Kapi­ta­lismus und Markt­wirt­schaft, quo vadis?

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Von der Finanz­krise 2008 haben sich die Finanz­märkte nicht wieder erholt. Sie befinden sich seither im Zustand der Inten­siv­pflege durch die Noten­banken, die mit enormen Geld­spritzen eine Schein­blüte der Akti­en­märkte aufrecht­erhalten, wie auch unsere Redak­tion berich­tete.

In der Folge kommt im poli­ti­schen Main­stream eine Art „Kapi­ta­lis­mus­kritik“ in Mode. Insbe­son­dere im Konzept des „Great Resets“ wird eine Zusam­men­füh­rung von Kapi­ta­lismus und Sozia­lismus postuliert.

Aktio­närs­so­zia­lismus dank staat­li­cher Vorgaben

In diesem Medium wurde schon mehr­fach darge­legt, dass es sich bei dieser Art von „Sozia­lismus“ um eine Form von Aktio­närs­so­zia­lismus handelt. Beispiels­weise im Artikel „Von der Finanz­krise zum Aktio­närs­so­zia­lismus und Faschismus“.

bei dem durch staat­liche Inter­ven­tion und Gesetz­ge­bung unter Aushe­be­lung der Gesetze des freien Marktes die Gewinne der Akti­en­fonds dauer­haft gesi­chert werden sollen. Dabei soll der „Klima­not­stand“ den Vorwand liefern, um Dutzende oder sogar Hunderte Billionen von Dollar oder Euro in die sinn­losen Aufwen­dungen für die „Ener­gie­wende“ und „Dekar­bo­ni­sie­rung“ zu stopfen. Diese Inten­tion ist die Essenz der „Großen Trans­for­ma­tion“ oder des „Green Deals“, was alles das gleiche ist.

Akti­en­märkte und Realwirtschaft 

Mit anderen Worten hat der poli­ti­sche Main­stream erkannt, dass unter den Bedin­gungen der freien Markt­kräfte ihr System der Umver­tei­lung von Fleißig zu Reich nicht mehr länger aufrecht­zu­halten ist. Ohne die Inter­ven­tion der Noten­banken wären die Finanz­märkte längst implo­diert und Billionen Fonds­ver­mögen, die ja nichts anderes als Luft­num­mern sind, hätten sich in Luft aufge­löst. Unter Analysten ist es längst ein Gemein­platz, dass die Kurs­ent­wick­lung auf den Akti­en­märkten mit der zugrun­de­lie­genden Real­wirt­schaft nichts mehr gemein hat. Von Bill Gates wurde beispiels­weise bekannt, dass er hundert­tau­sende Hektar Acker­land aufge­kauft hat. Der Mann hat erkannt, wo die wahren Werte auf dieser Welt liegen: in Grund und Boden und Rohstoffe!

Es erhebt sich jetzt die Frage, worin das eigent­liche Problem liegt?

In der Real­wirt­schaft werden reale Produkte produ­ziert und verkauft, wobei die elemen­taren Markt­ge­setze von Angebot und Nach­frage herr­schen. Diese Markt­ge­setze entspre­chen einfach dem intui­tiven Verhalten der Menschen. Ausnahmen von diesem Verhalten gibt es nur in spezi­ellen, mora­lisch ausge­zeich­neten Berei­chen, wie z.B. der Familie. Dabei soll das christ­liche Gebot der Nächs­ten­liebe alle jene Bereiche abde­cken, wo der Markt als Regu­lie­rungs­in­stru­ment zu kurz greift. Jedwede Plan­wirt­schaft, die die Markt­ge­setze aushe­belt, wird natur­gemäß als Diktatur und Tyrannei empfunden.

In den Finanz­märkten werden hingegen „Wert­pa­piere“ gehan­delt, deren Wert durch den Handel bestimmt werden sollen.

An dieser Stelle muss man sich fragen, was denn eigent­lich eine Aktie genau ist und wieso sich heut­zu­tage prak­tisch alle großen Unter­nehmen als Akti­en­ge­sell­schaften konstituieren?

Um den Sinn der Aktien zu verstehen ist ein Rück­griff auf Karl Marx notwendig. Er erkannte, dass aus vielerlei Gründen die Gewinne von Unter­nehmen mit zuneh­mender Größe abnehmen. Die Unter­nehmen müssen aber um in der Konkur­renz­si­tua­tion des Marktes zu bestehen, ständig wachsen. Bei sinkenden Gewinn­margen fehlt dann aller­dings das Geld für Neuin­ves­ti­tionen. Um dieser Finan­zie­rungs­klemme zu entkommen werden Aktien, also Anteil­scheine an dem jewei­ligen Unter­nehmen emit­tiert. Der Vorteil einer Aktie gegen­über einem Kredit liegt darin, dass der Unter­nehmer die Aktien nicht zurück­kaufen muss. Oben­drein muss er nicht zwin­gend eine Divi­dende bezahlen.

Man kann also im Extrem­fall eine Aktie als einen zinsen­losen, nicht rück­zahl­baren Kredit, also einen Betrug betrachten. Der Handel mit Aktien in seine speku­la­tiven Form ist somit nichts anderes als eine Art Pyra­mi­den­spiel, also ein lega­li­sierter Betrug.

Den realen Wert einer Aktien erhalten Anleger nur im Falle eines Akti­en­rück­kaufs durch den Unter­nehmer oder bei einer Über­nahme, bei der ein Investor möglichst viele Aktien aufkaufen muss.

Beim Handel mit Aktien spielt z.B. der Buch­wert, aber auch das so genannte Kurs/Gewinnverhältnis eine unter­ge­ord­nete Rolle. Gehan­delt werden in erster Linie Phan­ta­sien, die sich jeden Moment ändern können. Daraus resul­tiert dann auch der vola­tile Charakter der Akti­en­märkte. Verschärft wird die Vola­ti­lität dann noch durch soge­nannte „Deri­vate“ wie Put- oder Call-Optionen, oder Futures.

Wie das histo­ri­sche Beispiel des Börsen­crash 1929 zeigte, können im Akti­en­markt Kurs­blasen entstehen, die dann rasch platzen. Ein Börsen­crash führt dann wieder zu einer lang­an­dau­ernden Rezes­sion, da sich Inves­toren mit ihren Inves­ti­tionen zurückhalten.

Um das Risiko für Klein­an­leger an der Börse zu redu­zieren entstanden Akti­en­fonds, die die Vermögen ihrer Anleger „profes­sio­nell“ verwalten, um so das Risiko über­großer Verluste zu vermeiden. In der Zwischen­zeit sind jedoch derar­tige Fonds, wie z.B. Black­Rock mit einer Börsen­ka­pi­ta­li­sie­rung von etwa 7 bis 8 Billionen Dollar so mächtig geworden, dass sie sich in die Unter­neh­mens­füh­rung, aber auch in die Politik mit dem Ziel einmi­schen können, für ihre Anlagen güns­tige gesetz­liche Rahmen­be­din­gungen zu schaffen.

Frisches Geld für Akti­en­märkte dank Klimahype 

Die Manager dieser Fonds haben längst erkannt, dass unter den Bedin­gungen des freien Marktes eine konti­nu­ier­liche Kurs­ent­wick­lung an der Börse lang­fristig nicht zu gewähr­leisten ist. Daher entstand dann auch die Idee einer künst­li­chen Klima­hype. Diese Hype wurde dann über die Medien gepusht, um die Politik zu der völlig unsin­nigen Ener­gie­wende zu drängen, durch die dann über die Finan­zie­rung durch die Geld­schöp­fung der Noten­banken, ein sehr lang­fris­tiges Gewinn­wachstum an den Börsen gewähr­leistet werden soll.

Der Kapi­ta­lismus entwi­ckelt sich also in dieser Phase zwangs­läufig zu einem faschis­to­iden Korpo­ra­tismus zwischen dem großen Geld und der Politik mit dem Ziel die Markt­wirt­schaft insge­samt auszu­heben und durch eine dikta­to­ri­sche Plan­wirt­schaft zu ersetzen. (siehe unser-mitteleuropa.com/von-der-finanzkrise-zum-aktionaerssozialismus-und-faschismus/). Das ist genau die Idee, die hinter der „Verschmel­zung“ von Kapi­ta­lismus und Sozia­lismus bei „Green Deal“ oder der „Großen Trans­for­ma­tion“ steckt.

Gibt es eine Alter­na­tive zur „Großen Transformation“?

Eine Alter­na­tive zu dieser Entwick­lung wäre eine völlige Neuord­nung der Finanz­märkte, die einer­seits die Finan­zie­rung der Unter­nehmen gewähr­leistet, den Anle­gern (das sind viel­fach Sparer, die für ihre Alters­vor­sorge sorgen) eine gesi­cherte Rendite verschafft, aber der entstan­denen Finan­zo­lig­ar­chie den Boden entzieht.

Diese Neuord­nung der Finanz­märkte könnte folgen­der­maßen aussehen:

Stamm­ak­tien sind Groß­an­le­gern vorbe­halten, die die Firmen­po­litik mitbe­stimmen wollen. Die Aktien werden direkt ohne eine Börse gehandelt.

Stimm­rechts­lose Publi­kums­ak­tien (oder Vorzugs­ak­tien) werden nur mehr nach ihrem Nomi­nal­wert gehan­delt. Für diese Aktien wird jähr­lich eine fixe Divi­dende bezahlt, die bei der Emis­sion fest­ge­legt wird (z.B. 3%, was in einem Null­zins­um­feld bereits eine attrak­tive Spar­form wäre). Die Noten­bank über­nimmt eine Garantie für den Wert der Aktie im Falle einer Insol­venz des Unter­neh­mens. Sie muss daher eine Emis­sion auch geneh­migen. Diese Garantie ersetzt das derzei­tige System der „quan­ti­ta­tiven Locke­rung“, durch das derzeit die Noten­bank sowieso ständig durch den Ankauf wert­loser „Wert­pa­piere“ Geld in den Markt pumpen muss, um das unsin­nige, anachro­nis­ti­sche Pyra­mi­den­spiel an der Börse am Leben zu halten. Das Geld für die Sicher­stel­lungen für den Wert der Aktien schöpft sie dann genauso wie jetzt ex nihilo, also aus dem Nichts.

Über die mehr oder weniger leichte Ertei­lung von Garan­tien für die Aktien kann die Noten­bank Geld für die Unter­nehmen mobi­li­sieren und so die Konjunktur lenken. Das ist sicher sinn­voller und kosten­spa­render als das derzei­tige System der „quan­ti­ta­tiven Locke­rung“, durch das die Zinsen am langen Ende der Zins­kurve gesenkt werden sollen, der Wirt­schaft aber nur indi­rekt hilft und nur Speku­la­ti­ons­blasen am Aktien- und Immo­bi­li­en­markt fördert. Zwar macht die Noten­bank dann Wirt­schafts­po­litik, was sie bis dato eigent­lich nicht sollte, aber sich trotzdem anmasst.

Der Handel an den Börsen entfällt und somit Depot- und Trans­ak­ti­ons­kosten. Jedes Unter­nehmen instal­liert eine einfache Soft­ware, bei der die Kauf- und Verkaufs­or­ders ihrer Aktien nach ihrer zeit­li­chen Reihen­folge erfolgen.

Jedem Unter­nehmen steht es frei seine Aktien zurück­zu­kaufen. Die Aktien hätten dann die Funk­tion von Unternehmensanleihen.

In diesem Konzept werden die Börsen funk­ti­onslos und können entfallen. Klarer Weise entfällt der Deri­vat­handel, samt all seinen Risiken. Auch Akti­en­fonds haben wenig Sinn, da man in einem derar­tigen System kein Experte mehr sein muss, um Aktien zu kaufen.

Grund­sätz­lich könnte diese neue Form der Aktie mit alten Aktien koexistieren.

Die Vorteile für den Anleger liegen auf der Hand:

  • Man hat eine gesi­cherte Rendite in einem Null­zins-Umfeld und kann seine Anlage jeder­zeit auch wiederverkaufen.
  • Insti­tu­tio­nelle Anleger wie z.B. Pensi­ons­fonds könnten ihre Erträge lang­fristig ohne Risiko berechnen.
  • Das Unter­nehmen muss zwar jähr­lich eine Divi­dende zahlen, hat jedoch den Vorteil, dass es nicht mehr durch Fonds erpressbar ist (z.B. wie es derzeit die Initia­tive „Climate Action 100+“ praktiziert).
  • Der Staat könnte nach wie vor indi­rekt Unter­nehmen fördern, in dem die Noten­bank die Garantie für die Aktien von jenen Unter­nehmen über­nimmt, für die ein beson­deres Inter­esse besteht.

Die gesamte Wirt­schaft würde von dem Konzept direkt oder indi­rekt profi­tieren, wenn das von den Noten­banken aus dem Nichts geschöpfte Geld in die Wirt­schaft fließen würde, anstatt in die Taschen von Spekulanten!

Klar ist, dass gegen ein derar­tiges Konzept die gesamte Finanz­in­dus­trie samt ihren abhän­gigen Medien derzeit Amok laufen würde, weil die Billio­nen­ge­winne  dieser Branche in Zukunft unmög­lich wären!

3 Kommentare

  1. Über­ra­schend hat das BVerfG die Ausfer­ti­gung des vor ein paar Tagen beschlos­senen Gesetzes verboten, das die Zustim­mung Deutsch­lands zur Aufnahme von Schulden durch die EU vorsieht.
    DAS wurde von Luke Verein organ. , Bericht dazu Details in pi news und Luke Verein.

  2. Sie spre­chen grund­sätz­liche Fragen an. Es sind Fragen des Geld­we­sens, die ich in einem kleinen Buch „Die kompli­zierte Welt des Geldes“ zusam­men­ge­stellt habe. Das Finanz­system ist sehr kompli­ziert und die Menschen machen um kompli­zierte Dinge einen großen Bogen. Wichtig ist, dass die Wirt­schaft in erster Linie Real­wirt­schaft ist. Was nutzen große Akti­en­pa­kete, wenn es keine Bauern gäbe und keine Ärzte. Die Sicht auf die Real­wirt­schaft ist leider zu einem großen Teil abhanden gekommen. An ihre Stelle ist eine mäch­tige Finanz­in­dus­trie entstanden. Damit die Aktien nur nicht wie 2008 stürzen, setzen die Zentral­banken die quan­ti­ta­tive Locke­rung ein. Sie kaufen Staats­an­leihen mit Geld, das sie einfach drucken bzw. auf Konten der Banken buchen. Es ist inzwi­schen viel Zentral­bank­geld und damit Geld in Umlauf, das – wenn es zu einer Preis­stei­ge­rung infolge höherer Kosten kommen sollte, zu einer höheren Infla­tion führen kann. Die EZB hat erklärt, dass sie unbe­irrt an der Geld­dru­ckerei fest­halten wird.
    Das Problem ist, dass die Menschen durch das Dickicht des Geld­wesen nicht durch­bli­cken, sodass die Poli­tiker machen können, was sie wollen. Einen Licht­blick sehe ich nur im Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt, das mit seiner Entschei­dung vom 5.5.2020 sich klipp und klar gegen einen über­mä­ßigen Kauf von Staats­an­leihen durch die EZB und damit gegen eine Staats­fi­nan­zie­rung durch Geld­dru­ckerei ausge­spro­chen hat. Über­ra­schend hat das BVerfG die Ausfer­ti­gung des vor ein paar Tagen beschlos­senen Gesetzes verboten, das die Zustim­mung Deutsch­lands zur Aufnahme von Schulden durch die EU vorsieht. Das scheint darauf hinzu­deuten, dass das Gericht sich die Proble­matik etwas genauer anschauen wird. Die unend­liche Schul­den­ma­cherei durch die Staaten und nun auch noch durch die EU müsste ein Ende haben. Es ist traurig, dass sich Gerichte dieser Frage, die eine poli­ti­sche Frage ist, annehmen müssen. Das Verbot der Schul­den­auf­nahme durch die EU ist eigent­lich klar gere­gelt, aber es gibt Ausnah­me­fälle. Hoffent­lich legt das BVerfG die Frage nicht dem EuGH vor, der gezeigt hat, dass er Dinge wie die Staats­fi­nan­zie­rung durch die EZB nicht so genau nimmt (siehe BVerfG vom 5.5.2020). Wenn alles so weiter­geht wie bisher, wird der EURO zu einer Weichwährung.

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