Karlsbad: Karl IV. verlieh der Stadt vor 651 Jahren das Stadtrecht

Karlsbad · Bildqelle: Praegue Morning

Am 14. August 1370 verlieh Karl IV., Kaiser des Heiligen Römi­schen Reiches, dem Ort, der später nach ihm benannt wurde, das Stadt­recht, nachdem er der Legende nach die Heil­kraft der heißen Quellen gelobt hatte.
 

Im 14. Jahr­hun­dert ritt der böhmi­sche König Karl IV. oft mit seinem Pferd durch das Erzge­birge und den Milch­hübel in Westböhmen.

Durch einen Zufall entdeckte sein Gefolge eines Tages die heiße Quelle, der der Kaiser bald ihre heilende Kraft zuschrieb. Er über­zeugte sich davon an seinem eigenen Körper.

Mit dem Wasser aus der Quelle konnte er sein verletztes Bein heilen. Einer Legende zufolge befahl er, eine Stadt um die wunder­same Quelle herum zu errichten, die wegen ihrer Quellen bis heute blüht und welt­weit bekannt ist.

Seine große Popu­la­rität erlangte der Kurort vor allem im 19. Jahr­hun­dert, als die Haupt­bäder, Kolon­naden, Hotels und Sana­to­rien gebaut wurden. Die Stadt wurde bald zu einem Treff­punkt für die wohl­ha­benden Heilungs­su­chenden aus ganz Europa.

Die Zahl der Besu­cher stieg von 134 Fami­lien in der Saison 1756 auf 26.000 Gäste pro Jahr am Ende des 19. Jahr­hun­derts auf 26.000 Gäste jähr­lich. 1911 waren es bereits 71.000, doch der Erste Welt­krieg setzte dem Tourismus ein Ende und führte Ende 1918 zum Zusam­men­bruch der öster­rei­chisch-unga­ri­schen Monarchie.

Am Ende des Ersten Welt­kriegs wurde die große deutsch­spra­chige Bevöl­ke­rung Böhmens gemäß dem Vertrag von Saint-Germain-en-Laye (1919) in den neuen Staat Tsche­cho­slo­wakei einge­glie­dert. Daraufhin protes­tierte die deutsch­spra­chige Mehr­heit von Karlsbad.

Eine Demons­tra­tion am 4. März 1919 verlief noch fried­lich, aber später im selben Monat wurden sechs Demons­tranten von tsche­chi­schen Soldaten getötet, nachdem eine Demons­tra­tion ausuferte.

1938 wurden die mehr­heit­lich deutsch­spra­chigen Gebiete der Tsche­cho­slo­wakei, das so genannte Sude­ten­land, im Rahmen des Münchner Abkom­mens Teil des Deut­schen Reiches. Zu diesen Gebieten gehörte auch Karlsbad.

Nach dem Zweiten Welt­krieg wurde gemäß dem Pots­damer Abkommen die über­wie­gende Mehr­heit der Einwohner der Stadt aufgrund ihrer deut­schen Volks­zu­ge­hö­rig­keit zwangs­um­ge­sie­delt. Gemäß den Beneš-Dekreten wurde ihr Eigentum entschä­di­gungslos beschlag­nahmt. Die Stadt wurde in Karlovy Vary umbenannt.

Heute hat die Stadt etwa 48 500 Einwohner und ist die Haupt­stadt der Region Karlovy Vary, der west­lichsten Region Böhmens. Sie ist der meist­be­suchte Kurort in der Tsche­chi­schen Republik.

Quelle: PragueMorning.cz


1 Kommentar

  1. Danke für den Artikel.
    „Karlsbad“ ist für mich immer so stark über­schattet durch die enge Konno­ta­tion zum September 1819.
    So ist es ganz gut, wenn die Stadt in Form weiterer Aspekte Erwäh­nung findet, wenn­gleich die „Karls­bader Beschlüsse“ leider den aktu­ellsten Bezug aufweisen dürften.
    Denn auch das ist Karlsbad, und es wäre vor 2 Jahren sicher einen kleinen Gedenktag wert gewesen.
    Wie lange man wohl noch daran erin­nern darf?
    Wie sich doch manchmal die Geschichte reimt – heute heißt so etwas NetzDG.

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