Kroa­ti­sches Geschichts­mu­seum zeigt mittel­al­ter­liche Schwerter

Schwerterausstellung des Kroatischen Geschichtsmuseums · Fotoquelle: Vokativ.hr

Von Leon Bošnjak
 

Vom 18. Mai bis 18. Juli 2021 war das Kroa­ti­sche Geschichts­mu­seum mit der Ausstel­lung „Schwert – Es war einmal“ zu Gast in der Galerie Klovićevi dvori.

Die Ausstel­lung zeigte erst­mals mittel­al­ter­liche Schwerter aus der Waffen­samm­lung des Kroa­ti­schen Geschichts­mu­seums, 25 von insge­samt 27 Schwer­tern, die als „mittel­al­ter­lich“ bezeichnet werden können. Die Struktur von Ausstel­lung und Katalog sollte das Thema attraktiv und für ein breites Publikum, auch für jüngere Genera­tionen, zugäng­lich machen. Um die Bestände bekannt zu machen, werden neben den vorge­stellten Schwer­tern und allge­meinen Themen aus dem ritter­li­chen Leben zahl­reiche Gegen­stände und Medien präsen­tiert, die uns im Alltag begegnen, die noch heute von der Faszi­na­tion für Rittertum und Schwert zeugen. Gemeinsam präsen­tierten wir Pop- und Hoch­kultur, geleitet von der Idee, dass der Konsum des einen nicht den Genuss des anderen ausschließt.

Das eigent­liche Anliegen der Ausstel­lung war es, den Besu­chern den Reichtum und das Erbe des Kroa­ti­schen Geschichts­mu­seums aufzu­zeigen, das größ­ten­teils unbe­kannt ist, da das Museum seit mehr als einem Jahr­hun­dert erfolglos versucht, ein geeig­netes Gebäude zu finden, in dem seine Dauer­aus­stel­lung ausge­stellt werden kann. Glück­li­cher­weise änderte sich dies durch das Erdbeben in Zagreb im März 2020, und das Museum erhielt den Palast Jelačić in Grič (ehema­liges Gebäude des Staat­li­chen Hydro­me­teo­ro­lo­gi­schen Insti­tuts), in dem nach Reno­vie­rung und Umbau eine Dauer­aus­stel­lung gezeigt wird. Damit erhält Kroa­tien endlich ein reprä­sen­ta­tives Natio­nal­mu­seum seiner Geschichte.

Warum Schwerter?

Das Schwert war ein Symbol und eine persön­liche Waffe von Rittern, gepan­zerten Adligen, Krie­gern zu Pferd, die mit einem Schwert in der Hand andere unter­warfen, aber auch beschützten. Mit dem Schwert wurden Impe­rien geschaffen und zerstört, Grenzen durch­trennt und die Welt­ge­schichte gestaltet. Das Schwert ist ein Symbol­träger und Ausdruck tiefer Werte in jeder Gesell­schaft, in der es verwendet wird. Es ist ein sehr wider­sprüch­li­ches Thema: ein Thema der Kunst, der Wissen­schaft, von extrem hohem tech­ni­schem Können, Ausdruck der Sprache und Träger von Mythen. Obwohl wir sie heute, in Museen ausge­stellt, als Kunst­werke oder Spit­zen­hand­werk betrachten und bewun­dern, dürfen wir nicht vergessen, dass sie nicht für die heutige Bewun­de­rung geschaffen wurden, sondern als Waffe, als Kampf­mittel, das Leben retten, aber auch töten kann. In der Geschichte wie auch in der mensch­li­chen Vorstel­lung immer präsent, ist das Schwert die Waffe eines Ritters – eine Verlän­ge­rung seiner Hand, aber auch seines Geistes.

Abbildung 1. Schematische Darstellung der Schwertkomponenten

Abbil­dung 1. Sche­ma­ti­sche Darstel­lung der Schwertkomponenten

Was macht ein Schwert aus? Das Schwert ist ein Werk­zeug, das zum Kampf und zum Töten von Menschen bestimmt ist. Dabei ist das Schwert nicht nur ein riesiges Messer, sondern die einzige tech­nisch geschaf­fene Waffe, die die Effek­ti­vität der Vertei­di­gung mit der Kraft des Angriffs vereint.

Histo­ri­sche Entwick­lung der Schwerter

Im Mittel­alter fand ein evolu­tio­närer Wett­lauf zwischen der Entwick­lung von Waffen und Rüstungen statt, denn der Mensch brauchte das eine, um das andere effektiv zu bekämpfen. Viele verschie­dene Arten von Schwer­tern wurden mit dem Ziel entwi­ckelt, sie für ihren Zweck so effektiv wie möglich zu machen. Einige sind für die Verwen­dung mit einer Hand und mit einem Schild gedacht, einige können ein- oder zwei­händig verwendet werden, während größere immer noch beide Hände benö­tigen. Bestimmte Schwerter wurden für stechende oder panzer­bre­chende Angriffe opti­miert, andere für starke Schnitte und einige erfor­derten Balance und Viel­sei­tig­keit. Das Ergebnis sind Schwerter in verschie­denen Größen und Formen, die entworfen wurden, um sich in einer bestimmten Art von Kampf hervor­zu­heben und den Zweck zu verkör­pern, dem sie dienen werden. Neben Verän­de­rungen in der Kriegs­füh­rung hatten poli­ti­sche, reli­giöse, kultu­relle und wirt­schaft­liche Verän­de­rungen und natür­lich die Mode großen Einfluss auf das Erschei­nungs­bild der Schwerter.

Bei der Herstel­lung des Schwertes bestand das Ziel darin, ein Gleich­ge­wicht zwischen Festig­keit und Elas­ti­zität der Klinge zu errei­chen, um großen Kräften ohne Riss­bil­dung erfolg­reich stand­zu­halten. Das Schwert sollte leicht genug bleiben, um es zu hand­haben, aber mit genü­gend richtig verteilter Masse, um effektiv und ausba­lan­ciert zu bleiben. Dabei spielten die Größe des Kopfes, des Kreuzes und die Art und Weise der Nut eine große Rolle. Die Rille am Schwert diente nicht als „Blut­kanal“, sondern redu­zierte je nach Länge, Breite oder fehlender Rille selbst das Gewicht der Klinge, verän­derte die Massen­ver­tei­lung, bestimmte die Festig­keit und Elas­ti­zität der Klinge.

Abbildung 2. Im Fluss Sava bei Jasenovac . gefundenes Schwert

Abbil­dung 2. Im Fluss Sava bei Jasen­ovac gefun­denes Schwert

Das älteste im Museum aufbe­wahrte Schwert stammt aus der Mitte des 11. Jahr­hun­derts und ist eine Kopie der ersten „Ritter“-Schwerter (Abbil­dung 2). Den klas­si­schen „ritter­li­chen“ Schwer­tern gingen die soge­nannten Wikin­ger­schwerter oder, besser geeignet für das kroa­ti­sche Gebiet, karo­lin­gi­sche Schwerter, voraus. Karo­lin­gi­sche Schwerter haben typi­scher­weise kürzere, brei­tere Klingen und ein sehr kurzes Faden­kreuz, da sie verwendet wurden, um auf dem Boden mit einem großen runden Schild zu kämpfen, um die Hand zu schützen, die das Schwert hält. Sie waren nicht zum Fechten und Kontakt mit anderen Schwer­tern gedacht, sondern für schnelle Angriffe durch Schneiden oder Stechen.

Ein Ritter und sein Schwert

Mitte des 11. Jahr­hun­derts erlangte die Kaval­lerie die Vorherr­schaft auf dem Schlacht­feld, und was ist ein Ritter anderes als ein Krieger zu Pferd? Aus prak­ti­schen Gründen werden die Schilde kleiner und kleben am Körper, wodurch die Hand des Schwertes expo­nierter wird und das Schwert zuneh­mend zur Vertei­di­gung verwendet wird, wodurch ein längeres Kreuz erfor­der­lich wird, das das Schwert des Gegners stoppen und den Arm schützen kann. Die Klinge wird auch länger, um dem Ritter mehr Reich­weite zu geben, was eine Veren­gung der Klinge erfor­derte, damit das Schwert nicht zu schwer wird. Dadurch entstand die grund­le­gende Kreuz­form des Schwert­griffs, die sich für die nächsten Jahr­hun­derte durch­setzen und bis heute in der mensch­li­chen Vorstel­lungs­kraft eingra­viert sein wird.

Die erneu­erte reli­giöse Inbrunst von den Kreuz­zügen im späten 11. Jahr­hun­dert verur­sacht erstellt ein Bild der Ritter als heilige Krieger und ihrer Schwerter als die verlän­gerten Arme des Herrn, der persön­lich in die Schlacht führt. Die grund­le­gende Kreuz­form des Schwert­griffs wird untrennbar mit dem Symbol des Kreuzes verbunden. Schwerter wurden von Pries­tern gesegnet, Krieger beteten vor ihren Schwer­tern vor der Schlacht, und die aufwen­digen welt­li­chen Orna­mente, die wir oft auf früheren Schwer­tern finden, werden durch beschei­de­nere reli­giöse Motive und Kreuze ersetzt.

Wenn wir an Mittel­alter und Rittertum denken, denken wir meist an die Kreuz­züge und berühmte Ritter­orden wie die Templer oder die Iwans. Das Kroa­ti­sche Geschichts­mu­seum bewahrt bis zu drei Schwerter auf, die nach ihren typo­lo­gi­schen Merk­malen und Markie­rungen wahr­schein­lich zu einem der beiden in Kroa­tien tätigen Ritter­orden gehörten. Es handelt sich um eine beson­dere Art von Lang­schwer­tern, die soge­nannten Schwerter des „Großen Krieges“, die mit ihren impo­santen Klingen auf dem Schlacht­feld schreck­liche Schäden anrichten konnten und daher oft in Zeug­nissen mittel­al­ter­li­cher Schlachten hervor­ge­hoben wurden.

Abbildung 3. Ein im Fluss Kupa bei Sisak . gefundenes Langschwert

Abbil­dung 3. Ein im Fluss Kupa bei Sisak gefun­denes Langschwert

Das Schwert in Abbil­dung 3, das auch das größte mittel­al­ter­liche Schwert der Samm­lung ist (1315 mm lang), wiegt etwas mehr als zwei Kilo­gramm (2020 g), was das übliche Gewicht so großer Schwerter war. Solche Schwerter sind für den Einsatz mit beiden Händen im Kampf auf dem Boden gedacht, wobei der Schild über dem Rücken getragen wird. Was sie an die Ritter­schaft bindet, ist vor allem die Form des Kopfes, auf dem das grie­chi­sche Kreuz mit Messing­draht bestri­chen ist. Neben dem grie­chi­schen Kreuz auf dem Kopf des Schwertes sind auf der Klinge des Schwertes sicht­bare Markie­rungen des Kreuzes, aber auch ein Wolf auf der einen Seite und ein Einhorn auf der anderen Seite der Klinge, die darauf hinweisen, dass der Herstel­lungsort des Schwertes der Passauer Werk­statt­kreis in Süddeutsch­land war. Die Viel­zahl der in der Waffen­samm­lung aufbe­wahrten Klingen mittel­al­ter­li­cher Schwerter kann als „deut­sche Import­ware“ aus dem Passauer Werk­statt­kreis bezeichnet werden.

Als sepa­rate Gruppe können Schwerter heraus­ge­griffen werden, die für den Kampf gegen Gegner bestimmt sind, die durch Plat­ten­rüs­tung geschützt sind, ein Schutz, der in der zweiten Hälfte des 14. und 15. Jahr­hun­derts inhä­rent ist (Abbil­dung 4). Der offen­sicht­lichste Unter­schied zu den Schwer­tern früherer Zeiten, in denen haupt­säch­lich Draht­ge­wänder verwendet wurden, ist das Fehlen von Rillen, d.h. das Vorhan­den­sein von Grate über die gesamte Länge der Klinge. Der Grat macht die Klinge des Schwertes fester, die Klinge ist verengt, um leicht zu bleiben, und die Spitze ist läng­lich und im Quer­schnitt rhom­bisch, so dass sie zwischen den Rüstungs­platten hindurch­gehen und die weniger geschützten Teile durch­dringen kann.

Abbildung 4. Spätmittelalterliches Langschwert gefunden in Doljani bei Otočac / Darstellung einer Schlacht aus der Handschrift des Codex Wallerstein (15. Jh.) / Schwertspitze

Abbil­dung 4. Spät­mit­tel­al­ter­li­ches Lang­schwert gefunden in Doljani bei Otočac / Darstel­lung einer Schlacht aus der Hand­schrift des Codex Waller­stein (15. Jh.) / Schwertspitze

Die Darstel­lung der Schlacht der Panzer­ritter (Bild 4) zeigt die soge­nannte Halb­schwert-Technik. Das Schwert wird mit einer Hand für den Griff und mit der anderen für die Klinge aufge­nommen, um die Stiche genauer in die Öffnungen der Rüstung zu lenken. Im gepan­zerten Kampf, dem soge­nannten Mordhau (tödli­cher Schlag), bei dem ein Schwert mit beiden Händen an der Klinge gehalten wird und der Gegner mit dem Kopf geschlagen wird, das Schwert als Hammer verwendet oder vom Schwert­kreuz ergriffen wird, um den Gegner niederzuschlagen.

„Kroa­ti­sches“ Schwert?

Wir stoßen oft auf die Frage, ob es eine für Kroa­tien spezi­fi­sche Schwertart gibt, auf die eine eindeu­tige Antwort schwer zu geben ist. Es gibt eine Art Schwert mit einem in den Buch­staben „S“ gebo­genen Kreuz und einem quadra­ti­schen Kopf, der als „Katzen­kopf“ bekannt ist. Eine große Anzahl dieser für das 15. und frühen 16. Jahr­hun­dert typi­schen Schwerter wurde in Ungarn, Kroa­tien, Bosnien und Herze­go­wina und Serbien gefunden, und die größte Anzahl (bis zu 300 Exem­plare) wird im Arsenal des Dogen­pa­lastes in Venedig aufbe­wahrt. In italie­ni­schen Quellen werden diese Schwerter oft erwähnt und gehören zu den Schia­vo­nesca. Dieser Name hat zahl­reiche Inter­pre­ta­tionen, von denen einige auf eine Verbin­dung mit „Schia­vonia“, also den slawi­schen Gebieten an der Ostküste der Adria, schließen lassen.

Obwohl Dalma­tiner in Venedig „schia­vone“ genannt wurden und einige Autoren diese Art von Schwert mit dalma­ti­ni­schen Söld­nern im vene­zia­ni­schen Dienst in Verbin­dung bringen, gibt es dafür keine konkreten Beweise. Die meisten von ihnen wurden in Ungarn, dem konti­nen­talen Kroa­tien und Serbien gefunden, während in Dalma­tien kein einziges Schwert dieser Art gefunden wurde. Sie gelten jedoch als Vorläufer der berühmten vene­zia­ni­schen Schwert­s­chia­vone aus dem 17. und 18. Jahr­hun­dert, mit denen sie an der Grenze zum Osma­ni­schen Reich statio­nierte Dalma­tiner bewaffnet waren.

Auf Grab­steinen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahr­hun­derts sind viele Schwerter mit leicht gebo­genem Kreuz abge­bildet. Ein ähnli­ches Kreuz ist auf dem Schwert zu sehen, das auf dem Wappen von Hrvoje Vukčić Hrvat­inić im Mess­buch von Hrvoje abge­bildet ist, das um 1404 in Split entstand. Auch in Ungarn wurde eine bedeu­tende Anzahl solcher Schwerter gefunden, was auf die Möglich­keit der Herstel­lung von Klingen in Schmie­de­werk­stätten im mittel­al­ter­li­chen Ungarn hinweist. Kultur- und Handels­be­zie­hungen zwischen der Repu­blik Ungarn und Venedig entwi­ckelten sich ab Ende des 14. Jahr­hun­derts, insbe­son­dere während der Regie­rungs­zeit von König Matthias Corvinus (1458–1490), als die Einflüsse der italie­ni­schen Renais­sance stark zum Ausdruck kamen.

Verlo­renes Erbe

Kroa­tiens geogra­phi­sche Lage am Schnitt­punkt der Zivi­li­sa­tionen und verschie­dener Macht­zen­tren hat unserem Land in Bezug auf das mate­ri­elle Erbe geschadet. Ein Groß­teil des mittel­al­ter­li­chen Erbes in Kroa­tien, insbe­son­dere im Landes­in­neren und im dalma­ti­ni­schen Hinter­land, ist vor allem aufgrund der Kriege mit den Osmanen nicht erhalten geblieben, die das Ende des „ritter­li­chen Zeit­al­ters“ markierten und alle mate­ri­ellen, archi­tek­to­ni­schen und schrift­li­chen Zeug­nisse dieser Zeit fast dauer­haft ausradierten.

Viele Befes­ti­gungen wurden von osma­ni­schen Kanonen und Vertei­di­gern zerstört, oder aber damit sie nicht in osma­ni­sche Hände fielen und so zu einer Hoch­burg für weitere osma­ni­sche Erobe­rungen wurden. Die Dörfer wurden nieder­ge­brannt, das Land verwüstet und die lokale Bevöl­ke­rung versklavt und zerstreut, was tiefe wirt­schaft­liche Folgen hinter­ließ, die bis heute spürbar sind. Städte wie das einst mäch­tige Bribir der Familie Šubić wurden ebenso zerstört wie die Kirchen, in denen kroa­ti­sche Herr­scher gekrönt und begraben wurden. Auch viele geschrie­bene Texte und Kunst­werke, wert­volle Zeit­zeugen, gingen verloren. Von beson­derem Wert sind die erhal­tenen glagoli­ti­schen Hand­schriften, von denen sich viele außer­halb Kroa­tiens befinden, wie das unschätz­bare Mess­buch von Hrvoje, das heute in Istanbul aufbe­wahrt wird.

Abbildung 5. Schwert des Prinzen der Republik Dubrovnik

Abbil­dung 5. Schwert des Prinzen der Repu­blik Dubrovnik

Zu den wert­vollen Schätzen, die außer­halb Kroa­tiens aufbe­wahrt werden, gehört das Schwert, das König Matijaš Korvin (Matthias Corvinus) 1466 dem Fürsten der Repu­blik Dubrovnik schenkte (Abb. 4), das seit der Errich­tung der öster­rei­chi­schen Herr­schaft im Kunst­his­to­ri­schen Museum in Wien aufbe­wahrt wird. Das Schwert wurde in Prozes­sionen vor dem Fürsten von Dubrovnik als Zeichen des mili­tä­ri­schen Ranges und als Symbol für Gerech­tig­keit und Gerech­tig­keit getragen.

Eine gemein­same euro­päi­sche Kultur

Schwerter aus Kroa­tien weichen nicht von Typo­logie, System und Merk­malen von Schwer­tern aus dem Rest Europas ab. Die Bräuche und Rituale, die mit diesen Schwer­tern verbunden sind, sind die glei­chen wie in anderen Teilen Europas und zeugen von der gemein­samen euro­päi­schen Kultur, deren Erben wir heute sind. Waffen waren schon immer ein Teil der mensch­li­chen Zivi­li­sa­tion und erzählen uns wie Kunst­werke oder archi­tek­to­ni­sches Erbe viel über die Kultur der Menschen, die sie benutzten. Neben mili­tär­his­to­risch inter­es­santen Elementen lassen sich an den Waffen auch verschie­dene Bräuche, Tradi­tionen, kultu­relle Einflüsse, Handels­be­zie­hungen, aber auch das hand­werk­liche und indus­tri­elle Erbe einer bestimmten Gegend und der Völker, die in dieser Gegend im Laufe der Geschichte lebten, ablesen.

Die Waffen­samm­lung des Kroa­ti­schen Geschichts­mu­seums ist in Bezug auf die Anzahl und die Viel­falt der Stücke die bedeu­tendste in Kroa­tien. Sie umfasst den Zeit­raum vom 11. Jahr­hun­dert bis heute, und die Waffen stammen vor allem aus den histo­ri­schen Ländern Kroa­tien, Slawo­nien und Dalma­tien oder aus dem Umland – insbe­son­dere aus türki­scher Herr­schaft. Die Samm­lung umfasst über 6.000 Artikel, die in drei grund­le­gende Unter­gruppen zusam­men­ge­fasst sind: Kalt­stahl, Schuss­waffen und mili­tä­ri­sche Ausrüs­tung. Neben einer bedeu­tenden Schwerter­gruppe aus ritter­li­cher Zeit bewahrt das Museum auch die ersten Feuer­rohre, schöne Rapier- und Schia­vone-Schwerter, osma­ni­sche Säbel und orien­ta­li­sche Gewehre, verschie­dene Stan­gen­waffen, eine bedeu­tende Samm­lung von Sensen, Pistolen, Militär- und Jagd­ge­wehre und viele andere wert­volle Gegen­stände, die nach der Reno­vie­rung der Muse­ums­räum­lich­keiten endlich allen Besu­chern aus dem In- und Ausland zur Verfü­gung stehen wird. Gerade diese Viel­falt der Waffen­ty­po­logie und ihre Verbin­dung mit unserer Geschichte stellt diese Samm­lung auf eine Stufe mit denen der großen euro­päi­schen Museen.

Leon Bošnjak ist Kurator der Waffen­samm­lung des Kroa­ti­schen Geschichts­mu­seums und Mitor­ga­ni­sator der Ausstel­lung „Schwert – Es war einmal“.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei VOKATIV.HR, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


1 Kommentar

  1. In der Waffen­kammer – besser gesagt langer Keller­ge­wölbe – in Sigma­ringen sind hunderte mittel­al­ter­li­cher Waffen.

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