Mailand wird immer unsi­cherer: Gangs, Raub­über­fälle und Krawalle

Bildquelle: Centro Machiavelli

Von Giovanni Giacalone

Das Thema Sicher­heit in Mailand steht weiterhin im Mittel­punkt des Medi­en­in­ter­esses, aufgrund einer Reihe von Episoden, die eine proble­ma­ti­sche Situa­tion offen­baren, sowohl in Bezug auf Bereiche mit hoher Degra­die­rung als auch auf die Krimi­na­lität: insbe­son­dere die Raub­über­fälle, mehrere seit Januar.

An diesem Wochen­ende wurde viel über die Ausschrei­tungen in der Gegend von San Siro disku­tiert, wo etwa 300 Jugend­liche, von denen viele auslän­di­scher Herkunft waren und in Sozi­al­woh­nungen des Vier­tels lebten, sich Ausein­an­der­set­zungen mit der Polizei lieferten. Alles begann mit einem Musik­video des bekannten Rappers aus der Gegend, Neima Ezza, das die Jungs aus der Nach­bar­schaft anlockte. Unver­meid­lich dann, der Bericht über die Versamm­lung, die die Polizei in Bereit­schafts­aus­rüs­tung auf der Stelle führte. Es kam zu einem Zusam­men­stoß mit vielen Steinen und beschä­digten Autos.

Das Viereck rund um den Piaz­zale Selinunte ist seit langem für seine Verwahr­lo­sung und Ille­ga­lität bekannt, und obwohl viele darauf bestehen, es nicht mit einer fran­zö­si­schen Banlieue verglei­chen zu wollen, sind die Voraus­set­zungen für eine ähnliche Situa­tion, wenn auch in klei­nerem Maßstab, alle vorhanden. Schließ­lich waren es die lokalen Boy-Rapper selbst, die in einer Reihe von Inter­views sagten, dass sie von den fran­zö­si­schen Banlieues inspi­riert wurden.

Aber in Mailand gibt es nicht nur das San-Siro-Problem und es gibt nicht nur herun­ter­ge­kom­mene Stadt­teile. Es gibt auch andere Probleme, wie z.B. Raub­über­fälle, die seit Anfang des Jahres zahl­reich sind. Am Nach­mittag des Sonn­tags, 11. April, wurde zum Beispiel das Geschäft „Yamamay“ im Corso Buenos Aires Opfer eines versuchten Raub­über­falls, bei dem ein Schläger kurz darauf gefasst wurde. Am 11. Januar wurde das Geschäft in Piaz­zale Cordusio ausge­raubt und ein Verkäufer nieder­ge­sto­chen. Ende März wurde in Corvetto ein 19-Jähriger ausge­raubt und die Krimi­nellen stahlen auch sein Auto, während in der Via Rembrandt eine 80-jährige Frau wegen ihrer Hand­ta­sche zu Boden gestoßen wurde. Andere Über­griffe ereig­neten sich in Zügen: eine Schaff­nerin wurde in einem Zug zwischen Villa­piz­zone und Lancetti verprü­gelt; ein 25-jähriger Mann wurde in Bovisa ausge­raubt; ein chine­si­sches Paar wurde zwischen Lambrate und Piol­tello ange­griffen und ausge­raubt. Aber offen­sicht­lich ist die Liste der Raub­über­fälle noch viel länger.

Dann gibt es zwei Schie­ße­reien: eine in Vignate Mitte Januar und eine weitere in Baranzate in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar.

Schließ­lich sind da noch all die Episoden, die mit den in der Stadt gras­sie­renden Gangs zu tun haben: nicht nur die salva­do­ria­ni­sche MS13 und Barrio 18, sondern auch Nach­bar­schafts­banden wie 151, KO Gang oder Gola’s Lokos. Es genügt zu sagen, dass das Jahr 2020 mit mindes­tens 35 derzeit bekannten Fällen endete, die alle auf verschie­dene Banden zurück­ge­führt werden können, die im Raum Mailand aktiv sind. Und das Jahr 2021 fing auch nicht besser an.

Giovanni Giaca­lone
Wissen­schaft­li­cher Mitar­beiter am Centro Studi Poli­tici e Stra­te­gici Machia­velli. Abschluss in Sozio­logie (Univer­sität Bologna), Master in „Islamic Studies“ (Trinity Saint David Univer­sity of Wales), Spezia­li­sie­rung in „Terro­rismus und Terro­ris­mus­be­kämp­fung“ (Inter­na­tional Counter-Terro­rism Insti­tute of Herz­liya, Israel). Er ist leitender Analy­tiker für die briti­sche isla­mi­sche Theo­logie der Terro­ris­mus­be­kämp­fung-ITCT, das italie­ni­sche Team für Sicher­heit, terro­ris­ti­sche Fragen und das Manage­ment von Notfällen (Katho­li­sche Univer­sität Mailand) und das Kedisa-Zentrum für inter­na­tio­nale stra­te­gi­sche Analysen. Er ist Dozent im Bereich Sicher­heit für Sicher­heits­ma­nager, Straf­ver­fol­gungs­be­hörden und Post­gra­du­ier­ten­kurse, war Koor­di­nator für Italien des euro­päi­schen Projekts Globsec „From crimi­nals to terro­rists and back“ und ist Mitbe­gründer der Sec-Ter- Secu­rity and Terro­rism Obser­va­tion and Analysis Group.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei CENTRO MACHIAVELLI, unserem Partenr inder EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


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