den mate­ri­ellen Besitz einer Sache durch seinen Besitzer ankommt“. Er argu­men­tiert, dass Lokum als empfin­dungs­fä­higes Wesen gilt, und zitiert dazu auslän­di­sche Recht­spre­chung: In Argen­ti­nien wurde 2014 und in Kolum­bien 2017 ein Orang-Utan und ein Bär als nicht­mensch­liche Personen anerkannt.

Der ange­foch­tene Waadt­länder Entscheid sah vor, dass Lokum bis zum 23. August in die Türkei (aus der er mit gefälschten Papieren einge­führt worden war) zurück­ge­schickt wird, falls der Toll­wut­ver­dacht bestehen bleibt. Andern­falls sollte er am 24. einge­schlä­fert werden. Am 25. wurde er einge­schlä­fert, aller­dings aus einem anderen Grund: Er befand sich in einem kriti­schen Zustand, nachdem er sich vermut­lich mit dem Parvo­virus ange­steckt hatte. Dieser Zeit­plan „über­rascht“ Herrn Jordan, der die rasche Verschlech­te­rung des Gesund­heits­zu­stands des Hundes für „uner­klär­lich“ hält. Der Kantons­tier­arzt Giovanni Peduto, dem die Ergeb­nisse der Autopsie noch nicht vorliegen, weist darauf hin, dass die illegal einge­führten Tiere im Allge­meinen schlechten Zucht- und Trans­port­be­din­gungen ausge­setzt waren, die sie geschwächt und dem Tod ausge­setzt haben. „Dieses Tier­schutz­pro­blem zeigt, wie wichtig es ist, ille­gale Einfuhren zu bekämpfen“.

Der Anwalt, ein Verfechter des Tier­schutzes, will nun bean­tragen, dass seine Beru­fung trotzdem bear­beitet wird: Er möchte eine Entschei­dung in der Sache.

Fach­leute sind hingegen skep­tisch gegen­über den Erfolgs­aus­sichten des Antrags. Fran­çois Bellanger, Professor an der Univer­sität Genf, stellt fest, dass ein Tier „keine Person ist“. Es handelt sich um eine beweg­liche Sache im Sinne des Zivil­rechts, auch wenn diese Quali­fi­ka­tion seit einigen Jahren umstritten ist. Sie ist daher nicht rechts­mit­tel­fähig. Thierry Tanquerel, Hono­rar­pro­fessor an der UNIGE, stimmt dem zu: „Ich sehe es als eine Kommu­ni­ka­ti­ons­maß­nahme, um die Recht­spre­chung in Gang zu bringen.

Quelle: 20min.ch


3 Kommentare

  1. Der arme Hund. Finde ich richtig, auch für das Lebens­recht eines Tieres zu kämpfen. Jeder daher­ge­lau­fene bekommt alles und Tiere inter­re­sieren niemanden.

  2. Tollwut ja oder nein? Norma­ler­weise muss man da nicht speku­lieren, sondern kann das feststellen.

    Ille­gale Tier­im­porte sind keine Baga­telle und durch die Reihe weg abzu­lehnen. Der Hund wird viel­leicht an den Folgen einer mögli­cher­weise kata­stro­phalen Haltung gestorben sein. Völlig verwurmt, keine Abwehr­kräfte, im Keller ohne Licht groß geworden .…… www.google.de/search?q=mops+welpen+kleinanzeigen&hl=de&gbv=2&source=lnms&tbm=isch

    • Ich habe selber 5 Hunde aus der Türkei. Sie waren und sind gesund. Das was das Schweizer Vete­ri­näramt verordnet hat, war reine Willkür. Das machen deut­sche Vete­ri­när­ämter aber auch.

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